Die Synapse ist eine essenzielle Struktur im Nervensystem, die die Kommunikation zwischen Nervenzellen (Neuronen) oder zwischen Nervenzellen und anderen Zellen, wie Muskel- oder Drüsenzellen, ermöglicht. Sie ist keine starre Verbindung, sondern ein hochdynamischer Bereich, der Reize gezielt weiterleitet, filtert, verstärkt oder hemmt. Ohne Synapsen gäbe es keine Informationsübertragung, kein Lernen, kein Erinnern und keine Muskelsteuerung.
Grundlagen des Nervensystems und der Nervenzellen
Die Bauelemente unseres Nervensystems sind die Nervenzellen. Sie bilden ein unvorstellbar kleines Verschaltungsnetz aus Fasern, die viel dünner als ein Haar sind. Nervenzellen bestehen aus einem Zellkörper mit vielen Fortsätzen. In der Regel haben die Zellkörper zwei Arten von Fortsätzen. Die kürzeren, die wie Äste eines Baumes verzweigen, nennt man Dendriten. Sie erhalten Informationen von anderen Nervenzellen und leiten diese zum Zellkörper hin. Neben ihnen gibt es einen längeren Fortsatz. Er wird Axon genannt und kann beim Menschen bis zu einem Meter lang werden. Der letzte, leicht verdickte Abschnitt des Axons wird als Synapsenendknöpfchen bezeichnet. An seinem Ende befinden sich die Synapsen, die die Information an andere Nervenzellen oder Muskelzellen weiter geben. Nervenzellen leiten Informationen weiter. Dazu steht jede Nervenzelle mit tausend anderen Nervenzellen in Kontakt. Die Kontaktstellen werden Synapsen genannt. Die einzelnen Nervenzellen berühren sich untereinander nicht. Sie sind durch einen schmalen synaptischen Spalt voneinander getrennt. Die Membran über dem synaptischen Spalte wird als präsynaptische Membran, die untere des Spaltes als postsynaptische Membran bezeichnet. Die Membran des Synapsenendknöpfchens besitzt Calciumionenporen, die Membran der nächsten Zelle Natriumionenporen.
Der Aufbau einer Synapse
Eine typische Synapse besteht aus drei Hauptteilen:
- Präsynapse: Sie bildet das Endknöpfchen des sendenden Neurons. Hier werden die sogenannten Neurotransmitter in kleinen Bläschen (Vesikeln) gespeichert. Das präsynaptische Element enthält Vesikel mit Neurotransmittern und spannungsabhängige Calciumkanäle.
- Synaptischer Spalt: Der winzige Zwischenraum (etwa 20-50 Nanometer breit) trennt das Endknöpfchen von der nächsten Zelle. Im synaptischen Spalt - ein nur ca. 20-30 nm breiter Zwischenraum - werden bei chemischen Synapsen die Neurotransmitter aus der Präsynapse ausgeschüttet. Sie diffundieren zu den Rezeptoren der Postsynapse und übermitteln so das Signal.
- Postsynapse: Die postsynaptische Membran gehört zur empfangenden Zelle. In der postsynaptischen Membran befinden sich spezielle Rezeptoren, an die die Neurotransmitter binden können. Dadurch kommt es zur Öffnung von Ionenkanälen, durch die Ionen aus der Nervenzelle heraus oder in die Nervenzelle reinströmen. Neben diesen Hauptbestandteilen existiert noch eine Vielzahl regulierender Proteine, Enzyme und Transportmechanismen, die für Präzision und Selektivität in der Signalübertragung sorgen.
Die Funktion der Synapse: Erregungsübertragung
Die Synapse Funktion ist entscheidend für die Reizweiterleitung und Erregungsweiterleitung von einem Neuron zum nächsten. Im menschlichen Körper werden ständig Reize weitergeleitet und verarbeitet. Reize, die man auch Erregungen nennt, können beispielsweise durch die Sinneseindrücke (sehen, riechen, fühlen, schmecken, hören) entstehen. Diese werden von ihrem Entstehungsort (z.B. dem Finger) bis zum Gehirn transportiert. Dafür nutzt der Körper sogenannte Nervenzellen, die an Ihren Enden die Synapsen aufweisen. Diesen kommt die spezielle Aufgabe zu, den jeweiligen Reiz an die nächste Zelle zu übergeben.
Die Erregungsübertragung an der Synapse läuft in mehreren Schritten ab:
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- Aktionspotential erreicht das Endknöpfchen: Entlang des langen Axons funktioniert die Erregungsweiterleitung in Form von elektrischen Impulsen. Diese Impulse werden auch Aktionspotenziale (AP) genannt. Ein Aktionspotenzial kommt am Synapsenendknöpfchen an. Das Signal (Aktionspotential) erreicht das Ende der Axonmembran -> Spannungsänderung!
