Die Thematik von Autoimmunerkrankungen des Nervensystems im Zusammenhang mit Impfungen ist komplex und vielschichtig. Es ist wichtig, die verschiedenen Aspekte zu beleuchten, um ein umfassendes Verständnis zu ermöglichen.
Einführung
In den letzten Jahren hat die Forschung zu Langzeiterkrankungen nach akuten Infektionen, insbesondere SARS-CoV-2, und nach Impfungen erheblich zugenommen. Bis zu 5 % der Patienten leiden nach einer akuten SARS-CoV-2-Infektion an verschiedenen Langzeiterkrankungen, die als Post-COVID-Syndrom (PCS) bezeichnet werden. Ähnliche Symptome können auch nach Impfungen auftreten und werden dann als Post-Vac-Syndrom bezeichnet, wobei nach heutigem Verständnis die Pathophysiologie beider "Syndrome" ähnlich ist. Die Prävalenzen in der Literatur schwanken, weil die Zahlen abhängig von den Studienkollektiven variieren. Es gibt Berichte über Patientinnen und Patienten, die an einer LC-ähnlichen Symptomatik leiden, ohne zuvor an COVID-19 erkrankt zu sein. Die Symptome stehen bei diesen Betroffenen im Zusammenhang mit einer Coronaimpfung, weswegen diese Impfkomplikation unter anderem als Post-Vac-Syndrom (PVS) bezeichnet wird. Postvakzinationssyndrome und Autoimmunerkrankungen (AIE) sind als Impfkomplikationen lange bekannt.
Symptome und Risikofaktoren
Die Symptome des Post-Vac-Syndroms sind sehr vielfältig. Häufige Symptome sind anders nicht erklärbare Müdigkeit und Fatigue, Leistungsdefizite und kognitive Störungen wie z.B. Einschränkungen, insbesondere des Kurzzeitgedächtnisses, Kopfschmerzen, Schlafstörungen sowie Riech- und Schmeckstörungen. Das Spektrum der berichteten Symptome ist aber viel breiter, dazu zählen z.B. pulmonale, kardiovaskuläre, hämatologische, rheumatologische, dermatologische und endokrinologische Symptome, die auch, aber nicht nur, in Abhängigkeit vorbestehender Grunderkrankungen auftreten. Phasenweise bestehen zudem Gelenk-, Glieder- und Kopfschmerzen. Post-COVID kommt bei Patienten mit symptomatischer als auch mit asymptomatischer SARS-CoV-2-Infektion vor. Bei Post-Vac sind Fälle beschrieben, die an den Tagen nach der Impfung systemische Nebenwirkungen zeigten aber auch solche, die diese problemlos "vertragen" haben. Für das Post-COVID-Syndrom sind als Risikofaktoren neben der Schwere der akuten SARS-CoV-2-Erkrankung, das weibliche Geschlecht und ein erhöhter BMI (Body-Mass-Index) beschrieben. Weiterhin wurden Risikofaktoren identifiziert, die zum Zeitpunkt der COVID-19-Diagnose vorlagen, dazu gehören Typ 2-Diabetes, EBV-Virämie, sehr hohe SARS-CoV-2-Viruslast und positive Autoantikörper-Befunde.
Immunologische Aspekte
Viele Studien haben gezeigt, dass bei den Betroffenen proentzündliche Zytokine bis zu mehreren Monaten nach Infektion noch deutlich erhöht nachgewiesen werden können. Hierzu zählen IL-6, TNF-α, IL-1β sowie IFN-γ und auch der Mastzellmarker Histamin. Zudem zeigen sich häufig thromboembolische Veränderungen (Erhöhung der D-Dimere!) und eine Endothelzellaktivierung bzw. latente Endothelitis, was die bei Post Covid nachgewiesenen erhöhten Serumspiegeln von sCD40-Ligand und VEGF erklären kann. Allerdings zeigen nur etwa 80% der Betroffenen diese "hyperinflammatorische Verlaufsform". Etwa 20% der Patienten mit Post Covid und auch Post Vac zeigen keine Entzündungszeichen im Blut und keine Aktivierung von T-Lymphozyten (hypoinflammatorischer Typ). Die Differenzierung in die hyper- und hypoinflammatorische Form ist wichtig. Vor allem wenn sich eine T-zelluläre Immundefizienz manifestiert, kann eine immunmodulierende Therapie angezeigt sein. Dafür ist es wichtig zu wissen, welcher Post-Covid- bzw. Post-Vac-Typ vorliegt. Bei hyperinflammatorischem Geschehen (erhöhte Zytokine im Blut) sollte nicht immunstimulierend therapiert werden, weil sonst durch die Therapie die Symptome noch verstärkt werden. Hier ist eher eher antientzündliche und antioxidative Therapie angezeigt. Dagegen ist bei hypoinflammatorischem Geschehen die Aktivierung von Immunzellen durch Immunstimulanzien mit dem Ziel der Verbesserung der Immunfunktion ein probates Mittel um die Genesung zu beschleunigen.
