Kieferhöhlenzysten: Auswirkungen auf das Gehirn und den Körper

Kieferzysten sind gutartige, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die im Kieferknochen entstehen können. Obwohl sie in der Regel nicht gefährlich sind, können sie durch ihr Wachstum umliegendes Gewebe verdrängen und verschiedene Beschwerden verursachen. In seltenen Fällen können sich Kieferzysten entzünden oder sogar bösartig entarten. Es ist daher wichtig, sie frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Kieferzysten, ihre Auswirkungen auf den Körper und das Gehirn sowie die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten.

Was ist eine Kieferzyste?

Eine Zyste ist ein Hohlraum im Gewebe, der von einer speziellen Hautschicht ausgekleidet ist und meist mit Flüssigkeit gefüllt ist. Kieferzysten entstehen im Kieferknochen und können sich langsam mit Flüssigkeit füllen. Durch den steigenden Druck dehnen sie sich aus und verdrängen das umliegende Gewebe. Ab einer gewissen Größe können sie den Kieferknochen, Zahnnerven und Zähne verdrängen.

Gutartig, aber nicht harmlos

Kieferzysten sind in der Regel gutartig und wachsen sehr langsam, ohne in benachbartes Gewebe einzuwachsen oder in andere Organe zu streuen. Sie sind also kein bösartiger Tumor. Dennoch sollten sie entfernt werden, da sie nach und nach die Nachbarstrukturen verdrängen und schädigen können.

Ursachen von Kieferzysten

Kieferzysten können verschiedene Ursachen haben:

  • Entzündungen an den Zähnen: Insbesondere an wurzeltoten Zähnen können sich Zahnwurzelzysten bilden.
  • Falsche Zahnentwicklung: Wenn Zähne im Kieferknochen stecken bleiben und nicht durchbrechen, kann sich aus dem Zahnfollikel eine Zyste bilden.
  • Gewebereste aus der Embryonalentwicklung: Aus bislang nicht eindeutig geklärten Gründen können sich im Laufe des Lebens Zysten aus diesen Geweberesten entwickeln.

Arten von Kieferzysten

Es gibt verschiedene Arten von Zysten im Kiefer, die sich hinsichtlich ihrer Ursache und ihres Wachstumsverhaltens unterscheiden:

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Zysten, die durch Probleme an den Zähnen entstehen

  • Zahnwurzelzyste (radikuläre Zyste): Diese Zysten sind die häufigsten im Kieferbereich und entstehen durch Entzündungen an wurzeltoten Zähnen. Nach einer Wurzelkanalbehandlung können trotz aller Maßnahmen Bakterien an der Wurzelspitze übrig bleiben. Entzündet sich der nahegelegene Knochen aufgrund dieser Bakterien, kann sich dort unbemerkt eine Zahnwurzelzyste bilden.
  • Entwicklungsbedingte Zyste (follikuläre Zyste): Ein Zahnfollikel ist ein Säckchen, das die Zahnanlage umgibt. Wenn der Zahn im Kieferknochen stecken bleibt und nicht durchbricht, kann sich aus dem Follikel eine Zyste bilden. Am häufigsten betrifft es die Weisheitszähne. Sie liegen oft falsch im Kiefer und haben keinen Platz zum Durchbrechen.
  • Keratozyste (verhornte Zyste): Vermutlich entstehen Keratozysten als Folge der Zahnentwicklung, die fehlerhaft abläuft. Diese Zyste wächst im Gegensatz zu allen anderen Arten sehr schnell und bildet eine Art Ausläufer in den Kieferknochen. Trotz sorgfältiger Entfernung mit Sicherheitsabstand kommt sie oft an gleicher Stelle wieder. Obwohl sie gutartig ist, hat sie ein aggressives Wachstum, weshalb sie zwischenzeitig zu den zahnbezogenen Tumoren gezählt wurde. Da sie schnell wächst und das Gewebe verdrängt, treibt gelegentlich der Kiefer auf, was von außen geschwollen aussieht. Außerdem können sich die Zähne verschieben und wackeln. Bei einer seltenen Erbkrankheit kommen die Keratozysten vermehrt vor. Diese sind nur eines von vielen Merkmalen des sogenannten Gorlin-Goltz-Syndroms.

Zysten, die nicht vom Zahn ausgehen

Es gibt noch andere Zysten, die nicht in einem Bezug zu Zähnen entstehen. Verantwortlich sind Gewebereste, die nach der embryonalen Entwicklung übrig bleiben. Aus bislang nicht eindeutig geklärtem Grund können sich im Laufe des Lebens Zysten aus diesem Gewebe entwickeln. Ein Beispiel ist eine Zyste, die sich in der Mitte des Gaumens bilden kann.

