Gewebeprobe bei Lichen Sclerosus Diagnose: Ein umfassender Überblick

Lichen Sclerosus (LS) ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die vorwiegend den Anogenitalbereich betrifft, aber auch an anderen Körperstellen auftreten kann. Die Erkrankung ist durch Juckreiz, Schmerzen und charakteristische Hautveränderungen gekennzeichnet. Obwohl LS nicht heilbar ist, kann eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung die Symptome lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Die Diagnose basiert in der Regel auf einer klinischen Untersuchung, aber in einigen Fällen kann eine Gewebeprobe (Biopsie) erforderlich sein, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Erkrankungen auszuschließen.

Was ist Lichen Sclerosus?

Lichen Sclerosus (LS) ist eine chronische, nicht ansteckende, entzündliche Hauterkrankung, die vor allem den Genital- und Analbereich betrifft. Seltener können auch andere Körperstellen betroffen sein. Die Erkrankung tritt überwiegend bei Frauen auf, kann aber auch Männer und Kinder betreffen. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass etwa jede 50. Frau in Deutschland von Lichen Sclerosus betroffen ist. Es wird jedoch angenommen, dass LS oft erst spät oder gar nicht richtig diagnostiziert wird.

Ursachen und Risikofaktoren

Die genaue Ursache von Lichen Sclerosus ist bislang unbekannt. Es wird jedoch vermutet, dass es sich um einen Autoimmunprozess handelt, bei dem das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Hautzellen angreift. Häufig ist LS mit anderen Autoimmunerkrankungen assoziiert. Auch genetische Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen, da bei etwa 10 % der Patienten mit LS weitere Verwandte mit der Erkrankung betroffen sind. Hormonelle Veränderungen, mechanische Reize und frühere Traumata könnten ebenfalls als Triggerfaktoren in Frage kommen.

Symptome

Lichen Sclerosus verläuft typischerweise in Schüben, wobei zwischen den Schüben auch längere beschwerdefreie Zeiten liegen können. Die Symptome können variieren und sind nicht immer eindeutig. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Juckreiz: Starker, anhaltender Juckreiz im Genitalbereich ist ein häufiges Symptom.
  • Brennen: Brennen im Intimbereich kann ebenfalls auftreten.
  • Hautveränderungen: Die Haut im betroffenen Bereich kann weißlich, blass und dünn erscheinen. Es können sich auch weiße Flecken, Knötchen oder pergamentartige Hautveränderungen bilden.
  • Schmerzen: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder beim Wasserlassen können auftreten.
  • Einrisse: Die Haut kann einreißen, insbesondere durch Kratzen.
  • Verklebungen und Narbenbildung: In fortgeschrittenen Stadien können sich Narben bilden und die Haut kann so verwachsen, dass die Klitoris weniger zugänglich ist oder Geschlechtsverkehr kaum mehr möglich ist.

Betroffene Personengruppen

Grundsätzlich kann Lichen Sclerosus bei beiden Geschlechtern in jedem Lebensalter auftreten, besonders häufig sind jedoch Frauen nach den Wechseljahren betroffen. Bei Mädchen kommt die Krankheit häufig mit Eintreten der Pubertät für lange Zeit zur Ruhe. Bei Männern und Jungen äußert sich LS in der Regel zunächst in einer Verengung und Verhärtung der Penis-Vorhaut.

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Diagnose von Lichen Sclerosus

Die Diagnose von Lichen Sclerosus basiert in erster Linie auf der klinischen Untersuchung des betroffenen Bereichs. Der Arzt oder die Ärztin wird die Hautveränderungen beurteilen und nach typischen Symptomen fragen. In vielen Fällen ist das klinische Bild so eindeutig, dass eine Diagnose bereits durch eine Blickdiagnose gestellt werden kann.

Blickdiagnose

Das typische klinische Bild von Lichen Sclerosus ist eine weißliche, pergamentpapierartige Veränderung der anogenitalen Haut. Meist zeigt sich bereits eine Atrophie (Schrumpfung) der kleinen Schamlippen oder auch Verwachsungen der Schamlippen.

Gewebeprobe (Biopsie)

In einigen Fällen ist eine Biopsie erforderlich, um die Diagnose zu bestätigen oder andere Erkrankungen auszuschließen. Eine Biopsie ist die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich, die dann unter dem Mikroskop untersucht wird.

Wann ist eine Biopsie notwendig?

  • Unklare Diagnose: Wenn das klinische Bild nicht eindeutig ist oder andere Erkrankungen in Frage kommen, kann eine Biopsie helfen, die Diagnose zu sichern.
  • Ausschluss von Krebsvorstufen oder Bösartigkeit: Eine Biopsie kann erforderlich sein, um eine Krebsvorstufe oder Bösartigkeit auszuschließen, insbesondere bei Verdacht auf ein Vulvakarzinom.
  • Differenzierung von anderen Hauterkrankungen: Eine Biopsie kann helfen, Lichen Sclerosus von anderen Hauterkrankungen wie Lichen planus (Knötchenflechte) oder Ekzemen zu unterscheiden.

