Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch eine plötzliche, unkontrollierte elektrische Entladung von Nervenzellen im Gehirn. Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig und nicht immer vollständig geklärt. Ein besonderes Phänomen, das bei manchen Formen der Epilepsie auftritt, ist die Aura.
Was ist eine Aura?
Die Aura (griechisch: "Lufthauch") ist ein Vorgefühl oder eine Sensation, die einem epileptischen Anfall vorausgehen kann. Sie ist ein fokaler Anfall, der sich in unterschiedlichen Wahrnehmungen äußern kann. Nicht jeder Mensch mit Epilepsie erlebt eine Aura, und die Art der Aura kann von Person zu Person variieren.
Ursachen der Aura bei Epilepsie
Die Aura entsteht durch eine fokale (herdförmige) Aktivität im Gehirn. Das bedeutet, dass ein bestimmter Bereich des Gehirns, der sogenannte Fokus, übermäßig erregt ist und die Aura auslöst. Die genaue Ursache für diese fokale Aktivität kann unterschiedlich sein.
- Fokale Epilepsie: Bei fokalen Epilepsien geht der Anfall von einem bestimmten Hirnbereich aus. Die Aura ist in diesem Fall die erste Manifestation des Anfalls und entsteht durch die Aktivierung dieses spezifischen Hirnbereichs.
- Schläfenlappenepilepsie: Auren treten häufig bei Anfällen auf, die vom Schläfenlappen ausgehen. Der Schläfenlappen ist für viele Funktionen zuständig, darunter Gedächtnis, Emotionen und sensorische Verarbeitung. Entsprechend vielfältig können die Auren bei Schläfenlappenepilepsie sein.
- Andere Hirnregionen: Auch Anfälle, die von anderen Hirnregionen ausgehen, können Auren verursachen. Die Art der Aura hängt davon ab, welche Funktion die betroffene Hirnregion hat.
Symptome einer Aura
Die Symptome einer Aura sind vielfältig und können sensorischer, motorischer, psychischer oder autonomer Natur sein. Einige Beispiele für Auren sind:
- Sensorische Auren:
- Geruchsstörungen (olfaktorische Aura): Wahrnehmung von Gerüchen, die nicht vorhanden sind oder als unangenehm empfunden werden.
- Geschmacksstörungen (gustatorische Aura): Wahrnehmung von Geschmäckern, die nicht vorhanden sind.
- Sehstörungen: Blitze, verschwommenes Sehen, Tunnelblick oder andere visuelle Veränderungen.
- Hörstörungen: Geräusche, Klingeln, Summen oder andere auditive Halluzinationen.
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle: In bestimmten Körperteilen.
- Schwindelgefühle: Benommenheit oder das Gefühl, sich zu drehen.
- Motorische Auren:
- Muskelzuckungen: Unwillkürliche Zuckungen in bestimmten Muskelgruppen.
- Klonische Zuckungen: Symmetrische oder asymmetrische Zuckungen, die rhythmisch sind und identische Muskelgruppen betreffen.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten, sich auszudrücken oder Gesprochenes zu verstehen.
- Psychische Auren:
- Angstgefühle: Plötzliche, unerklärliche Angst oder Panik.
- Déjà-vu-Erlebnisse: Das Gefühl, eine Situation bereits erlebt zu haben, obwohl dies nicht der Fall ist.
- Depersonalisation: Das Gefühl, sich außerhalb des eigenen Körpers zu befinden.
- Derealisation: Das Gefühl, die Umgebung sei unwirklich oder verändert.
- Autonome Auren:
- Übelkeit: Aufsteigendes Gefühl von Übelkeit aus dem Bauchraum (gastrale Aura).
- Schweißausbrüche: Plötzliches, starkes Schwitzen.
- Herzrasen: Beschleunigter Herzschlag.
- Bauchbeschwerden: Unangenehme Empfindungen im Bauchraum.
- Erröten oder Blässe: Veränderungen der Hautfarbe.
