Epilepsie, auch Fallsucht genannt, ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte unprovozierte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, abnormale elektrische Aktivität im Gehirn. Die Erkrankung hat viele Gesichter, von einem nur für den Patienten spürbaren Vorgefühl bis zu bedrohlich erscheinenden sogenannten Grand Mal Anfällen. Ein einzelner Anfall bedeutet noch keine Epilepsie und kann bei ausreichend hoher Reizung des Gehirns, beispielsweise durch Schlafentzug, Sauerstoffmangel, Fieber oder Alkoholentzug jeden treffen, man spricht dann von einem Gelegenheitsanfall. Die häufigsten Gelegenheitsanfälle im Kleinkindalter sind die Fieberkrämpfe.
Was ist Epilepsie?
Von Epilepsie spricht man, wenn zwei epileptische Anfälle ohne erkennbare Auslöser stattgefunden haben oder ein Anfall, bei dem es Hinweise für eine Neigung zu weiteren Anfällen gibt. Bei einer Epilepsie befinden sich Nervenzellen des Gehirns andauernd oder bei bestimmten auslösenden Reizen in einem Zustand, der plötzlich auftretende Funktionsstörungen, sogenannte epileptische Anfälle, auslösen kann. Diese Anfälle kommen durch plötzliche, synchrone Entladungen von Nervenzellen zustande - ähnlich Blitzen bei einem Gewitter - in einem entweder begrenzten Bereich der Hirnrinde oder im Bereich beider Hirnhälften. Als Folge kommt es entweder zu immer gleich verlaufenden Verhaltensänderungen des Patienten oder zu einer Störung seiner Befindlichkeit und seines Bewusstseins.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen für Epilepsie sind vielfältig. Sie reichen von:
- angeborenen, erblich bedingten Hirnschädigungen oder Syndromen
- Störungen des Gehirnstoffwechsels
- Hirnmissbildungen
- Hirntumoren
- Entzündungen des Gehirns
- Schädigungen in den hirnversorgenden Gefäßen (Gefäßfehlbildungen, Engstellungen der Gefäße)
- Schlaganfällen
- Kopfverletzungen
Zudem können Stoffwechselstörungen, genetische Faktoren, Kopfverletzungen, gutartige und bösartige Tumore, Hirnhautentzündungen oder Schlaganfälle entsprechende Veränderungen im Gehirn verursachen, welche solche übermäßigen Entladungen der Neuronen begünstigen. Oft ist die genaue Ursache jedoch unbekannt.
Beschwerden bei Epilepsie
Die bei der Diagnose Epilepsie am häufigsten beklagten Beschwerden sind einerseits die epileptischen Anfälle, die manchmal ohne, meist aber mit Bewusstseinsverlust einhergehen. Andere Beschwerden sind Störungen der Befindlichkeit, Merkfähigkeit und Konzentration.
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Das Spektrum der Anfallserscheinungen reicht von einem nur für den Patienten spürbaren Anfallsvorgefühl (Aura) bis hin zu einem sehr bedrohlich erscheinenden großen Anfall, der mit Zuckungen des gesamten Körpers und komplettem Bewusstseinsverlust ("Grand mal") einhergeht. Epileptische Anfälle können von wenigen Sekunden bis mehrere Minuten dauern, in der Regel sind es 1,5 bis 2 Minuten. Nach dem Anfall hat der Patient oft das Bedürfnis zu schlafen und ist häufig verwirrt, was manchmal wenige Minuten, aber auch bis zu 24 Stunden andauern kann. Dieser postiktale Zustand kann darüber hinaus gekennzeichnet sein durch depressive oder aggressive Stimmungen, Sprachstörungen, manchmal aber auch Lähmungserscheinungen.
Aura
Vor dem sichtbaren Anfall berichtet der Patient manchmal über eine sogenannte Aura, ein Anfallsvorgefühl, das bereits Teil des epileptischen Anfalls ist und sich z.B. als aufsteigendes Unwohlsein, Sprachstörung, Schwindel oder Gedächtnisstörung zeigen kann. Manchmal ist die Aura aber auch das einzige spürbare Zeichen eines epileptischen Anfalls.
