Die Auswirkungen des Babygeruchs auf das Gehirn: Eine tiefgreifende Analyse

Der Duft eines Babys ist mehr als nur ein angenehmer Geruch; er ist ein komplexes Zusammenspiel chemischer Signale, die tiefgreifende Auswirkungen auf das Gehirn haben, insbesondere bei Frauen. Dieser Artikel untersucht die vielfältigen Aspekte des Babygeruchs, von seiner Entstehung und Entwicklung bis hin zu seinen psychologischen und verhaltensbezogenen Auswirkungen auf Erwachsene.

Bonding: Die Kraft der ersten Verbindung

Der Begriff „Bonding" beschreibt die intensive Verbindung, die zwischen Eltern und ihrem Neugeborenen entsteht. Dieser Prozess beginnt idealerweise unmittelbar nach der Geburt durch Hautkontakt, der es dem Baby ermöglicht, den Herzschlag der Mutter oder des Vaters wahrzunehmen und ihren Körpergeruch zu speichern. Kathrin Tolle-Radigk betont, dass Bonding nicht nur Vertrauen schafft, sondern auch ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, indem Eltern lernen, angemessen auf die Körpersprache und Emotionen ihres Kindes zu reagieren.

Die Bedeutung des Hautkontakts

Der direkte Hautkontakt mit Blut, Fruchtwasser und Käseschmiere nach der Geburt spielt eine wichtige Rolle beim Bonding. Auch Stillen fördert die Bindung, da sowohl Mutter als auch Kind das „Kuschelhormon" Oxytocin ausschütten. Dieses Hormon fördert nicht nur die Bindungsfähigkeit, sondern vermittelt dem Baby auch Nähe, Geborgenheit, Wärme und Nahrung.

Bonding nach Kaiserschnitt

Auch nach einem Kaiserschnitt ist Bonding möglich. In der Regel geht es Mutter und Kind gut, sodass das Bonding in den ersten Stunden stattfinden kann. Die Mutter erhält meist ein spezielles „Bonding-Tuch", welches einen ersten Hautkontakt zwischen Mutter und Kind nach der Sectio ermöglicht. Väter können ebenfalls eine wichtige Rolle beim Bonding nach einem Kaiserschnitt spielen, indem sie das nackte Neugeborene auf ihren Oberkörper legen und leise mit ihm sprechen.

Langfristige Auswirkungen des Bondings

Bonding prägt das Kind für zukünftige Beziehungen und kann sich auch noch im späteren Leben positiv auswirken. Eine erste Form des Bondings findet bereits vor der Geburt im Mutterleib statt, beispielsweise durch Meditation, Yoga oder Atemübungen.

Lesen Sie auch: Leistenschmerzen in der Schwangerschaft: Was Sie wissen müssen

Die wissenschaftliche Grundlage des Babygeruchs

Babys sind eine geniale Erfindung der Natur. Obwohl sie komplett hilflos sind, eine 24-Stunden-Rundum-Versorgung brauchen und ihre Eltern mit Körperausscheidungen und Schlafentzug durch Schreien "foltern", können diese nicht anders, als sich um sie zu kümmern.

Das Kindchenschema

Ein Grund dafür liegt in der Niedlichkeit der Babys. Das sogenannte Kindchenschema wirkt dabei als Schlüsselreiz für Eltern. Ein großer Kopf in Verbindung mit großen runden Augen, kleiner Nase und kleinem Kinn sowie zarter Haut stehen für Schwäche und Schutzbedürftigkeit. Das löst bei Eltern und Nichteltern beschützendes Verhalten aus.

Die Rolle des Geruchs

Forscher der Universitäten Oxford, Aarhus und Bethesda haben untersucht, ob auch der Geruch und die Laute von Babys Pflege- und Beschützerinstinkte bei Eltern wecken. In der Juliausgabe der Zeitschrift "Cell" berichten sie, dass Babygebrabbel, Babylachen und Babyduft auf Eltern ähnlich wirken wie das Kindchenschema. Die Forscher erweiterten daher den Niedlichkeitsbegriff. Niedlichkeit trete nicht nur äußerlich in Erscheinung, sondern wirke auf vielen Ebenen, auch über den Geruch und Geräusche.

