Geistige Erschöpfung: Ursachen und Wege zur Erholung des Gehirns

In unserer modernen Welt, in der Computer scheinbar unermüdlich arbeiten können, ist es wichtig zu verstehen, dass das menschliche Gehirn regelmäßige Pausen benötigt. Nach Phasen intensiven Denkens fühlen wir uns oft müde und geistig erschöpft. Dieser Artikel untersucht die Ursachen dieser geistigen Erschöpfung und bietet Einblicke, wie wir unser Gehirn optimal unterstützen können.

Die Biologie der geistigen Erschöpfung

Eine aktuelle Studie aus Frankreich hat interessante Einblicke in die Ursachen geistiger Erschöpfung gegeben. Im Gegensatz zu früheren Annahmen, dass Müdigkeit nach langem Denken lediglich eine Einbildung sei, zeigt die Forschung, dass geistige Arbeit tatsächlich zu einer Ansammlung von Glutamat im präfrontalen Kortex führt. Dieser Bereich des Gehirns ist besonders aktiv, wenn wir Entscheidungen treffen oder komplexe Probleme lösen.

Glutamat und der präfrontale Kortex

Glutamat ist ein Neurotransmitter, der eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Nervensignalen spielt. Bei intensiver geistiger Aktivität wird Glutamat vermehrt ausgeschüttet. Eine Ansammlung von Glutamat kann jedoch die kognitive Kontrolle beeinträchtigen und zur Erschöpfung führen. Studienautor Mathias Pessiglione von der Pitié-Salpêtrière Universität in Paris erklärt, dass die Müdigkeit einsetzt, um uns dazu zu bringen, mental anstrengende Tätigkeiten zu unterbrechen und die Funktion des Gehirns zu schonen.

Forschungsmethoden und Ergebnisse

Die Wissenschaftler verwendeten die Magnetresonanzspektroskopie, um die chemischen Prozesse im Gehirn der Studienteilnehmer über einen Arbeitstag hinweg zu analysieren. Sie untersuchten zwei Gruppen: Personen, die in ihrem Job viel nachdenken müssen, und Teilnehmer, die eher einfachen kognitiven Tätigkeiten nachgingen. Zeichen von mentaler Erschöpfung, wie Veränderungen der Pupillen und erhöhte Glutamat-Level, wurden nur in der Gruppe mit schwerer kognitiver Arbeit festgestellt.

Brain Fog: Wenn der Nebel im Gehirn liegt

Ein Zustand, der oft mit geistiger Erschöpfung einhergeht, ist der sogenannte "Brain Fog". Dieser Begriff beschreibt eine Reihe von Symptomen, die das klare Denken und Arbeiten erschweren.

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Symptome von Brain Fog

Brain Fog umfasst Symptome wie:

  • Verwirrtheit
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Müdigkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Wortfindungsstörungen
  • Langsames Denken
  • Orientierungsprobleme
  • Stimmungsschwankungen
  • Kopfschmerzen

Diese Symptome können den Alltag erheblich beeinträchtigen und es den Betroffenen schwer machen, ihre Arbeit und ihren Alltag zu bewältigen.

Ursachen von Brain Fog

Die Ursachen für Brain Fog sind vielfältig und können von leicht behebaren Faktoren bis hin zu Symptomen verschiedener Krankheiten reichen. Einige der häufigsten Ursachen sind:

  • Flüssigkeitsmangel
  • Schlafmangel
  • Bewegungsmangel
  • Schlechte Ernährung
  • Stress
  • Veränderungen infolge von Schwangerschaft oder Wechseljahren
  • Diabetes
  • ADHS
  • Long Covid
  • Posturales Tachykardiesyndrom
  • Psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen
  • Migräne
  • Vergangene Gehirnerschütterungen
  • Nebenwirkungen von Chemotherapien oder anderen medikamentösen Therapien
  • Lange Krankenhausaufenthalte

Es gibt Hinweise darauf, dass Entzündungen im Gehirn, eine fehlerhafte Regulierung des Blutflusses im Hirn oder ein Mangel an Serotonin eine Rolle spielen könnten.

Brain Fog und Corona

Viele Menschen, die unter den Folgen einer Infektion mit dem Corona-Virus leiden, klagen über Brain Fog. Eine wissenschaftliche Hypothese besagt, dass die Entzündungsreaktion bei diesen Menschen auch nach der scheinbaren Genesung von Covid noch im Darm fortsetzt, was zu einer verminderten Produktion von Serotonin führen könnte.

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Was kann man gegen Brain Fog tun?