Symptome und Auswirkungen von Kieferzysten

Kieferzysten wachsen in der Regel sehr langsam und verursachen anfangs oft keine Symptome. Daher werden sie häufig nur zufällig auf Röntgenbildern entdeckt. Erst wenn die Zyste auf einen Nerv drückt, können dumpfe Schmerzen oder ein Druckgefühl auftreten. Auch wandernde oder lockere Zähne können ein Anzeichen für eine Zyste sein.

Mögliche Auswirkungen auf den Körper

  • Verdrängung von Zähnen: Kieferzysten können Zähne verschieben oder kippen lassen.
  • Abbau der Zahnwurzel: In manchen Fällen wird die Zahnwurzel abgebaut, wodurch sich der Zahn lockern oder sogar ganz ausfallen kann.
  • Aufquellen und Verformen des Kiefers: Der Kieferknochen kann aufquellen und sich verformen oder gar brechen.
  • Entzündungen: Infiziert sich eine Zyste mit Bakterien, entzündet sich häufig auch das umliegende Gewebe. Typisch sind pochende Schmerzen sowie gerötete und geschwollene Stellen im Mund.
  • Auswirkungen auf das Immunsystem: Entzündungen im Mundraum können das Immunsystem schwächen und die Entstehung von Folgeerkrankungen begünstigen.

Auswirkungen auf das Gehirn

Obwohl Kieferzysten in erster Linie den Kieferbereich betreffen, können sie in seltenen Fällen auch Auswirkungen auf das Gehirn haben. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Zyste sehr groß ist und in die Nähe von Nervenbahnen oder Blutgefäßen wächst, die zum Gehirn führen.

  • Kopfschmerzen: Kieferzysten können Kopfschmerzen verursachen, insbesondere wenn sie auf Nerven drücken.
  • Sehstörungen: In seltenen Fällen können Kieferzysten Sehstörungen wie Doppelbilder verursachen, wenn sie auf Nerven drücken, die die Augenmuskeln steuern.
  • Hirnabszesse: In sehr seltenen Fällen können sich Bakterien aus einer entzündeten Kieferzyste über die Blutbahn ins Gehirn ausbreiten und dort einen Hirnabszess verursachen.

Auswirkungen auf die Psyche

Zahnbeschwerden können sehr belastend sein. Einige Wissenschaftler glauben, dass es möglich ist, dass eine Entzündung im Mundraum eine Depression auslösen kann. Bestimmte Forschungsergebnisse lassen jedenfalls auf einen direkten Zusammenhang zwischen Immunsystem und Depression schließen.

Die Zytokine, die die Immunantwort regulieren, können einen Effekt auf das Zentrale Nervensystem haben und mittelbar Verhaltensänderungen auslösen. Die Verhaltensänderungen im Fokus der Wissenschaftler werden allgemein unter dem Begriff “Sickness Behaviour” (also Verhalten bei Krankheit) zusammengefasst. Sie umfassen neben sozialem Rückzug etwa auch ein gesteigertes Schmerzempfinden. Die Wissenschafter gehen davon aus, dass sich dieses “Sickness Behaviour” mittelbar zu einer Depression entwickeln kann, wenn es fehlgeleitet wird.

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Diagnose von Kieferzysten

Kieferzysten werden häufig zufällig bei einer Röntgenuntersuchung des Kiefers entdeckt. Wenn der Verdacht auf eine Zyste besteht, können weitere bildgebende Verfahren wie eine Computertomographie (CT) oder eine Magnetresonanztomographie (MRT) durchgeführt werden, um die Größe und Lage der Zyste genauer zu bestimmen.

Behandlung von Kieferzysten

Die Behandlung von Kieferzysten hängt von der Art, Größe und Lage der Zyste sowie von den verursachten Beschwerden ab. In den meisten Fällen ist eine operative Entfernung der Zyste erforderlich. Es gibt zwei verschiedene Methoden, um eine Kieferzyste zu behandeln:

Entfernung der Zyste (Zystektomie)

Bei der Zystektomie wird die Zyste vollständig entfernt. Die Operation findet in der Regel ambulant und unter örtlicher Betäubung statt. Der entstandene Hohlraum verknöchert in der Regel von allein, meist innerhalb von einem Jahr. Bei einer entzündeten Wurzelspitze als Ursache wird diese bei Möglichkeit mit gekappt. Ist dagegen ein Zahn schuld, der nicht durchbrechen kann, wird dieser zusammen mit der Zyste entfernt.

Verkleinerung der Zyste (Zystostomie)

In manchen Fällen ist es nicht möglich, die Zyste (gleich) vollständig zu entfernen. Das ist beispielsweise bei großen Zysten der Fall, die bereits in der Nähe von Nerven sind. Dann wird in einer ambulanten Operation ein Teil der Zyste entfernt, Zystostomie genannt. Für einige Monate wird das entstandene Loch offengehalten, sodass die Flüssigkeit immer wieder über den Mundraum abfließen kann. Durch den weggefallenen Druck schrumpft die Zyste, während der Knochen langsam nachwächst. Hat die Zyste die gewünschte Größe erreicht, kann sie komplett entfernt werden. In der Zwischenzeit wird die offene Stelle regelmäßig kontrolliert und gespült.

