Nervenaustrittsöffnung HWS ausfräsen: Risiken, Verfahren und Alternativen

Schleichende, andauernde Rückenschmerzen, die bis ins Bein ausstrahlen? Dies könnte auf eine Spinalstenose hindeuten, eine Verengung des Spinalkanals. Dieser Artikel beleuchtet die operative Erweiterung des Nervenaustritts an der Halswirbelsäule (HWS), die sogenannte Foraminotomie, ihre Risiken und alternative Behandlungsmethoden.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

"Spinalkanalstenose" bezeichnet eine Verengung des Rückenmarkskanals, in dem sich das Rückenmark und die Nervenfasern befinden. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln ausüben, was zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche in den betroffenen Bereichen führt. Alle drei Arten der Spinalkanalverengung teilen sich folgende Symptome: Schmerz, Schwäche und Probleme beim Gehen. So kann das Treppensteigen mit Spinalkanalstenose z. B. aufgrund der Beinschmerzen schnell ein schweres Hindernis darstellen.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Die primäre Spinalkanalstenose ist eine angeborene Verengung des Rückenmarkskanals. Diese tritt aufgrund anatomischer Gegebenheiten auf, bei denen der Wirbelsäulenkanal von Geburt an enger ist. Im Laufe des Lebens kann sie sich jedoch meist aufgrund altersbedingter (degenerativer) Abnutzung der Gelenke, Bänder und Bandscheiben entwickeln.

Dr. med. erklärt: „Beim Bandscheibenvorfall verliert vor allem bei älteren Personen der Bandscheibenkern deutlich an Höhe und gleitet aus seiner Hülle (Anulus fibrosus) in den Spinalkanal. Die Wirbelkörper rücken dadurch näher zusammen. Die abgerutschte Hülle wölbt sich vor und engt das Rückenmark im Wirbelkanal ein. Die verstärkte Belastung auf die Wirbel bewirkt dann eine zunehmende Verknöcherung der Wirbelsäule.“

Neben der Verknöcherung der Wirbelsäule kommt es zu einer sogenannten ventralen Abstützreaktion. Bei dieser Abstützreaktion der Wirbelsäule baut der Wirbelkörper seitlich zum Rückenmarkskanal Knochen an, um den erhöhten Druck auszugleichen.

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Diagnose der Spinalkanalstenose

Die Diagnose der Spinalkanalverengung basiert auf einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung, einschließlich neurologischer Tests zur Beurteilung von Symptomen wie Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, MRT und CT helfen, die Diagnose zu bestätigen und das Ausmaß der Verengung zu beurteilen. Hier steht eine individuelle Begutachtung des Patienten an erster Stelle, auf dieser Grundlage können Ärzte eine Diagnose stellen und das richtige Therapiekonzept empfehlen. Immer häufiger agieren dabei die behandelnden Ärzte in einem interdisziplinären Team mit Fachärzten aus den unterschiedlichen Bereichen wie Orthopädie und Schmerzmedizin, Radiologie, Neurochirurgie, Neurologie oder Psychologie und setzen die Ergebnisse der Diagnose zu einem schlüssigen Gesamtbild zusammen. Der interdisziplinäre Ansatz ermöglicht dann eine genaue und ganzheitliche Betrachtung des Beschwerdebildes sowie eine optimale Therapie.

Wann ist eine Operation an der HWS notwendig?

Eine Operation der Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule (HWS) ist sinnvoll, wenn konservative Behandlungen nicht ausreichend sind und starke Symptome wie neurologische Ausfälle, ausgeprägte Schmerzen oder Muskelschwäche vorliegen. Eine Halswirbelkanalverengung kann zu Missempfindungen in den Händen und Störungen der Feinmotorik sowie zu Gangunsicherheit führen und alltägliche Tätigkeiten enorm erschweren. Im fortgeschrittenen Stadium können Lähmungserscheinungen aufgrund geschädigter Nerven auftreten.

Die Foraminotomie: Ausfräsen der Nervenaustrittsöffnung

Bei der Foraminotomie wird jener Teil des Wirbels entfernt oder erweitert, aus dem die eingeengte Nervenwurzel austritt. Gegebenenfalls störende Bandanteile oder Verknöcherungen werden bei beiden Verfahren ebenfalls beseitigt. Eine Verengung des Wirbelkanals bzw. des Nervenaustrittskanals kann in der Halswirbelsäule oder Lendenwirbelsäule auftreten. Die minimal invasive Erweiterung des Nervenaustrittskanals entlastet die eingeengte Nervenwurzel und sorgt so für eine Schmerzlinderung. Wie bei der Erweiterung des Wirbelkanals, arbeiten wir auch hier mit einem OP-Mikroskop, um den Eingriff präzise und schonend durchzuführen. So schonen wir das umliegende Gewebe und reduzieren die Gesamteingriffszeit auf 60 Minuten.

