Baby Hirnblutung: Ursachen, Behandlung und Prävention

Ein Schlaganfall, der durch eine Hirnblutung verursacht wird, kann nicht nur Erwachsene, sondern auch Ungeborene, Neugeborene, Kinder und Jugendliche betreffen. Spezialisierte Behandlungsteams in Kinderkliniken, insbesondere in Abteilungen für Kinderneurologie oder -hämatologie, sind auf solche Fälle vorbereitet. In Deutschland wurde 2014 die erste „Schlaganfalleinheit für Kinder“ (Pediatric Stroke Unit) im Dr. von Haunerschen Kinderspital in München eröffnet, weitere sollen folgen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmethoden und Präventionsstrategien von Hirnblutungen bei Babys und Kindern.

Ursachen von Hirnblutungen bei Babys und Kindern

Die Ursachen für Schlaganfälle im Kindes- und Jugendalter sind vielfältig und komplex.

  • Angeborene Gefäßfehlbildungen: Aneurysmen oder Blutschwämmchen können im Gehirn Blutungen verursachen, die zu Nervenschädigungen führen.
  • Hirntumore: Diese können Nerven abdrücken und dadurch einen Schlaganfall auslösen.
  • Autoimmunerkrankungen: Hierbei greift das Immunsystem die Gehirngefäße an, was zu Gefäßentzündungen und Durchblutungsstörungen führt.

Bei Neugeborenen spricht man von einem neonatalen Schlaganfall. Häufige Ursachen sind:

  • Komplizierte Geburten: Zangengeburten können das Risiko erhöhen.
  • Frühgeburtlichkeit: Die Gefäße von Frühgeborenen sind sehr fragil und empfindlich.
  • Asphyxie: Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt kann Gewebe und Organe, insbesondere das Gehirn, schädigen.
  • Infektionen
  • Blutgerinnungsprobleme
  • Erkrankungen wie das akute Atemnotsyndrom

Formen der Hirnblutung

Der Begriff Hirnblutung (intrakranielle Blutung) umfasst verschiedene Krankheitsbilder, die sich danach unterscheiden, wo die Einblutung stattfindet:

  • Intrazerebrale Blutung (ICB): Eine Einblutung in das Hirngewebe (Hirnparenchym), oft verursacht durch Bluthochdruck in Kombination mit Arteriosklerose. Sie wird auch als Hirnmassenblutung bezeichnet.
  • Subarachnoidalblutung (SAB): Eine Blutung unterhalb der mittleren Hirnhaut (Arachnoidea), zwischen dieser und der weichen Hirnhaut.
  • Epidurale Blutung: Eine Blutung zwischen dem Schädelknochen und der harten Hirnhaut (Dura mater), meist traumatisch bedingt und oft in Verbindung mit einem Schädelbruch.
  • Subdurale Blutung: Eine Blutung unterhalb der Dura mater, zwischen der harten und der mittleren Hirnhaut, meist durch Gewalteinwirkung verursacht. Sie kann akut, subakut oder chronisch verlaufen.

Vitamin-K-Mangel als Ursache

Ein Vitamin-K-Mangel kann bei Neugeborenen zu schweren Blutungen führen, da Vitamin K eine wichtige Rolle bei der Blutgerinnung spielt. Ursachen hierfür sind die geringe Plazentapassage von Vitamin K, der niedrige Gehalt in der Muttermilch und das Unvermögen des Neugeborenen, Vitamin K ausreichend zu speichern.

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Es werden drei Formen von Vitamin-K-Mangelblutungen unterschieden:

  • Frühe Blutungen: Treten innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf und sind oft auf die Einnahme von Vitamin-K-hemmenden Medikamenten während der Schwangerschaft zurückzuführen.
  • Klassische Blutungen: Treten zwischen 24 Stunden und sieben Tagen nach der Geburt auf und sind durch ein Absinken des Vitamin-K-Spiegels beim Neugeborenen bedingt.
  • Späte Blutungen: Werden von der zweiten bis zur 24. Woche nach der Geburt beobachtet und sind häufig schwere Hirn- oder gastrointestinale Blutungen. Gestillte Kinder und Kinder mit Malabsorption sind besonders gefährdet.

Empfehlungen zur Vitamin-K-Substitution

Zur Verhinderung von Vitamin-K-Mangelblutungen wird die Substitution von Vitamin K bei Neugeborenen empfohlen. In Deutschland wird aktuell die dreimalige orale Gabe von jeweils 2 mg Vitamin K am 1. Lebenstag (U1), zwischen dem 3. und dem 10. Lebenstag (U2) und erneut zwischen der 4. und der 6. Lebenswoche (U3) empfohlen. In bestimmten Situationen, wie bei Frühgeborenen unter 1500 g oder bei Verdacht auf Resorptionsstörungen, ist eine parenterale Gabe vorzuziehen.

