Ausstellungen und Initiativen zum Thema Demenz in Mainz: Ein umfassender Überblick

Die Auseinandersetzung mit Demenz ist ein wichtiges gesellschaftliches Anliegen. In Mainz und Umgebung gibt es verschiedene Initiativen und Ausstellungen, die dazu beitragen, das Bewusstsein für diese Krankheit zu schärfen, Vorurteile abzubauen und Unterstützung für Betroffene und ihre Angehörigen anzubieten. Dieser Artikel gibt einen umfassenden Überblick über einige dieser Angebote.

Die Ausstellung "Demenz lebt!": Einblicke in die Begleitung von Menschen mit Demenz

In der Vorhalle der Christuskirche Mainz fand eine bemerkenswerte Ausstellung statt, die vom Seniorenpflegeheim St. Bilhildis organisiert wurde. Unter dem Titel "Demenz lebt!" wurden vom 2. bis zum 15. Möglichkeiten der Begleitung von Menschen mit Demenz aufgezeigt. Rund 340 interessierte Besucher nutzten die Gelegenheit, sich über die Krankheit zu informieren und sich mit den Herausforderungen und Chancen im Umgang mit Demenz auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung verfolgte mehrere Ziele:

  • Abbau von Vorurteilen: Ein zentrales Anliegen war es, Vorurteile gegenüber Demenz abzubauen und ein realistisches Bild der Krankheit zu vermitteln.
  • Information über Therapiemöglichkeiten: Die Ausstellung informierte über praktisch erprobte und wissenschaftlich belegte, nicht-pharmakologische Therapiemöglichkeiten.
  • Vermittlung einer positiven Botschaft: Die Botschaft der Ausstellung war, dass Menschen mit Demenz trotz ihrer Erkrankung ein würdevolles und gutes Leben führen können.

Die Ausstellung zeigte in der Regel einen Bewohner und einen Betreuer in verschiedenen Aktivierungseinheiten, wie z.B. Kunsttherapie, musikalische Beschäftigung, Erinnerungsarbeit, Spiele, Bewegung oder individuell noch mögliche Alltagsaktivitäten.

Selbsterhaltungstherapie (SET) nach Dr. Barbara Romero

Das Seniorenpflegeheim St. Bilhildis richtet die Betreuung von Menschen mit Demenz seit 2006 an der Selbsterhaltungstherapie (SET) aus, die von Dr. Barbara Romero an der Klinik rechts der Isar der TU München entwickelt wurde. Am Eröffnungstag der Ausstellung referierte Dr. Romero über die Bedeutung einer angemessenen Beschäftigung und einer angepassten Kommunikation für die Begleitung von Menschen mit Demenz.

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Die Eröffnung der Ausstellung wurde durch Grußworte von Herrn Matthias Teutsch, Pfarrer der Christuskirchengemeinde, Herrn Dr. Klaus Herzberg, Geschäftsführer der Franziska Schervier Altenhilfe gGmbH, und Frau Gudrun Andres, Vorsitzende der Alzheimergesellschaft Rheinland-Pfalz, bereichert. Finanziell unterstützt wurde die Ausstellung "Demenz lebt!" von der Landeszentrale für Gesundheitsförderung in Rheinland-Pfalz, der Bank für Kirche und Caritas, der Verlagsgruppe Rhein-Main, dem Otto Schott-Fonds und von Bewohnern des Bilhildis-Heimes.

Besucher der Ausstellung äußerten sich positiv im Gästebuch:

  • "Berührend und ermutigend - Danke!"
  • "Sehr schöne Fotos, die zum Nachdenken anregen."
  • "Ein Herz für demenzkranke Menschen! Diese Ausstellung möge vielen Angehörigen eine Hilfe sein."

Klappstuhl - Demenzgespräche vor Ort: Ein niedrigschwelliges Angebot

Das Netzwerk Demenz Mainz-Bingen hat eine innovative Initiative ins Leben gerufen: "Klappstuhl - Demenzgespräche vor Ort". Ziel ist es, aktiv auf die Menschen in den kleinen Ortsgemeinden zuzugehen, um Neugier zu wecken und Mut zu machen, sich bei Fragen rund um das Thema Demenz Unterstützung zu suchen.

Was ist "Klappstuhl"?

