Augenmuskellähmung bei Babys: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Eine Augenmuskellähmung bei Babys kann eine beunruhigende Entdeckung sein. Sie beeinträchtigt die Beweglichkeit eines oder mehrerer Muskeln, die für die Steuerung des Auges verantwortlich sind. Dies kann zu Doppelbildern, Schwindel oder Schielen führen und sich somit auf das Sehen und die Lebensqualität des Babys auswirken. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für Augenmuskellähmungen bei Babys.

Ursachen von Augenmuskellähmungen bei Babys

Die Ursachen für Augenmuskellähmungen können vielfältig sein. Einige der häufigsten und medizinisch relevanten Ursachen sind:

  • Neurologische Schädigungen: Funktionsstörungen oder Entzündungen der Hirnnerven können zu Augenmuskellähmungen führen. Beispiele hierfür sind Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Neuritis.
  • Durchblutungsstörungen: Eine Minderdurchblutung im Bereich der Nerven oder des Gehirns kann ebenfalls eine Ursache sein. Dies tritt häufiger bei älteren Menschen oder Diabetikern auf, kann aber auch Babys betreffen.
  • Traumatische Verletzungen: Schädel-Hirn-Traumata oder Brüche im Bereich der Augenhöhle können Muskeln oder Nerven beeinträchtigen und somit zu Augenmuskellähmungen führen.
  • Systemische Erkrankungen: Diabetes mellitus kann langfristig die Nerven schädigen und Augenmuskellähmungen verursachen.
  • Infektionen und Entzündungen: Lokale oder zentrale Infekte können ebenfalls eine Rolle spielen.

Es ist wichtig, die genaue Ursache der Augenmuskellähmung zu ermitteln, um eine geeignete Behandlung einleiten zu können.

Diagnose von Augenmuskellähmungen bei Babys

Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um die bestmöglichen Behandlungsergebnisse zu erzielen. Bereits bei ersten Anzeichen wie anhaltenden Doppelbildern, Einschränkungen der Augenbeweglichkeit oder ungewöhnlichen Blickfehlstellungen sollte eine fachärztliche Untersuchung erfolgen.

Die Diagnose umfasst in der Regel:

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  • Klinische Untersuchung: Der Arzt beurteilt die Augenbeweglichkeit, die Kopfhaltung und das Vorliegen von Doppelbildern. Dabei wird auch geprüft, ob ein Exophthalmus vorliegt. Dies lässt sich am besten so erfassen, dass der Untersucher über dem sitzenden Patienten steht und von oben den Brauen-Wimpern-Abstand beurteilt. Die normale Position des Hornhautscheitels in Bezug auf den seitlichen Orbitarand beträgt 14-21 mm, bei der schwarzen Bevölkerung kann dies mehr sein; eine Seitendifferenz von bis zu 2 mm ist normal. Nachfolgend wird die Funktion der einzelnen Augenmuskeln evaluiert, wobei zunächst die Hauptbewegungsrichtungen für beide Augen überprüft werden. Bereits in primärer Position ergeben sich zumeist Hinweise auf Augenbewegungsstörungen. So führt der Ausfall einzelner Augenmuskeln bzw. einzelner Augenmuskelnerven zu einem paralytischen Strabismus, welcher durch das Überwiegen der intakten Antagonisten des jeweils betroffenen Muskels zustande kommt: Fällt beispielsweise der abduzierende M. rectus lateralis aus, so resultiert ein ipsilateraler Strabismus convergens, weil dem Zug des M. rectus medialis der Gegenzug durch den M.
  • Apparative Methoden: In Kooperation mit dem Ophthalmologen werden zusätzlich apparative Methoden wie die Hess-Gardine, der Maddox-Test oder die Hertel-Untersuchung auf Exophthalmus eingesetzt.
  • Bildgebende Verfahren: MRT-Aufnahmen können helfen, neurologische Ursachen zu identifizieren.
  • Elektromyografische Untersuchungen: Diese Untersuchungen können die Diagnose bestätigen, insbesondere beim Moebius-Syndrom.

Es ist sinnvoll, frühzeitig spezialisierte Einrichtungen mit augenärztlicher, neurologischer und bildgebender Kompetenz aufzusuchen. Eine interdisziplinäre Beurteilung ermöglicht es, zugrunde liegende Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und eine individuell abgestimmte Behandlung einzuleiten.

Behandlung von Augenmuskellähmungen bei Babys

Die Behandlung von Augenmuskellähmungen bei Babys ist individuell und hängt von der Ursache, dem Ausmaß und dem Verlauf der Erkrankung ab. Es ist bekannt, dass eine gezielte Auswahl aus konservativen und operativen Maßnahmen entscheidend für den Behandlungserfolg erscheint.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Okklusionstherapie: Bei der Okklusionstherapie wird in der Regel das besser sehende Auge mit speziellen Augenpflastern abgeklebt, um das schlechtere, amblyope Auge zu trainieren. Dies kann bei Schielen, Schwachsichtigkeit oder Brechungsfehlern angewendet werden.
  • Prismenbrille: Bei N.-III- und N.-VI-Paresen kann eine Prismenbrille helfen, Doppelbilder zu reduzieren.
  • Nahadditiv als Bifokalglas: Bei inneren N.-III-Paresen kann ein Nahadditiv als Bifokalglas die Akkommodation unterstützen.
  • Physiotherapie und Sprachtherapie: Für Betroffene mit dem Moebius-Syndrom kann Physiotherapie und Sprachtherapie hilfreich sein.
  • Ergonomische Anpassungen: Ergonomische Arbeitsbedingungen, ausreichend Beleuchtung und regelmäßige Erholungspausen bei intensiver Naharbeit tragen dazu bei, die Augen nicht zusätzlich zu strapazieren.

