Bedrocan gegen Migräne: Aktuelle Studien und Erkenntnisse

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die durch starke, oft einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und von Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet wird. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden ist für viele Betroffene eine andauernde Herausforderung. In den letzten Jahren hat medizinisches Cannabis zunehmend Aufmerksamkeit als mögliche Therapieoption erlangt. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung zu Bedrocan und anderen Cannabisprodukten bei der Behandlung von Migräne, basierend auf Studien und Expertenmeinungen.

Migräne: Eine wachsende Herausforderung

Die Zahl der Migränefälle steigt. So wurde im Jahr 2020 bei Menschen mit Kopfschmerzen in 28 % der Fälle Migräne diagnostiziert. Im Jahr 2023 lag die Anzahl der Migränediagnosen bereits bei 61 %, von denen 70 % Frauen ausmachten. Obwohl die Forschung intensiv an diesem Thema dran ist, gibt es noch immer keine heilende Therapie gegen Migräne. Studien zeigen jedoch, dass alternative Therapien, wie Cannabis bei Migräne, vielversprechende Ansätze zeigen.

Migräne ist eine chronische Erkrankung, bei der Betroffene meistens über einseitige Kopfschmerzen klagen. Sie beschreiben ihn oft als starken, pulsierenden Schmerz. Normalerweise tritt der Schmerz auf einer Kopfseite auf, er kann sich jedoch auch auf die andere Kopfseite ausdehnen. Die Migräneattacken klingen in der Regel bereits nach einigen Stunden wieder ab, können sich jedoch auch über mehrere Tage erstrecken.

Symptome und Arten von Migräne

Je nach Ursache und Art der Migräneattacke können vielfältige Symptome auftreten, die von Mensch zu Mensch variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Empfindliche Sinne
  • Erschöpfung
  • Neurologische Beschwerden

Es gibt eine Vielzahl an unterschiedlichen Migränearten, dazu gehören:

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  • Migräne ohne Aura
  • Migräne mit Aura
  • Migräne Aura ohne Kopfschmerzen
  • Chronische Migräne
  • Status migrainosus
  • Vestibuläre Migräne
  • Retinale Migräne
  • Ophthalmische Migräne
  • Abdominale Migräne
  • Hemiplegische Migräne
  • Menstruale Migräne
  • Migräne mit Hirnstamm-Aura

Medizinisches Cannabis: Ein Überblick

Cannabis sativa enthält etwa 500 verschiedene Komponenten, davon circa 100 Cannabinoide. Zwar ist die medizinische Wirksamkeit bei Schmerzlinderung und Entzündungen von zwei Cannabinoiden, nämlich Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), in Einzelfällen und durch einige klinische Studien erwiesen.

Zu den Hauptinhaltsstoffen der Hanfpflanze (Cannabis sativa) gehören Δ9-Tetrahydrocannabinol (THC, internationaler Freiname: Dronabinol) sowie das nicht psychoaktive Cannabidiol (CBD). Beide Substanzen sind lipophil. THC fungiert als Partialagonist an den G-Protein-gekoppelten Cannabinoid(CB)-Rezeptoren CB1 und CB2. Daneben gibt es mit den Orphan-G-Protein-gekoppelten Rezeptoren GPR18 und GPR55 weitere Cannabinoid-Zielstrukturen. THC vermittelt seine psychoaktiven Wirkungen über zentrale CB1-Rezeptoren im Gehirn. CB2 wird hauptsächlich auf Immunzellen exprimiert und in Mandeln und Milz. Im ZNS finden sich CB2 auf Mikrogliazellen. CB2 ist an inflammatorischen Prozessen beteiligt.

Rechtliche Rahmenbedingungen in Deutschland

Seit März 2017 stehen Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen durch eine Gesetzesänderung nun auch cannabisbasierte Arzneimittel zur Schmerzlinderung zur Verfügung. Seit 2017 ist es Ärzten in Deutschland erlaubt, medizinisches Marihuana oder Cannabis zu verschreiben. Die Indikationen für die Anwendung sind nicht explizit formuliert, allerdings geht die Fachliteratur von einem sehr breiten therapeutischen Spektrum aus. Da zu den etablierten Indikationen chronische Schmerzen zählen, ist das Interesse von Migräne-Patienten naheliegend.