Die Entwicklung des Geruchssinns beim Baby

Der Geruchssinn Ihres Babys spielt für seine Entwicklung eine sehr wichtige Rolle. Er steht in enger Verbindung mit dem Geschmackssinn. Gemeinsam beeinflussen sie das Essverhalten Ihres Kindes. Das Riechen erfolgt über das Gehirn und ist dort mit den Emotionen verbunden und spielt daher eine Schlüsselrolle beim Bonding.

Die vorgeburtliche Entwicklung

Die Nase Ihres Babys beginnt sich ungefähr in der Schwangerschaftswoche 7 zu formen. Bereits in der Schwangerschaftswoche 10 könnte Ihr Baby schon riechen, wenn es nicht im Fruchtwasser schwimmen würde. Ihr Ungeborenes kann aber im Uterus bereits Gerüche wahrnehmen. Indem es Fruchtwasser schluckt, nimmt es die Aromen aller Mahlzeiten auf, die Sie zu sich nehmen, und speichert diese im Gehirn. An den “Geruch” des Fruchtwassers gewöhnt sich Ihr Baby während der Schwangerschaft und erkennt ihn dann in der Muttermilch wieder, die ähnlich riecht und schmeckt.

Lesen Sie auch: Diagnose und Therapie von ZNS-Störungen im Säuglingsalter

Der Geruchssinn nach der Geburt

Der Geruchssinn Ihres Neugeborenen ist besonders stark ausgeprägt. Auch wenn es Sie noch nicht genau sehen kann, erkennt Ihr Baby Sie an Ihrem natürlichen Körpergeruch und der interessiert Ihren Säugling am meisten. Ihre Nähe garantiert ihm Sicherheit. Ebenso angezogen fühlt er sich vom Geruch der Muttermilch, die sein Überleben garantiert. Der Riechprozess findet in einem Teil des Gehirns statt, in dem auch das Gedächtnis gespeichert wird. Ihr Baby wird von Beginn seines Lebens an Gerüche mit Ereignissen in Verbindung setzen und speichern. Das bedeutet, dass ein bestimmter Geruch Jahre später bei Ihrem Kind alte Erinnerungen auslöst, die auch mit Gefühlen und Bildern verbunden sind.

Die Entwicklung im Laufe der ersten Lebensmonate

  • Neugeboren: Gerade erst auf die Welt gekommen, kennt Ihr Baby bereits Ihren speziellen Duft. Es kann sogar den Geruch Ihrer Muttermilch von dem anderer Mütter unterscheiden. Das Erkennen Ihres Geruchs gibt Ihrem Baby die Sicherheit, dass es bei Ihnen ist. Sie können Ihrem Säugling die ersten Lebenswochen erleichtern, wenn Sie kein Parfum oder stark riechende Kosmetikprodukte auftragen, die Ihren natürlichen Körpergeruch überlagern. Wenn Sie mit Ihrem Baby kuscheln und schmusen, schütten Sie beide Oxytocin aus. Dieses Hormon wird auch als Kuschel- oder Liebeshormon bezeichnet, es fördert und festigt Ihre Beziehung.
  • Ein Monat: Ihr Baby kennt schon einige Gerüche und kann sie auch zuordnen. Ein zu starker Duft, wie z.B. Parfum, überreizt jedoch seinen Geruchssinn. So kann es beim Stillen sehr irritiert werden und das Trinken vielleicht sogar vorzeitig abbrechen.
  • Drei Monate: Ihr Baby nimmt seine Umwelt und die verschiedenen Personen darin bewusst wahr. Dank seines Geruchssinns kann es zwischen vertrauten und fremden Menschen unterscheiden. Fühlt es sich durch den Geruch einer Person in seiner Nähe nicht wohl oder sogar bedroht, beginnt es zu schreien oder zu strampeln.
  • Sechs Monate: Wenn Sie Ihrem Baby Beikost anbieten, wird es seinen Geruchs- und Geschmackssinn einsetzen und entscheiden, ob ihm etwas schmeckt oder nicht. Bei Gefallen wird es mit einem Lächeln reagieren oder auf das Essen hinzeigen und wohlige Geräusche von sich geben. Falls es ihm nicht schmeckt, wird es den Kopf wegdrehen und den Mund zusammenpressen oder ähnliche deutliche Signale setzen. Es ist möglich, dass Ihr Baby einige Lebensmittel vorzieht, die Sie auch selbst gerne essen. Diese Aromen kennt es noch aus der Zeit, als es in Ihrem Bauch war und gibt ihnen daher den Vorzug.
  • Zwölf Monate: Rund um den 10. Lebensmonat kommt eine Phase, in der Ihr Baby keinerlei Interesse zeigt, neue Speisen zu probieren. Allein der Geruch lässt es schon entscheiden ob es diese Mahlzeit mag oder nicht. Je nach Temperament wird Ihr Kind Ihnen zeigen, was es davon hält! Der Geruchssinn Ihres Kindes entwickelt sich bis zu seinem achten Lebensjahr.