Durchführung einer Biopsie

Die Biopsie wird in der Regel unter lokaler Betäubung durchgeführt. Der Arzt oder die Ärztin entnimmt eine kleine Gewebeprobe aus dem betroffenen Bereich, meist mit einer Stanze (Punchbiopsie). Die Entnahme der Gewebeprobe ist in der Regel schmerzarm und wird gut vertragen. Bei Kindern wird von einer Biopsie üblicherweise abgesehen, da dies im anogenitalen Bereich ein sehr traumatisches Ereignis sein kann.

Auswertung der Biopsie

Die Gewebeprobe wird an ein pathologisches Labor geschickt, wo sie unter dem Mikroskop untersucht wird. Die histologische Untersuchung kann typische Merkmale von Lichen Sclerosus zeigen, wie z.B. eine Verdünnung der Epidermis, eine Sklerose der Dermis und ein Entzündungsinfiltrat.

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Differentialdiagnosen

Lichen Sclerosus kann ähnliche Symptome wie andere Erkrankungen verursachen. Zu den häufigsten Differentialdiagnosen gehören:

  • Vulvodynie: Eine oft chronische, funktionelle Schmerzerkrankung der Vulva, bei der die genauen Ursachen meist unklar sind.
  • Andere Formen von Lichen: Lichen planus und Lichen simplex chronicum können ähnliche Hautveränderungen verursachen.
  • Pilz- und Blaseninfektionen: Können ebenfalls Juckreiz und Schmerzen im Genitalbereich verursachen, führen jedoch nicht zu sichtbaren Hautveränderungen.
  • Vulvovaginale Atrophie: Tritt häufig in den Wechseljahren auf und führt zu Schmerzen durch Hautverdünnung und Trockenheit.

Behandlung von Lichen Sclerosus

Lichen Sclerosus ist zwar nicht heilbar, aber mit der richtigen Behandlung gut kontrollierbar. Ziel der Behandlung ist es, die Symptome zu lindern, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Komplikationen zu vermeiden.

Kortikosteroide

Die topische Anwendung von kortikosteroidhaltigen Cremes und Salben ist die wichtigste Therapie, um Entzündungen zu lindern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen. Insbesondere während eines akuten Schubs werden Kortikosteroide eingesetzt. Auch nach Abklingen der akuten Symptome kommen cortisonhaltige Cremes als Langzeitbehandlung regelmäßig (ein bis zweimal wöchentlich) zum Einsatz, um ein erneutes Ausbrechen möglichst zu verhindern (Erhaltungstherapie). Mittel der Wahl ist die topische Anwendung eines hochpotenten Kortikoids (Clobetasolproprionat Creme 0,05 Prozent).

Calcineurin-Inhibitoren

In schwereren Fällen können auch Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus eingesetzt werden. Diese wirken lokal immunsuppressiv und hemmen dadurch die Aktivierung von Entzündungszellen. Im Gegensatz zu Kortison können diese Präparate als Langzeittherapie angewendet werden.

Weitere Behandlungsansätze

  • Lasertherapie: Als Selbstzahlerleistung werden seit einigen Jahren Lasertherapien angeboten. Es gibt erste Studien, um den tatsächlichen Nutzen der Lasertherapie zu erkunden.
  • Operative Eingriffe: Bei Männern bringt eine vollständige Beschneidung (Zirkumzision) der Vorhaut oft Linderung. Auch bei Frauen sind operative Eingriffe oder Laserbehandlungen möglich und können die Symptome von LS reduzieren.
  • Physiotherapie: Physiotherapie zur Lockerung des Beckenbodens kann Verspannungen lösen und Schmerzen verringern.
  • Psychotherapie: In einigen Fällen kann eine Psychotherapie zur Verarbeitung der Erkrankung hilfreich sein.

Unterstützende Maßnahmen

  • Hautpflege: Eine regelmäßige Pflege mit fettreichen und feuchtigkeitsspendenden Produkten unterstützt die Heilung und schützt die Haut.
  • Vermeidung von Reizstoffen: Achten Sie darauf, den Genitalbereich nicht übermäßig zu waschen und keine Intimsprays oder parfümierte Seifen zu verwenden.
  • Geeignete Kleidung: Tragen Sie nicht zu enge Kleidung und atmungsaktive Materialien, um Reizungen zu vermeiden.
  • Ernährung: Eine entzündungshemmende Ernährung kann möglicherweise die Symptome lindern.

Leben mit Lichen Sclerosus

Lichen Sclerosus ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, eine gute Arzt-Patienten-Beziehung aufzubauen und die Behandlung konsequent durchzuführen. Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann ebenfalls hilfreich sein.

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Regelmäßige Kontrolluntersuchungen

Da Lichen Sclerosus das Risiko für Hautkrebs erhöht, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Hautarzt oder Gynäkologen unerlässlich.

Selbstuntersuchung

Betroffene sollten regelmäßig ihren Genitalbereich selbst untersuchen, um Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Sexualität und Partnerschaft

Lichen Sclerosus kann das Sexualleben beeinträchtigen. Es ist wichtig, offen mit dem Partner oder der Partnerin über die Erkrankung und ihre Auswirkungen zu sprechen. Eine sexualmedizinische oder sexualpsychologische Beratung kann möglicherweise hilfreich sein.

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