Operative Behandlungsmethoden

  • Augenmuskeloperation: Bei mangelnder Rückbildung der Lähmung innerhalb eines Jahres kann eine Augenmuskeloperation erforderlich sein.
  • Lidimplantation: Bei einer Lähmung des Nervus facialis (Fazialisparese) kann ein Platin-Oberlidimplantat eingesetzt werden, um den Lidschluss wiederherzustellen. Dies ist besonders wichtig, um Hornhautgeschwüre zu vermeiden.
  • Brauenhebung: Oftmals entwickelt sich aufgrund der Muskellähmung eine Brauenptosis mit einer Gesichtsfeldeinschränkung, die durch eine Brauenhebung korrigiert werden kann.
  • Muskeltransplantation: In manchen Fällen, insbesondere beim Moebius-Syndrom, werden Muskeln transplantiert.

Spezielle Syndrome und deren Behandlung

  • Moebius-Syndrom: Das Moebius-Syndrom ist eine seltene, angeborene neurologische Erkrankung, die durch Hirnnervenlähmung von Geburt an Störungen verursacht, vor allem Gesichtslähmung und Augenmuskellähmung. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und umfasst Sprachtherapie, Physiotherapie und psychologische Unterstützung.
  • KISS-Syndrom: Beim KISS-Syndrom (Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störung) handelt es sich nicht um eine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern um eine Steuerungsstörung. Eine manuelle Therapie der oberen Halswirbelsäule kann in Frage kommen.
  • Brown-Syndrom: Die Ursache ist eine Hemmung der M.-obliquus-superior-Sehne im Trochleabereich. Eine operative Versorgung besteht eine gute Prognose.
  • Retraktionssyndrom: Das Retraktionssyndrom ist eine angeborene Fehlinnervation der Horizontalmotoren (M. rectus medialis und M. rectus lateralis) eines oder beider Augen.

Vorbeugung von Augenmuskellähmungen bei Babys

Zur Vorbeugung einer Augenmuskellähmung ist es entscheidend, die allgemeine Gesundheit zu stabilisieren und Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen. Ein ausgewogener Lebensstil mit bewusster Ernährung, regelmäßiger Bewegung und dem Verzicht auf schädliche Einflüsse wie Rauchen oder übermäßigen Alkoholkonsum unterstützt die Funktion von Nerven und Muskulatur.

Fazialisparese und ihre Behandlung

Eine Lähmung des Nervus facialis (lat., Gesichtsnerv) ist eine gefährliche Komplikation im Rahmen von verschiedenen Erkrankungen. Meist ist danach der Lidschluss nicht möglich oder eingeschränkt. Durch den inkompletten Lidschluss besteht die Gefahr der Entwicklung eines Hornhautgeschwürs mit eventuell bleibender, starker Sehminderung durch eine Hornhautnarbe.

Die Implantation eines Lidgewichts in das Oberlid ist eine effektive Möglichkeit, einen intakten Lidschluss und ein natürliches Blinzeln wieder herzustellen. Dabei wird ein dünnes Platin-Implantat auf dem Lidknorpel unter der Haut des Oberlids eingesetzt. Der Vorteil der neuen Platin-Implantate Der Einsatz von Platin im Vergleich zu anderen Materialien ermöglicht uns dank seines hohen Gewichts eine nur minimale Konturierung des Oberlids mit einem optimalen Ergebnis. Ein weiterer Vorteil des Platin-Implantats: Es besteht aus mehreren Einzelelementen und passt sich so ideal der Rundung des Lidknorpels (Tarsus) an.

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Schiefhals bei Babys

Beim Schiefhals (Tortikollis) handelt es sich um eine Symptombeschreibung, nicht um ein eigenständiges Krankheitsbild. Bei Neugeborenen ist der gar nicht so seltene angeborene Schiefhals die häufigste Ursache. Er tritt meistens in den ersten 6-8 Lebenswochen auf und wird auf eine einseitige Verkürzung (Kontraktur) des seitlichen Halsmuskels zurückgeführt. Dabei ist der Kopf zur betroffenen (oft rechten) Seite hin gekippt, während das Baby ihn bevorzugt auf die gesunde Seite dreht. Stellen Sie Ihr Baby dem Kinderarzt vor, um den Verdacht abklären zu lassen und eventuell erforderliche Maßnahmen zu besprechen. In den meisten Fällen genügen beim angeborenen Schiefhals krankengymnastische Maßnahmen. Eine Operation ist nur sehr selten notwendig.

Heilungsprognose

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Heilungsprognose bei Muskellähmungen im Auge von verschiedenen Faktoren abhängt und individuell sehr unterschiedlich ausfallen kann. Es ist bekannt, dass sowohl die zugrunde liegende Ursache als auch der Verlauf der Erkrankung maßgeblich Einfluss auf die Aussichten einer vollständigen oder teilweisen Wiederherstellung der Augenfunktion nehmen. In der Praxis zeigt sich, dass durch gezielte therapeutische Maßnahmen in vielen Fällen eine deutliche Verbesserung der Beschwerden erreicht werden kann, wobei moderne Behandlungsmethoden zusätzliche Perspektiven eröffnen. Ein frühzeitiges Erkennen und eine strukturierte Betreuung gelten als wichtige Voraussetzungen für einen günstigen Verlauf.

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