Beruhigende Gerüche

Der Körpergeruch von Mama, Papa oder anderen nahen Bezugspersonen vermittelt Ihrem Baby Trost und Geborgenheit. Ihr Baby kann riechen, ob Sie sich in seiner Nähe befinden und ob es weiter weg in seinem Bettchen, der Babywippe oder in seinem Kinderwagen liegt - jeder Ort hat seinen speziellen „Nestgeruch“, den Ihr Kind kennt und der es beruhigen kann. Verstärken können Sie diese familiären Gefühle, wenn Sie das Lieblingskuscheltier oder eine Schmusewindel neben Ihr Kind legen, da sie den Geruch des Babys mit der Zeit annehmen.

Der Babygeruch als Schlüsselreiz für Eltern

Babys können noch das kälteste Herz erweichen. Sie sind niedlich, riechen gut und wecken Beschützerinstinkte. Warum das so ist, haben Forscher untersucht: Nicht nur das Kindchenschema ist eine Geheimwaffe der niedlichen Kleinen.

Auch ohne wissenschaftliche Ergebnisse ist allen Eltern klar: Babys sind eine geniale Erfindung der Natur. Obwohl sie komplett hilflos sind, eine 24-Stunden-Rundum-Versorgung brauchen und ihre Eltern mit Körperausscheidungen und Schlafentzug durch Schreien "foltern", können diese nicht anders, als sich um sie zu kümmern.

Die Niedlichkeit der Babys

Ein Grund dafür liegt in der Niedlichkeit der Babys. Das sogenannte Kindchenschema wirkt dabei als Schlüsselreiz für Eltern. Ein großer Kopf in Verbindung mit großen runden Augen, kleiner Nase und kleinem Kinn sowie zarter Haut stehen für Schwäche und Schutzbedürftigkeit. Das löst bei Eltern und Nichteltern beschützendes Verhalten aus.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie im Mutterleib

Die Bedeutung der Bindung

Weil Kinder lange von ihren Eltern versorgt werden müssen, ehe sie selbstständig sind, spielt die Bindung eine wichtige Rolle. Auch hier haben Kinder einen Vorteil, die bei Eltern einen Beschützerreflex auslösen und sich so die Zuwendung der Eltern sichern.

Die Wirkung auf die Sinne

Diese Zusammenhänge sind bereits bekannt. Forscher der Universitäten Oxford, Aarhus und Bethesda haben nun untersucht, ob auch der Geruch und die Laute von Babys Pflege- und Beschützerinstinkte bei Eltern wecken.

In der Juliausgabe der Zeitschrift "Cell" berichten sie, dass Babygebrabbel, Babylachen und Babyduft auf Eltern ähnlich wirken wie das Kindchenschema. Die Forscher erweiterten daher den Niedlichkeitsbegriff. Niedlichkeit trete nicht nur äußerlich in Erscheinung, sondern wirke auf vielen Ebenen, auch über den Geruch und Geräusche.

Die Überlebenswichtigkeit der Niedlichkeit

Für Babys ist Niedlichkeit überlebenswichtig. Sie sichern sich so dauerhaften Schutz, Zuwendung, und Versorgung durch ihre Eltern. Die Wirkung ist so stark, dass auch Nichteltern sich ihr nicht entziehen können.