In zahlreichen Studien wurde gezeigt, dass bei der Mehrzahl der Betroffenen Störungen im T-zellulären Immunsystem vorhanden sind. Dieses "Postinfektionssyndrom" kannte man, auch wenn es damals Einzelfälle waren, auch vor Corona z.B. von der EBV- oder CMV-Infektion oder nach klassischen Impfungen. Typisch ist eine gestörte Funktionalität der T-Lymphozyten (sichtbar im LTT-Immunfunktion), eine TH2-Dominanz mit erhöhtem IL-4 und vermindertem IFN-g nach Mitogenstimulation (gestörte TH1/TH2-Balance), eine verminderte Funktion der Natürlichen Killerzellen und eine Reduktion der regulatorischen T-Zellen. Letzteres gilt als eine Ursache von Autoimmunität. Eigene Untersuchungen zeigten bei etwa 20% der Betroffenen eine Aktivierung der T-Lymphozyten (HLA-DR+ auf T-Zellen) bei gleichzeitiger funktioneller Erschöpfung und Immunoseneszenz (v.a. der CD8-Zellsubpopulationen), was im quantitativen Immunprofil nachweisbar ist.
Lesen Sie auch: Diagnose von Schmerzen an der Außenseite des Knies
Mögliche Pathomechanismen
Zu den derzeitigen Hypothesen, die sehr wahrscheinlich oft in Kombination auftreten, gehören:
- Die Auslösung einer gestörten Immuntoleranz und damit einhergehender Autoimmunität nach der akuten Virusinfektion (Post-Covid) bzw. durch die Auseinandersetzung mit dem Impfantigen (Post- Vac). Dieser Mechanismus ist nicht spezifisch für SARS-CoV-2. Für viele Viren ist beschrieben, dass sie Trigger von Autoimmunerkrankungen sein können. Gleiches gilt für andere Vaccine.
- Mikro-/und makrovaskuläre thromboembolische Ereignisse und nicht reparierte Gewebeschäden
- Eine Dysbiose des intestinalen Mikrobioms
- Reaktivierte Virusinfektionen, wie z.B. CMV, EBV oder andere Herpesviren
- Persistierende SARS-CoV-2-Viren oder freie Spike-Proteine in Geweben oder im Blut. Bisher ist unklar, inwieweit diese an der chronischen Entzündung oder der T-Zellaktivierung beteiligt sind.
Autoimmunität und Nervensystem
Die Bildung von Autoantikörpern ist meist Folge einer gestörten Regulationsfunktion der T-Lymphozyten, v.a. der regulatorischen T-Zellen (Treg), in Kombination mit lokalen und systemischen Entzündungsprozessen. Verschiedene Autoantikörper (AAk), insbesondere aber antinukleäre Autonatikörper (ANA), wurden bei akuter COVID-19-Erkrankung nachgewiesen. Es gibt viele Hinweise darauf, dass das Vorhandensein von Autoantikörpern zum Zeitpunkt der COVID-19-Diagnose mit dem Auftreten von Post-COVID-Syndrom assoziiert ist.
Interessant sind Studien an Patienten mit verschiedenen Post-COVID-Symptomen, einschließlich neurologischer und kardiovaskulärer Symptome, die zeigten, dass bei allen Patienten AAk gegen verschiedene G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR) nachweisbar waren. Diese wirken als Rezeptoragonisten, v.a. im vegetativen Nervensystem. Einige dieser regulatorischen GPCR-AAk aktivierten ihre Zielrezeptoren und verursachten einen positiv chronotropen Effekt, wie es die natürlichen Liganden z.B. Angiotensin-2 oder Endothelin-1 tun würden. Andere wiederum verursachten einen negativen chronotropen Effekt. GPCR-AAk wurden mit zahlreichen Symptomen des kardiovaskulären, pulmonalen, intestinalen und zentralen Nervensystems sowie mit Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht und könnten auch bei der Entstehung von Post-COVID-Symptomen eine kausale Rolle spielen.