Fokaler Anfall
Manchmal ist der Anfall äußerlich kaum erkennbar, wenn der Betroffene z.B. nur eine seltsame Armhaltung zeigt, verbunden mit starrem Blick, Verharren, Nicht-Ansprechbarkeit und Kauen oder Schmatzen. Solche Anfälle werden "fokale Anfälle" genannt und beruhen auf einer Funktionsstörung eines begrenzten Gewebebereichs des Gehirns, dem "Epilepsieherd". Fokale Anfälle werden auch als partielle oder lokalisationsbezogene epileptische Anfälle bezeichnet. Diese Anfälle gehen immer von einem bestimmten Bereich des Gehirns aus und betreffen in der Regel nur eine Gehirnhälfte. Man unterscheidet fokale Anfälle mit Bewusstseinseinschränkung (früher auch komplex-fokal genannt) und fokale Anfälle ohne Bewusstseinseinschränkung (früher einfach fokale Anfälle). Im ersten Fall nimmt der Patient oder die Patientin den epileptischen Anfall nicht bewusst wahr und kann sich später an nichts erinnern. Bei Erwachsenen ist dies die am häufigsten beobachtete Anfallsform. Fokale epileptische Anfälle, vor allem solche mit Bewusstseinsstörung, können in einen sogenannten sekundär generalisierten Anfall (auch bilateral tonisch-klonischer Anfall) übergehen, der dann beide Gehirnhälften betrifft. Die Symptome fokaler Anfälle richten sich nach dem Ursprungsort im Gehirn. Eine häufige Anfallsform fokalen Ursprungs sind vegetative fokale Anfälle. Auch plötzliche Angst, Wut oder Halluzinationen werden in der Literatur beschrieben. Die Sinneswahrnehmung kann durch einen fokalen Anfall gestört werden. So kann Sehen, Hören, Schmecken, Riechen oder Tasten durch den Anfall so beeinträchtigt sein, dass Betroffene Blitze sehen, Geräusche oder Stimmen hören, einen komischen Geschmack im Mund haben, etwas Merkwürdiges riechen oder Temperatur-Missempfindungen, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen spüren. Fokale Anfälle mit Bewusstseinsverlust sind häufig durch sogenannte Automatismen geprägt. Patienten wiederholen im Anfall bestimmte Handlungsmuster, wie z. B.
Generalisierter Anfall, Grand-Mal-Anfall
Der generalisierte Anfall sieht oft lebensbedrohlich für Außenstehende aus und schockiert sie: der Atem der Krampfenden kann stocken, die Augen blicken starr, der Körper kann rhythmisch zucken oder auch ganz verkrampft sein. Beim Anfall kommt es nicht selten zu Urinabgang oder Zungenbiss - kurz: die Körperkontrolle geht verloren. Dennoch schämen sich viele Patienten, auch wenn sie diesen Kontrollverlust nicht beeinflussen können. In der Bevölkerung ist die Erkrankung hauptsächlich wegen dieser Grand-Mal-Anfälle seit Jahrhunderten mit Vorurteilen besetzt. Der Anfall schockiert. Bei generalisierten Anfällen lässt sich keine bestimmte Hirnregion zuordnen, in der der epileptische Anfall entsteht. Während eines Anfalls kann die Ausbreitung unterschiedlich verlaufen und das gesamte Hirnareal betreffen.
Status epilepticus
Dies ist ein lang andauernder Anfallszustand, von dem man spricht, wenn mehrere Anfälle aufeinander folgen, ohne dass sich der Patient dazwischen erholen könnte, oder wenn ein einziger Anfall länger als 20 Minuten dauert. Bei dieser Form des Anfallsverlaufs besteht die Gefahr, dass eine nicht mehr reparable Schädigung des Gehirns auftritt.
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Myoklonien und Myoklonische Anfälle
Diese kurzen, einzelnen, unwillkürlichen Zuckungen einzelner Muskelgruppen oder einer Vielzahl von Muskeln sind oft Phänomene bei genetisch bedingten Epilepsien oder Epilepsiesyndromen und entstehen durch epileptische Reizung der Großhirnrinde. Ein myoklonischer Anfall verursacht keine Bewusstseinsstörungen, sondern äußert sich mit Muskelzuckungen.
