Multiple Sklerose und Baby: Ein umfassender Leitfaden für Eltern

Multiple Sklerose (MS) betrifft viele Menschen in jungen Jahren, oft in einer Lebensphase, die von Familienplanung und Kindererziehung geprägt ist. Die Diagnose MS wirft viele Fragen auf, insbesondere wenn ein Kinderwunsch besteht. Dieser Artikel soll umfassend über die Vereinbarkeit von MS und Kinderwunsch informieren, Mythen aufklären und praktische Ratschläge für werdende Eltern geben.

Multiple Sklerose: Was ist das eigentlich?

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinschicht an, die die Nervenfasern umhüllt und schützt. Dies führt zu Entzündungen und Schädigungen, die verschiedene Symptome verursachen können. Die Diagnose MS bei Kindern und Babys führt oft zu Unsicherheit und Angst, schließlich ist das zentrale Nervensystem von dieser Krankheit betroffen, die als unheilbar gilt.

Kinderwunsch und MS: Ist das möglich?

Die gute Nachricht ist: Eine Schwangerschaft und Multiple Sklerose schließen sich nicht aus. Die Ärzteschaft ist sich heute einig, dass eine Schwangerschaft mit MS vereinbar ist. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sich die MS negativ auf eine Schwangerschaft auswirkt. Umgekehrt beeinflusst die Schwangerschaft den Schweregrad und den Verlauf der MS ebenfalls nicht.

Fruchtbarkeit

Die Fruchtbarkeit von Menschen mit MS ist nicht grundsätzlich eingeschränkt. Dennoch sind Multiple Sklerose Patientinnen häufiger kinderlos oder haben weniger Kinder als gesunde Frauen. Ob dies aber eine biologische Ursache hat ist bisher nicht bekannt. Untersuchungen zeigen, dass es bei unbehandelten Frauen und Patientinnen mit einer hohen Krankheitsaktivität eher zu Abweichungen in der Menge an Sexualhormonen kommen kann.

Genetische Veranlagung

Auch zählt die chronisch-entzündliche Nervenerkrankung nicht zu den klassischen Erbkrankheiten. Die Multiple Sklerose ist somit keine klassische Erbkrankheit. Das Risiko an einer Multiplen Sklerose zu erkranken liegt in der Allgemeinbevölkerung in Deutschland bei ca. 0,1-0,2 %. Bei 20 % der Multiple Sklerose Patienten kommt es zu einer familiären Häufung der Erkrankung, wobei das Erkrankungsrisiko vom Verwandtschaftsgrad abhängig ist. Tritt die Erkrankung bei einer Person des ersten Verwandtschaftsgrades auf, so ist das Risiko an Multipler Sklerose zu erkranken um 3 %, bei entfernteren Verwandtschaftsgraden um 1 % erhöht. Dabei hat die Vererbung der Multiplen Sklerose von mütterlicher oder väterlicher Seite keinen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko. Zwillingsstudien haben gezeigt, dass bei eineiigen Zwillingen das Erkrankungsrisiko bei 25 % liegt, wenn ein Zwilling erkrankt ist. Bei zweieiigen Zwillingen und Geschwistern liegt das Risiko bei 5 %.

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Planung ist alles: Was Sie vor einer Schwangerschaft beachten sollten

Sprich frühzeitig mit Deinem Behandlungsteam über Deinen Kinderwunsch. Gemeinsam findet Ihr den für Dich passenden Weg. Eine sorgfältige Planung und Rücksprache mit der Neurologin oder dem Neurologen und der Frauenärztin oder dem Frauenarzt sind aber wichtig.

Medikamente

Viele MS-Medikamente dürfen in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht oder nur eingeschränkt eingenommen werden. Häufig wird empfohlen, die Behandlung schon vor einer geplanten Empfängnis zu unterbrechen, spätestens aber, wenn die Schwangerschaft beginnt. Zudem schreiben die Beipackzettel einiger MS-Medikamente vor, dass Frauen eine wirksame Verhütungsmethode verwenden müssen.

Vor einer Schwangerschaft müssen Frauen mit dem behandelnden Arzt klären, ob sie ihre Dauermedikation während der Schwangerschaft beibehalten können, diese absetzen müssen oder ggf. auf ein anderes Medikament umstellen können. Bei Männern mit MS gelten einige wenige Medikamente als schädlich für die Zeugungsfähigkeit oder den Embryo. Frauen und Männer können sich, bevor sie ein genotoxisches Medikament einnehmen, über die Möglichkeit der Kryokonservierung von Spermien bzw.

Zeitpunkt

Im besten Fall planen Sie die Schwangerschaft in einer stabilen Phase, in der die Krankheit gut unter Kontrolle ist. Je aktiver die Krankheit vor der Schwangerschaft war, umso wahrscheinlicher tritt in der Schwangerschaft ein neuer Schub auf.

