Auswirkungen von Eisenmangel auf das zentrale Nervensystem

Eisen ist ein essentielles Spurenelement, das für zahlreiche physiologische Prozesse im Körper unerlässlich ist. Es spielt eine entscheidende Rolle beim Sauerstofftransport, der DNA-Synthese und der Funktion vieler Enzyme. Besonders wichtig ist Eisen auch für das Gehirn, wo es an der Neurotransmission, der Myelinisierung und dem Energiestoffwechsel beteiligt ist. Ein Mangel an Eisen kann daher weitreichende Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem (ZNS) haben und zu einer Vielzahl neurologischer und psychischer Symptome führen.

Eisen: Ein lebensnotwendiges Spurenelement

Eisen ist für den Körper von entscheidender Bedeutung, da es unter anderem für den Sauerstofftransport zuständig ist. Der Sauerstoff wird an das Eisen in den roten Blutkörperchen gebunden und über den Blutkreislauf im Körper verteilt. Eisen trägt zu einer guten Stimmung, Antriebskraft und Leistungsfähigkeit bei. Es fördert die Konzentration, hält Haut, Haare und Nägel gesund und stärkt die Abwehrkräfte. Da der Körper Eisen nicht selbst produzieren kann, muss es mit der Nahrung aufgenommen werden.

Eisenmangel: Ursachen und Folgen

Ein Eisenmangel kann verschiedene Ursachen haben, darunter:

  • Blutverluste: Chronische Blutverluste, beispielsweise durch starke Menstruation, Magen-Darm-Blutungen oder Verletzungen.
  • Erhöhter Bedarf: Während des Wachstums, der Schwangerschaft und Stillzeit steigt der Eisenbedarf.
  • Mangelernährung: Eine unzureichende Eisenzufuhr über die Nahrung, insbesondere bei vegetarischer oder veganer Ernährung.
  • Resorptionsstörungen: Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts, die die Eisenaufnahme beeinträchtigen.

Ein Eisenmangel kann sich auf unterschiedliche Weise äußern und verschiedene Organe und Systeme des Körpers betreffen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Blässe
  • Kopfschmerzen und Schwindel
  • Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme
  • Reizbarkeit und depressive Verstimmungen
  • Brüchige Nägel und Haarausfall
  • Atemnot und Herzklopfen
  • Geschwächtes Immunsystem

Auswirkungen von Eisenmangel auf das zentrale Nervensystem

Das Gehirn ist besonders anfällig für die Auswirkungen eines Eisenmangels, da Eisen eine Schlüsselrolle in verschiedenen neurologischen Prozessen spielt. Ein Mangel an Eisen kann die Entwicklung und Funktion des Gehirns beeinträchtigen und zu einer Vielzahl von neurologischen und psychischen Störungen führen.

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Kognitive Funktionen

Eisen ist essenziell für die kognitiven Funktionen wie Lernen, Gedächtnis und Aufmerksamkeit. Studien haben gezeigt, dass Eisenmangel bei Kindern und Erwachsenen zu einer Beeinträchtigung der kognitiven Leistungsfähigkeit führen kann. Dies äußert sich in:

  • Verminderter Konzentrationsfähigkeit
  • Gedächtnisstörungen
  • Verlangsamter Informationsverarbeitung
  • Problemen beim Lernen und Problemlösen

Motorische Fähigkeiten

Eisen spielt auch eine wichtige Rolle bei der motorischen Entwicklung und Funktion. Ein Eisenmangel kann zu einer Beeinträchtigung der motorischen Fähigkeiten führen, insbesondere bei Kindern. Dies kann sich äußern in:

  • Verzögerter motorischer Entwicklung
  • Koordinationsschwierigkeiten
  • Muskelschwäche
  • Unruhe und Hyperaktivität

Neurotransmission

Eisen ist an der Synthese von Neurotransmittern wie Dopamin, Serotonin und Noradrenalin beteiligt. Diese Neurotransmitter sind für die Kommunikation zwischen den Nervenzellen verantwortlich und spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation von Stimmung, Verhalten und Kognition. Ein Eisenmangel kann die Neurotransmission beeinträchtigen und zu einer Vielzahl von psychischen Störungen führen, darunter:

  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS)

Myelinisierung

Eisen ist für die Myelinisierung der Nervenfasern unerlässlich. Myelin ist eine isolierende Schicht, die die Nervenfasern umgibt und die Geschwindigkeit der Nervenimpulse erhöht. Ein Eisenmangel kann die Myelinisierung beeinträchtigen und zu neurologischen Störungen führen.