Absencen
Sekunden bis Minuten dauernde Zustände mit Bewusstseinstrübung und meist starrem Blick. Dieser Begriff wird im Zusammenhang mit generalisierten Epilepsien verwendet. Bei Absencen kommt es zu einer plötzlichen Bewusstseinsstörung, sodass der Patient bzw. die Patientin seine oder ihre momentane Tätigkeit für die Dauer des Anfalls unterbricht. Die Betroffenen starren bei dieser Form eines epileptischen Anfalls oft ins Leere. Diese Anfälle können mehrere Sekunden dauern und sich stark gehäuft über den Tag wiederholen. Betroffene können sich an den Anfall nicht erinnern und fahren mit ihrer Tätigkeit nach dem Anfall wieder fort. Obwohl diese Anzeichen typisch für Absencen sind, werden sie von Laien vielfach nicht als Symptome einer Epilepsie erkannt. Absencen sind eine häufige Epilepsie-Form des Kindesalters und werden zunächst meist als Unkonzentriertheit oder Träumerei missinterpretiert. Es kann zu wenigen Anfällen innerhalb eines Jahres bis hin zu mehrenden hundert am Tag kommen.
Atonischer Anfall
Verliert man die Muskelkraft, spricht man von einem atonischen Anfall.
Auswirkungen auf den Alltag
Die Diagnose der Erkrankung Epilepsie hat oft weit reichende Folgen für das alltägliche Leben:
- Die Berufswahl kann eingeschränkt sein, insbesondere Berufskraftfahrer sind mit einem Schlag berufsunfähig.
- Die Mobilität mit dem PKW ist durch zunächst begrenztes Fahrverbot erst einmal aufgehoben.
- Ein Kinderwunsch muss nun - hauptsächlich aufgrund der eventuell notwendigen Medikation - geplant werden.
- Begleiterkrankungen, wie Depressionen, Angststörungen oder Gedächtnisstörungen sind bei Epilepsie häufig. Eine psychiatrische und/oder psychotherapeutische Mitbehandlung ist in vielen Fällen zur Erhaltung der Lebensqualität notwendig.
Die Lebensqualität der Patienten ist nicht nur durch die Anfälle selbst, sondern auch durch deren Auswirkungen auf den Alltag beeinträchtigt. Eine besondere Beratung und Aufklärung zu vielfältigen Themenkreisen ist daher notwendig, z. B. Erste Hilfe, Auslöser von Anfällen, Risiken im Alltag, Mobilität, Reisefähigkeit, Behandlung, Beruf, Sexualität, Begleiterkrankungen, usw.
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Untersuchungen bei Epilepsie
Die erste und wichtigste Untersuchung ist die Befragung des Patienten und der Augenzeugen des Anfallsereignisses, welche Vorgefühle eventuell den Anfall angekündigt haben, was der Patient noch selbst von dem Ereignis weiß, welche sichtbaren Phänomene sich abspielten. Dabei werden wichtige Informationen erhoben, die manchmal schon allein eine Verdachtsdiagnose begründen können, aber weiter ergänzt werden müssen durch neurologische und technische Untersuchungen.
Die wichtigsten technischen Untersuchungen bei Verdacht auf Epilepsie sind:
Hochauflösende Magnetresonanztomografie des Gehirns
In der Magnetresonanztomografie des Gehirns (craniales MRT oder cMRT, veraltet: Kernspintomographie) werden die Bilder durch starke Magnetfelder erzeugt. Für spezielle Fragestellungen steht die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) zur Verfügung. Insbesondere können dabei vor einer Epilepsiechirurgie (siehe unten) spezielle Hirnfunktionen den zugehörigen Rindenarealen zugeordnet werden.
EEG-Diagnostik, Ableitung von Hirnströmen
Durch eine Elektroenzephalographie (EEG) kann die Bereitschaft des Gehirns zu epileptischen Entladungen direkt gezeigt werden. Je schneller nach einem Anfall eine EEG durchgeführt wird, umso höher die Chancen, Epilepsiepotentiale aufzuzeichnen. Dazu bekommt der Patient eine Haube mit Elektroden aufgesetzt, von denen die elektrische Oberflächenaktivität der Hirnrinde abgeleitet wird.
Liquordiagnostik und Labordiagnostik
Zur Bestätigung eines Verdachts auf einen sogenannten Grand-Mal-Anfall werden bestimmte Blutwerte herangezogen (CK-Wert, Prolaktin), aber auch bei bekannter Epilepsie sind regelmäßige Blutuntersuchungen (Blutspiegelkontrollen) unverzichtbar, da einige der eingesetzten Medikamente den Stoffwechsel von Leber oder Niere beeinflussen.