Die Behandlung von Brain Fog hängt stark von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige allgemeine Maßnahmen können jedoch helfen, die Symptome zu lindern:

  • Gesünder schlafen
  • Sich mehr bewegen
  • Stress abbauen
  • Eine gute Ernährung, die das Gehirn optimal mit Nährstoffen versorgt

Eine ausgewogene Ernährung sollte Kohlenhydrate aus Vollkorn, mehrfach ungesättigte Fettsäuren, Eiweiß, Gemüse und Obst sowie ausreichend Wasser oder ungesüßten Tee enthalten.

Digitale Müdigkeit: Die Erschöpfung im digitalen Zeitalter

In unserer zunehmend digitalisierten Welt ist ein weiteres Phänomen aufgetreten: die digitale Müdigkeit, auch Digital Fatigue genannt. Diese Erschöpfung entsteht durch den übermäßigen Umgang mit digitalen Technologien und Bildschirmen.

Ursachen digitaler Müdigkeit

Die digitale Müdigkeit ist das Ergebnis einer Anhäufung schlechter Gewohnheiten und übermäßiger Zeit vor dem Bildschirm. Nonstop-Arbeit mit dem Computer, ein nicht enden wollender Eingang von Nachrichten und eine zu lange Nutzungsdauer von sozialen Medien belasten Körper und Geist.

Die Informationsflut

Der unbegrenzte Zugang zu Informationen, den die neuen Technologien ermöglichen, hat einen hohen Preis. Artikel, Videos, Werbung und Nachrichten bombardieren uns permanent mit Inhalten, was zu Informationsverlust führen kann.

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Negative Inhalte

Fake News, negative Nachrichten und verbale Gewalt in den sozialen Netzwerken können Unbehagen erzeugen oder gar Stress und Angst auslösen. Studien zeigen, dass wir durchschnittlich knapp 5 Stunden pro Tag vor dem Bildschirm verbringen, was zu einem übermäßigen Informationskonsum führt.

Was kann man gegen digitale Müdigkeit tun?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die digitale Erschöpfung in Grenzen zu halten:

  • Regelmäßige Pausen einlegen und die Bildschirmzeit begrenzen
  • Nach 15 Minuten die Augen vom Bildschirm abwenden und in die Ferne schauen
  • In der Mittagspause den Bildschirm ignorieren
  • E-Learning-Module und Schulungsunterlagen nutzen, die auf das Tempo der einzelnen Mitarbeiter abgestimmt sind

Generell sollte jeder darauf achten, wie viel Zeit er vor dem Bildschirm verbringt und wie er seine digitalen Tools nutzt.

Stress und Vergesslichkeit: Ein Teufelskreis

Stress kann zu Vergesslichkeit führen, da Stresshormone wie Cortisol die Funktion des Hippocampus und des präfrontalen Kortex beeinflussen. Diese Gehirnregionen sind für die Merkfähigkeit, Konzentration und das Arbeitsgedächtnis zuständig.

Homöostase und Stress

Normalerweise befinden sich unsere Stresshormone, unser Blutzucker, Blutdruck und unsere Herzfrequenz in einem relativ stabilen Bereich. Bei Stress kippt dieses System: Die Werte schießen nach oben, und der Körper schaltet in den Alarmbereitschaftsmodus.

Stresshormone und Gedächtnis

Studien zeigen, dass Stresshormone unser Gedächtnis auf komplexe Weise beeinflussen. Sie können nicht nur die Bildung neuer Erinnerungen blockieren, sondern auch den Zugriff auf bereits gespeicherte Informationen erschweren.

Was passiert im Gehirn bei Stress?

Die ausgeschütteten Stresshormone leiten eine Art Überlebensmodus ein. Alle kognitiven Ressourcen werden auf die Bewältigung des Stressfaktors konzentriert. Hohe Konzentrationen von Stresshormonen können die Funktion des präfrontalen Kortex beeinträchtigen, was zu Schwierigkeiten bei der Konzentration und dem Abrufen von Informationen führt.

Vergesslichkeit durch Burnout, Angststörungen oder psychische Belastung

Während akuter Alltagsstress meist vorübergehende Gedächtnisprobleme verursacht, sind die Auswirkungen bei diagnostizierbaren psychischen Erkrankungen oft schwerwiegender und lang anhaltender.

  • Burnout: Chronische Überforderung führt zu strukturellen Veränderungen im Gehirn. Menschen mit Burnout berichten häufig von starken Konzentrationsproblemen und Gedächtnisaussetzern.
  • Angststörungen: Das Gehirn befindet sich in einem konstanten Alarmmodus, was enorme kognitive Ressourcen bindet.
  • Depressionen: Betroffene berichten von "Brain Fog" und Vergesslichkeit. Vor allem das episodische Gedächtnis und das Arbeitsgedächtnis sind beeinträchtigt.