Das Belohnungssystem im Gehirn

Die positive Wirkung der Niedlichkeit lässt sich lässt sich laut den Forschern nicht nur dadurch erklären, dass diese Reize Instinkte auslösen, sondern dass es sich vielmehr um ein komplexes Geschehen handelt. Sich um ein Baby zu kümmern, aktiviert bei Erwachsenen das Belohnungssystem im Gehirn - ähnlich wie beim Genuss guten Essens oder beim Hören von Lieblingsmusik.

Die Fürsorge, die ein niedliches Kind auslöst, geht also über rein instinktives Verhalten hinaus.

Die chemische Zusammensetzung des Babygeruchs

Zufälligerweise hatte ich noch nie die Gelegenheit, am Kopf eines Babys zu riechen! Ehrlich gesagt, bin ich nicht wirklich ein Fan von Säuglingen. Aber für viele ist der strahlende, pudrige, weiche, moschusartige, alkalische, fermentierte, milchige und süße Geruch, der von der Kopfhaut eines Neugeborenen ausgeht, eine der prägendsten und bewegendsten Geruchserfahrungen, die die Menschheit kennt (zum Teil auf die Zusammensetzung des Körpergeruchs im frühen Leben zurückzuführen, zum Teil auf die vorgeburtliche Inkubation in der Vernix caseosa - einem schützenden Biofilm, der den Fötus im letzten Schwangerschaftsdrittel bedeckt).

Die Vernix Caseosa

Die Vernix caseosa, ein schützender Biofilm, der den Fötus im letzten Schwangerschaftsdrittel bedeckt, trägt wesentlich zum einzigartigen Duftprofil von Neugeborenen bei.

Psycho-emotionale Aspekte

Zahllose Parfums haben diese psycho-emotionale Geometrie angezapft, um Trost, Beruhigung, Umarmung, Beruhigung, Kokon, Zuflucht, Nahrung und Wohlbefinden zu vermitteln. In den letzten zwei Jahren hat sich die Häufigkeit der Markteinführung von Parfums als organoleptisches Gegenmittel zur angstbesetzten Atmosphäre von Covid-19 verstärkt (Milk Musk, Ambrette de Noir, Rebecca Minkoff, Marc Jacobs Perfect, Bubble Bath).

Geschlechtsspezifische Reaktionen auf Hexadecanal (HEX)

Neue Forschungsergebnisse des israelischen Weizmann Institute of Science und des Azrieli Institute for Human Brain Imaging and Research deuten darauf hin, dass Männer und Frauen unterschiedlich auf eine der Schlüsselkomponenten der Babyduftpalette reagieren. Dies eröffnet der Industrie die Möglichkeit, mit geschlechtsspezifischen Parfüms akute und präzise Emotionen anzusprechen.

Die im November letzten Jahres veröffentlichte Studie untersuchte die kognitiven und verhaltensbezogenen Auswirkungen des flüchtigen Moleküls Hexadecanal (HEX), das von der Haut aller Menschen emittiert wird, aber in großer Menge in der Kopfhaut von Säuglingen vorkommt, auf Erwachsene, die ihm einzeln und außerhalb des üblichen Geruchskontextes ausgesetzt sind.

Die Auswirkungen von HEX auf Aggression

Die Leiterin des Projekts, Dr. Eva Mishor, fand heraus, "dass HEX keinen wahrnehmbaren Geruch hat, dass es aber, wenn man daran schnuppert, das Verhalten gegenüber anderen beeinflusst - insbesondere die aggressiven Reaktionen auf andere".

HEX-Reaktionen bei Mäusen wurden bereits früher als verminderter Stress wahrgenommen, aber die biokognitive Verarbeitung beim Menschen war weniger gut bekannt. Mit dem Ziel herauszufinden, ob "HEX als chemischer Signalgeber dient, der aggressives Verhalten und die damit verbundenen Hirnmechanismen beeinflusst", wurden 180 Teilnehmer in zwei Gruppen aufgeteilt, von denen die eine Hälfte HEX ausgesetzt war und die andere eine Kontrollgruppe, und sie wurden einer Reihe von "Aggressionsparadigma"-Tests unterzogen, die jeweils eine Provokations- und eine Reaktionsphase umfassten.

