Ein Wurm, der sich ins Gehirn verirrt, ist ein seltenes, aber potenziell tödliches Szenario. Der Fall des US-Politikers RFK Jr., der nach eigenen Angaben an einem Parasiten in seinem Gehirn litt, verdeutlicht die Brisanz solcher Infektionen. Zwar überlebte Kennedy den Vorfall, doch nicht alle Betroffenen haben dieses Glück. Dieser Artikel beleuchtet die Gefahren von Bandwurm-Larven im Gehirn, die sogenannte Neurozystizerkose, ihre Ursachen, Symptome, Verbreitung und Behandlungsmöglichkeiten.
Neurozystizerkose: Wenn der Schweinebandwurm ins Gehirn wandert
Die Neurozystizerkose ist eine Erkrankung, die durch die Ablagerung von Blasenwürmern (Cysticercus), insbesondere Larven des Schweinebandwurms (Taenia solium), im Hirngewebe verursacht wird. Schätzungsweise 50.000 Menschen jährlich erleiden ein ähnliches Schicksal. Normalerweise leben erwachsene Bandwürmer im menschlichen Darm und pflanzen sich dort fort. Sie sondern Kapseln mit befruchteten Eiern ab, die befallene Personen über den Stuhl ausscheiden. Nimmt ein Schwein eine davon auf, entwickeln sich daraus bald Larven, die vom Darm des Tieres in seine Muskulatur wandern. Dort rollen sie sich zusammen und um sie herum bildet sich eine Gewebekapsel, in der sie überdauern. Sobald ein Mensch das kontaminierte Tier verspeist, wird die Larve wieder aktiv - es sei denn, wir erhitzen das Fleisch ordentlich durch, denn dabei stirbt sie ab. Überlebende Larven siedeln sich in unserem Verdauungstrakt an und werden bis zu mehrere Meter lang. Wenn sie sich vermehren, beginnt der Prozess von vorne.
Manchmal geraten die Eier jedoch in den falschen Zwischenwirt - den Menschen. Dies geschieht durch fäkal-orale Übertragung, beispielsweise wenn eine verwurmte Person sich nach dem Toilettengang nicht ordentlich die Hände wäscht und danach Lebensmittel berührt. So gelangen die Eier in den Darm eines anderen Menschen, wo die Larven schlüpfen und sich daranmachen, in den Körper einzudringen. Leider wandern sie dabei gern ins menschliche Gehirn und richten sich dort wohnlich ein.
Symptome und Diagnose
Nicht alle Betroffenen entwickeln Symptome. Manche Menschen mit Neurozystizerkose bleiben jahrelang unentdeckt, während bei anderen schwere gesundheitliche Probleme auftreten. Die Symptome hängen von der Anzahl, Größe und Lage der Zysten im Gehirn ab. Häufige Symptome sind:
- Epileptische Anfälle: Etwa 30 Prozent der Epilepsien in Hochrisikogebieten gehen vermutlich auf die Infektion zurück.
- Chronische Kopfschmerzen
- Neurologische Ausfälle: Diese können sich als Schwäche, Taubheit oder Kribbeln in Armen und Beinen äußern.
- Anzeichen von Hirnhautentzündungen: Dazu gehören Fieber, Nackensteifigkeit und Lichtempfindlichkeit.
- Erhöhter Hirndruck: Dies kann zu Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen führen.
- Verhaltensänderungen: Ein Fallbericht aus Malaysia beschreibt eine Patientin, die unter Fieberschüben, Abgeschlagenheit und Verhaltensänderungen litt.
Die Diagnose erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), die die Zysten im Gehirn sichtbar machen.
Lesen Sie auch: Was Sie über Bandwürmer im Gehirn wissen sollten
Verbreitung und Risikofaktoren
Die Neurozystizerkose ist vor allem in Lateinamerika, Südostasien und Subsahara-Afrika verbreitet, wo Taenia solium stark verbreitet ist. Mehrere Millionen Personen in diesen Gebieten tragen Schweinebandwürmer in sich. Risikofaktoren für eine Infektion sind:
- Aufenthalt in Endemiegebieten: Menschen, die in Regionen mit hoher Prävalenz von Taenia solium leben oder dorthin reisen, haben ein höheres Risiko.