- Öffnung der Calciumkanäle: Die Calciumionenporen öffnen sich und Calciumionen gelangen ins Synapsenendknöpfchen hinein. Spannungsabhängige Ca2+-Kanäle öffnen sich. Ca2+-Ionen strömen in das Endknöpfchen -> Positivierung -> Depolarisation der Membran!
- Ausschüttung der Neurotransmitter: Die Vesikel mit Transmitter bewegen sich zur präsynaptischen Membran, dann verschmelzen sie mit der präsynaptischen Membran und der Transmitter (Acetylcholin) wird in den synaptischen Spalt abgegeben. Mit Neurotransmitter gefüllte Vesikel wandern intrazellulär zur Präsynapse und verschmelzen dort mit der Membran. Ihr Inhalt wird in den synaptischen Spalt freigesetzt. Die Ausschüttung von Neurotransmittern erfolgt durch Exozytose in den synaptischen Spalt.
- Bindung an die Rezeptoren der Postsynapse: Der Transmitter diffundiert durch den synaptischen Spalt zur Postsynapse. Der Transmitter setzt sich an die Rezeptoren der postsynaptischen Membran (Schlüssel-Schloss-Prinzip) und die Natriumionenporen öffnen sich. Der Neurotransmitter bindet an Rezeptoren der postsynaptischen Membran und ruft eine spezifische Wirkung hervor. (siehe zusätzlich untere Abbildung*)
- Erregungsübertragung auf die nächste Zelle: Anschießend gelangen Natriumionen aus dem synaptischen Spalt in die nächste Zelle. Dadurch wird die Erregung an die nächste Zelle übertragen.
- Inaktivierung des Transmitters: Synapsen arbeiten wie Ventile. Sie stellen sicher, dass in einer Nervenbahn Informationen nur in einer Richtung weitergeleitet werden. Der Transmitter löst sich vom Rezeptor ab und wird gespalten (wie schon die anderen Transmitter, die nicht an einen Rezeptor gelangt sind). Ein spezielles Enzym baut den Transmitter ab: Acetylcholin wird z.B. von der Cholinesterase in zwei transportable Bestandteile, Acetat und Cholin, gespalten.
- Recycling des Transmitters: Die Spaltprodukte bewegen sich zurück ins Synapsenendknöpfchen und werden dort wieder zum Transmitter verbunden und in Vesikel verpackt. Die Produkte der Spaltung diffundieren zurück in die Präsynapse: Acetat und Cholin werden zurück zur präsynaptischen Membran transportiert und dort aktiv aufgenommen. Regeneration der Neurotransmittervesikel für das nächste Aktionspotential: Im Endknöpfchen werden Acetat und Cholin wieder zu Acetylcholin regeneriert. Der Zyklus kann erneut beginnen.
Chemische und elektrische Synapsen
Synapse ist nicht gleich Synapse: Unterschiedliche Anforderungen im Nervensystem haben zur Ausbildung verschiedener Synapsentypen geführt. Man unterscheidet hauptsächlich chemische und elektrische Synapsen.
- Chemische Synapse: Bei der chemischen Synapse erfolgt die Signalübertragung indirekt mittels Neurotransmittern. Sie ist im menschlichen Nervensystem am häufigsten und ermöglicht komplexe Regulation, Verstärkung und Hemmung. Bei einer chemischen Synapse erzeugt ein elektrisches Signal (Aktionspotential) in der Präsynapse die Freisetzung von Neurotransmittern. Diese Moleküle überqueren den synaptischen Spalt und aktivieren Rezeptoren an der Postsynapse. Das ausgelöste Signal kann die nächste Nervenzelle entweder aktivieren (erregende Synapse) oder hemmen (hemmende Synapse). Dieser Prozess entscheidet, wie Informationen im Gehirn verarbeitet und weitergeleitet werden. Die Erregungsweiterleitung kann nur in eine Richtung erfolgen. Diese Synapse herrscht bei Säugetieren vor und wird in diesem Kapitel behandelt.
- Elektrische Synapse: Diese seltenere Form findet man z.B. im Herzmuskel oder bei gewissen Reflexbahnen. Hier übertragen spezielle Kanäle (Gap Junctions) elektrisch geladene Teilchen (Ionen) direkt von Zelle zu Zelle. Der Signalfluss ist dabei extrem schnell, aber weniger regulierbar als bei der chemischen Synapse. Elektrische Synapsen bestehen aus Gap Junctions, bei denen Ionen direkt von einer Zelle zur anderen fließen können. Sie sind sehr schnell und ermöglichen auch eine bidirektionale Signalübertragung - etwa im Lidreflex. Die Übertragung der Erregung erfolgt an zwei eng aneinanderliegenden Membranen über spezielle Ionenkanäle, den Konnexionen. Es findet ein direkter Austausch von Ladungsträgern statt, die zur Erzeugung eines Aktionspotentials führen. Die Erregungsweiterleitung kann in beide Richtungen erfolgen. Die Synapsen finden sich überall dort, wo eine besonders rasche Reizübertragung notwendig ist.
