Hinter Augenschmerzen können sowohl harmlose als auch ernste Erkrankungen stecken. Bei akuten Schmerzen oder Beschwerden, die schon lange bestehen, sollten Betroffene einen Arzt (Hausarzt, Augenarzt oder Ophthalmologen) aufsuchen! Werden gerade Neugeborene und Kleinkinder noch regelmäßig vorsorglich untersucht, lassen Präventionsuntersuchungen mit dem Erwachsenwerden und im Erwachsenenalter häufig nach.
Spätestens ab dem 40. Lebensjahr ist Vorsorge wichtig, denn dann sollten der Sehnerv und der Augeninnendruck kontrolliert werden. Andernfalls könnte sich ein grüner Star (Glaukom) entwickeln. Es ist in den meisten Fällen ein schleichender Prozess. Vorsicht: Ein Glaukom kann allerdings auch akut auftreten!
Ursachen von Augenschmerzen
Augenschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Die Ursachen von Augenschmerzen liegen in den Augen selbst oder in den umgebenden Strukturen. Manchmal sind Grunderkrankungen schuld. Hinter Augenschmerzen können sehr viele unterschiedliche Ursachen stecken. Je nachdem betreffen sie nur ein Auge wie bei einer einseitigen Hornhautverletzung oder Infektion. Manche Infektionen treten jedoch beidseitig auf (wie die Bindehautentzündung).
Erkrankungen des Auges
- Glaukomanfall: Diese Ursache für Augenschmerzen ist nicht sehr häufig, aber ernst. Das Kammerwasser, eine Flüssigkeit im Auge, fließt nicht mehr richtig ab. Dadurch steigt der Druck im Inneren des Auges - der Augeninnendruck, kurz Augendruck - plötzlich stark an. Das ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss. Sonst droht im schlimmsten Fall die Erblindung.
- Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Die Bindehaut ist eine dünne Schleimhaut an der Innenseite der Augenlider. Die Bindehautentzündung gehört zu den häufigen Augenkrankheiten. Zu den möglichen Ursachen zählen unter anderem Allergien, trockene Augen oder Infektionen mit Bakterien oder Viren. Dann besteht Ansteckungsgefahr.
- Erkrankung der Hornhaut: Die durchsichtige Hornhaut bedeckt den vorderen Teil des Auges wie ein Uhrglas. Wird die Hornhaut verletzt, zum Beispiel durch Kratzer oder Fremdkörper, kann es zu einer Hornhautabschürfung kommen. Auch beim Bohren oder Schleifen können beispielsweise metallische Teilchen ins Auge fliegen. Es schmerzt heftig oder kratzt beim Blinzeln. Das Auge ist oft lichtempfindlich, lässt sich womöglich kaum öffnen. Hornhautverletzungen können sich infizieren oder ein Geschwür bilden und sollten sofort untersucht werden.
- Entzündung weiterer Anteile des Auges: Schmerzen die Augen, wenn sie bewegt werden, kann das unter anderem durch eine Entzündung der Augenmuskeln oder eine Sehnervenentzündung verursacht sein. Auch weitere Strukturen des Auges können sich entzünden - die mittlere Augenhaut (diese Entzündung heißt Uveitis), die Lederhaut oder das Augeninnere. Eine rasche Abklärung ist in jedem Fall wichtig.
- Erkrankungen des Augenlids: Manche Hauterkrankungen im Gesicht können auf die Lider übergreifen. Mögliche Folge ist eine Lidentzündung. Die Augenlider können geschwollen, gerötet oder verklebt sein, die Augen jucken oder brennen. Am Augenlid kann sich auch ein schmerzhaftes Gerstenkorn bilden, eine Entzündung der Talg- oder Schweißdrüsen der Lidkante.
Augenschmerzen durch trockene Augen oder Überanstrengung
- Trockene Augen: Es gibt viele Ursachen für trockene Augen, zum Beispiel trockene Luft, langes Arbeiten am Bildschirm, manche Medikamente oder Grunderkrankungen wie das Sjögren-Syndrom. Bei dieser Autoimmunerkrankung richtet sich das Immunsystem irrtümlich gegen Bestandteile des eigenen Körpers. Die Augen fühlen sich trocken und gereizt an, können brennen und auch tränen.