Die Hirnwasser-Entnahme (Liquordiagnostik) wird immer bei Verdacht auf ein akut entzündliches Geschehen (z.B. Gehirnentzündung) durchgeführt, aber auch im Verlauf der Erkrankung, wenn die Anfälle medikamentös nicht einstellbar sind oder andere Beschwerden wie Gedächtnisstörungen oder Depression hinzu treten.
Spezielle Diagnostik
Sind Kernspintomographie und EEG-Untersuchungen unauffällig, gibt es weitere bildgebende Verfahren zur Lokalisierung des Epilepsieherdes. Diese sollten bei schwer behandelbarer Epilepsie angewendet werden und spezialisierten Einrichtungen vorbehalten sein, da die Interpretation der Ergebnisse einer großen Expertise bedarf.
Neuropsychologische Tests
Einbußen in Gedächtnis und Konzentration durch die individuelle Behandlung können erfasst und im Verlauf kontrolliert werden. Darüber hinaus können die Auswirkungen der Erkrankung auf den Lebensalltag der Patienten in Tests gemessen und im Verlauf immer wieder kontrolliert werden. Diese Untersuchungen der Gedächtnis- und Sprachleistungen dienen der Beurteilung einer vorgeschlagenen Maßnahme, wie die eines epilepsiechirurgischen Eingriffs oder der Vertretbarkeit einer medikamentösen Behandlung.
Eigene Videodokumentation per Smartphone
Im Zeitalter der Smartphones plädieren die Experten sehr dafür, dass Familienangehörige oder enge Freunde den Anfall des Betroffenen als Video aufnehmen und den behandelnden Ärzten zukommen lassen. Denn: Allein durch die Aufzeichnungen der sichtbaren Anfallsphänomene kann der Verdacht auf eine bestimmte Lokalisation des Epilepsieherds im Gehirn geäußert werden. Manchmal muss die Verdachtsdiagnose aber auch in Frage gestellt werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie
Prinzipiell ist Epilepsie eine gut behandelbare Erkrankung. Circa 60-70 Prozent der Erkrankten werden durch eine für sie passende Behandlung langfristig anfallsfrei. Nach dem ersten Anfall kann, nach mehreren Anfällen sollte eine Therapie der Epilepsie begonnen werden.
Akutbehandlung beim Anfall
Ein epileptischer Anfall ist normalerweise nach ca. 2-3 Minuten beendet und bedarf keiner Notfallmedikation. Dauert er länger, ist in jedem Fall professionelle Hilfe erforderlich. Als Außenstehender, der zu einem krampfenden Patienten kommt, ist es zunächst wichtig, Ruhe zu bewahren und den Patienten zu "sichern". Das kann bedeuten, spitze Gegenstände außer Reichweite zu bringen und den Notarzt zu rufen. Krampflösende Medikamente aus der Gruppe der Benzodiazepine werden zur Unterbrechung eines länger dauernden Anfalls oder einer Anfallsserie durch den Notarzt eingesetzt.
Medikamentöse Behandlung
Antiepileptika (Medikamente gegen Epilepsie) wirken nicht anti-epileptisch im eigentlichen Sinne, sondern sind "nur" Anfallsblocker und sorgen dafür, dass die Krampfschwelle des Gehirns nicht mehr so niedrig ist wie im unbehandelten Zustand. Setzt man sie ab, sind im Allgemeinen erneut Anfälle zu erwarten. Daher ist es oft lebenswichtig, Medikamente nur in Absprache mit dem behandelnden Neurologen um- oder abzusetzen. Die ausführliche Aufklärung über Risiken und Nebenwirkungen, über Wirkung und Chancen mit dem Präparat ist Grundlage für eine langfristig erfolgreiche Therapie. Gerade spezielle Patientengruppen, wie Schwangere, ältere Patienten oder Kinder, bedürfen einer besonderen Überprüfung der Medikation hinsichtlich Verträglichkeit, Nebenwirkung und Wechselwirkung mit anderen Präparaten - vor allem, wenn weitere Erkrankungen vorliegen.