Nach der Operation

Nach der Operation ist eine gute Mundhygiene wichtig, um Infektionen zu vermeiden. In manchen Fällen kann es erforderlich sein, Antibiotika einzunehmen. Die Wundheilung dauert in der Regel einige Wochen.

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Risiken der Operation

Wie bei jeder Operation gibt es auch bei der Entfernung von Kieferzysten einige Risiken:

  • Verletzung von Nachbarzähnen
  • Eröffnung der Kieferhöhle mit folgender Entzündung der Kieferhöhle
  • Nervverletzung, die zu einem bleibenden Taubheitsgefühl an Lippe, Zähnen, Gaumen oder Zunge führen kann
  • Bruch des Unterkiefers, der operativ versorgt werden muss
  • Chronische Knochenentzündung
  • Erneutes Auftreten der Zyste (Rezidiv)

Vorbeugung von Kieferzysten

Einige Arten von Kieferzysten, wie z.B. Zahnwurzelzysten, können durch eine gute Mundhygiene und regelmäßige zahnärztliche Kontrollen vermieden werden. Auch die frühzeitige Behandlung von Zahnentzündungen kann das Risiko einer Zystenbildung verringern.

Zysten im Kopf: Ein Überblick

Zysten können nicht nur im Kiefer, sondern auch in anderen Bereichen des Kopfes auftreten, wie z.B. im Gehirn, in den Nasennebenhöhlen oder in den Augen. Diese Zysten können unterschiedliche Ursachen haben und verschiedene Symptome verursachen.

Hirnzysten

Hirnzysten sind Hohlräume im Gehirn, die von einer Gewebekapsel umgeben sind und mit Flüssigkeit, Gewebe oder Luft gefüllt sein können. Sie können angeboren sein oder sich im Laufe des Lebens entwickeln. Viele Hirnzysten verursachen keine Symptome und werden zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt. Wenn Hirnzysten jedoch auf umliegendes Gewebe drücken oder die Hirnwasserzirkulation beeinträchtigen, können sie verschiedene Symptome verursachen, wie z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder Krampfanfälle.

Es gibt verschiedene Arten von Hirnzysten, die sich hinsichtlich ihrer Ursache und Lokalisation unterscheiden:

  • Arachnoidalzysten: Diese Zysten sind mit Nervenwasser (Liquor) gefüllte Räume im Gehirn oder Rückenmark, welche von Membranen der weichen Hirnhäute (Arachnoidea) umgeben sind. In den meisten Fällen bestehen sie schon seit Geburt.
  • Kolloidzysten: Sie treten meistens im vorderen oberen Bereich der dritten Hirnwasserkammer (auch Ventrikel genannt) auf. Sie sind gutartig, können jedoch die Verbindung zwischen den Seitenventrikeln und dem 3. Ventrikel blockieren und zu einem Verschluss-Hydrozephalus führen.
  • Ventrikelzysten: Dies sind Zysten in Hirnwasserkammern, die meistens aus Membranen der weichen Hirnhaut oder Zellen der Ventrikelwand entstehen.
  • Pinealiszysten: Sie entstehen aus der Zirbeldrüse, auch Pinealis genannt. Wenn sie zu groß werden, blockieren sie die Verbindung zwischen der dritten und vierten Hirnwasserkammer und stören die Hirnwasserzirkulation.

Die Behandlung von Hirnzysten hängt von der Art, Größe und Lokalisation der Zyste sowie von den verursachten Symptomen ab. In manchen Fällen ist keine Behandlung erforderlich, während in anderen Fällen eine Operation notwendig sein kann, um die Zyste zu entfernen oder zu verkleinern.

Nasennebenhöhlenzysten (Mukozelen)

Mukozelen (Schleimzysten) entstehen, wenn der Abfluss des in den Nasennebenhöhlen gebildeten Sekrets gestört ist. Der sich dann anstauende Schleim erzeugt einen solchen Druck, dass sogar Knochen deformiert und verdrängt werden. Die Stirnhöhle und die Siebbeinzellen sind am häufigsten betroffen. Bei Einbruch in die Augenhöhle wird manchmal der Augapfel nach vorn verdrängt. Es kommt zu Sehstörungen wie Visusverlust und Doppelbilder. Bei Ausdehnung in den Subarachnoidalraum sind Liquorlecks und Hirnabszesse möglich.

Die Therapie der Wahl ist immer die chirurgische Eröffnung der Mukozele. Die Operation kann von außen erfolgen oder mit einem endoskopischen Verfahren.

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