Ausfräsung des Spinalkanals: Definition, Ursachen, Therapie und mehr

Die Ausfräsung des Spinalkanals, auch bekannt als Dekompression des Spinalkanals, ist ein chirurgischer Eingriff, der darauf abzielt, den verengten Wirbelkanal (Spinalkanal) zu erweitern und den Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln zu reduzieren. Dieser Artikel beleuchtet die Definition, Ursachen, konservativen und operativen Behandlungsmöglichkeiten sowie weitere Aspekte der Spinalkanalstenose und der damit verbundenen Eingriffe.

Was ist Wirbelgleiten (Spondylolisthese)?

Wirbelgleiten (Spondylolisthesis) bezeichnet eine Instabilität der Wirbelsäule, bei der Teile der oberen Wirbelsäule gegen den darunter liegenden Wirbelkörper gleiten. Diese Instabilität kann zu Verschleiß der Bandscheibe und der Wirbelgelenke (Arthrose) führen und örtlich auftretende Schmerzen verursachen. In schweren Fällen kann das Wirbelgleiten zu einer Einklemmung der Nerven führen.

Ursachen von Wirbelgleiten

Die Ursachen für Wirbelgleiten sind vielfältig. Im Erwachsenenalter tritt häufig die verschleißbedingte degenerative Olisthesis auf. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Erkrankung meist angeboren, wobei zwischen der dysplastischen und isthmischen Form unterschieden wird. Diese angeborenen Formen gehen oft mit einem höhergradigen Abrutschen einher als die verschleißbedingten Gleitwirbel.

Durch die Destabilisierung der Wirbelsäule kann der obere Wirbel nach vorne gleiten und kyphotisch verkippen, was zu einer Einengung des Zwischenwirbellochs und Druck auf die austretende Nervenwurzel führt. Im Extremfall spricht man von einer Spondyloptose, bei der der Gleitwirbel um die gesamte Wirbelkörpertiefe versetzt ist.

Konservative Therapie von Wirbelgleiten

Vor einer Operation stehen verschiedene konservative Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung, darunter:

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  • Biacuplastie
  • Bildwandlergestützte Facetteninfiltration
  • Bildwandlergestützte ISG-Infiltration
  • Bildwandlergestützte periradikuläre Infiltrationstherapie
  • Minimalinvasive perkutane Thermodenervation in Lokalanästhesie
  • Peridurale Infiltration

Bei akuten Schmerzen werden zunächst Schmerzmedikamente, Krankengymnastik und physikalische Therapie eingesetzt. Bei starken, nervenbezogenen Symptomen kann eine minimalinvasive Therapie helfen. Die durch das Wirbelgleiten entstehende Beweglichkeit muss dauerhaft durch eine starke Rückenmuskulatur stabilisiert werden, was eine fortlaufende Behandlung der Rückenmuskeln erfordert.

Operative Therapie von Wirbelgleiten

Wenn konservative Behandlungen keinen Erfolg bringen oder Lähmungen und Taubheitsgefühle auftreten, kann eine Operation sinnvoll sein. Es gibt zwei Hauptvarianten:

  1. Operative Stabilisierung: Hierbei wird der betroffene Wirbel operativ versteift, meist durch einen Mittelschnitt am Rücken oder minimalinvasiv über mehrere kleinere Zugänge. Die Korrektur der Fehlstellung erfolgt über Pedikelschrauben und einen Bandscheibenersatz (Cage) zur zusätzlichen Stützung. In einigen Zentren können die Schrauben computernavigiert implantiert werden, um die Sicherheit für Nerven und Rückenmark zu erhöhen.
  2. Operative Stabilisierung in dorso-ventraler Technik: Diese Technik wird bei starkem Wirbelgleiten angewendet, bei dem eine Unterbrechung der knöchernen Verbindungsstrecke zwischen den Gelenkfortsätzen vorliegt. Dabei wird von vorne durch den Bauchraum die Bandscheibe ausgeräumt und der Kreuzbeindom entfernt. Der entstandene Zwischenraum wird aufgespreizt und mit einem Cage versehen. Anschließend erfolgt die Korrektur von hinten mit Schrauben-Stab-Systemen, um die Gesamtstatik der Wirbelsäule wiederherzustellen.

Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose)

Eine Spinalkanalstenose ist eine Verengung des Wirbelkanals, die Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben kann. Diese Verengung kann zu Schmerzen, Taubheit, Kribbeln und in schweren Fällen zu Lähmungen führen.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Die häufigste Ursache für eine Spinalkanalstenose ist die Arthrose, also die Verdickung der Wirbelgelenke, oft in Verbindung mit einer verschleißbedingten Wirbelverschiebung. Auch angeborene Veränderungen können zu einer Verengung des Spinalkanals führen.

Symptome der Spinalkanalstenose

Die Symptome einer Spinalkanalstenose entwickeln sich oft schleichend und reichen von lokalen und in die Extremitäten ausstrahlenden Schmerzen bis zu Schmerzen in den Beinen bei kurzen Gehstrecken (Claudicatio spinalis), Gefühlsstörungen und Schwäche. Eine Linderung der Beschwerden wird oft durch Veränderung der Körperhaltung erreicht, wie z.B. durch Vorbeugen oder Hinlegen.

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Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose wird anhand des klinischen Beschwerdebildes, neurologischer Befunde und bildgebender Verfahren wie Röntgen, CT und MRT gestellt.

Therapie der Spinalkanalstenose

Konservative Therapie

Bei leichten bis mittelgradigen Verengungen können konservative Maßnahmen wie stabilisierende Krankengymnastik, entzündungshemmende Medikamente und Infiltrationen der Wirbelsäule mit Schmerzmitteln Linderung verschaffen.

Operative Therapie

Wenn die konservative Therapie keine ausreichende Besserung bringt, ist eine operative Entlastung des Spinalkanals sinnvoll. Die Operation besteht in der Erweiterung des Spinalkanals, indem das einengende Knochen- und Bindegewebe entfernt wird. Die Wirbelbögen werden verdünnt und die verdickten und verkalkten Bänder entfernt. Die Erweiterung des Kanals erfolgt schonend und unter Erhaltung der Stabilität (selektive Dekompression).

Bei gleichzeitiger Instabilität der Wirbel kann zusätzlich eine Versteifung erforderlich sein. In einfacheren Fällen wird ein Platzhalter (Spacer) zwischen die Dornfortsätze eingebracht. In komplexeren Fällen werden Schrauben und Stäbe eingesetzt, wobei körpereigener Knochen, Knochenersatzmaterial und Wachstumsfaktoren verwendet werden.

Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS)

Eine Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS) ist eine Verengung des Rückenmarkkanals, die Rückenmark, Nerven und Blutgefäße abdrücken kann. Sie entwickelt sich meist im Laufe des Lebens aufgrund altersbedingter Abnutzung.

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Symptome der HWS-Spinalkanalstenose

Eine Halswirbelkanalverengung kann zu Missempfindungen in den Händen, Störungen der Feinmotorik und Gangunsicherheit führen. Im fortgeschrittenen Stadium können Lähmungserscheinungen auftreten.

Therapie der HWS-Spinalkanalstenose

Je nach Ausprägung der Erkrankung stehen verschiedene konservative Behandlungsmethoden zur Verfügung. Bei gering ausgeprägter Verengung können Schmerzen und Gefühlsstörungen medikamentös behandelt werden. Bei stärkeren Symptomen kann eine Injektionstherapie mit schmerzstillenden, entzündungshemmenden oder abschwellenden Präparaten in den Wirbelkanal oder an eine Nervenwurzel sinnvoll sein. Physiotherapie und gezielte Übungen helfen, die Rückenmuskulatur zu kräftigen und zu stabilisieren.

Operative Therapie der HWS-Spinalkanalstenose

Wenn konservative Maßnahmen nicht helfen, kann der Wirbelkanal operativ erweitert werden, um eingeengte Nerven zu entlasten. Der Eingriff kann von vorne durch den Hals (ventral), durch den Nacken (dorsal) oder von beiden Seiten der Halswirbelsäule erfolgen. Nach der Operation sind in der Regel keine Hilfsmittel zur Stützung von Hals und Nacken erforderlich.

Mikrochirurgische Dekompression

Die mikrochirurgische Dekompression ist ein Verfahren, bei dem unter Verwendung eines Operationsmikroskops störendes Gewebe im Spinalkanal entfernt wird, um Nervenwurzeln oder Nervenbahnen zu entlasten. Dieses Verfahren kommt in Frage, wenn es im knöchernen Wirbelkanal eng wird und Nerven unter Druck geraten sind.

Weitere operative Verfahren

Bandscheibenoperationen

Bei Bandscheibenvorfällen kann eine Operation erforderlich sein, um das ausgetretene Bandscheibengewebe zu entfernen. Es gibt verschiedene Operationstechniken, darunter die Mikrochirurgie und die Schlüsselloch-Technik.