Ebenso wurde untersucht, ob ACE2-AAk dazu beitragen, Post-COVID auszulösen. ACE2, ein membrangebundenes Protein, ist der molekulare Rezeptor für das SARS-CoV-2-Virus. Interessant ist, dass die Konzentration des löslichen ACE2, aber auch der ACE2-AAk mit dem Schweregrad des Post-COVID-Syndroms korrelieren.
Persistierendes SARS-CoV-2 Spike-Protein
Frei zirkulierendes Spike-Protein steht im Verdacht, für die Entwicklung einer Myokarditis nach SARS-CoV-2 mRNA-Impfung mit ursächlich zu sein. Der Verdacht gründet auf einer Studie, die im Blut von geimpften Myokarditis-Patienten, nicht aber der ebenfalls geimpften Kontrollgruppe, freies Spike-Protein nachweisen konnte (Yonker LM. Circulation. 2023;147:867-876). Inwieweit sich diese Beobachtung auf die Infektion mit SARS-CoV-2 übertragen lässt und ob eine Assoziation mit dem Post-COVID-Syndrom hergestellt werden kann, ist bislang unklar.
Lesen Sie auch: Nurvet Kautabletten Nerven: Die Inhaltsstoffe und ihre Wirkung.
Dysbiose des intestinalen Mikrobioms
Die Auswertung der in unserem Mikrobiomlabor untersuchten Stuhlproben bestätigt die wissenschaftliche Literatur, dass Patienten mit Post-Covid sehr häufig auffällige Erregerbefunde haben und zum Teil deutliche labordiagnostische Hinweise auf eine gestörte Darmpermeablität und intestinale Entzündung. Es ist bisher nicht klar, ob eine vorbestehende Dysbiose für ein Post-COVID prädisponiert oder ob die Veränderungen sekundär bzw. parallel zur Krankheitsentwicklung eintreten. In jedem Fall ist es aber so, dass die verminderte Diversität, das Ungleichgewicht zwischen pro- und antientzündlichen Erregern und eine gestörte Darmbarriere zur Persistenz der systemischen Inflammation und der Störung der Immuntoleranz führen. Wissenschaftler:innen und Gesundheitsbehörden betonen immer wieder, dass bei den mRNA- und DNA-Vektorimpfstoffen auch deshalb keine Spätfolgen zu erwarten seien, weil die Impfstoffe nach erfolgreicher Aktivierung des Immunsystems schnell durch normale Stoffwechselprozesse im Körper abgebaut werden.
Spezifische Autoimmunerkrankungen des Nervensystems im Zusammenhang mit Impfungen
Einige Autoimmunerkrankungen des Nervensystems wurden in Verbindung mit Impfungen gebracht, darunter das Guillain-Barré-Syndrom (GBS).
Guillain-Barré-Syndrom (GBS)
Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine relativ seltene Autoimmunerkrankung, die Nervenwurzeln und periphere Nerven schädigt und so zu Lähmungen und anderen neurologischen Symptomen führen kann. Die Erkrankung kann einen schweren Verlauf mit langem Krankenhausaufenthalt nehmen. Die Symptome bilden sich aber in den meisten Fällen zumindest teilweise wieder zurück.
Definition: Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine entzündliche Erkrankung der peripheren Nerven und Nervenwurzeln, die sich durch eine fortschreitende Lähmung und Taubheitsgefühle äußert. Meist mit Beginn an den Beinen entwickelt sich eine symmetrische fortschreitende Schwäche der Arme und Beine mit Verschlechterung über meist 2-3 Wochen, maximal 4 Wochen. In sehr schweren Fällen kann es zu einem lebensbedrohlichen Verlauf mit Lähmungen der Atem- und Schluckmuskulatur oder Herzrhythmusstörungen kommen.