Eisenmangel und neurodegenerative Erkrankungen

In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend den Zusammenhang zwischen Eisenmangel und neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson- und Alzheimer-Krankheit untersucht.

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Parkinson-Krankheit

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust dopaminerger Neuronen in der Substantia nigra gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Parkinson-Krankheit häufig einen niedrigen Eisenspiegel im Gehirn aufweisen. Eisen kann zur Bildung toxischer Hydroxylradikale beitragen und die Aggregation von α-Synuclein fördern, einem Protein, das in Lewy-Körperchen gefunden wird, die für die Parkinson-Krankheit charakteristisch sind.

Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, die durch den Verlust von Neuronen und Synapsen im Gehirn gekennzeichnet ist. Studien haben gezeigt, dass Patienten mit Alzheimer-Krankheit häufig eine erhöhte Eisenakkumulation im Gehirn aufweisen. Eisen kann zur Bildung von β-Amyloid-Plaques und Neurofibrillenbündeln beitragen, die für die Alzheimer-Krankheit charakteristisch sind. Insbesondere bei Patienten mit dem APOE4-Allel, einem Risikofaktor für die Alzheimer-Krankheit, wurde eine erhöhte zerebrale Eisenakkumulation festgestellt.

Homocystein und seine Auswirkungen auf das Nervensystem

Homocystein ist eine nicht-proteinogene Aminosäure, die im Stoffwechsel von Methionin entsteht. Ein erhöhter Homocysteinspiegel im Blut, die sogenannte Hyperhomocysteinämie, kann verschiedene negative Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem haben.

Neurotoxische Effekte

Homocystein kann im ZNS mit Glutamat und Aspartat um Rezeptoren konkurrieren und so einen excitotoxischen Effekt ausüben. Dies kann zu einer gesteigerten Bildung von Hydroxylradikalen führen und somit Nervenzellen schädigen. Die Aktivierung von NMDA-Rezeptoren durch Homocystein kann intrazellulär eine Erhöhung von Calcium bewirken, was zur Freisetzung zellulärer Proteasen und möglicherweise zum Zelltod führen kann. Dieser Mechanismus wird für eine Reihe neurodegenerativer und psychiatrischer Erkrankungen diskutiert.

Auswirkungen auf die Methylierung

Hyperhomocysteinämie kann auch ein Indikator für eine gestörte Methylierungskapazität sein. Eine intakte Wechselwirkung zwischen Folat und Vitamin B12 ist für die Synthese von DNA und verschiedenen Methylierungsreaktionen von großer Bedeutung. Reduzierte Konzentrationen von Folat und S-Adenosylmethionin (SAM), einem wichtigen Methylgruppendonator, wurden im Liquor cerebrospinalis von Patienten mit neuropsychiatrischen Erkrankungen festgestellt. Bei der Alzheimer-Krankheit werden Veränderungen des SAM-Status als bedeutend für die Expression von Präsenilin und die Bildung von phosphoryliertem Tau-Protein angesehen.

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Auswirkungen auf die Gefäßgesundheit

Homocystein kann auch die Gefäße schädigen und somit die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen. Dies kann das Risiko für vaskuläre Demenz, Alzheimer-Demenz und kognitive Störungen erhöhen.

Therapie der Hyperhomocysteinämie

Eine Senkung des Homocysteinspiegels kann durch die Einnahme von Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 erreicht werden. Studien haben gezeigt, dass eine Supplementierung mit diesen Vitaminen die Plaquefläche in der Arteria carotis reduzieren und das Risiko für ischämische Herzerkrankungen, venöse Thrombose und Schlaganfall senken kann.

Diagnose und Behandlung von Eisenmangel

Die Diagnose eines Eisenmangels erfolgt in der Regel durch eine Blutuntersuchung, bei der der Eisenspiegel, das Ferritin und das Transferrin gemessen werden. Die Behandlung eines Eisenmangels umfasst in der Regel die Einnahme von Eisenpräparaten und eine Ernährungsumstellung, um die Eisenzufuhr zu erhöhen.

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