"Klappstuhl" steht für ein niedrigschwelliges und offenes Gesprächsangebot. Das Netzwerk kommt mit einem Klappstuhl an Orte, wo Menschen ohnehin zusammenkommen, sei es auf dem Marktplatz, im Sportverein oder nach dem Gottesdienst. Hier wird Raum für persönliche Gespräche geboten und Fragen zum Thema Demenz beantwortet. Das Angebot richtet sich an Menschen jeden Alters, da Demenz uns alle direkt oder indirekt betrifft.

Warum "Klappstuhl"?

Die Initiative möchte die Hemmschwelle senken, sich mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen. Indem sie in die Lebenswelt der Bürgerinnen und Bürger kommt, schafft sie eine vertrauensvolle Atmosphäre für offene Gespräche mit kompetenten Fachkräften. "Klappstuhl" sensibilisiert für die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen und zeigt Wege auf, wie Unterstützung aussehen kann.

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Praktische Umsetzung

Die praktische Umsetzung von "Klappstuhl" umfasst verschiedene Elemente:

  1. Gesprächsinseln an ungewöhnlichen Orten: Es werden kleine Gesprächsstände an Orten aufgebaut, wo Menschen spontan verweilen und ins Gespräch kommen können.
  2. Kooperationen mit lokalen Akteuren: Veranstaltungen und Treffen von Vereinen, kirchlichen Gruppen, bei der Kerb, Jubiläumsfeiern, an beliebten Treffpunkten, in lokalen Geschäften oder im Rathaus werden genutzt, um das Angebot zu präsentieren.
  3. Impulse zum Nachdenken: Kurze, prägnante Szenen, die zeigen, wie herausfordernd die Kommunikation mit Menschen mit Demenz sein kann, oder das Zeigen von kurzen Filmen der Alzheimer Gesellschaft regen zur Auseinandersetzung an.
  4. Informationskoffer zum Mitnehmen: Ein Koffer mit wichtigen Informationen, Broschüren des Netzwerks Demenz und der Psychosozialen Beratungsstelle (PSP), Flyer sowie Postkarten mit Tipps zur besseren Verständigung mit Menschen mit Demenz und Informationen zum Demenz Parcours steht zur Verfügung.

Kurse und Fortbildungen zum Thema Demenz

Das Netzwerk-Demenz Mainz-Bingen bietet verschiedene Kurse und Fortbildungen an, die sich an unterschiedliche Zielgruppen richten:

Kurs für Gruppen "Demenz anders sehen"

Dieser Kurs richtet sich an pflegende Angehörige, insbesondere Angehörige von Menschen mit Demenz, und Interessierte (bis zu 12 Personen). Die Teilnehmenden setzen sich mit den Auswirkungen der Demenz auseinander, reflektieren ihre eigenen Belastungen und entwickeln neue Sichtweisen auf die Krankheit. Der 23-stündige Kurs wird von zwei Referent*innen geleitet.

Kurs für Multiplikatoren "Demenz anders sehen"

Das Netzwerk-Demenz Mainz-Bingen bildet Referent*innen für die Durchführung des Kurses "Demenz anders sehen" aus. Ziel ist es, die Licht- und Schattenseiten im Zusammenleben mit Demenzerkrankten zu reflektieren und Quellen für andere Sichtweisen kennenzulernen. Zur Durchführung des Kurses gibt es ein ausgearbeitetes Konzept mit unterstützenden Materialien.

Kurzkonzept "Demenz anders sehen" - unterwegs für Kleingruppen

Dieses Angebot richtet sich an pflegende Angehörige und Begleitende von Demenzerkrankten in kleinen Gruppen (2-6 Personen). Die Inhalte des Workshops "Demenz anders sehen" werden während eines Spaziergangs oder einer kleinen Wanderung besprochen, wobei dem persönlichen Austausch Raum gegeben wird. Teile des Demenzparcours oder Texte werden zur Eigenerfahrung mit- und während einer Rast durchgeführt.

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Einkehrtag für pflegende Angehörige

Dieser Tag bietet pflegenden Angehörigen von Menschen mit Demenz die Gelegenheit, vom oft beschwerlichen Alltag Abstand zu bekommen, neue Kräfte zu tanken und einen Perspektivwechsel zu wagen: Demenz anders sehen.

Demenz-Partner-Kurs

In dieser Basisschulung erfahren die Teilnehmenden etwas über die Demenzerkrankung und die damit einhergehenden Einschränkungen. Sie lernen Wege kennen, um Menschen mit Demenz und ihre Angehörige zu unterstützen. Die Kurse richten sich an alle, die sich um Menschen mit Demenz sorgen, sowie an Unternehmen, Betriebe und Vereine.