Mikrochirurgische Bandscheibenoperation

Bei der mikrochirurgischen Bandscheibenoperation wird die Haut über der Wirbelsäule nur minimal geöffnet, um den Eingriff so schonend wie möglich zu gestalten. Der Patient wird in Vollnarkose auf den Bauch gedreht, wobei der Oberkörper erhöht und der Unterkörper abgesenkt wird, um den Abstand zwischen den Wirbeln zu vergrößern.

Schlüsselloch-Technik (Minimalinvasive Bandscheibenoperation)

Bei der Schlüsselloch-Technik werden kleine Schläuche durch millimetergroße Schnitte in den Körper eingeführt, an deren Ende sich eine Kamera oder chirurgisches Besteck befindet. Dieses Verfahren ermöglicht die Entfernung von Bandscheibengewebe mit minimalen Narben. Allerdings ist die Schlüsselloch-Technik weniger gründlich als die Mikrochirurgie und birgt ein höheres Risiko für einen erneuten Bandscheibenvorfall.

Indirekte Verfahren zur Bandscheibenbehandlung

Es gibt auch indirekte Verfahren zur Behandlung von Bandscheibenvorfällen, bei denen das Bandscheibengewebe verkocht, zerhackt oder aufgelöst wird. Dazu gehören die Chemo-Nukleolyse, die Laser-Verkochung, die perkutane Nukleotomie und die Thermoläsion. Diese Verfahren eignen sich jedoch nur für sehr junge Menschen mit elastischen Bandscheiben und intaktem Faserring. Ihre Wirkung ist bislang nicht nachgewiesen, und sie gelten als experimentelle Methoden.

Bandscheibenprothese

Wenn eine Bandscheibe stark geschädigt ist, kann sie durch eine Prothese ersetzt werden, um eine Versteifung der Wirbelsäule zu vermeiden oder hinauszuzögern. Es gibt auch die Möglichkeit, lediglich das Innere der Bandscheibe auszutauschen.

Kompletter Bandscheibenersatz

Beim kompletten Bandscheibenersatz wird die kaputte Bandscheibe entfernt und durch eine Prothese ersetzt, die aus zwei Metallplatten mit einem flexiblen Kunststoffstück besteht.

Austausch des Bandscheibenkerns

Beim Austausch des Bandscheibenkerns wird der Kern durch ein Schwämmchen aus Hydrogel ersetzt, das ähnliche Eigenschaften wie die natürliche Bandscheibe hat. Dieses Verfahren ist jedoch noch nicht gut erprobt.

Spondylodese (Wirbelversteifung)

Wenn die Wirbelsäule sehr instabil ist und Verschleißerscheinungen starke Schmerzen verursachen, kann eine Versteifung der betroffenen Wirbelkörper (Spondylodese) in Erwägung gezogen werden. Dabei werden Schrauben in die Wirbelkörper versenkt und mit Verbindungselementen fixiert. In einigen Fällen müssen die kaputten Bandscheiben entfernt und durch käfigähnliche Hohlkörper mit Knochengewebe, Titan-Implantate oder Kunststoffe ersetzt werden.

Weitere Erkrankungen und Behandlungen

Radikulopathie

Bei einer Radikulopathie ist eine Nervenwurzel des Rückenmarks gereizt oder geschädigt, was zu Schmerzen, Missempfindungen oder neurologischen Ausfällen führen kann. Behandelt wird die Radikulopathie konservativ, interventionell durch Injektionen oder chirurgisch.

Karpaltunnelsyndrom

Beim Karpaltunnelsyndrom wird der Nervus medianus am Handgelenk durch das Karpalband eingeengt. Die Operation besteht darin, das Band zu durchtrennen und den Nerv zu befreien.

Morton Neurom

Das Morton Neurom ist eine Entzündung und Verdickung der bindegewebigen Hülle des Mittelfußnerven. Behandelt wird das Morton Neurom durch die Entfernung des geschwollenen Nerven oder durch eine Dekompression (Druckentlastung).

Nukleoplastie

Die Nukleoplastie ist ein minimalinvasives Verfahren zur Linderung von Schmerzen aufgrund einer Bandscheibenvorwölbung (Bandscheibenprotrusion). Dabei wird eine spezielle Elektrode in die Bandscheibe eingeführt, um das Gewebe zu reduzieren.

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