Erregende und hemmende Synapsen
Differenzierung: Erregende vs. hemmende Synapsen. Erregende Synapsen sorgen für eine Depolarisation (Erregung) der Zielzelle - typisches Beispiel: Glutamat wirkt stimulierend im Gehirn. Hemmende Synapsen dagegen hyperpolarisieren ihre Zielzelle, bremsen also den Signalfluss - wie GABA oder Glycin. Das exzitatorische postsynaptische Potenzial (EPSP) und das inhibitorische postsynaptische Potenzial (IPSP) sind fundamentale Mechanismen der Grundlagen der Wahrnehmung Neurobiologie.
Synaptische Plastizität: Die Grundlage für Lernen und Gedächtnis
Synaptische Plastizität ist die Fähigkeit von Synapsen, ihre Stärke und Effizienz zu verändern - je nachdem, wie oft und wie stark sie benutzt werden. Sie ermöglicht es dem Gehirn, auf Erfahrungen zu reagieren und sich anzupassen. Eine berühmte Form ist die Langzeitpotenzierung (LTP): Werden Synapsen über längere Zeit wiederholt aktiviert, werden sie besonders leistungsfähig. Diese Anpassungsfähigkeit ist die physikalische Grundlage für nahezu alle Lern- und Anpassungsprozesse im Nervensystem - von kindlicher Sprachentwicklung über das Erlernen eines Musikinstruments bis hin zur Regeneration nach einer Gehirnverletzung. Gehirnforscherinnen und -forscher sprechen deshalb oft vom "Gedächtnis der Synapsen".
Synapsengifte: Störung der Erregungsübertragung
Nicht immer funktioniert die synaptische Übertragung reibungslos. Synapsengifte sind Giftstoffe, die die Erregungsübertragung zwischen Nervenzellen stören. Giftstoffe, die den normalen Ablauf der Übertragung beeinflussen, kannst du als Synapsengifte bezeichnen. Du findest sie vor allem im Tier- und Pflanzenreich. Die Wirkungsweise eines Neurotoxins im Körper hängt vom Wirkort in der Synapse ab.
Synapsengifte können an verschiedenen Stellen der Synapse wirken:
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- Präsynaptische Membran: Das Gift der schwarzen Witwe (α-Latrotoxin) führt zum Beispiel dazu, dass übermäßig viele Calciumionen einströmen. Dadurch kommt es zur Entleerung aller vorhandenen Vesikel in den synaptischen Spalt. So wird die nachfolgende Nervenzelle dauerhaft aktiviert (= Dauererregung). Es kommt zu Muskelkrämpfen. Das Bakteriengift Botulinumtoxin (Botox) verhindert genau diese Vesikelfusion. Es wirkt vor allem in Synapsen zwischen Nerven- und Muskelzellen statt. So kann der Neurotransmitter Acetylcholin dort nicht freigesetzt werden.
- Synaptischer Spalt: Beispielsweise hemmt das Insektizid E 605 die Aktivität der sogenannten Acetylcholinesterase. Das Enzym ist dafür zuständig, den Neurotransmitter Acetylcholin in Acetat und Cholin zu spalten.
- Postsynaptische Membran: Die Rolle kann zum Beispiel das Curare-Gift übernehmen. Es besetzt die Acetylcholin-Rezeptoren und verhindert, dass Acetylcholin selber binden kann. So bleiben die Kanäle geschlossen und es können keine Na+-Ionen in die Zelle strömen. Die Curare-Wirkung hat zur Folge, dass kein Signal weitergeleitet wird und die Muskeln erschlaffen. Schließlich kommt es zum Atemstillstand. Das Gift des Schrecklichen Pfeilgiftfroschs (Batrachotoxin) bindet an den Acetylcholin-Rezeptor und verhindert dadurch das Schließen der Na+-Kanäle. Durch die durchgehend geöffneten Kanäle wird der Natriumeinstrom also erhöht.
Bedeutung der Synapsen für das Leben
Synapsen bilden das Fundament für alle Funktionen des Nervensystems: Sie verknüpfen Milliarden von Nervenzellen zu Netzwerken und ermöglichen Wahrnehmung, Bewegung, Denken und Lernen. Sie bestimmen, wie Informationen im Gehirn fließen und verarbeitet werden. Die neuronale Informationsverarbeitung bildet die Grundlage für alle Wahrnehmungs- und Reaktionsprozesse im menschlichen Körper. Der Weg vom Reiz zur Reaktion folgt dabei einem präzisen Ablauf, der für das Verständnis der Grundlagen der Wahrnehmung Neurobiologie essentiell ist. Synapsen sind die winzigen Verbindungsstellen zwischen Nervenzellen, die dafür sorgen,…
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