- Schlechte sanitäre Bedingungen: Mangelnde Hygiene und unzureichende sanitäre Einrichtungen fördern die Ausbreitung der Eier.
- Verzehr von rohem oder unzureichend gekochtem Schweinefleisch: Dies ist der häufigste Übertragungsweg.
- Autoinfektion: Durch mangelnde Handhygiene können bereits im Körper befindliche Eier erneut aufgenommen werden.
Behandlung
Die Behandlung der Neurozystizerkose zielt darauf ab, die Larven abzutöten und die Entzündung im Gehirn zu reduzieren. Zu den gängigen Behandlungsmethoden gehören:
- Antiparasitäre Medikamente: Diese Medikamente, wie Albendazol oder Praziquantel, töten die Bandwurmlarven ab.
- Entzündungshemmende Medikamente: Kortikosteroide werden eingesetzt, um die Entzündung im Gehirn zu reduzieren, die durch das Absterben der Larven verursacht wird.
- Antiepileptika: Diese Medikamente werden eingesetzt, um epileptische Anfälle zu kontrollieren.
- Chirurgischer Eingriff: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Zysten zu entfernen, die den Hirndruck erhöhen oder andere Komplikationen verursachen.
Die Behandlung kann jedoch auch Risiken bergen. Im Fall eines 18-jährigen Inders, dessen Gehirn stark von Zysten befallen war, verzichteten die Ärzte aufgrund der hohen Anzahl an Zysten und dem Auftreten im Gehirn auf Antiparasitika, da diese Gehirnblutungen und -entzündungen verschlimmern und zu Sehverlust führen können. Stattdessen erhielt der Patient nur ein entzündungshemmendes Medikament und eine Medizin, die seine epileptischen Anfälle abmildern sollte. Gereicht hat es nicht.
Seltene Fälle und andere Bandwurmarten
Neben dem Schweinebandwurm gibt es auch andere Bandwurmarten, die in seltenen Fällen das Gehirn befallen können. Ein Beispiel ist Spirometra erinaceieuropaei, der vor allem in Ostasien verbreitet ist. Menschen können sich über kontaminiertes Trinkwasser oder den Verzehr von Wassertieren infizieren. In China gelten Frösche und Schlangen als Delikatesse. Sie werden auf Wochenmärkten gehandelt und ihr Fleisch häufig roh verzehrt. Die Larven können dann ins Gehirn wandern und neurologische Symptome verursachen.
Prävention
Die beste Vorbeugung gegen Neurozystizerkose ist die Einhaltung von Hygienestandards und die Vermeidung des Verzehrs von rohem oder unzureichend gekochtem Schweinefleisch. Dazu gehören:
Lesen Sie auch: Mehr über Fuchsbandwurm-Zysten im Gehirn erfahren
- Gründliches Händewaschen: Waschen Sie Ihre Hände gründlich mit Seife und Wasser, insbesondere nach dem Toilettengang und vor der Zubereitung von Speisen.
- Sorgfältige Zubereitung von Schweinefleisch: Erhitzen Sie Schweinefleisch so, dass auch im Inneren 70 bis 80 Grad Celsius erreicht werden, um eventuell vorhandene Larven abzutöten.
- Sauberes Trinkwasser: Verwenden Sie sauberes Trinkwasser oder kochen Sie es ab, bevor Sie es trinken, insbesondere in Regionen mit schlechten sanitären Bedingungen.
- Vermeidung von rohen oder unzureichend gekochten Lebensmitteln: Vermeiden Sie den Verzehr von rohen oder unzureichend gekochten Lebensmitteln, insbesondere Schweinefleisch, in Regionen mit hoher Prävalenz von Taenia solium.
Lesen Sie auch: Faszination Nesseltiere: Wie sie ohne Gehirn leben