- Überlastung der Augen: Wer stundenlang und ohne Pause konzentriert liest, strengt seine Augen womöglich zu stark an - sie fühlen sich eventuell müde und schwer an. Nicht oder schlecht korrigierte Sehfehler, wie Weitsichtigkeit, Alterssichtigkeit oder verdecktes Schielen, können die Augen ebenfalls anstrengen.
Weitere Ursachen für Augenschmerzen
- Erkrankungen der Nasennebenhöhlen: Eine Nasennebenhöhlenentzündung, zum Beispiel im Rahmen einer Erkältung, kann sich auf die Augenhöhlen ausbreiten. Augenprobleme oder Beschwerden wie Schmerzen im Gesicht, hohes Fieber oder Schwellungen um die Augen oder die Stirn, sollten umgehend ärztlich untersucht werden. Polypen oder Tumoren der Nasennebenhöhlen sind weitere mögliche Gründe für Schmerzen im Augenbereich.
- Spezielle Kopfschmerzarten: Der Clusterkopfschmerz tritt üblicherweise periodisch auf. Mögliche Symptome sind starke Schmerzattacken hinter einem Auge, manchmal auch im Bereich der Stirn, Augentränen, Augenrötung, verstopfte oder laufende Nase, Unruhe. Migräne kann neben Kopfschmerzen auch Sehstörungen und Lichtscheu auslösen.
- Gürtelrose: Die Viruserkrankung verursacht oft Schmerzen und einen Hautausschlag einseitig am Rumpf. Sie kommt aber auch am Kopf vor und kann das Auge erfassen. Häufige Symptome sind Schmerzen, Kribbeln, Bläschen auf einer Stirnseite, am Augenlid und an der Nasenspitze. Um Komplikationen zu vermeiden, ist bei Verdacht auf eine Gürtelrose eine rasche Untersuchung wichtig.
- Spezielle Schlaganfall-Form: Ein Riss in der Halsschlagader kann einseitige Kopf- oder Nackenschmerzen verursachen. Manchmal sind sie auf den Bereich eines Auges begrenzt. Es kann zu einer vorübergehenden Blindheit auf dem Auge kommen. Die Lidspalte und die Pupille können verengt sein, die Zungenbeweglichkeit verändert. Ein pulssynchrones Ohrgeräusch ist ein weiteres mögliches Symptom. Ein Schlaganfall ist ein Notfall. Besteht der Verdacht, sofort die 112 rufen.
Symptome von Augenschmerzen
Die Symptome von Augenschmerzen können je nach der zugrunde liegenden Ursache variieren. Hier sind einige häufige Symptome, die mit Augenschmerzen in Verbindung stehen können:
- Schmerzen: Das offensichtlichste Symptom ist Schmerz oder Unbehagen in einem oder beiden Augen. Die Art des Schmerzes kann variieren, von einem stechenden Schmerz bis zu einem brennenden oder ziehenden Gefühl.
- Rötung: Die Augen können gerötet oder gereizt aussehen.
- Juckreiz: Ein starkes Jucken in den Augen kann auftreten, insbesondere bei allergischen Reaktionen oder Infektionen.
- Fremdkörpergefühl: Viele Menschen mit Augenschmerzen empfinden ein Fremdkörpergefühl, als ob etwas im Auge wäre, obwohl sich kein Fremdkörper darin befindet.
- Tränenfluss: Augenschmerzen können zu vermehrtem Tränenfluss führen, wodurch die Augen tränen.
- Lichtempfindlichkeit: Die Augen können empfindlicher auf Licht mit Augenschmerzen reagieren, was als Photophobie bezeichnet wird.
- Verschwommenes Sehen: Augenschmerzen können das Sehen beeinträchtigen und zu vorübergehender Sehverschlechterung führen.
- Kopfschmerzen: Manchmal können Augenschmerzen Kopfschmerzen verursachen oder von Kopfschmerzen begleitet sein.
- Schwellung: Die Augenlider oder das Gewebe um die Augen herum können geschwollen sein und zu Augenschmerzen führen.
- Veränderungen der Augenbewegung: Bei bestimmten Erkrankungen oder Verletzungen können Augenschmerzen mit Schwierigkeiten bei der Bewegung der Augen einhergehen.
- Sehstörungen: In einigen Fällen können Augenschmerzen mit Sehstörungen wie Doppelbildern oder verschwommenem Sehen verbunden sein.
- Übelkeit oder Erbrechen: In seltenen Fällen können starke Augenschmerzen Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel verursachen.