In der Bandscheibenklinik in Gensingen erweitern wir mittels Hochfrequenz-Mikrodiamantfräsen den Wirbelkanal durch teilweises oder vollständiges Abnehmen eines Halbbogens. Bestehen Beschwerden bereits sehr lange, kann der Operateur auch mithilfe eines kleinen Hautschnittes die Nervenwurzelaustrittslöcher ausfräsen, um wieder eine optimale Weitung der Neuroforamina zu erzielen.

OP-Verfahren bei Spinalkanalstenose

Um eine Spinalkanalstenose chirurgisch zu behandeln, stehen unterschiedliche OP-Methoden zur Verfügung. Welche sich am besten eignet, hängt von verschiedenen individuellen Begebenheiten ab, also etwa von Art, Lage und Ausmaß der verengten Stelle im Spinalkanal. Oft lässt sich eine Spinalkanalstenose-OP minimalinvasiv durchführen. Das bedeutet, für den Eingriff sind nur wenige kleine Hautschnitte nötig. Ziel des operativen Eingriffs ist es, den Spinalkanal zu erweitern, das raumfordernde Material (wie zum Beispiel knöcherne Verkalkungen, Bandscheibengewebe oder verdickte Teile des Bandapparats) zu entfernen, um so den Druck von Rückenmark und/oder Nervenwurzeln zu nehmen. Um das zu erreichen, nutzen Ärzte als Verfahren meist die sogenannte Laminektomie. Dabei wird ein knöcherner Teil des Wirbels (die sogenannte Lamina) entfernt, um den Spinalkanal zu öffnen und so das eingeengte Rückenmark und/oder Nervenwurzeln zu entlasten. Alternativ ist eine sogenannte Fensterung (Foraminotomie) möglich, bei der jener Teil des Wirbels entfernt oder erweitert wird, aus dem die eingeengte Nervenwurzel austritt. Gegebenenfalls störende Bandanteile oder Verknöcherungen werden bei beiden Verfahren ebenfalls beseitigt. In manchen Fällen kann es außerdem nötig sein, einzelne Wirbelsegmente miteinander zu verbinden und so zu versteifen, um die Wirbelsäule zu stabilisieren (sogenannte Spondylodese).

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Minimalinvasive Techniken

In den meisten Fällen können wir den Wirbelkanal minimalinvasiv und damit besonders gewebeschonend erweitern, um eingeengte Nerven zu entlasten. Je nach Lage der Einengung können wir den Eingriff unter Vollnarkose von vorne durch den Hals (ventral), durch den Nacken (dorsal) oder von beiden Seiten der Halswirbelsäule vornehmen. Welches Verfahren geeignet ist, um Ihre Wirbelverengung operativ zu erweitern, besprechen unsere Spezialisten individuell und ausführlich mit Ihnen. In unserer Praxis für Orthopädie im Zentrum Münchens bieten wir Ihnen neben einer Vielzahl konservativer Therapien auch die gesamte Bandbreite operativer Eingriffe. Wir operieren immer erst dann, wenn nicht-chirurgische Verfahren keine Linderung versprechen. In manchen Fällen sorgen konservative Behandlungen auch über einen langen Zeitraum hinweg nicht für die gewünschte Besserung. Ist eine OP erforderlich, nutzen wir, wenn möglich minimalinvasive Verfahren, auf die sich PD Dr. med. Bei der sogenannten Schlüssellochtechnik reichen kleinste Schnitte aus, um die Instrumente einzuführen und die Behandlung vorzunehmen. Bei vielen Beschwerden an den Gelenken können wir durch eine Spiegelung (Arthroskopie) eine offene Operation vermeiden. Nur wenn eine minimalinvasive OP keinen Erfolg verspricht, weichen wir auf einen offenen Eingriff aus.