Bei schwer behandelbaren Epilepsien oder Epilepsiesyndromen existieren noch alternative medikamentöse Behandlungsansätze aus der Gruppe der Immunsuppressiva. Die Indikationsgebiete hierfür sind streng begrenzt. Diagnosestellung und Einsatz solcher Medikamente ist spezialisierten Epilepsiezentren vorbehalten.
Neurostimulation Vagusnervstimulation (VNS)
Die Vagusnervstimulation beruht auf der regelmäßigen Reizung des linken Vagusnervs, die über einen implantierten Generator unterhalb des linken Schlüsselbeins standardisiert alle 5 Minuten für 30 Sekunden abgegeben und ins Gehirn weitergeleitet wird, wo epileptische Aktivität regional unterdrückt werden kann. Diese Methode ist seit fast 20 Jahren weltweit etabliert und zeigt gute Erfolge bei den schwer betroffenen Epilepsiepatienten.
Langzeit-Untersuchungen zeigen, dass mehr als die Hälfte der Patienten eine deutliche Anfallsverbesserung um mehr als 50 Prozent zeigt und dass die Lebensqualität durch deutliche Stimmungsverbesserungen sowie Verbesserungen der Aufmerksamkeit und der motorischen Fähigkeiten steigt.
Tiefe Hirnstimulation
Die tiefe Hirnstimulation ist ein Verfahren, das erst seit wenigen Jahren zur Behandlung zur Verfügung steht. Dabei werden Elektroden in bestimmten Hirnbereichen operativ eingepflanzt, die regelmäßig elektrische Impulse aussenden und damit eine Verbesserung der Anfallssituation erzielen können.
Transcutane Vagusnervstimulation (T-VNS)
Die Wirksamkeit der transcutanen Vagusnervstimulation wird derzeit in Deutschland und Österreich im Rahmen einer Studie untersucht und Versicherten der Barmer mit schwer behandelbarer Epilepsie in einem aktuell laufenden Projekt mit der Universitätsklinik Bonn angeboten. Diese Methode beruht auf der äußeren Reizung eines Nerves, der die Ohrmuschel versorgt und ein Teilast des "Vagusnerven" ist. Eine Untersuchung der Universitätsklinik Erlangen konnte zeigen, dass regelmäßige Stimulationen über die Ohrelektrode, die der Patient selbst ein- und ausschalten sowie fein regulieren kann, die Anfallsaktivität unterdrücken kann.
Epilepsiechirurgie
Bei schwer von Epilepsie Betroffenen kann im Rahmen eines stationären Aufenthaltes in einem Epilepsiezentrum geklärt werden, ob ein operativer Eingriff zur Behandlung der Epilepsie möglich ist und mit welchen Chancen auf Heilung oder Besserung der Symptome, aber auch mit welchen Risiken (Sprachstörungen, Lähmungen, usw.) zu rechnen ist.
Die Anzahl der epilepsiechirurgischen Operationen in Deutschland pro Jahr ist überschaubar und den epileptologischen Spezialeinrichtungen vorbehalten, die z. B. über einen ausreichenden Erfahrungshintergrund von jährlich mindestens 25 Operationen am Gehirn verfügen sollten.
Ziel der Operation ist, den Epilepsieherd vollständig zu entfernen, ohne wichtige Gehirnfunktionen zu schädigen. Eine frühe Entscheidung für eine Operation kann den weiteren Lebensverlauf eines Patienten sehr positiv beeinflussen, vorausgesetzt, die Bedingungen für eine Operation sind erfüllt. Gerade im Kindesalter bedeutet eine Anfallsreduktion oder Anfallsfreiheit eine günstigere Entwicklung. Daher sollte die Abklärung, ob ein chirurgischer Eingriff für den Patienten in Betracht kommt, so früh wie möglich in einem dafür spezialisierten Zentrum vorgenommen werden.
Ausschlag bei Epilepsie
Ein Ausschlag bei Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht jeder Ausschlag bei einem Epilepsie-Patienten direkt mit der Epilepsie selbst zusammenhängt. Mögliche Ursachen sind:
- Arzneimittelinduzierte Hautreaktionen: Medikamente gegen Epilepsie (sog. Antikonvulsiva) führen besonders häufig zu Hautausschlägen. Die Hautreaktionen können allergisch oder nicht-allergisch bedingt sein. Am häufigsten ist ein rotfleckiger Ausschlag (Arzneimittelexanthem), der sich meist vom Rumpf her ausbreitet. Es können aber auch Nesselsucht, Angioödem und anaphylaktische Reaktionen auftreten. Auch ein fixes Arzneimittelexanthem ist möglich, bei dem die Hautveränderung immer an derselben Stelle auftritt.