Augenschmerzen bei Augenbewegungen
Schmerzen bei Augenbewegungen können ein Hinweis auf entzündete Augenmuskeln (Myositis) sein. Insgesamt steuern und fixieren jeweils sechs Muskeln einen Augapfel in der Augenhöhle. Schmerzen bei der Augenbewegung, Druckschmerzen oder Augenrötung können auf einen entzündlichen Vorgang (Myositis) in den Augenmuskeln hindeuten.
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Sehstörungen und ihre Ursachen
Der Begriff „Sehstörung“ kann vieles meinen. Insgesamt geht es aber immer darum, dass Wahrnehmung optischer Eindrücke beeinträchtigt ist. Genau genommen ist also auch Kurz- oder Weitsichtigkeit eine Sehstörung. Wenn Sie auf einem Auge über kurze oder längere Zeit Sehstörungen feststellen, sollten Sie so bald wie möglich zum Arzt gehen und beide Augen untersuchen lassen. Denn einseitige Störungen können Anzeichen für schwerwiegende Krankheiten wie einen Schlaganfall oder eine Netzhautablösung sein.
Es gibt verschiedene Gründe, warum es plötzlich vor Augen flimmert. Einerseits kann ganz einfach Müdigkeit oder auch Stress dahinterstecken. In diesem Fall verschwindet das Flimmern, sobald Sie wieder besser ausgeruht sind. Im schlimmsten Fall deutet das Flimmern darauf hin, dass eine Netzhautablösung droht. Dabei löst sich der Glaskörper von der Netzhaut ab, sodass die Nährstoffversorgung abbricht. Je schneller sich der Zustand verschlechtert, desto dringender wird der Gang zum Arzt.
Auch das Doppel- bzw. Mehrfachsehen kann harmlose oder gravierende Ursachen haben und ist damit nicht ganz leicht einzuordnen. Mögliche Auslöser sind natürlich einerseits Alkohol, Medikamente bzw. Drogen oder auch Müdigkeit; in diesen Fällen stellt sich mit Abklingen der Wirkung bzw. Andererseits kann die sogenannte Diplopie auch auf gelähmte bzw. eingeschränkt bewegungsfähige Augenmuskeln zurückzuführen sein. In der Regel äußert sich diese Eigenschaft in schielendem Blick. Wenn man plötzlich mehrere Bilder sieht, kann allerdings ebenso eine Nervenkrankheit wie multiple Sklerose, eine Augenhöhlenentzündung oder ein Schlaganfall dahinterstecken.
Auch die Wirbelsäule beeinflusst unsere Sehfähigkeit. Denn das sogenannte Halswirbelsäulensyndrom (HWS) kann zu Sehstörungen in Form von Flimmern führen. Hinter Sehstörungen als Auswirkung des Zervikalsyndroms steckt die Tatsache, dass womöglich Nerven eingeklemmt sind und die Durchblutung gehemmt ist. Fehlt es im Augenbereich an Durchblutung, kann das ungeliebte Flimmern entstehen.
In diesem Fall spielt der Blutzuckerspiegel eine große Rolle: Bei hohen Insulinwerten verengen sich die Blutgefäße. In den Augengefäßwänden entstehen nun aufgrund der schlechten Durchblutung Einlagerungen, die im schlimmsten Fall platzen und Ausfälle im Blickfeld, sogenannte Skotome, verursachen können. Das fortgeschrittene Stadium ist die proliferate diabetische Retinopathie. In diesem Fall bildet der Körper neue Gefäße, um die mangelnde Durchblutung auszugleichen. Das Tückische dabei: Deutliche Sehstörungen sind oft schon Symptome von fortgeschrittener Diabetes. Die Netzhaut kann dann bereits empfindlich geschädigt sein. Tatsächlich liegt in unerkannter bzw. unbehandelter Diabetes Mellitus einer der Hauptgründe für Erblinden. Auch Grüner Star, Katarakt genannt, kann schwerwiegende Folgen für das Sehvermögen haben.
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Augeninnendruck
Der Innendruck des Auges wird von Expertinnen und Experten als „intraokularer Druck“ bezeichnet. Er spielt eine wichtige Rolle für die Wölbung der Hornhaut und auch, um den Abstand zwischen der Netzhaut, der Augenlinse und der Hornhaut zu erhalten. Die Flüssigkeit, das sogenannte Kammerwasser, ist dafür zuständig, Nährstoffe zur Linse und zur Hornhaut zu transportieren. Der Augeninnendruck ist nicht immer gleich, sondern bewegt sich zwischen 10 und 21 mmHg. Liegt der Druck dauerhaft darüber, können nachhaltige Schäden am Auge entstehen. Betroffene bemerken eine Veränderung allerdings häufig erst spät, da ein geringgradig erhöhter Augeninnendruck in der Regel schmerzlos ist.