Die Aura kann nur wenige Sekunden oder Minuten dauern. Sie kann in einen fokalen Anfall mit oder ohne Bewusstseinsverlust übergehen oder sich zu einem generalisierten Anfall entwickeln.
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Diagnose der Aura bei Epilepsie
Die Diagnose einer Aura basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der Beschreibung der Symptome durch den Betroffenen. Es ist wichtig, die Aura so genau wie möglich zu beschreiben, da dies dem Arzt helfen kann, den Ursprung des Anfalls im Gehirn zu lokalisieren.
Zusätzlich zur Anamnese können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:
- EEG (Elektroenzephalogramm): Eine Messung der Hirnströme, um epileptische Aktivität im Gehirn festzustellen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine bildgebende Untersuchung des Gehirns, um strukturelle Veränderungen oder Läsionen zu erkennen, die die Anfälle verursachen könnten.
Behandlung der Aura bei Epilepsie
Die Behandlung der Aura zielt darauf ab, die epileptischen Anfälle insgesamt zu kontrollieren. Dies geschieht in der Regel mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Epilepsie und den individuellen Bedürfnissen des Patienten ab.
- Medikamentöse Therapie: Antiepileptika können die Anfallshäufigkeit reduzieren oder die Anfälle ganz verhindern. Es ist wichtig, die Medikamente regelmäßig und wie vom Arzt verordnet einzunehmen.
- Chirurgische Therapie: In einigen Fällen, insbesondere wenn die Epilepsie medikamentös nicht ausreichend kontrolliert werden kann, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Fokus, also den Bereich im Gehirn, der die Anfälle auslöst, zu entfernen oder zu isolieren.
- Vagusnervstimulation: Eine weitere Option ist die Vagusnervstimulation, bei der ein Gerät implantiert wird, das den Vagusnerv stimuliert. Dies kann dazu beitragen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Ketogene Diät: Bei manchen Kindern und Jugendlichen kann eine ketogene Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist, die Anfallshäufigkeit reduzieren.
Umgang mit einer Aura
Für Menschen, die eine Aura erleben, ist es wichtig, zu lernen, wie sie damit umgehen können. Einige Tipps sind:
- Frühzeitiges Erkennen: Lernen Sie, die Symptome Ihrer Aura zu erkennen, um sich rechtzeitig auf einen möglichen Anfall vorbereiten zu können.
- Sicherheitsmaßnahmen: Treffen Sie Vorkehrungen, um sich vor Verletzungen zu schützen, wenn Sie eine Aura verspüren. Das kann bedeuten, sich hinzusetzen oder hinzulegen, gefährliche Gegenstände aus dem Weg zu räumen oder andere Personen um Hilfe zu bitten.
- Entspannungstechniken: Erlernen Sie Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation, um Stress abzubauen, der Anfälle auslösen kann.
- Führen eines Anfallstagebuchs: Notieren Sie in einem Tagebuch Ihre Anfälle, Auren und mögliche Auslöser, um Muster zu erkennen und die Behandlung besser anzupassen.
- Kommunikation mit dem Arzt: Besprechen Sie Ihre Auren und Anfälle regelmäßig mit Ihrem Arzt, um die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
Epilepsie und Aura im Alltag
Epilepsie und die damit verbundenen Auren können das Leben der Betroffenen stark beeinflussen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich Unterstützung zu suchen und Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen des Alltags umzugehen.
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- Fahreignung: Menschen mit Epilepsie dürfen unter Umständen kein Kraftfahrzeug führen. Die genauen Bestimmungen sind von Land zu Land unterschiedlich und hängen von der Anfallskontrolle ab.
- Berufswahl: Bestimmte Berufe sind für Menschen mit Epilepsie möglicherweise nicht geeignet, insbesondere solche, die ein hohes Verletzungsrisiko bergen oder bei denen ein Anfall gefährliche Folgen haben könnte.
- Soziale Aktivitäten: Epilepsie kann zu sozialer Isolation führen, da sich Betroffene aus Angst vor Anfällen zurückziehen. Es ist wichtig, sich nicht zu isolieren und soziale Kontakte zu pflegen.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
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