Symptome: Frühsymptome können Kribbeln und Brennen in Händen und Füßen sein oder auch Schmerzen. Dann tritt eine zunehmende Schwäche auf, meist zunächst in den Beinen, oft begleitet von Gangunsicherheit oder -unfähigkeit. Die Lähmungen breiten sich innerhalb weniger Tage symmetrisch aus, aufsteigend von den Beinen zu den Armen und evtl. der Atemmuskulatur. Meistens dauert es 2 Wochen (max. 4 Wochen), bis die Erkrankung ihren Höhepunkt erreicht hat. In schweren Fällen kann die Lähmung die Atemmuskulatur betreffen und zu Atemnot führen. Auch Herzrhythmusstörungen, Blutdruckschwankungen, Blasenentleerungsstörungen oder ein Darmverschluss können durch die Beteiligung des vegetativen Nervensystems hinzukommen. Falls Hirnnerven (Nerven, die u. a. die Gesichtsmuskeln steuern) betroffen sind, kann es auch zu Lähmungen der Augenmuskeln mit Auftreten von Doppelbildern, zu Schluckstörungen oder einer Gesichtslähmung (Fazialisparese) kommen.
Lesen Sie auch: Warum Eltern manchmal nerven
Ursachen: Die Ursache des Syndroms ist vermutlich eine Autoimmunreaktion. Antikörper, die eigentlich Krankheitserreger bekämpfen, richten sich gegen die Nervenwurzeln im Rückenmark sowie gegen Nerven außerhalb von Gehirn und Rückenmark. In etwa 60 % der Fälle ging dem Guillain-Barré-Syndrom ein akuter Infekt voraus. Das heißt, 1-2 Wochen vor Beginn der Lähmungen hatten die Betroffene eine Atemwegsinfektion oder einen Magen-Darm-Infekt. Insbesondere nach Kontakt mit bestimmten Erregern können vom Immunsystem produzierte Antikörper fälschlicherweise die schützende Hülle der Nerven angreifen. Eine häufige Ursache ist eine Darminfektion mit Campylobacter jejuni.
Seltener kann die Autoimmunreaktion durch eine Operation, bestimmte Medikamente (zur Krebs- oder Rheumatherapie) oder Schwangerschaft ausgelöst werden. Sehr selten kann das Guillain-Barré-Syndrom durch eine Impfung ausgelöst werden. Nach einer Impfung gegen Grippe (Influenza) beträgt das Risiko 1 zu 1 Mio. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat am 12. Juli 2021 gewarnt, dass der COVID-19 Impfstoff von Janssen (Johnson & Johnson) in sehr seltenen Fällen das Guillain-Barré-Syndroms (GBS) auslösen kann.
Häufigkeit: In Deutschland treten bis zu 1,9 Fälle pro 100.000 Personen pro Jahr auf. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, auch Kinder können betroffen sein. Die Häufigkeit nimmt mit zunehmendem Alter zu. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.
Diagnose: Die Diagnose wird anhand der Krankengeschichte der Betroffenen und der Ergebnisse der ärztlichen Untersuchung gestellt. Bei der Untersuchung werden das Ausmaß Lähmungen untersucht sowie die Muskelreflexe und Gefühlsstörungen überprüft. Wichtig ist die Kontrolle von Blutdruck, Puls und Sauerstoffsättigung. Um eine Beeinträchtigung der Herzfunktion zu überprüfen, wird evtl. ein EGK aufgezeichnet. In der Klinik werden eine Antikörperbestimmung im Blut, eine Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit (Liquor) sowie elektrophysiologische Messungen der Nerven durchgeführt. Zur Abklärung können weitere Untersuchungen notwendig sein.
Therapie: Bei Verdacht auf ein Guillain-Barré-Syndrom ist eine notfallmäßige Krankenhauseinweisung in eine Klinik mit Intensivstation erforderlich. Ziel der Therapie ist, Symptome zu lindern, Komplikationen zu verhindern und die Rückbildung der Lähmungen zu beschleunigen. Bei schwerem Krankheitsverlauf kann eine Beatmung auf Intensivstation oder die Versorgung mit einem Herzschrittmacher nötig sein. Bei mittelschwerem und schwerem Krankheitsverlauf werden entweder Antikörper verabreicht oder eine Blutwäsche (Plasmapharese) durchgeführt. Beide Behandlungsformen sind ungefähr gleich wirksam und reduzieren die Beatmungszeit und die Zeit bis zum Widererlangen der Gehfähigkeit. Sobald sich der Zustand verbessert, sollte möglichst bald mit einer Rehabilitationsbehandlung begonnen werden.