Für die Buchung eines Angebots kann Kontakt mit der Koordinierungsstelle Wendepunkt Demenz aufgenommen werden. Aus einem Pool von qualifizierten Fachkräften wird ein/e Referent/in vermittelt, mit dem/der die Kosten vereinbart werden können.

Ausstellung mit Bildern von Peter Gaymann: "DEMENSCH"

Der Runde Tisch Demenz im Netzwerk-Demenz Mainz-Bingen erwarb die DEMENSCH-Ausstellung mit Bildern des Cartoonisten Peter Gaymann mit finanzieller Unterstützung des Landkreises Mainz-Bingen. Die Ausstellung war bereits an verschiedenen Standorten im Landkreis und darüber hinaus zu sehen.

Peter Gaymann wurde 1950 in Freiburg im Breisgau geboren und lebt heute in Köln. Seit 2013 erscheint jährlich zusammen mit Prof. Dr. Thomas Klie ein DEMENSCH-Kalender, der in der Fachwelt große Verbreitung gefunden hat.

Thomas Klie betont: "Der Humor von Menschen mit Demenz und der sie begleitenden Angehörigen, Professionellen, Freiwilligen, er kann einige Strahlen in Dunkelheit, in den immer wiederkehrenden Alltag, in komplizierte Situationen werfen."

Spezielle Führung in der Kunsthalle Mainz zum Welt-Alzheimertag

Am Welt-Alzheimertag am 21. September fand eine spezielle Führung in der Kunsthalle Mainz statt, die sich an Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen richtete. Über eine Wiederholung des Angebotes würden sich alle Beteiligten sehr freuen. Ziel war es, ein gemeinsames, positives Erlebnis zu schaffen.

Die Bedeutung von Respekt und Unterstützung im Umgang mit Demenz

Die Art und Weise, wie wir uns gegenüber Menschen mit Demenz verhalten, hat einen großen Einfluss auf den Krankheitsverlauf. Wir können ihre Persönlichkeit wieder aufbauen und ihnen das Gefühl geben, gebraucht und geschätzt zu werden.

Ein afrikanisches Sprichwort bringt es auf den Punkt: "Eine Person wird erst durch andere zu einer Person."

Es ist wichtig, Menschen mit Demenz zu bestätigen, zu umarmen, zu unterstützen und ihnen zu zeigen, dass sie eine Bedeutung im Leben haben. Wir sollten sie für das respektieren, was sie immer noch tun und sein können, und dafür sorgen, dass sie soziale Kontakte aufrechterhalten.

Die Herausforderungen im Alltag mit Demenz

Menschen mit Demenz erleben oft schwierige Situationen im Alltag:

  • Verlust der Orientierung: Sie können sich in ihrer Umgebung nicht mehr zurechtfinden und wissen nicht, wo sie sich befinden.
  • Kommunikationsschwierigkeiten: Es fällt ihnen schwer, sich auszudrücken und andere zu verstehen.
  • Vergessen von Grenzen: Sie können eigene Gefahren nicht erkennen und auch nicht, dass sie andere Menschen verletzen könnten.
  • Emotionale Instabilität: Sie können ihre Emotionen nicht mehr steuern und leiden selbst am meisten darunter.

Es ist wichtig, diese Herausforderungen zu verstehen und Menschen mit Demenz mit Geduld und Empathie zu begegnen.

Selbsterhaltungstherapie (SET) in der Universitätsmedizin Mainz

Seit Februar 2019 arbeitet das Team der gerontopsychiatrischen Station der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsmedizin Mainz nach der Selbsterhaltungstherapie nach Barbara Romero. Dies ist eine nicht-medikamentöse Behandlungsform für Menschen mit einer Demenz-Erkrankung. Bei dieser steht die Anpassung an die Krankheitsfolgen im Fokus. Es werden individuell geeignete Aktivitäten wie auch Erlebnis- und Teilhabemöglichkeiten, die den Betroffenen weder unter- noch überfordern und auch nicht befremden, aufgebaut. Die Angehörigen und Bezugspersonen werden in die Behandlung konsequent mit einbezogen, beraten und angeleitet und erhalten individuelle „Therapeutische Empfehlungen“ zur Sicherung der Nachhaltigkeit der Behandlung.

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