Wenn Sie plötzlichen, heftigen Schmerz in den Augen verspüren oder gar einen Lichtkranz um künstliche Lichtquellen sehen, ist der Augeninnendruck zu stark angestiegen, da das Kammerwasser im Auge nicht mehr abfließen kann. Durch den hohen Augendruck wird der Sehnerv gefährdet.
Diagnose von Augenschmerzen
Die Ärztin oder der Arzt erkundigt sich nach den Beschwerden und der Krankengeschichte. Es folgt die Untersuchung der Augen. Getestet wird unter anderem die Augenfunktion - etwa die Sehschärfe, das Gesichtsfeld, die Augenbeweglichkeit, die Weite und Funktion der Pupillen.
In manchen Fällen verabreicht die Ärztin oder der Arzt Augentropfen zur Erweiterung der Pupillen. So ist der Augenhintergrund mit der Netzhaut besser einsehbar. Eventuell wird der Augeninnendruck gemessen.
Je nach Fall können weitere Diagnosemethoden angebracht sein.
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Behandlung von Augenschmerzen
Es gibt keine pauschale Therapie für Augenschmerzen. Denn sie können viele Gründe haben. Deshalb sollte eine Ärztin oder ein Arzt die Ursache feststellen - üblicherweise ein Augenarzt oder eine Augenärztin. So entscheidet sich, ob eine Behandlung nötig ist und wie sie gegebenenfalls aussieht.
Beispielsweise kommen bei einer bakteriellen Infektion eventuell Antibiotika als Tropfen oder Augensalbe zum Einsatz, bei Allergien Allergiemedikamente, zum Beispiel Antihistaminika. Ein trockenes Auge wird oft mit Tränenersatzmitteln („künstlichen Tränen“) behandelt.
Bei Grunderkrankungen als Ursache sind möglicherweise weitere Fachleute gefragt, zum Beispiel aus dem Bereich Rheumatologie, Neurologie oder Hals-Nasen-Ohrenheilkunde.
Was kann man selbst gegen Augenschmerzen tun?
Kurzzeitige Linderung bei überanstrengten Augen können kühle Kompressen verschaffen.
Nicht alle Sehstörungen können Sie in Selbsttherapie auskurieren. Bei stressbedingtem Augenflimmern kann es zum Beispiel schon helfen, den Raum abzudunkeln. Gönnen Sie Ihren Augen zudem mindestens 15 Minuten Bildschirmpause und machen Sie Übungen zur Augenentspannung. Wenn es sich um RCS handelt, sollten Sie allerdings möglichst eine länger dauernde Ruhepause einlegen. Achten Sie auch auf einen möglichst ausgeglichenen Insulinspiegel. Das ist vor allem bei Diabetes unerlässlich, grundsätzlich ist es aber immer gesund, den Blutzuckergehalt nicht zu rapide ansteigen zu lassen. Versuchen Sie zudem, 2-3 Liter Wasser pro Tag zu trinken und sich viel an der frischen Luft zu bewegen. Bei HWS-Sehstörungen liegt der Schlüssel in der Entspannung der Hals-Nacken-Muskulatur.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Ganz egal, welche Symptome Sie feststellen: Zögern Sie vor allem bei akuten Beschwerden nicht, einen Arzt aufzusuchen. Denn auch wenn manche Störungen vergleichsweise harmlos sind und leicht behoben werden können, bergen andere empfindliche Gefahren für Ihr Augenlicht.
Starke, zunehmende oder anhaltende Augenschmerzen sind immer ein Warnsignal. Sie sollten rasch ärztlich abgeklärt werden, denn sie können ernste Ursachen haben, die sofort behandelt werden müssen - zum Beispiel einen Glaukomanfall. Hinter starken Schmerzen stecken aber nicht immer ernste Ursachen.
Beschwerden können andererseits schleichend auftreten und relativ leicht sein, aber dennoch behandlungsbedürftig. Aus der Stärke der Beschwerden lässt sich also nicht mit Sicherheit auf die Dringlichkeit einer Behandlung schließen.
Deshalb empfiehlt sich bei Augenschmerzen immer eine ärztliche Untersuchung.
