Bauchakupunktur bei Alzheimer: Studien und Perspektiven der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)

Einführung

Die Alzheimer-Krankheit und andere Formen der Demenz stellen eine wachsende Herausforderung für die alternde Bevölkerung dar. Während die westliche Medizin sich auf medikamentöse Behandlungen und symptomatische Therapie konzentriert, bietet die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) einen ganzheitlichen Ansatz zur Behandlung von Demenz, der Körper, Geist und Umwelt berücksichtigt. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Bauchakupunktur, die in jüngster Zeit vermehrt in Studien untersucht wird. Dieser Artikel beleuchtet die Perspektiven der TCM auf Demenz, die Rolle der Bauchakupunktur und die Ergebnisse aktueller Studien.

Demenz und Alzheimer aus Sicht der TCM

In der chinesischen Kulturgeschichte wurde der allmähliche Verlust des Denkvermögens lange Zeit nicht als eigenständiges medizinisches Problem betrachtet. Erst in der Ming-Zeit (1368 bis 1644) findet sich im Jingyue quanshu des Zhang Jiebin ein Kapitel über Symptome des Verlustes der klaren geistigen Wegsteuerung und die Beschreibung von deren Ätiologie und Therapie. Die wichtigste Standardrezeptur, die Zhang zu diesem Thema entwickelte, das Qi Fu Yin, ist heute Gegenstand weitgehender Studien in China.

Die TCM betrachtet Demenz und Alzheimer aus einem ganzheitlichen Blickwinkel, der den Körper, den Geist und die Umwelt miteinbezieht. In der TCM wird Demenz oft als ein Ungleichgewicht im Fluss der lebenswichtigen Energie oder "Qi" betrachtet, das zu einer Schwächung des Gehirns und des Geistes führt.

Zentrale Konzepte der TCM bei Demenz

  • Qi und Blut: In der TCM wird angenommen, dass Gesundheit durch den harmonischen Fluss von Qi (Lebensenergie) und Blut im Körper aufrechterhalten wird. Demenz kann nach TCM-Prinzipien auf ein Ungleichgewicht oder eine Schwächung von Qi und Blut zurückgeführt werden, insbesondere im Zusammenhang mit der Nahrungsmittelversorgung des Gehirns.

  • Yin und Yang: Yin und Yang sind konzeptionelle Gegensätze, die in der TCM eine zentrale Rolle spielen. Ein Ungleichgewicht zwischen Yin und Yang im Gehirn kann zu Demenzsymptomen führen. Zum Beispiel wird Demenz oft als Ausdruck von Yin-Mangel und Yang-Überschuss betrachtet, was zu einer Überhitzung und einem Verlust der kühlen, nährenden Aspekte im Gehirn führen kann.

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  • Störungen der Organfunktion: In der TCM wird angenommen, dass bestimmte Organe und deren Funktionen mit unterschiedlichen Aspekten der kognitiven Gesundheit verbunden sind. Zum Beispiel wird das Gehirn oft mit der Nierenfunktion in Verbindung gebracht, da die Nieren in der TCM die Wurzel der Lebensenergie sind und eng mit dem Gehirn verbunden sind. Eine Schwäche der Nierenfunktion kann daher zu Gedächtnisverlust und anderen kognitiven Beeinträchtigungen führen.

  • Umweltfaktoren und emotionale Gesundheit: Die TCM betrachtet nicht nur körperliche Aspekte der Gesundheit, sondern auch Umweltfaktoren und emotionale Gesundheit als wichtige Einflussfaktoren für Demenz und Alzheimer. Emotionale Störungen wie Angst, Trauer, Hass, Neid, Kummer und Sorge können das Qi und Blut durcheinanderbringen und somit zur Entstehung von Krankheiten beitragen.

Behandlungsansätze der TCM bei Demenz

Die Behandlungsansätze in der TCM für Demenz und Alzheimer umfassen oft eine Kombination aus verschiedenen Therapieverfahren:

  • Akupunktur: Die Akupunktur ist eine wichtige chinesische Heilmethode, bei der feine Nadeln in bestimmte Hautpunkte gestochen werden, um den Energiefluss (Qi) anzuregen und Blockaden zu lösen.

  • Kräutermedizin: Chinesische Heilkräuter werden eingesetzt, um das Gleichgewicht von Yin und Yang wiederherzustellen, den Fluss von Qi und Blut zu fördern und die Funktion der betroffenen Organe zu stärken. Eine wichtige Standardrezeptur ist das Qi Fu Yin.

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  • Ernährungstherapie: Eine ausgewogene Ernährung spielt eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der kognitiven Gesundheit. Die TCM legt Wert auf die Stärkung der Verdauung und die Vermeidung von Nahrungsmitteln, die das Ungleichgewicht von Yin und Yang verstärken könnten.

  • Bewegung und Stressbewältigung: Qigong und Tai Chi sind traditionelle chinesische Bewegungstherapien, die dazu beitragen, Stress abzubauen, den Energiefluss zu harmonisieren und die körperliche und geistige Gesundheit zu fördern.

Die Rolle der Bauchakupunktur

In den TCM Klassikern wird auf die Bauchdiagnose zur Feststellung von Krankheiten, Identifizierung von Funktionsmängeln der inneren Organen, Beurteilung des Verhältnisses zwischen Yin-Yang und Kälte-Hitze sowie ihre Bedeutung für die Therapieplanung hingewiesen. Durch Ren- und Du-Meridian und viele andere Meridiane werden Bauch, Rücken und die Organe miteinander verbunden. Die Bauchdiagnose kann klare Hinweise auf bestimmte Akupunkturpunkte zur Regulierung der inneren Organe liefern. Die Regulierung der verschiedenen Organfunktionen und der Ausgleich von energetischem Yin-Yang-Verhältnis können bei vielen Disharmonien effektiv helfen. Das daraus entwickelte Bauchdiagnose-Akupunktur-Therapiesystem ist einfach zu erlernen, klar strukturiert und ermöglicht oftmals eine sofortige Wirkung. Immer mehr Patienten sind davon sehr begeistert.