Mikrochirurgische Dekompression

Mithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen. Ziel der knöchernen Dekompression ist es, diejenigen Bestandteile von Knochen und Bändern zu entfernen, die auf den Nerv bzw. die Nervenwurzel drücken. Die Operation kann offen oder endoskopisch erfolgen. Bei der offenen Operation blickt der Chirurg nach dem Schnitt direkt auf das Operationsgebiet. Nimmt er dafür ein spezielles Operationsmikroskop zu Hilfe, handelt es sich um eine mikrochirurgische Operation. Die mikrochirurgische Dekompression erfordert nur einen kleinen Hautschnitt. Unter der durch das Spezialmikroskop optimierten Sicht entfernt der Chirurg Knochen- und Bandgewebe, das Rückenmark oder Nervenwurzeln einengt. Dies verringert den Druck auf das Nervengewebe, was meist zu einer sehr schnellen Erholung von den Symptomen der spinalen Stenose führt. Die Patienten können am Tag nach der Operation schon wieder umhergehen. Das Ausmaß der Rückbildung von neurologischen Einschränkungen und Schmerzen hängt aber vom Verlauf vor der Operation ab. Wenn die Patienten den Arztbesuch sehr lange hinauszögern, ist das Rückenmark häufig schon nachhaltig geschädigt, sodass die Rückenschmerzen nicht mehr vollständig zurückgehen.

Spinalkanalstenose: Erfolgsaussichten nach der OP

Wird eine Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule mittels OP behandelt, sind die Erfolgsaussichten insbesondere hinsichtlich der Beinschmerzen gut. Bestehende Rückenschmerzen lassen sich mit einer Operation jedoch nicht immer vollständig beseitigen. Oft bleibt ein Restschmerz zurück. Untersuchungen zeigen zudem, dass die Vorteile des operativen Eingriffs bei einer Spinalkanalstenose für etwa vier bis acht Jahre anhalten. Danach gleichen sich OP und konservative Behandlung vom Ergebnis her wieder an.

Spinalkanalstenose: Welche OP-Risiken gibt es?

Wie alle Eingriffe bergen auch Operationen zur Behandlung der Spinalkanalstenose Risiken. In der Hand erfahrener Spezialisten kommt es allerdings selten zu Komplikationen.

Vor dem Eingriff klärt der Arzt den Patienten über die Risiken der Laminektomie auf. Dazu gehören unter anderem Verletzungen von Nervenwurzeln oder des Rückenmarks, die zu Lähmungen oder Sensibilitätsstörungen führen. Diese bilden sich häufig zurück, sind aber in manchen Fällen auch dauerhaft. Werden beim Eingriff die Spinalnervenwurzeln am Ende des Rückenmarks (Cauda equina) verletzt, kommt es zu Problemen beim Wasserlassen oder Stuhlgang und manchmal auch zu einer Beeinträchtigung des Sexuallebens.

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Weitere Risiken einer Laminektomie, die der Patient kennen sollte, sind:

  • Liquorverlustsyndrom (Austritt von Nervenwasser)
  • Bildung einer röhrenförmigen Verbindung zwischen dem Nervenwasserraum und der Oberfläche der Haut (Liquorfistel)
  • Infektionen und Wundheilungsstörungen
  • Entzündungen der Bandscheibe und der Wirbelkörper (Diszitis beziehungsweise Spondylodiszitis)
  • Instabilität der Wirbelsäule
  • Chronische Rückenschmerzen, zum Beispiel durch narbige Verwachsungen
  • Erneute Einengung des Wirbelkanals (kann eine weitere Operation notwendig machen)

Durch das Einführen der Instrumente können Krankheitserreger in die Einstichstelle geraten und Infektionen auslösen. Zudem kann es in seltenen Fällen zu Verletzungen der Nerven oder Nervenwurzeln kommen. Dies äußert sich durch Schmerzen, Gefühlsstörungen oder Taubheitsgefühle in der Körperregion, die von den betroffenen Nerven versorgt werden.

Spinalkanalstenose: Genesungsdauer nach OP

Nach einem minimal invasiven Eingriff ist der Patient in der Regel schneller wieder fit. In den ersten vier Wochen nach dem operativen Eingriff empfehlen wir körperliche Schonung. Hierzu gehört das Tragen einer speziell angepassten weichen Halskrawatte, welche den Nacken entlastet und die Heilung unterstützt. Wurde die Lendenwirbelsäule operiert, entlastet ein Rumpfkorsett den behandelten Bereich. Gezielte krankengymnastischen Therapiemaßnahmen sind etwa physikalische Maßnahmen zur Behandlung von Verspannungen der Muskulatur oder Krankengymnastik. Nach einem Zeitraum von vier Wochen können die gewohnten Aktivitäten in Beruf und Freizeit wieder aufgenommen werden.

Nach der Operation verbleibt der Patient etwa 2-3 Tage auf der Normalstation. Währenddessen wird er nach einem speziell für ihn maßgeschneiderten Schema mobilisiert. Dem Aufenthalt in der Klinik schließt sich eine Rehabilitation an.

