Die Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, kann vielfältige Ursachen haben und sich durch Empfindungsstörungen, Schmerzen und Muskelschwäche äußern. Ayurveda, das "Wissen vom Leben", ist eine traditionelle indische Heilkunst, die seit Jahrtausenden praktiziert wird und einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Krankheiten bietet. Dieser Artikel beleuchtet die ayurvedische Perspektive auf Polyneuropathie und die möglichen Behandlungsansätze.
Ayurveda: Ein ganzheitlicher Ansatz zur Gesundheit
Ayurveda betrachtet den Menschen als Einheit von Körper, Geist und Seele. Ziel ist es, das Gleichgewicht der drei Doshas - Vata, Pitta und Kapha - wiederherzustellen, die für die verschiedenen Funktionen im Körper verantwortlich sind. Im Gegensatz zur Schulmedizin, die sich oft auf die Behandlung von Symptomen konzentriert, zielt Ayurveda darauf ab, die Ursachen einer Erkrankung zu erkennen und zu behandeln. Der ayurvedische Arzt sieht sich dabei nicht nur als Mediziner, sondern auch als Freund, Philosoph und Ratgeber.
Die drei Doshas im Ayurveda
- Vata: Reguliert Bewegung, Atmung und Nervenimpulse.
- Pitta: Steuert Stoffwechsel, Verdauung und Körpertemperatur.
- Kapha: Verantwortlich für Struktur, Stabilität und Immunität.
Ein Ungleichgewicht dieser Doshas kann zu Krankheiten führen.
Polyneuropathie aus ayurvedischer Sicht
Im Ayurveda wird die Polyneuropathie als Störung des Vata-Doshas betrachtet, da Vata für die Funktion des Nervensystems verantwortlich ist. Laut Ayurveda entstehen durch unsere Lebensweise Stoffwechselrückstände und Toxine, im Ayurveda "Ama" genannt. Diese können sich im Falle der Polyneuropathie in den Nervenfasern der Körperperipherie stauen und die Weiterleitung der Nervenimpulse stören. Jeder Patient ist jedoch anders, und so ist auch jede Polyneuropathie verschieden.
Diagnose im Ayurveda
Am Anfang der ayurvedischen Behandlung steht eine umfassende Diagnose. Der ayurvedische Arzt versucht, die Ursache des Ungleichgewichts im Organismus zu finden. Dazu gehören:
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- Pulsdiagnose: Der Arzt ertastet den Puls, um die Interaktion der drei Doshas zu beurteilen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte, Ernährung, Tagesablauf, Schlafverhalten, Stressoren und Lebensumstände des Patienten.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht den Körper, insbesondere die Zunge, und nutzt seine Sinne, um den Patienten zu erfassen.
- Moderne Diagnostik: Ergänzend können moderne diagnostische Verfahren eingesetzt werden, um weitere Erkenntnisse zu gewinnen. Auf der Grundlage langjähriger Studien an der Universität Rostock wurde ein Gerät entwickelt, das auf unblutige und unschädliche Weise die Effizienz der zellulären Regulationssysteme misst. Damit kann auch das Ergebnis der ayurvedischen Diagnose schnell und leicht bestätigt werden.
Ayurveda-Behandlungsansätze bei Polyneuropathie
Die ayurvedische Behandlung der Polyneuropathie zielt darauf ab, die Ursachen der Erkrankung zu beseitigen, das Gleichgewicht der Doshas wiederherzustellen und die Symptome zu lindern. Dazu können folgende Maßnahmen gehören:
Ernährungsumstellung
Eine ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger Bestandteil der ayurvedischen Behandlung. Der Arzt analysiert die Essgewohnheiten des Patienten und gibt Empfehlungen zur Ernährungsumstellung. Dabei wird auf die individuellen Bedürfnisse und die Konstitution des Patienten eingegangen. Wer richtig isst, braucht keine Medizin - wer sich falsch ernährt, dem nutzt keine Medizin. So heißt eine alter ayurvedischer Leitsatz, der die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit verdeutlicht. Untersuchungen zeigen, dass die Menge an lebenswichtigen Vitalstoffen - also an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen - im Laufe der letzten Jahrzehnte in unseren Lebensmitteln abgenommen hat. Das mag an der industrialisierten Landwirtschaft, unreifen Ernten, langen Transportwegen oder fehlerhafter Lagerung liegen. In Phasen von erhöhtem Stress, bei Krankheit, aggressiven Therapien, bei Rauchern, erhöhtem Alkoholkonsum, einseitiger Ernährung, Bewegungsmangel, Sportlern, Kindern, Jugendlichen und im Alter kann daher die Ergänzung mit Vitalstoffen notwendig sein.
Panchakarma-Kur
Panchakarma ist eine ayurvedische Reinigungskur, die dazu dient, den Körper von Ama (Toxinen) zu befreien. Die Kur umfasst verschiedene Anwendungen wie Massagen, Kräuterdampfbäder, Einläufe und Nasenspülungen. Es gibt in der ayrvedischen Medizin eine Vielzahl entgiftender Maßnahmen, die man leicht zu Hause und im Alltag durchführen kann.