- Allergische Reaktionen: Bei einer allergischen Reaktion sieht das Immunsystem Bestandteile des Arzneimittels als Fremdstoff an und wehrt sich dagegen.
- Pseudoallergische Reaktionen: Ein Medikamentenausschlag kann sich auch ohne allergische Reaktion des Immunsystems entwickeln. Beispielsweise können Kortison-Präparate einen Akne-ähnlichen Ausschlag hervorrufen. Das Gleiche gilt für Medikamente mit Lithium, die bei bestimmten psychischen Erkrankungen verordnet werden.
- Andere Ursachen: Der Ausschlag kann auch durch andere Faktoren verursacht werden, die nichts mit der Epilepsie oder ihren Medikamenten zu tun haben, wie z.B. Infektionen, Allergien gegen andere Substanzen oder Hauterkrankungen.
Arzneimittelexanthem: Symptome
Ein Arzneimittelexanthem kann an fast allen Körperstellen auftreten, auch im Bereich der Schleimhäute. Typischerweise entwickelt es sich jedoch an den Extremitäten (Arme, Beine) und am Körperstamm (Brust, Bauch, Rücken). Manchmal breitet sich das Arzneimittelexanthem vom Rumpf her aus; in anderen Fällen dehnt es sich von den Extremitäten ausgehend auf den Körperstamm aus.
Das Arzneimittelexanthem ist eine sehr vielgestaltige Hauterscheinung. So lässt es sich leicht mit dem großfleckigen Ausschlag bei Masern, mit dem kleinfleckigen bei Röteln oder auch mit den Hautveränderungen bei Scharlach oder Syphilis verwechseln.
In den meisten Fällen zeigt sich das Arzneimittelexanthem als rötliche Erhebung, oft auch ähnlich einem Mückenstich. Auch Quaddeln (Urtikaria = Nesselsucht) sind häufiges Symptom eines Arzneimittelexanthems. Manchmal bilden sich teils große Blasen, die platzen (bullöse Form).
Bei einem allergisch bedingten Arzneimittelexanthem gesellen sich in ernsteren Fällen noch weitere Symptome hinzu wie Durchfall, Übelkeit, Erbrechen sowie Schleimhautschwellungen im Mund und Rachen. Damit verbunden ist dann ein mehr oder weniger ausgeprägtes Krankheitsgefühl, gelegentlich auch mit Fieber. Zusätzlich können Lymphknoten in der Nähe anschwellen. Bei einer sehr schweren allergischen Reaktion ist auch das Herz-Kreislauf-System betroffen.
Behandlung von Ausschlag bei Epilepsie
Die Behandlung eines Ausschlags bei Epilepsie hängt von der Ursache ab.
- Arzneimittelinduzierter Ausschlag: Das auslösende Medikament sollte abgesetzt werden (nach ärztlicher Rücksprache!). Die Symptome einer allergischen Hautreaktion können mit Medikamenten behandelt werden (Antihistaminika und/oder Kortison zur Linderung der Symptome, meist lokal angewendet, ggf. auch als Tabletten oder Infusionen). In schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung (evtl. auf Intensivstation) erforderlich.
- Andere Ursachen: Die Behandlung richtet sich nach der jeweiligen Ursache des Ausschlags.
Wichtig: Bei Auftreten eines Ausschlags unter der Behandlung mit Antiepileptika sollte umgehend ein Arzt konsultiert werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie einzuleiten.
Das Sterblichkeitsrisiko bei Epilepsie
Das Sterblichkeitsrisiko im jüngeren Lebensalter ist bei Epilepsiepatienten grundsätzlich gegenüber der gesunden Normalbevölkerung erhöht. Mögliche Ursachen an der Erkrankung zu versterben sind: plötzlicher, unerwarteter Tod bei Epilepsie (Sudep), Unfälle durch Anfall, insbesondere Ertrinken, Status epilepticus, Selbsttötung. In den Aufklärungsgesprächen zwischen Arzt und Patient werden diese Zusammenhänge leider noch zu selten erwähnt.