Konservative Behandlungsmethoden bei Spinalkanalstenose

Eine Spinalkanalstenose lässt sich in etwa zwei Drittel aller Fälle auch ohne Operation behandeln. Eine OP kann jedoch infrage kommen, wenn bisherige (konservative) Therapiemaßnahmen keine ausreichende Wirkung zeigen und Schmerzen oder andere Beschwerden einen normalen Alltag erschweren beziehungsweise die Lebensqualität einschränken. Neben Schmerzen sind das in der Regel vor allem Probleme beim Gehen und beim Halten des Gleichgewichts sowie unter Umständen eine gestörte Kontrolle über Blase und Darm. Etwa zwei bis vier von zehn Menschen mit Spinalkanalstenose benötigen trotz konservativer Behandlung eine OP. Meist folgt diese nach etwa zwei bis zehn Jahren.

Für die Therapie der Spinalkanalstenose der Halswirbelsäule stehen je nach Ausprägung der Erkrankung verschiedene konservative Behandlungsmethoden zur Verfügung. Ist die Wirbelkanalverengung nur gering ausgeprägt, können wir Schmerzen und Gefühlsstörungen medikamentös behandeln. Bei stärker ausgeprägten Symptomen kann eine Injektionstherapie sinnvoll sein. Dabei verabreichen wir Ihnen über eine Spritze und unter Röntgenkontrolle schmerzstillende, entzündungshemmende, lokal betäubende oder abschwellende Präparate in den Wirbelkanal (Epiduralraumtherapie) oder an eine Nervenwurzel (periradikuläre Therapie, PRT). Physiotherapie und gezielte Übungen helfen, Ihre Rückenmuskulatur zu kräftigen und zu stabilisieren. Im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie setzen unsere interdisziplinären Expertenteams alles daran, Ihre Schmerzen zu lindern und Ihre Lebensqualität zu verbessern.

Medikamentöse Behandlung

Bei Beinschmerzen, Rückenschmerzen oder anderweitigen Schmerzen durch eine Spinalstenose können wir entzündungshemmende Schmerzmittel, Nervenschmerzmittel, muskelentspannende Medikamente und entzündungshemmende Injektionen einsetzen.

Entlastung der Wirbelsäule

Erster Schritt bei der Behandlung der Spinalstenose ist die Entlastung der Wirbelsäule, z. Platzieren Sie die Beine auf eine Erhöhung wie z. B. Hinweis: Achten Sie bei der Stufenlagerung darauf, den unteren Rückenbereich bewusst auf den Boden zu drücken.

Wärme und Massage

Wärmebehandlungen und Massagen können Ihnen bei einer Spinalstenose vorübergehende Linderung bieten. Sie entspannen Ihre Muskeln, verbessern die Durchblutung und reduzieren den Schmerz (vorübergehend). Aufgrund dessen müssen wir die Ursache gezielt mit einer ganzheitlichen Behandlung angehen.

Krankengymnastik und Übungen

Krankengymnastische Übungen können die Beschwerden einer Spinalkanalverengung effektiv lindern. Wechseln Sie danach die Seite. Halten Sie das Knie mit beiden Händen fest und die Position für ca.

Akupunktur und Yoga

Zuletzt können Akupunktur und Yoga ebenfalls die Schmerzen lindern und die Flexibilität und Beweglichkeit Ihrer Wirbelsäule bei einer Stenose verbessern. Während Akupunktur den Energiefluss im Körper ausgleichen kann, stärken Yoga-Übungen Ihre Muskulatur.

Interventionelle Schmerztherapie

Mithilfe der minimalinvasiven interventionelle Schmerztherapie kann er die Schmerzen lindern. Dazu spritzt der Wirbelsäulenchirurg unter Röntgenkontrolle schmerzstillende und/oder betäubende Medikamente über eine Hohlnadel direkt an den Ort, wo die Nerven unter Druck stehen. Auf diese Weise kann man den Schmerz über eine gewisse Zeit betäuben. Es gibt unter den Verfahren der interventionellen Schmerztherapie verschiedene Varianten.

Leben mit Spinalkanalstenose ohne Operation

Sollten Sie sich dafür entscheiden, Ihre Spinalstenose nicht behandeln zu lassen, so verläuft die Entwicklung der Stenose generell langsam. Je nach Ursache können Ihre Schmerzen dabei allmählich zunehmen, jedoch genauso wieder abnehmen. Das kann jedoch nur nach einer Untersuchung bei erfahrenen Fachärzten mit Sicherheit gesagt werden.

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