Der Versuchsaufbau

Die Teilnehmer wurden gebeten, eine Reihe von Computerspielen gegen einen anderen menschlichen Spieler zu spielen, bei dem es sich in Wirklichkeit um einen Computer handelte, der absichtlich frustrierte, provozierte und ärgerte, indem er Egoismus, Betrug oder Überlegenheit demonstrierte. Danach hatten die Spieler die Möglichkeit, ihren Gegner mit einem lauten Knall zu "bestrafen". Je lauter und bereitwilliger der Knall, desto aggressiver wurde der Teilnehmer eingestuft.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigten kontrastierende geschlechtsabhängige Reaktionen auf HEX, wobei die Konnektivität in Teilen des Gehirns, die die soziale Entscheidungsfindung regulieren, bei Frauen abnahm und sie mehr Aggression auslösten als die getesteten Männer und die weibliche Kontrollgruppe, während die Aggression bei Männern im Vergleich zu den getesteten Frauen und der männlichen Kontrollgruppe abnahm. Die fMRT-Untersuchung während der Provokations- und der Reaktionsphase ergab weitere Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei beiden Geschlechtern wurde der linke Gyrus angularis stimuliert (der stark in das neuronale Netz der Aggressionsreaktion eingebunden ist), was jedoch unterschiedliche Wege der Interaktion dieses Gehirnbereichs mit anderen Regionen des Großhirns widerspiegelt.

Evolutionäre Erklärungen

Als Erklärung für diesen evolutionären Unterschied führte Mishor an: "Männliche Aggression äußert sich häufig in Aggression gegenüber Neugeborenen; Kindstötung ist ein sehr reales Phänomen im Tierreich. Die weibliche Aggression hingegen äußert sich in der Regel in der Verteidigung der Nachkommen".

Potenzielle Anwendungen

Obwohl HEX keinen wahrnehmbaren Geruch hat, ist seine potenzielle Anwendung als Stimmungsmodulator (entweder durch Einschluss oder als assoziative Schlussfolgerung, die in das semiotische Paket des Neugeborenenaromas eingebaut ist) verlockend für künftige Duftanwendungen, die erregend, aufregend oder beruhigend wirken sollen.

Die Bedeutung der anderen Sinne

Neben dem Geruchssinn spielen auch die anderen Sinne eine wichtige Rolle bei der Entwicklung und Wahrnehmung des Babys.

Der Sehsinn

Mit unseren Augen können wir sehen, dadurch erkennen wir die Farben, die Form, die Größe, die Lage von Gegenständen und Personen. Wir können unterscheiden, ob etwas hell oder dunkel ist. Der Sehsinn ist bei der Geburt am wenigsten ausgereift. Auch das Auge ist bei der Geburt noch nicht voll funktionsfähig, weil es sich noch im unentwickelten Zustand befindet. Vollständig entwickelt ist es erst gegen Ende des sechsten Lebensmonats. Das Sehvermögen des Babys wird allmählich besser. Mit ungefähr acht Monaten kann es ganz klar sehen, seine Sehkraft ist voll ausgebildet. Das Sehen wird schon unmittelbar nach der Geburt aktiviert. Wenn das Kind auf dem Bauch der Mutter liegt und so die Gesichtsstrukturen der Mutter erkennen kann.

Der Hörsinn

Ein Neugeborenes bringt bereits bestimmte Hörerfahrungen mit. Der Hörsinn deines Kindes ist am Ende des ersten Monats vollständig entwickelt. Das heißt natürlich nicht, dass das Baby alles versteht, was es hört. Ab der 4. - 6. Woche wird der Schläfenlappen, der beim Riechen, beim Hören und so auch beim Sprechen hilft, aktiver und empfänglicher für Reize. Wenn das Baby jetzt die Stimme der Mutter hört, schaut es sie direkt an und gluckst oder brabbelt. Im Alter von fünf Monaten weiß das Baby aus welcher Richtung die Geräusche stammen und wird sich schnell ganz neuen Geräuschen zuwenden.

Der Geschmackssinn

Schon direkt nach der Geburt verfügt das Neugeborene über einen hervorragenden Geschmackssinn. Verschiedene Geschmacksrichtungen können Säuglinge schon früh unterscheiden. Die meisten Babys bevorzugen Süßes. Saures und Bitteres hingegen mögen sie zunächst nicht. Sie können schon ihr Gesicht verziehen oder sogar weinen. Ihre Geschmacksnerven sind gut entwickelt und Babys verfügen über mehr Geschmacksknospen auf der Zunge als Erwachsene. Dennoch bevorzugen Säuglinge noch keine geschmackliche Vielfalt.