Prognose: Patient*innen mit Guillain-Barré-Syndrom entwickeln das maximale Ausmaß der Symptome meist innerhalb von 4 Wochen. Die Lähmungen bilden sich in umgekehrter Reihenfolge, in der sie aufgetreten sind, über Wochen bis Monate zurück. 60-80 % der Betroffenen können nach 6 Monaten wieder frei gehen. Etwa die Hälfte ist nach einem Jahr vollständig beschwerdefrei. Weitere 40 % haben milde Restsymptome. 10 % leiden weiterhin unter mäßig schweren bis schweren Symptomen. Die Sterblichkeit wegen einer schweren Verlaufsform, die eine intensivmedizinische Behandlung mit Beatmung erforderlich macht, beträgt etwa 2-3 %. 2-5 % der Betroffenen erleiden einen Rückfall.
Diagnostik und Therapie des Post-Vac-Syndroms
Es gibt aktuell keine beweisende Labordiagnostik des Post-COVID-Syndroms. Labordiagnostik ist aber differentialdiagnostisch auf Grundlage der klinischen Symptomatik ein wichtiger Baustein, um die Diagnose stellen zu können. Desweiteren dient Labordiagnostik zum Nachweis von Autoimmunität, zur Differenzierung eines hypo- und hyperinflammatorischen Geschehens vor gezielter immunologisch-unterstützender Therapie, zum Nachweis spezifischer (therapierbarer) Veränderungen im Mikrobiom und zur gezielten Substitution von Mikronährstoffen. Letzteres ist wichtig, weil viele Patienten auf Grund des anhaltenden Immunprozesses signifikante Defizite zeigen, die der Genesung wichtigen Autoregulation des Immun-, Entzündungs- und Gerinnungssystems entgegenstehen.
Zu den Therapieansätzen, die teilweise denen von LC entsprechen, existieren derzeit nur kleinere Studien oder Expertenmeinungen. Heilversuche werden hierzulande nach ausgiebiger Diagnostik unter anderem an der Marburger Post-Vax-Ambulanz, den Post-Vac- bzw. LC-Ambulanzen der Unikliniken in Augsburg, Hannover, Göttingen, Erlangen und weiteren Hochschulen unternommen. Sie erfolgen teilweise im Rahmen von Studien. Zum Einsatz kommen international derzeit unter anderem Statine und AT1-Antagonisten (Uni Marburg [1, 3]), Triple-Antikoagulation (Uni Stellenbosch, Südafrika [17]) oder extrakorporale Blutwäscheverfahren [18, 19]. In den USA sind zudem Maraviroc, Ivermectin, Nattokinase und andere Substanzen verbreitet [20, 21]. Diese werden auch hierzulande in einigen Praxen eingesetzt. Die meisten Therapien werden durch ein personalisiertes Energiemanagement (sogenanntes Pacing) und Diäten ergänzt. Leider liegen derzeit für keinen der Therapieansätze Daten aus größeren, placebokontrollierten Studien vor. Einige Studien zu LC, die teilweise auch PVS-Kollektive einschließen, laufen noch.
Die Rolle von Selbsthilfe und Unterstützung
Aufgrund des hohen Leidensdrucks gibt es eine rege Diskussion unter Betroffenen und Angehörigen in sozialen Medien. Dabei werden teilweise auch fragwürdige Methoden propagiert. Behandler sollten daher gezielt nach Nahrungsergänzungen und eigenen Therapieversuchen fragen, um Wechsel- und Nebenwirkungen zu überblicken. Betroffene haben einen finanziellen Versorgungsanspruch nach dem am 1. Januar 2024 eingeführten Sozialgesetzbuch XIV. Hilfestellung bei den Anträgen leisten Sozialverbände und -vereine. Derzeit werden Versorgungsanträge jedoch von den Landesversorgungsämtern in der Regel abgelehnt, weil sich deren Gutachter noch immer auf die oben genannte unzureichende Stellungnahme des PEI stützen. Betroffene sind daher oft nicht nur gesundheitlich und sozial, sondern auch finanziell in einer Notlage. Wichtig ist für viele Betroffene in dieser Gemengelage die Selbsthilfe. Bundesweit existieren zahlreiche Gruppen, deren Bundesverband CoVeRSE e. V. ihnen ehrenamtlich Hilfestellung und Interessenvertretung in der Politik bietet. Betroffenen kann der Verein helfen, eine lokale Gruppe zu finden. Dort erfahren sie über Gespräche psychosoziale Entlastung, können sich über Studien- und Therapieangebote austauschen und ihr Wissen durch Fachvorträge erweitern.
tags: #autoimmunkrankheiten #nerven #nach #impfung