Bakterielle Besiedlung des Gesichtsnervs: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Einführung

Der Gesichtsnerv, auch Nervus facialis genannt, ist ein wichtiger Hirnnerv, der für die Steuerung der Gesichtsmuskulatur, das Blinzeln und die Geschmacksempfindung zuständig ist. Eine bakterielle Besiedlung dieses Nervs kann zu verschiedenen Erkrankungen und Symptomen führen, die von leichten Beschwerden bis hin zu schweren Komplikationen reichen können. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnoseverfahren und Behandlungsansätze bei bakterieller Besiedlung des Gesichtsnervs, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu ermöglichen.

Häufige Erreger und Infektionswege

Infektionen des Gesichtsnervs werden häufig durch Viren verursacht, da deren Übertragung oft durch die Luft (Tröpfcheninfektion) oder über die Nahrung stattfindet. Die Viren dringen dann über die Schleimhaut in den Organismus ein, was oft zu Beschwerden im Mund- und Rachenraum führt. Allerdings können auch Bakterien eine Rolle spielen, insbesondere bei sekundären Infektionen oder bestimmten Grunderkrankungen.

Virusbedingte Infektionen

  • Herpes-Simplex-Virus (HSV): Das Herpes-Simplex-Virus (HSV) ist eine der häufigsten Ursachen für Infektionen im Gesichtsbereich, insbesondere HSV-Typ 1, der Lippenherpes verursacht. Die Infektion kann bereits im Kindesalter durch engen körperlichen Kontakt übertragen werden und persistiert lebenslang in Nervenganglien. Auslöser für die Virusvermehrung und den Ausbruch der Erkrankung können Hautreizungen, Sonnenbestrahlung, fiebrige Erkältungskrankheiten, Immunsuppression oder psychische Faktoren sein.
  • Varizella-Zoster-Virus (VZV): Das Varizella-Zoster-Virus (VZV) ist der Erreger der Windpocken (Varizellen) und kann nach der Primärinfektion latent in sensorischen Ganglien persistieren. Bei älteren Menschen oder immunsupprimierten Patienten kann es nach Jahrzehnten zu einer Reaktivierung kommen, die als Gürtelrose (Herpes zoster) bekannt ist. Der Kopfbereich, einschließlich der Innervationsbereiche des Nervus trigeminus und anderer Hirnnerven, kann betroffen sein.
  • Eppstein-Barr-Virus (EBV): Die Epstein-Barr-Virus-Infektion ist ebenfalls durch eine nahezu 100-prozentige Durchseuchung im Erwachsenenalter gekennzeichnet. Bei der Primärinfektion, die meist bei Jugendlichen auftritt, kommt es zu hohem Fieber, Lymphadenopathie und Angina unter dem klinischen Bild einer Mononukleose (Pfeiffersches Drüsenfieber).
  • Coxsackie-Viren: Coxsackie-A-Viren verursachen die Hand-Fuß-Mund-Krankheit und auch die Herpangina. Die Hand-Fuß-Mund-Krankheit beginnt vor allem bei Kindern mit grippalen Krankheitszeichen.
  • Humane Papillomaviren: Durch DNA-Viren aus der Gruppe der Humanen Papillomaviren (HPV) werden zum Beispiel Warzen hervorgerufen. Sie können in jedem Lebensalter auftreten und sind oft an Händen und Füßen lokalisiert, können aber auch perioral und oral in Erscheinung treten.
  • Masern-Virus: Die Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion. Die Erkrankung beginnt mit Fieber, Grippesymptomen und katarrhalischen Erscheinungen mit Konjunktivitis. Charakteristischerweise finden sich kalkweiße Stippchen auf stark geröteter Wangenschleimhaut (Koplik´sche Flecken).
  • HIV (Human Immunodeficiency Virus): Akzidentelle Übertragungen im zahnmedizinischen Bereich durch Verletzungen an HIV-kontaminierten Gegenständen (Kanülen, Skalpelle, und dergleichen mehr) kommen vor, spielen zahlenmäßig aber eine untergeordnete Rolle.

Bakterielle Infektionen

Bakterielle Infektionen des Gesichtsnervs sind seltener, können aber schwerwiegende Folgen haben. Sie entstehen oft als Folge einer Ausbreitung von Infektionen aus benachbarten Bereichen wie dem Mittelohr, den Nasennebenhöhlen oder der Haut.