Künstliche Befruchtung

Frauen mit MS und unerfülltem Kinderwunsch sollten sich vor Beginn einer Kinderwunschbehandlung und der damit verbundenen Hormonstimulation ausführlich beraten lassen. Damit das Schubrisiko nicht ansteigt, wird Frauen mit MS in der Regel empfohlen, ihre Immuntherapie bis zur Durchführung der künstlichen Befruchtung weiterzuführen.

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Schwangerschaft und MS: Was erwartet Sie?

Schwangerschaftsverläufe von Frauen mit Multipler Sklerose und gesunden Frauen sind ähnlich. Kurzfristig kann eine Schwangerschaft vor neuen Schüben schützen.

Schubrate

Während der Schwangerschaft sinkt die Schubrate kontinuierlich (um bis zu 80 Prozent im letzten Drittel). In den ersten drei Monaten nach der Geburt steigt die Schubrate dann wieder an. Bei Frauen mit MS ohne Behandlung nehmen die Schübe während der Schwangerschaft in der Regel stetig ab.

Schubtherapie

Bei einem Schub kann es trotz Schwangerschaft nötig sein, dass die Frau eine intensive Schubtherapie erhält, zum Beispiel mit hochdosiertem Kortison. Die Kortisontherapie sollte aber möglichst erst ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel erfolgen.

Risiken

Es gibt eine etwas höhere Wahrscheinlichkeit für Frühgeburten oder ein niedriges Geburtsgewicht des Kindes. Für die Frau ist die Wahrscheinlichkeit für Infekte höher. Jedoch mußten in der Gruppe der MS-Patientinnen häufiger medikamentöse Wehen-Einleitungen, Zangen-Entbindungen und Kaiserschnitte vorgenommen werden. Außerdem traten bei MS-kranken Schwangeren häufiger Harnwegsinfekte auf.

Geburt und MS: Worauf Sie sich einstellen können

Einschränkungen für die Geburt sollten sich durch die Multiple Sklerose nicht ergeben. Der Schubanstieg nach der Geburt ist unabhängig von der Art der Entbindung, daher können Frauen mit einer Multiplen Sklerose entbinden, wie sie möchten, bzw. wie es die geburtshilfliche Situation erfordert.

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Art der Entbindung

Die Art der Entbindung spielt für die Schubrate keine Rolle. Ein Kaiserschnitt nur aufgrund der MS ist nicht nötig. Prinzipiell spricht bei MS nichts gegen eine vaginale Geburt. Ist aber zum Beispiel die Krankheit schon fortgeschritten und hat die Frau eine Muskelschwäche oder Fatigue, kann ein geplanter Kaiserschnitt sinnvoll sein.

Periduralanästhesie (PDA)

Von einer Periduralanästhesie (PDA) = Rückenmarksbetäubung, da sie mit Schüben in Verbindung gebracht werden, wird MS-betroffenen Frauen abgeraten. Frauen, die an einer Multiplen Sklerose erkrankt sind, müssen nicht auf eine Periduralanästhesie (PDA) verzichten, da eine PDA den Schubanstieg nach der Entbindung nicht beeinflusst.

Nach der Geburt: Stillen und Therapie

Stillen nach der Geburt kann sich positiv auf die Schubrate auswirken. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt frisch gebackenen Müttern, sechs Monate ausschließlich zu stillen. Mittlerweile gibt es auch MS-Therapien, die Du während der Stillzeit sicher für Dein Baby und Dich anwenden kannst.

Stillen

Stillen ist für den Säugling optimal - daher sollten auch MS-betroffene Mütter, wenn möglich, ihr Kind stillen. Stillen mit und ohne Zufüttern scheint sich positiv auf die Schubrate auszuwirken, wobei das Stillen ohne Zufüttern das Schubrisiko am meisten verringert. Stillen hat keinen negativen Effekt auf die Schubrate. Laut einer Metaanalyse kann Stillen im Vergleich zum nicht Stillen bei Multiple Sklerose Patientinnen mit leichter bis moderater Krankheitsaktivität die Schubrate nach der Entbindung um bis zu 37% senken.

Frauen mit MS dürfen ihr Kind stillen - sie müssen aber vorab genau mit ihrer Ärztin oder ihrem Arzt besprechen, welche Medikamente dann in Frage kommen.

Medikamente in der Stillzeit

Für stillende Mütter sind jedoch nur wenige Medikamente zugelassen, weshalb eine ausführliche ärztliche Beratung notwendig ist.