Das gilt auf jeden Fall sofort, wenn weitere Symptome dazukommen wie:
- Sehstörungen, etwa Doppelbilder oder Ringe um Lichtquellen
- Fremdkörpergefühl
- Augenrötung
- Lichtempfindlichkeit
- Kopfschmerzen
- Fieber
- Übelkeit
- Störungen der Augenbewegung
Ebenfalls sofort untersucht werden müssen beispielsweise:
- Beschwerden nach augenärztlichen Eingriffen
- Augenverletzungen
- Augenprellungen
- Verbrennungen oder Verätzungen der Augen
- Augenschmerzen bei Menschen, die Kontaktlinsen nutzen
Bei Augenproblemen ist in der Regel eine Augenärztin oder ein Augenarzt gefragt. In Notfällen, zum Beispiel bei Augenverletzungen oder Sehstörungen, den Notruf unter der Nummer 112 wählen! Hinter Symptomen wie beispielsweise Sehstörungen kann auch ein Schlaganfall stecken, das ist ein Notfall.
Wenn Zweifel bestehen, kann man unter der Notrufnummer der kassenärztlichen Vereinigung 116 117 mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst besprechen, wohin man sich wenden kann - zum Beispiel an die Notfallambulanz einer Augenklinik. Je nach Situation und außerhalb von Notfällen kann auch die Hausärztin oder der Hausarzt erste Ansprechstelle sein.
Prävention von Augenschmerzen
Augenschmerzen müssen immer untersucht werden, Krankheiten passend behandelt. Allgemein vorbeugen lässt sich nicht. Durch richtiges Händewaschen kann man das Risiko für Infektionen etwas senken. Wer Kontaktlinsen trägt, sollte auf eine besonders sorgfältige Hygiene achten und vereinbarte Kontrolluntersuchungen bei der Augenärztin oder beim Augenarzt wahrnehmen. Eine gesunde Lebensweise trägt generell dazu bei, die Augen möglichst lange gesund zu erhalten.
Pausen achten
Der Lidschlag verteilt den Tränenfilm auf dem Auge und schützt gegen Austrocknen. Wer viel und konzentriert am Computer arbeitet oder lange aufs Smartphone starrt, neigt womöglich dazu, das Blinzeln zu vergessen. Außerdem müssen die Augen bei der Bildschirmarbeit pausenlos auf eine kurze Distanz scharf stellen. Das kann die Augen anstrengen.
Oft wird die 20-20-20-Regel empfohlen: Alle 20 Minuten für 20 Sekunden ein Objekt in 20 Fuß Entfernung betrachten. Das sind ungefähr sechs Meter. So stellen sich die Augen zwischendurch auf die Ferne ein, was Überlastungen vorbeugen soll. Und man wird an nötige Pausen und damit auch an das regelmäßige Blinzeln erinnert. Allerdings handelt es sich bei dieser Regel nur um eine grobe Faustregel. Eine exakte wissenschaftliche Grundlage haben diese Zahlen nicht.
Grundsätzlich sollte der Arbeitsplatz ergonomisch gestaltet sein. Das kann die Augen ebenfalls entlasten.
Vorsicht bei Hausmitteln
Auf selbst hergestellte Lösungen mit Kamille sollte man am Auge verzichten. Sie könnten Krankheitserreger enthalten, die den Augen schaden. Auf Kamille reagieren zudem einige Menschen allergisch. Wer Produkte am Auge anwenden möchte, sollte sich bei seiner Ärztin oder seinem Arzt erkundigen, welche individuell infrage kommen.
Sehnervenentzündung (Optikusneuritis)
Eine Entzündung des Sehnerven (Optikusneuritis) betrifft vor allem junge Erwachsene, und häufig ist sie das erste Anzeichen für eine Multiple Sklerose (MS).
Ursachen der Sehnervenentzündung
Im Gegensatz zu anderen Entzündungen im Bereich des Auges wie Bindehautentzündung oder Hornhautentzündung wird eine Entzündung des Sehnervs nicht durch Bakterien oder Viren ausgelöst, sondern durch die Immunabwehr. Das bedeutet, dass körpereigene Abwehrzellen in einer Autoimmunreaktion eigenes Gewebe, in diesem Fall Fasern des Sehnervs, angreifen und die Entzündung auslösen. Eine Sehnervenentzündung geht häufig mit einer systemischen Autoimmunerkrankung einher, die mehrere Organe und Bereiche des Körpers betrifft. Dies kann zum Beispiel ein systemischer Lupus erythematodes sein. Sehr viel häufiger tritt eine Sehnervenentzündung jedoch im Zusammenhang mit einer Multiplen Sklerose auf.