Studien zur Akupunktur bei Alzheimer

Eine Studie belegt, wo chinesische Forscher die Wirkung einer Akupunktur-Behandlung auf die Alzheimer-Krankheit untersuchten. Im Zuge einer Studie wurden 141 Probanden randomisiert in eine Akupunktur-Gruppe (72 Probanden und eine Kontroll-Gruppe (69 Probanden) aufgeteilt. Erstere erhielt einmal täglich eine Nadel-Therapie in ausgewählte Akupunkturpunkte. Um einen Vergleich zur herkömmlichen Medizin zu erzielen, wurde der anderen Gruppe jede Nacht oral eine 5 mg-Tablette Donepezil verabreicht. Vier Wochen später wurde die Dosis auf zwei Tabletten mit insgesamt 10 mg Donepezil pro Nacht erhöht. Ausgewertet wurden der Mini-Mental-Status-Test (MMSE), die Alltagskompetenz (ADL), der ADAS-Cog-Test und der Digit-Span (DS) vor und nach der Behandlung. Akupunktur als Methode zur Qi-Regulierung und Durchblutungsförderung erwies sich im Zuge der Studie als geeignet, um die Gesamtfunktion, Kognition und Alltagskompetenz bei Alzheimer-Patienten zu verbessern und zeigte zudem eine höhere Wirksamkeit als die Donepezil-Therapie.

Nach mehreren Erfahrungen mit Patienten hat die Akupunktur auf dem Kopf - Schädelakupunktur nach Yamamoto - bei der Behandlung der Demenz-Patienten signifikante Wirkung. Die Akupunktur verbessert die Durchblutung der Mikrozirkulation und lässt die Durchblutungsmenge des Gewebes zunehmen. Das weist darauf hin, dass die Akupunktur auf dem Kopf positiv auf die Rehabilitation von der Gehirnfunktion wirkt.

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Weitere Anwendungsgebiete der TCM und Akupunktur

Die TCM und insbesondere die Akupunktur finden auch bei anderen Erkrankungen Anwendung, darunter:

  • Neurologische Erkrankungen: Mit Akupunktur lassen sich viele Schmerzen lindern oder Krankheiten heilen. Nun gibt es auch Hoffnung für Parkinson-Patienten. Ein Stich mit der Nadel an der richtigen Körperstelle lässt die Energie fließen und lindert so Schmerzen oder heilt Krankheiten. Die japanische Schädelakupunktur nach Yamamoto funktioniert etwas anders als die Akupunktur in der traditionellen chinesischen Medizin, erklärt Dorothea Zeise-Süss. Sie arbeitet nicht am ganzen Körper. "Gewebeverquellungen, die man mit dem Finger tasten kann, und nur in diese Verquellungen, wenn die bei diesem Patienten zu diesem Zeitpunkt tastbar sind, wird die Nadel ganz wenig nur einen Millimeter eingestochen.

  • Angststörungen: In den klassischen Texten der Chinesischen Medizin werden sieben Emotionen beschrieben: Ärger, Freude, Sorge, Grübeln, Trauer, Angst und Schock. Emotionen werden als physiologische Ereignisse betrachtet, eine Reaktion des Shen (der Geist) auf Reize aus der Außenwelt. Der Begriff der „Angststörung“ oder „Panikattacke“ entspricht den „hysterischen Anfällen“ früherer Zeiten in Europa. Die Symptome und Therapie dieser Anfälle ist bereits im „Huang Di Nei Jing“ („der Klassiker des gelben Kaisers“), der vor 2500 Jahren geschrieben wurde, detailliert beschrieben worden.

  • Augenerkrankungen: Die chinesische Augenheilkunde bzw. chinesische Ophthalmologie ist ein Teilbereich der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), in dem Erkrankungen der Augen mit chinesischer Arzneimitteltherapie, Akupunktur/Moxibustion, Tuina, chinesischer Diätetik und den chinesischen Bewegungstherapien (Qigong und Taijiquan) therapiert werden. Bei der Akupunktur für die Augen werden die Nadeln unter anderem an Stellen am Armen und Beinen gesetzt, die mit den Augen in Verbindung stehen. Ins Auge selbst werden jedoch nie Nadeln gestochen. Rund ums Auge kann man sehr feine Nadeln nutzen, die auch an dieser recht empfindlichen Körperstelle größtenteils schmerzfrei eingestochen werden.

  • Hauterkrankungen: Die Nesselsucht aus Sicht der TCM: Im chinesischen Namen für die Urtikaria steckt, wie so oft bei juckenden Hauterkrankungen, die Beschreibung „Wind“. Getreu dem Namen „wie der Wind“ handelt es sich um eine solche „Wind-Schädigung“, findet sich in der Anamnese meist auch „Kälte“ oder „Hitze“, bzw. „Feuchtigkeit“. Erste Beschreibungen der Nesselsucht finden sich bereits im ältesten Werk der chinesischen Medizin, dem Klassiker des Gelben Kaisers zur Inneren Medizin - beginnend um 200 vor Christus. Da der wichtigste krankheitsauslösende Faktor bei der Urtikaria „Wind“ (feng) ist, geht es in der Behandlung vor allem darum, „Wind“ aus der „Oberfläche“ auszuleiten.

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