Schlafprobleme, die oft mit Stress, Angststörungen, Burnout und Depressionen einhergehen, können die Gedächtnisbildung zusätzlich beeinträchtigen.

Was kann man gegen Stress-Vergesslichkeit tun?

Viele stressbedingte Gedächtnisprobleme lassen sich verbessern, sobald sich das Nervensystem erholen kann. Einige Strategien zur Stressreduktion sind:

  • Belastungen im Alltag reduzieren
  • Aufgaben abgeben oder mit anderen teilen
  • Achtsamkeit üben
  • Die eigene Bewertung der Situation ändern
  • Selbstmitgefühl zeigen

Computersucht: Wenn die virtuelle Welt zur Sucht wird

Die Computersucht, auch Internet- oder Onlinesucht genannt, beschreibt das zwanghafte Bedürfnis, Zeit am Computer oder im Internet zu verbringen. Betroffene verlieren die Kontrolle über ihr Nutzungsverhalten, was sich negativ auf soziale Kontakte, Arbeit, Schule und Gesundheit auswirken kann.

Ursachen der Computersucht

Die Ursachen für eine Computersucht sind vielfältig und ergeben sich aus verschiedenen Faktoren, die zusammenspielen. Einsamkeit oder mangelnde soziale Unterstützung im realen Leben können dazu führen, dass Betroffene sich in virtuelle Welten flüchten.

Anzeichen einer Computersucht

Eine Computersucht kann sich durch verschiedene Anzeichen bemerkbar machen:

  • Immer mehr Zeit am Computer verbringen, obwohl man das nicht möchte
  • Beziehungen, Arbeit oder Schule verlieren an Bedeutung
  • Rückzug von Freunden und Familie
  • Gespräche laufen zumeist nur noch oberflächlich ab
  • Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Rückenprobleme

Folgen der Computersucht

Die Computersucht kann zu sozialer Isolation und gesundheitlichen Schäden führen. Bewegungsmangel, Schlafprobleme und Stress können langfristige gesundheitliche Folgen haben.

Therapiemöglichkeiten

Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten, um eine Computersucht zu behandeln:

  • Nutzungszeiten festlegen
  • Alternative Freizeitaktivitäten suchen
  • Technische Hilfsmittel zur Begrenzung der Bildschirmzeit nutzen
  • Ein Nutzungstagebuch führen
  • Selbsthilfegruppen besuchen
  • Stationäre Behandlung in einer Spezialklinik

Geistige Erschöpfung: Die wissenschaftliche Erklärung

Warum fühlen wir uns nach kognitiv anstrengenden Tätigkeiten so erschöpft? Die Antwort liegt in der Anreicherung des Neurotransmitters Glutamat im Gehirn.

Glutamat-Anreicherung

Bei intensiver kognitiver Belastung sammelt sich Glutamat in den Zwischenzellräumen und Synapsen des Hirnareals an. Da dieses in solch großen Mengen nicht abgebaut werden kann und das Gehirn gleichzeitig versucht, die Glutamat-Konzentration zu regulieren, führt das zur Erschöpfung.

Die Rolle des Schlafs

Eine Pause in Form von Schlaf ist die beste Möglichkeit, sich von geistiger Erschöpfung zu erholen. Es gibt gute Belege dafür, dass Glutamat während des Schlafs aus den Synapsen entfernt wird.

Multitasking: Der Mythos der gleichzeitigen Aufgaben

Das menschliche Gehirn ist nicht für Multitasking ausgelegt. Es kann sich nur auf eine Aufgabe wirklich gut konzentrieren.

Informationsverlust und Stress

Wer ständig zwischen mehreren Aufgaben hin und her jonglieren muss, leistet weniger und ist meistens unzufriedener mit der eigenen Arbeit. Dieser Informationsverlust erzeugt zusätzlichen Stress.

Die Auswirkungen der Digitalisierung

Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat das Problem des Multitaskings verschärft. Das ständige Hin- und Herswitchen zwischen den digitalen Kommunikationskanälen ermüdet das Gehirn.

Was kann man gegen Multitasking tun?

Es gibt verschiedene Strategien, um die negativen Auswirkungen von Multitasking zu reduzieren:

  • Die eigene Arbeit besser organisieren
  • Aufgaben in einzelne, kleinere Arbeitsschritte aufteilen
  • Das Arbeitstempo herunterschrauben
  • Störungsfreie Zeiten einrichten
  • Ruhezeiten schaffen
  • Sich Hobbys suchen, in die man sich vertiefen kann
  • Die Anforderungen an sich selbst herunterschrauben
  • Ordnung im Arbeitsumfeld schaffen

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