Es gibt Multiple Sklerose Medikamente die in Europa offiziell zur Verwendung während der Stillzeit zugelassen sind: Dazu gehören Beta-Interferone (Betaferon®, Avonex®, Rebif®, Extavia®, Plegridy®), Glatirameracetat (Copaxone®, Clift®), Ofatumumab (Kesimpta®) und Ocrelizumab (Ocrevus®). Einige andere Multiple Sklerose Medikamente wie monoklonale Antikörper gelangen jedoch wahrscheinlich nicht in biologisch relevantem Maße in die Muttermilch und wieder andere überwinden zwar die Blut-Milch-Schranke, haben aber keinen negativen Effekt auf den Säugling.

Wiederaufnahme der Therapie

Es gibt keine allgemeinen Empfehlungen, wie schnell nach dem Stillen wieder mit der Multiple Sklerose Therapie begonnen werden soll. Wir würden in der Regel empfehlen innerhalb des ersten Lebensjahres sukzessive abzustillen. Frauen, die nicht stillen möchten oder eine hohe Krankheitsaktivität in und vor der Schwangerschaft aufwiesen, ist eine zügige Wiederaufnahme der Multiple Sklerose Therapie in den ersten zwei Wochen nach der Geburt zu empfehlen.

Leben mit MS und Kind: Herausforderungen und Chancen

Da der Verlauf der MS-Erkrankung schwer abzuschätzen ist, sollten sich werdende Väter und Mütter klar darüber sein, dass die körperliche Belastbarkeit abnehmen und Einschränkungen, z.B. motorischer Art, nach einem Schub bleiben können. Daher sind eine stabile Partnerschaft und ein festes soziales Umfeld Faktoren, die Sicherheit geben. Das Kind sollte auch dann betreut und versorgt werden können, wenn dies der eigene Gesundheitszustand momentan oder auf längere Sicht nicht ermöglicht.

Partnerschaft

Die Diagnose MS kann eine Partnerschaft grundlegend verändern. Durch die MS-Erkrankung muss das gewohnte Leben oft völlig umstrukturiert werden. Die Rollenverteilung der Lebenspartner kann sich ändern, Aufgaben werden neu verteilt. Wichtig bei einer Neuausrichtung ist ein verständnisvoller, partnerschaftlicher Umgang. Eine offene Kommunikation kann bei der Lösung von Konflikten helfen.

Offene Kommunikation mit dem Kind

Die durch die Erkrankung eines Elternteils bedingten Veränderungen im Zusammenleben können bei Kindern zu großer Verunsicherung und unrealistischen Vorstellungen führen, z.B. dass Mama bzw. Papa bald sterben. Deshalb ist eine offene Kommunikation mit den Kindern über die MS-Erkrankung wichtig, um Ängste bei den Kindern abzubauen.

Unterstützung suchen

Da eine MS-Erkrankung insbesondere für den betroffenen Elternteil, aber auch für den Partner und die Kinder eine große Belastung darstellt, sollten sich Betroffene Hilfe und Unterstützung suchen, z.B. durch Informationen, Beratung oder Unterstützung von professionellen Helfern und Selbsthilfeverbänden.

Multiple Sklerose beim Baby: Was Eltern wissen müssen

Multiple Sklerose beim Baby, auch als MS bekannt, ist eine chronisch-entzündliche Krankheit, die das Gehirn und das Rückenmark betrifft. Doch obwohl diese Krankheit nicht heilbar ist, müssen Eltern von betroffenen Kindern nicht ans Aufgeben denken.

Diagnose

Die Diagnose Multiple Sklerose bei Kindern wird nicht immer auf den ersten Blick gestellt. Um Multiple Sklerose bei Kindern erkennen zu können, muss ein Arzt verschiedene Untersuchungen durchführen. Über die Blutwerte beispielsweise können andere Krankheiten ausgeschlossen werden, getestet werden kann aber u.a. Zusätzlich können die evozierten Potenziale untersucht werden. Hierbei werden die elektrischen Gehirnströme gemessen. Den einen Multiple Sklerose Test gibt es nicht.

Symptome

In einigen Fällen kann Multiple Sklerose auch zu Lähmungen führen. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Symptome gleichzeitig auftreten müssen. Die Symptome von einer Multiplen Sklerose beim Baby können gemindert werden, wenn die Diagnose früh gestellt und eine schnelle Behandlung erfolgen kann.

Therapie

Je nach Verlauf der Erkrankung und dem Ergebnis vom Multiple Sklerose Test können verschiedene Therapien für das Kind in Frage kommen. Oft ist es auch möglich, dass beispielsweise eine Mutter-Kind-Kur stattfindet. Handelt es sich um einen akuten MS-Schub, werden diese meist Kortison behandelt. Dies lindert den Schub und schwächt die Beschwerden.

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