Der Gebrauch von Schnullern bei Babys ist ein weit verbreitetes Thema, das sowohl von Eltern als auch von Fachleuten aus den Bereichen Medizin, Zahnmedizin und Logopädie diskutiert wird. Während Schnuller für manche Eltern eine Rettung sein können, um schreiende Babys zu beruhigen, gibt es auch Bedenken hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung, insbesondere auf die Gehirnentwicklung, Zahnstellung und Sprachentwicklung. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Schnullergebrauchs und seine potenziellen Auswirkungen auf Babys.
Der Schnuller: Freund oder Feind der kindlichen Entwicklung?
Das angeborene Saugbedürfnis
Neugeborene haben ein angeborenes Saugbedürfnis, das nicht nur der Nahrungsaufnahme dient, sondern auch eine beruhigende Wirkung hat und bei der Stressbewältigung hilft. Das Lutschen an Fingern, Daumen, Schnullern oder der Nuckelflasche setzt im Gehirn Botenstoffe und Hormone frei, die Glücksgefühle auslösen können. Dieses Phänomen wird manchmal als die erste "orale Sucht" des Kindes bezeichnet.
Die Vor- und Nachteile des Schnullergebrauchs
Ein Schnuller kann in bestimmten Situationen durchaus hilfreich sein, z. B. bei Frühgeborenen, kranken Kindern oder zur Vorbeugung des plötzlichen Kindstods bei nicht gestillten Babys. Auch bei Überforderungen der Eltern kann ein Schnuller eine akzeptable Lösung sein. Allerdings sollte ein Kind nicht einfach "zugestöpselt" werden, und der Schnuller sollte wie ein Medikament eingesetzt werden.
Zu den Vorteilen des Schnullergebrauchs gehören:
- Beruhigung und Stressbewältigung
- Hilfe beim Einschlafen
- Unterstützung der Verdauung
- SIDS-Prophylaxe bei nicht gestillten Kindern
Zu den Nachteilen des Schnullergebrauchs gehören:
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- Mögliche Stillprobleme
- Erhöhtes Risiko für Zahnfehlstellungen und Kieferverformungen
- Beeinträchtigung der Sprachentwicklung
- Einschränkung der sensomotorischen Entwicklung des Mundraums
Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung
Einige Studien deuten darauf hin, dass das Nuckeln am Schnuller die neuronale Steuerung der Atmung verbessern und die Hirnreifung unterstützen kann. Es gibt auch die Vermutung, dass der meist sperrige Schnullergriff einen Luftkanal offen halten kann, wenn das Baby mit dem Gesicht in die Matratze einsinkt, und es somit vor Ersticken schützt. Allerdings gibt es auch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von Bisphenol A (BPA), einer Chemikalie, die in einigen Schnullern enthalten ist, auf die Gehirnentwicklung.
Bisphenol A (BPA) in Schnullern
Die Umweltschutzorganisation BUND hat in einer Untersuchung Bisphenol A in Babyschnullern nachgewiesen. Diese Substanz steht im Verdacht, die Hirnentwicklung zu schädigen und Krebs zu fördern. Tests haben gezeigt, dass BPA aus den Schnullern in den Speichel der Babys gelangen kann. Daher wird empfohlen, Schnuller zu bevorzugen, deren Schilde nicht aus Polycarbonat bestehen, da dieser Kunststoff aus BPA hergestellt wird.
Die richtige Anwendung des Schnullers
Wann sollte man mit dem Schnuller beginnen?
Generell wird empfohlen, mit dem Schnullergebrauch erst ab der vierten bis sechsten Lebenswoche zu beginnen, um Stillprobleme zu vermeiden. Der Schnuller sollte gezielt und nur so oft und lang wie nötig gegeben werden. Eltern sollten sich fragen, was ihr Baby in dem Moment wirklich braucht, und den Schnuller erst dann einsetzen, wenn andere Bedürfnisse wie Hunger, Durst, Angst oder Müdigkeit erfüllt sind.
Wie sieht ein "gesunder" Schnuller aus?
Ein "gesunder" Schnuller sollte folgende Eigenschaften aufweisen:
- Möglichst kleiner und flacher Saugteil
- Nach oben abgewinkelter Saugteil, der am Gaumen anliegt
- Leichter und beweglicher Schnuller
- Dünner Schaft zwischen Mundschild und Saugteil
- Symmetrische Form für Kinder, die den Schnuller drehen
Wann sollte man den Schnuller abgewöhnen?
Der Schnuller sollte abgewöhnt werden, wenn das Kind etwa zwei Jahre alt ist oder bereits vorher, wenn es anfängt zu sprechen und zu kauen. Werden Schnuller zu lange verwendet, können ungünstige Angewohnheiten, Sprachprobleme oder Zahn- und Kieferfehlstellungen entstehen.
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Alternativen zum Schnuller
Das Saugbedürfnis stillen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Saugbedürfnis eines Babys zu stillen, ohne auf einen Schnuller zurückzugreifen. Dazu gehören:
- Stillen nach Bedarf
- Körperkontakt und Nähe
- Sanftes Schaukeln oder Wiegen
- Singen oder leises Sprechen
- Massagen
Das Kaubedürfnis fördern
Im zweiten Lebensjahr wird das Saugbedürfnis allmählich vom Kaubedürfnis abgelöst. Für diesen Entwicklungsschritt benötigt das Kind Reize in Form von Brot-, Obst- oder Gemüsestückchen, die mit den Fingern gegessen werden.
Die Entwöhnung vom Schnuller
Strategien für die Schnullerentwöhnung
Die Entwöhnung vom Schnuller kann eine Herausforderung sein, aber es gibt verschiedene Strategien, die Eltern dabei unterstützen können:
- Den natürlichen Schnullerschwund ausnutzen und keine weiteren Schnuller nachkaufen
- Den Schnuller Stück für Stück einkürzen
- Den Schnuller gegen ein Geschenk eintauschen (z. B. beim Weihnachtsmann oder Osterhasen)
- Eine Geschichte erzählen, dass kleine Kinder den Schnuller mehr brauchen als "große" Kinder
- Den Schnuller mit einer ungiftigen Substanz einpinseln, damit er nicht mehr schmeckt
- Den Schnuller nur noch beim Einschlafen oder im Auto geben
Alternative Rituale schaffen
Bei der Entwöhnung ist es hilfreich, alternative Rituale zu schaffen, die dem Kind Sicherheit bieten. Hierfür eignet sich das abendliche Vorlesen, Hand halten oder in den Schlaf streicheln.
Der plötzliche Kindstod und der Schnuller
Studien haben gezeigt, dass der Schnuller das Risiko des plötzlichen Kindstods (SIDS) senken kann. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass der Schnullergriff einen Luftkanal offen hält, wenn das Baby mit dem Gesicht in die Matratze einsinkt. Außerdem könnte das Nuckeln am Schnuller die neuronale Steuerung der Atmung verbessern.
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