Ayurvedische Kräuter
Ayurveda verwendet eine Vielzahl von Heilpflanzen zur Behandlung von Krankheiten. Bei Polyneuropathie können Kräuter eingesetzt werden, die das Nervensystem stärken, Entzündungen reduzieren und Schmerzen lindern. Ayurvedische Präparate nutzen bevorzugt Heilpflanzen und mineralische Substanzen, die durch oft aufwendige und langwierige pharmazeutische Verfahren hergestellt werden. Die ayurvedische Sicht auf die pharmakologischen Wirkungen von Pflanzen folgt logisch nachvollziehbaren Kriterien und lässt sich daher nicht nur auf indische Kräuter anwenden, sondern ebenso auf westliche Heilpflanzen. Langfristiges Ziel ist es, vermehrt heimische Pflanzen bei Ayurveda-Therapien in Europa einzusetzen, um eine Versorgung nach westlichen Qualitätsstandards sicherzustellen, sowie die indische Flora und Umwelt durch kürzere Transportwege zu schützen. Dabei werden Pflanzen aus Deutschland mit indischen Pflanzen aus der gleichen Pflanzenfamilie hinsichtlich ihrer Inhaltsstoffe verglichen. Auf diese Weise lassen sich neue Wirkweisen der in Europa wachsenden Pflanzen erforschen.
Yoga und Meditation
Yoga und Meditation sind wichtige Bestandteile des Ayurveda. Sie helfen, Stress abzubauen, das Nervensystem zu beruhigen und das Körperbewusstsein zu verbessern. Wer Yoga übt, der übt allgemein einen positiven Einfluss auf das Nervensystem aus. Wenn du bewusste Koordinationsübungen aus dem Yoga machst, zum Beispiel Gleichgewichtsübungen, Bewusstseinsübungen, Spüren und isolierte Körper Bewegungen, all das hilft, dass die Nerven sich bis zu einem gewissen Grad regenerieren können.
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Weitere Therapien
Zusätzlich zu den genannten Maßnahmen können auch andere ayurvedische Therapien eingesetzt werden, wie z.B.:
- Marma-Therapie: Stimulation von Energiepunkten am Körper
- Shirodhara: Stirnguss mit warmem Öl
- Abhyanga: Ganzkörpermassage mit warmem Öl
Ergänzende Therapien und Lebensstiländerungen
Neben den spezifischen ayurvedischen Behandlungen können auch andere komplementäre Therapien und Lebensstiländerungen hilfreich sein, um die Symptome der Polyneuropathie zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern:
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskulatur. Chronischer Bewegungsmangel gehört heute zu einer entscheidenden Ursache vieler Erkrankungen. Die richtige Form der Bewegung ist allein schon eine hervorragende „Arznei“ und stärkt das Immunsystem. Doch nicht jede Sportart passt für alle Menschen. Je nach Ungleichgewicht der Bio-Programme, Beschwerdebild, Konstitution, Alter und Neigung kann mit Hilfe von ayurvedischen Auswahlkriterien für jeden die geeignete Bewegungsform und Trainingsintensität ermittelt werden.
- Stressbewältigung: Chronischer Stress kann die Symptome der Polyneuropathie verschlimmern. Wirksame Stressbewältigung gehört heute zu den wichtigsten therapeutischen Maßnahmen, da laut Experten mittlerweile 70% der Krankheiten auf Stress zurückzuführen sind.
- Achtsamkeit: Achtsamkeitstechniken können helfen, den Schmerz besser wahrzunehmen und mit ihm umzugehen. Auch Achtsamkeitstechniken helfen, den Schmerz einfach nur wahrzunehmen ohne darunter zu leiden. Vielleicht gelingt es dem Menschen sogar sein Bewusstsein davon abzuziehen und auf etwas anderes zu konzentrieren.
Ayurveda und Schulmedizin: Eine sinnvolle Kombination
Ayurveda steht in keinem Konflikt zur Schulmedizin. Komplementärmedizin bedeutet: Zwei medizinische Systeme werden gleichzeitig benutzt und sinnvoll kombiniert, wie zum Beispiel konventionelle Medizin und Ayurveda. Die Ayurveda-Methode wird in diesem Fall ergänzend zur Schulmedizin verwandt. Es ist wichtig, die schulmedizinische Diagnose und Therapie nicht zu vernachlässigen. Ayurveda kann jedoch eine wertvolle Ergänzung sein, um die Ursachen der Erkrankung zu behandeln und die Selbstheilungskräfte des Körpers zu aktivieren.
Die Rolle des Therapeuten
Eine erfolgreiche ayurvedische Behandlung erfordert einen erfahrenen und kompetenten Therapeuten. Der Therapeut sollte in der Lage sein, eine individuelle Diagnose zu stellen und einen maßgeschneiderten Behandlungsplan zu erstellen. Er sollte den Patienten auch bei der Umsetzung der Ernährungsumstellung und der Lebensstiländerungen unterstützen.
Fazit
Ayurveda bietet einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Polyneuropathie. Durch die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Doshas, die Beseitigung von Toxinen und die Aktivierung der Selbstheilungskräfte des Körpers können die Symptome der Erkrankung gelindert und die Lebensqualität verbessert werden. Es ist wichtig, die schulmedizinische Diagnose und Therapie nicht zu vernachlässigen, sondern Ayurveda als ergänzende Behandlungsmethode zu betrachten.
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