  • Otitis externa maligna: Diese seltene Form der Osteomyelitis betrifft typischerweise ältere Diabetiker oder immunsupprimierte Patienten. Sie wird in der Regel durch Pseudomonas aeruginosa verursacht und kann zu Hirnnervenausfällen, insbesondere Paresen des N. facialis, führen.
  • Mastoiditis: Die akute Mastoiditis ist eine relativ häufige Komplikation der akuten oder chronischen Otitis media, bei der es zur eitrigen Einschmelzung der Knochenbälkchen im Mastoid kommt. Sie wird meist durch Pneumokokken verursacht, aber auch andere Erreger wie Streptococcus pyogenes, Pseudomonas aeruginosa und Staphylococcus aureus können beteiligt sein.
  • Epiglottitis: Während die akute Epiglottitis früher vornehmlich eine durch Haemophilus influenzae Typ B hervorgerufene Erkrankung des Kindesalters war, werden heute häufiger auch andere Erreger isoliert und Erwachsene sind häufiger betroffen als Kinder.
  • Ohrmuschelperichondritis: Die Ohrmuschelperichondritis ist durch das Übergreifen einer akuten Entzündung des äußeren Ohres auf das Perichondrium gekennzeichnet. Der mit Abstand häufigste Erreger ist Pseudomonas aeruginosa. Zweithäufigster Erreger ist Staphylococcus aureus, gefolgt von Streptococcus pyogenes und anderen Streptokokken-Arten.
  • Phlegmone: Die Phlegmone ist eine bakterielle, eitrige, sich diffus ausbreitende Entzündung des interstitiellen Bindegewebes. Häufig handelt es sich um eine Infektion der Dermis und Subkutis, die sich auf tiefer gelegenes Weichteilgewebe ausbreiten kann. Den häufigsten mit Phlegmonen assoziierten Erreger bei immunkompetenten Patienten stellt das grampositive Bakterium Staphylococcus (Staph.) aureus dar.

Symptome einer Besiedlung des Gesichtsnervs

Die Symptome einer bakteriellen Besiedlung des Gesichtsnervs können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Infektion ab. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Gesichtslähmung (Fazialisparese): Eine Schwäche oder Lähmung der Gesichtsmuskulatur auf einer oder beiden Seiten des Gesichts, die sich durch ein hängendes Gesicht, Schwierigkeiten beim Blinzeln oder Sprechen äußern kann.
  • Schmerzen: Neuralgiforme Schmerzen im Bereich des Gesichts, Ohrs oder Halses, die von leicht bis stark reichen können.
  • Hautausschläge und Bläschen: Typische Veränderungen der Haut und Schleimhaut, wie gruppiert stehende Bläschen auf gerötetem Grund (Herpes simplex, Herpes zoster).
  • Schwellungen und Rötungen: Entzündliche Schwellungen und Rötungen im Bereich des Ohrs, der Nasennebenhöhlen oder des Gesichts.
  • Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl: Systemische Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.
  • Hörverlust und Schwindel: Bei Beteiligung des Nervus vestibulocochlearis (Nervus VIII) können Hörverlust, Tinnitus und Schwindel auftreten.
  • Geschmacksstörungen: Veränderungen oder Verlust des Geschmackssinns.
  • Trockene Augen und Mund: Beeinträchtigung der Tränen- und Speichelproduktion.

Diagnoseverfahren

Die Diagnose einer bakteriellen Besiedlung des Gesichtsnervs erfordert eine gründliche klinische Untersuchung und Anamnese. Ergänzend können verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt werden, um die Ursache und das Ausmaß der Infektion zu bestimmen:

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  • Klinische Untersuchung: Beurteilung der Gesichtsmuskulatur, der Haut und Schleimhäute sowie neurologische Tests zur Überprüfung der Nervenfunktion.
  • Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte, einschließlich Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und möglicher Risikofaktoren.
  • Mikrobiologische Diagnostik: Entnahme von Abstrichen oder Gewebeproben zur Identifizierung der beteiligten Erreger (Bakterien, Viren).
  • Blutuntersuchungen: Bestimmung von Entzündungsparametern und Antikörpern gegen bestimmte Erreger.
  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) zur Darstellung von Entzündungen, Abszessen oder anderen strukturellen Veränderungen im Bereich des Kopfes und des Gesichtsnervs.
  • Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Untersuchung der Funktion des Gesichtsnervs zur Beurteilung des Ausmaßes der Nervenschädigung.