Der Gleichgewichtssinn

Unser Gleichgewicht sorgt dafür, dass wir uns in Raum und Lage orientieren können. Bereits in der 7. Schwangerschaftswoche beginnt die Entwicklung des frühestens Sinnes, der Gleichgewichtssinn. Kinder mit einem guten Gleichgewichtssinn können besser krabbeln, hüpfen, klettern oder Rad fahren. Kinder mit einem guten Gleichgewicht sind später in der Schule leistungsfähiger, denn der Gleichgewichtssinn ist der früheste aller Sinne und damit Grundlage für die Entwicklung und Verknüpfung diverser Schaltstellen im Gehirn.

Der Tastsinn

Der Tastsinn stellt zusammen mit dem Gleichgewichtssinn und der Eigenwahrnehmung die Basis der gesamten Wahrnehmung dar. Es hat auch eine vage Vorstellung von seinem eigenen Körper innerhalb eines bestimmten Raumes (bis dahin im Mutterleib) erfahren. Nach der Geburt beginnt es nun erstmal durch reflexartige Bewegungen von Armen und Beinen und Veränderungen der Kopflage, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Der Säugling erkundet mit Händen und Körper aber vor allem mit dem Mund, seine nächste Umwelt und macht sich so z.B. ohne scharfes Sehen eine genaue Vorstellung von der Mutterbrust. Der Tastsinn ist die beim Baby bei der Geburt am besten ausgebildete Fähigkeit. Er ist Bestandteil des Zentralen Nervensystems, allerdings noch nicht voll ausgebildet. Für das Baby ist es sehr wichtig, die Berührungen und das „berührt werden“ zu erleben. Eine regelmäßige ganzkörperliche Berührung, entweder durch Körperpflege oder intensives Kuscheln, erhöht auch die geistige Entwicklung.

Die Auswirkungen von Gerüchen in der Schwangerschaft

Was Frauen in der Schwangerschaft riechen und schmecken, beeinflusst offenbar die Gehirnentwicklung des ungeborenen Kindes: Der Speiseplan prägt den Geruchssinn des Babys.

Die Prägung des Geruchssinns

Der Nachwuchs bevorzugt die Nahrung, die die Mutter während der Schwangerschaft zu sich genommen hat. Das lassen die Ergebnisse einer Studie mit Mäusen vermuten, die ein internationales Forscherteam durchgeführt hat. Darin bevorzugten die kleinen Mäuse klar die Nahrung, die das Muttertier während der Trächtigkeit und der Zeit, in der es die Kleinen säugte, zu sich genommen hatte - ein Phänomen, das auch bei Menschen auftritt.

Die Entwicklung der Nervenfasern im Riechkolben

Zumindest bei den jungen Mäusen lösen die Aromen im Fruchtwasser und später in der Milch die Bildung vergrößerter Nervenfasern im Riechkolben au. Das ist eine Hirnregion, die für die Verarbeitung von Geruchssignalen zuständig ist. Sollte sich dies auch für Menschen bestätigen, zeige die Studie einmal mehr, wie wichtig es für Schwangere und stillende Mütter sei, auf gesunde Kost zu achten.

Die Bedeutung einer gesunden Ernährung

Was eine Schwangere zu sich nimmt, hat bleibende Auswirkungen auf das Kind - im Guten wie im Schlechten. Diese Weichenstellung erstrecke sich beispielsweise auch auf Suchtmittel wie Alkohol: Wenn die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trinke, bilde das Kind mit einer hohen Wahrscheinlichkeit später ebenfalls eine Vorliebe für das Rauschmittel aus - schließlich werde alles, was von der Mutter kommt, vom Nachwuchs als ungefährlich eingestuft und entsprechend später bevorzugt. Auch aus diesem Grund sollten Schwangere also auf keinen Fall Alkohol trinken.