Symptome der Sehnervenentzündung
Das typische Symptom ist eine Beeinträchtigung des Sehvermögens mit mäßigen Schmerzen hinter dem Augapfel, die beim Bewegen der Augen stärker werden. In 75 % der Fälle tritt die Erkrankung einseitig auf, es können jedoch auch beide Sehnerven betroffen sein. Die Sehstörungen können unterschiedliche Ausmaße bis zum Sehverlust reichen. An der Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt (blinder Fleck), kann sich ein Ödem bilden.
Weitere Zeichen einer Sehnervenentzündung können vermindertes Kontrastempfinden, (von Auge zu Auge) verändertes Farbsehen und teilweiser Gesichtsfeldausfall sein. Teilweise kann auch eine Regenbogenhautentzündung auftreten.
Die Symptome entwickeln sich meist im Laufe von Stunden bis wenigen Tagen. Auch die Wahrnehmung von Lichtblitzen kann Ausdruck der Erkrankung sein. Da eine Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose (MS) auftreten kann, sind weitere neurologische Symptome wie Missempfindungen oder Schwindel möglich.
Diagnose der Sehnervenentzündung
Die Diagnose wird bei der typischen Beschreibung einer zunehmenden Verschlechterung des Sehens, der Farbwahrnehmung und des Kontrastempfindens über Stunden bis Tage in Betracht gezogen.
In der Untersuchung der Patient*innen zeigen sich zusätzlich zur eingeschränkten Sehfähigkeit oft eine gestörte Pupillenreaktion auf Licht und Schmerzen bei Augenbewegungen.
Es erfolgt eine allgemeine körperliche Untersuchung, um Symptome wie Missempfindungen, Lähmungen, Schwindel, Herz-/Lungensymptome oder Fieber zu erkennen.
Bei schweren oder anhaltenden Schmerzen über mehr als 2 Wochen oder anhaltendem oder fortschreitendem Verlust des Sehvermögens sollten weitere diagnostische Maßnahmen gesetzt werden.
Eine augenärztliche Untersuchung erfolgt, um andere Krankheiten auszuschließen.
Bei allen Betroffenen sollte im Krankenhaus eine MRT-Untersuchung des Gehirns und des Rückenmarks durchgeführt werden, um das Risiko für eine Multiple Sklerose abzuschätzen. Zusätzlich liegt so ein Ausgangsbefund vor, falls sich in Zukunft weitere Symptome entwickeln. Bei einem krankhaften MRT-Befund oder vorhandenen neurologischen Symptomen sind neurologische Zusatzuntersuchungen empfohlen.
Um eine andere zugrunde liegende Erkrankung auszuschließen, können eine Lumbalpunktion zur Analyse der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit sowie verschiedene Bluttests notwendig sein.
Für den Ausschluss anderer Erkrankungen oder die Verlaufskontrolle können sog. visuell evozierte Potenziale (VEP) gemessen werden. Dabei handelt es sich um Ausschläge im Elektroenzephalogramm (EEG) nach visueller Stimulation, die bei durchgemachter Optikusneuritis verzögert auftreten.
Behandlung der Sehnervenentzündung
Ziel der Therapie ist die Wiederherstellung des Sehvermögens und die Verhinderung weiterer Schübe im Rahmen einer schubförmig verlaufenden Multiplen Sklerose.
Wenn die Sehnervenentzündung im Rahmen einer Multiplen Sklerose auftritt oder der Sehverlust stark ausgeprägt ist, sollten in der Akutsituation Kortikosteroide eingesetzt werden. Diese verkürzen nachweislich die Zeit bis zur Erholung der Sehfähigkeit, jedoch ohne Einfluss auf das funktionelle Endergebnis und auf das Auftreten einer Multiplen Sklerose.
Die Behandlung einer Optikusneuritis, die im Rahmen eines MS-Schubs auftritt, erfolgt nach den Prinzipien der MS-Therapie.
Auch Kinder und Jugendliche können medikamentös behandelt werden. Dies muss jedoch im Hinblick auf Nebenwirkungen gut abgewogen werden, da die Spontanheilungsrate höher ist.
Prognose der Sehnervenentzündung
Die Prognose der Erkrankung ist insgesamt gut.