Behandlungsansätze

Die Behandlung einer bakteriellen Besiedlung des Gesichtsnervs richtet sich nach der Ursache und dem Schweregrad der Infektion. Ziel ist es, die Erreger zu bekämpfen, die Entzündung zu reduzieren und die Nervenfunktion wiederherzustellen. Zu den gängigen Behandlungsansätzen gehören:

  • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen werden Antibiotika eingesetzt, um die Bakterien abzutöten oder ihr Wachstum zu hemmen. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem identifizierten Erreger und seiner Antibiotikaempfindlichkeit.
  • Virostatika: Bei viralen Infektionen, wie Herpes simplex oder Herpes zoster, können Virostatika eingesetzt werden, um die Virusvermehrung zu reduzieren und den Krankheitsverlauf zu verkürzen.
  • Kortikosteroide: Kortikosteroide wirken entzündungshemmend und können bei bestimmten Erkrankungen, wie der idiopathischen Fazialisparese (Bell-Parese), eingesetzt werden, um die Schwellung des Nervs zu reduzieren und die Nervenfunktion zu verbessern.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können zur Linderung von Schmerzen eingesetzt werden, insbesondere bei neuralgiformen Schmerzen im Zusammenhang mit Herpes zoster oder anderen Nervenentzündungen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Gesichtsmuskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen, insbesondere nach einer Fazialisparese.
  • Chirurgische Eingriffe: In einigen Fällen, wie bei Abszessen oder Tumoren, kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um die Infektion zu beseitigen oder den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
  • Weitere Maßnahmen: Je nach Symptomatik können weitere Maßnahmen wie Augentropfen gegen trockene Augen, Speichelersatzmittel bei Mundtrockenheit oder логопедические Übungen zur Verbesserung der Sprechfunktion erforderlich sein.

Spezifische Behandlungen für bestimmte Erkrankungen

  • Otitis externa maligna: Die Behandlung umfasst in der Regel eine langfristige Antibiotikatherapie mit Pseudomonas-wirksamen Antibiotika wie Ceftazidim, Piperacillin oder Ciprofloxacin. In schweren Fällen kann ein chirurgisches Débridement erforderlich sein.
  • Mastoiditis: Die Behandlung umfasst in der Regel eine Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/Clavulansäure, Cefotaxim oder Ceftriaxon. Bei Komplikationen oder ausbleibender Besserung kann eine Mastoidektomie erforderlich sein.
  • Epiglottitis: Die Behandlung umfasst in der Regel eine Antibiotikatherapie mit Amoxicillin/Clavulansäure oder Ceftriaxon sowie die Gabe von Kortikosteroiden zur Reduktion der Entzündung. In schweren Fällen kann eine Intubation oder Tracheotomie erforderlich sein, um die Atemwege zu sichern.
  • Ohrmuschelperichondritis: Die Behandlung umfasst in der Regel eine Antibiotikatherapie mit Piperacillin/Tazobactam, Cefepim oder Ciprofloxacin. Bei Eiteransammlung ist eine Inzision, bei Nekrosen eine schonende Knorpelabtragung erforderlich.

Prävention

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko einer bakteriellen Besiedlung des Gesichtsnervs zu reduzieren:

  • Impfungen: Impfungen gegen bestimmte Viren, wie Varizella-Zoster-Virus (Windpocken/Gürtelrose) und Masern, können das Risiko einer Infektion und damit verbundener Komplikationen reduzieren.
  • Hygienemaßnahmen: Regelmäßiges Händewaschen und Vermeidung von engem Kontakt mit infizierten Personen können die Ausbreitung von Infektionen verhindern.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Die Vermeidung von Risikofaktoren wie Rauchen, übermäßigem Alkoholkonsum und Stress kann das Immunsystem stärken und das Risiko von Infektionen reduzieren.
  • Schnelle Behandlung von Infektionen: Eine schnelle und adäquate Behandlung von Infektionen im Bereich des Ohrs, der Nasennebenhöhlen oder der Haut kann die Ausbreitung von Bakterien zum Gesichtsnerv verhindern.
  • Sicherheitsmaßnahmen: Das Tragen der vorgeschriebenen Arbeitskleidung kann einen Schutz vor fachspezifischen Bagatellverletzungen darstellen.

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