Überraschende Fakten über den Geruchssinn

Wer durch eine Corona-Infektion eine Weile nichts riechen kann, weiß ihn plötzlich sehr zu schätzen: den Geruchssinn. Der Geruch eines besonderen Parfums oder von frischgebackenem Apfelkuchen ruft in uns sofort Erinnerungen und Emotionen hervor. Aber der Geruchssinn kann noch mehr: Unser Körpergeruch ist wie ein individueller Chemiecocktail, mit dem wir andere anziehen, berauschen oder in die Flucht schlagen.

Der Babygeruch wirkt wie eine Droge

Der Geruch eines Neugeborenen wirkt im Gehirn von Frauen wie eine Droge. Das schreibt der Neurowissenschaftler Johannes Frasnelli in seinem Buch „Wir riechen besser, als wir denken“. Das gilt nicht nur für die Mutter des Babys, sondern für alle Frauen, die am Neugeborenen riechen. Der Geruch aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn der Frauen. Diese Region ist sonst aktiv, wenn sehr durstige Menschen trinken, sehr hungrige Menschen essen - oder eben beim Konsum von Rauschgift. Diese Wirkung hat wohl mit der Evolution zu tun: Der Duft sorgt dafür, dass die Mutter ihr Kind nicht verlässt, sondern sich darum kümmert.

Der Geruch bestimmt die Kommunikation

Wenn sich zwei Hunde treffen, wird erst einmal ausgiebig geschnuppert. Eine Studie hat herausgefunden: Das machen wir Menschen auch! Die Wissenschaftler:innen aus Israel wollten wissen, warum wir uns zur Begrüßung die Hand geben (zumindest vor Corona). Bei ihren Experimenten machten sie eine seltsame Entdeckung: Die Proband:innen rochen nach dem Händeschütteln unauffällig und vermutlich unterbewusst an ihren Händen. Damit war für die Forscher:innen klar, dass wir beim Händeschütteln Duftstoffe austauschen. So checken wir ab, mit wem wir es zu tun haben und passen unser Verhalten unterbewusst an.

Der Körpergeruch bestimmt die Partnerwahl

Schönheit liegt im Auge des Betrachters? Wohl eher in der Nase! Vor allem für Frauen spielt der Geruch eine wichtige Rolle bei der Partnerwahl. Und dabei geht es nicht um Designerparfums, sondern um das „Parfum naturel“, also den natürlichen Körperduft. Dieser Grundduft ist quasi ein Spiegelbild unseres Genpools. Allerdings sind nicht die Gerüche gemeint, die durch mangelnde Hygiene entstehen. Eine Studie der TU Dresden hat gezeigt: Je unterschiedlicher die Körperdüfte der Proband:innen sind, desto höher ist die sexuelle Anziehung. So kann es sein, dass die eine den Duft eines Mannes sehr angenehm findet und eine andere Frau diesen gar nicht mag.

Junge Männer riechen ihren eigenen Körpergeruch nicht

In seinem neuen Buch schreibt Johannes Frasnelli, dass junge Männer ihre eigenen Körpergerüche nicht so gut wahrnehmen. Deshalb merken sie auch nicht so schnell, wenn mal wieder eine Dusche angebracht wäre. Im Interview mit Zeit Online sagte er dazu: „Es gibt Studien, die haben junge Männer und Frauen auf ihre Geruchssensibilität getestet, und es wurde festgestellt, dass Mädchen auch nach der Pubertät eine gleichbleibende Sensibilität aufweisen. Bei jungen Männern war das nicht so.“ Allerdings sagt der Neurowissenschaftler auch, dass wir alle nicht besonders sensibel für unsere eigenen Gerüche sind. So wie sich unsere Nase schnell an unser Lieblingsparfum gewöhnt, riechen wir auch unseren Körpergeruch nicht immer.

Spermien riechen ihren Weg zur Eizelle

Eine weitere spannende Entdeckung haben Wissenschaftler:innen in Bochum gemacht: Spermien können auch riechen. Genauer gesagt, befinden sich auf den Spermien Riechrezeptoren, die auf genau einen Stoff anschlagen: Bourgeonal, ein Aldehyd, das wie Maiglöckchen riecht. Die Forscher:innen vermuten deshalb, dass unsere Eizellen eine Substanz produzieren, die auch diesen Geruch hat und die Spermien damit „anlocken“.

tags: #baby #geruch #gehirn