Symptome eines Schlaganfalls bei Kindern

Die Symptome eines Schlaganfalls können je nach Stärke, Ursache und betroffenem Hirnareal variieren. Mögliche Anzeichen sind:

  • Starke Kopfschmerzen: Ähneln einer schweren Migräne und werden als schmerzhafter Stich oder Schlag auf den Kopf empfunden.
  • Lähmungserscheinungen: Treten auf, wenn motorisch relevante Bereiche im Gehirn geschädigt sind.
  • Sprachstörungen: Verwaschene oder eingeschränkte Sprache, wenn das Sprachzentrum betroffen ist.
  • Sehstörungen: Stark eingeschränktes Sehvermögen, wenn die Sehrinde betroffen ist.
  • Bewusstseinsverlust
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Nackensteifheit
  • Einseitige Lähmung
  • Taubheitsgefühl
  • Schluckstörung
  • Pupillenerweiterung
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Schwindel
  • Verwirrtheit
  • Krampfanfälle

Plötzliche, massive Kopfschmerzen und Ausfallerscheinungen sind Alarmzeichen, auf die Eltern umgehend reagieren sollten.

Diagnose von Hirnblutungen

Eine schnelle Diagnose ist entscheidend. Bei Verdacht auf eine Hirnblutung sollte sofort der Notarzt gerufen werden.

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  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Bewusstseinslage und die Funktion verschiedener Nerven.
  • Anamnese: Informationen zur Entwicklung der Symptome und Begleitumstände (Sturz, Medikamenteneinnahme etc.) sind wichtig.
  • Computertomografie (CT): Das wichtigste Bildgebungsverfahren, um eine Hirnblutung nachzuweisen und von anderen Ursachen zu unterscheiden.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Eine Alternative zur CT, die detailliertere Bilder liefert, insbesondere zur Erkennung von axonalen Schäden.
  • Angiografie: Ein Gefäßröntgen, oft in Kombination mit CT oder MRT (CT-Angiografie oder MR-Angiografie), um Gefäßmissbildungen darzustellen.
  • Lumbalpunktion: Bei Verdacht auf eine Subarachnoidalblutung, wenn CT oder MRT nicht eindeutig sind, wird eine Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) entnommen und untersucht.

Behandlung von Hirnblutungen

Die Akutbehandlung hängt vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab.

  • Medikamentöse Therapie: Bei Bedarf zur Senkung des Hirndrucks, zur Behandlung von Krampfanfällen oder zur Blutdruckkontrolle.
  • Operative Maßnahmen: Bei großen Hirnblutungen kann eine operative Eröffnung des Schädelknochens (Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns erforderlich sein. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn kann notwendig sein.
  • Blutgerinnungshemmung: Bei einzelnen Patienten erfolgt eine medikamentöse Hemmung der Blutgerinnung mit Heparin und Acetylsalicylsäure (ASS). Sehr selten kommt auch die Lysetherapie zum Einsatz.
  • Mechanische Blutgerinnselentfernung ("Stent Retriever"): Etabliert sich zunehmend, ist aber alters- und gewichtsabhängig und sollte nur in spezialisierten Einrichtungen durchgeführt werden.

Wichtig: Behandlungen mit gerinnungshemmenden Medikamenten sollten bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos nur vom Notarzt bzw. in einem spezialisierten Behandlungszentrum durchgeführt werden.

Behandlung nach der Akutphase

Nach der Akutbehandlung in der Klinik kommt der Abklärung der Blutungsursache eine große Bedeutung zu. Liegen Blutgerinnungsstörungen vor, müssen diese ebenfalls behandelt werden.

  • Rehabilitation: Dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen (Lähmungen, Sprach-, Konzentrations- und Verhaltensstörungen). Sie beginnt in der Regel bereits während der Akutversorgung und wird nach Stabilisierung der Patienten in einer spezialisierten Klinik fortgesetzt.
  • Psychosoziale Betreuung und Beratung: Für die Betroffenen und ihre Angehörigen ist eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend.

Rehabilitation und Heilungschancen

Die Rehabilitation im Kindesalter erfolgt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Spezialisten, darunter Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Immunspezialisten und Neurologen. Kinder sind sehr lernfähig und haben deshalb gute Aussicht auf Heilung. Je nach Schwere des Schlaganfalls können Einschränkungen zurückbleiben, mit denen die Betroffenen aber gut zurechtkommen können. Somit ist die Prognose in vielen Fällen positiv.

Prävention von Hirnblutungen

Einige Risikofaktoren einer Hirnblutung lassen sich nicht beeinflussen (z.B. angeborene Gefäßmissbildungen). Jedoch können bestimmte Maßnahmen helfen, das Risiko zu senken:

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  • Bluthochdruck behandeln: Ein bestehender Bluthochdruck sollte angemessen behandelt werden. Regelmäßige Blutdruckmessungen und die konsequente Einnahme verschriebener Medikamente sind wichtig.
  • Gesunder Lebensstil: Regelmäßige Bewegung (mindestens 30 Minuten mehrmals pro Woche) und ein gesundes Körpergewicht sind wichtig für einen gesunden Blutdruck.
  • Nichtrauchen: Rauchen erhöht das Risiko für Schlaganfälle und viele andere Gesundheitsprobleme.
  • Moderater Alkoholkonsum: Hoher Alkoholkonsum sollte vermieden werden, um Stürze und Verletzungen zu vermeiden.
  • Kopfschutz: Bei Sportarten wie Skifahren, Mountainbiking, Klettern und Reiten sollte ein Schutzhelm getragen werden, um das Risiko von Kopfverletzungen zu senken.
  • Vitamin-K-Prophylaxe: Um Neugeborene vor Vitamin-K-Mangelblutungen zu schützen, sollte die Prophylaxe nach Aufklärung der Eltern entsprechend den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin durchgeführt werden.

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