Voraussetzungen, dass Ärzte Cannabis verordnen dürfen, gibt es dennoch:

  • Es handelt sich um eine schwerwiegende Erkrankung, für die es keine anerkannte medizinische Leistung gibt oder bei dereine anerkannte Therapie für den Patienten nicht infrage kommt, und
  • es besteht Aussicht, dass Cannabis die Beschwerden bessert.

Versicherte mit schwerwiegenden Erkrankungen haben Anspruch auf Versorgung mit Cannabis, wenn es keine alternative Therapie gibt, die etablierten Maßnahmen nicht wirken oder nicht ausreichen und wenn eine Aussicht auf Besserung durch diese Therapie besteht. Die erste Verordnung muss von der Krankenkasse genehmigt werden. Dazu ist ein begründeter Antrag des Arztes erforderlich. Der Arzt ist verpflichtet, Daten für eine Begleiterhebung zu erheben. Die gesetzlichen Krankenkassen können nach begründetem Antrag des behandelnden Arztes die Therapie erstatten. Die Entscheidung, ob ein Patient mit Cannabis behandelt werden muss, liegt beim behandelnden, bzw. verschreibendem Arzt. Die Erstattung muss jedoch von der Krankenkasse genehmigt werden.

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Anwendungsformen von medizinischem Cannabis

Medizinisches Cannabis lässt sich inhalieren (rauchen, verdampfen) oder oral einnehmen (Tropfen, Kapseln, Öl, Spray).

Es gibt verschiedene Cannabis Konsumformen zur Behandlung von Migräne.

  • Inhalation (Rauchen oder Verdampfen): Dies bietet eine schnelle Linderung, da die Wirkstoffe direkt in den Blutkreislauf gelangen.
  • Öle und Tinkturen: Produkte Wie Dronabinol werden oral eingenommen oder unter die Zunge getropft.
  • Essbare Produkte (Edibles): Diese haben eine längere Wirkungsdauer, aber auch eine verzögerte Wirkung von bis zu zwei Stunden.

Studienlage zu Cannabis bei Migräne

Die medizinische Wirkung von Cannabis ist noch nicht endgültig erforscht. Eine zentrale Rolle spielt das Endocannabinoid-System als Teil des Nervensystems. Es reagiert auf die Wirkstoffe von Cannabis, die Cannabinoide, zu denen insbesondere THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) zählen. Das Endocannabinoid-System scheint mit der Schmerzwahrnehmung im Gehirn zusammenzuhängen, auch bei Migräne-Attacken. Studien haben gezeigt, dass Migräne-Patienten durch die Einnahme von Präparaten mit THC und CBD an weniger Tagen pro Monat Migräne-Attacken hatten. Außerdem ließen sich dadurch Symptome wie Kopfschmerzen und Übelkeit verringern beziehungsweise lindern. Insgesamt ist die Datenlage aber bislang nicht ausreichend, um endgültige Empfehlungen zu Therapieoptionen und Dosierungen für die Behandlung mit Cannabis gegen Migräne zu machen.

Cannabis kann die Schwere von Kopfschmerzen und Migräne nahezu halbieren. Allerdings profitieren Frauen und Männer unterschiedlich. Zudem hängt der Effekt von der Darreichungsform ab.

Aktuelle Studien und Ergebnisse

  • Studie aus Colorado (2016): Eine Studie mit 121 Probanden zeigte, dass die Migränehäufigkeit durch die Einnahme von Cannabis von 10,4 auf 4,6 Fälle pro Monat zurückging. Bei 11,6 Prozent der Teilnehmer verhinderte das Cannabis ihre Migräneattacken sogar komplett.
  • Doppelblindstudie mit Nabilon: In einer kleinen Doppelblindstudie untersuchten Forscher die Wirkung von Nabilon im Vergleich zu Ibuprofen. Die Ergebnisse waren vielversprechend: Nabilon linderte die Schmerzen effektiver als Ibuprofen und verringerte den Bedarf an weiteren Schmerzmitteln.
  • Weitere Studien: Eine weitere Studie berichteten 36 Prozent der Befragten, dass die Einnahme von Cannabis die Schmerzintensität der Migräne lindert. Außerdem benötigten ⅔ der Teilnehmer*innen weniger reguläre Migräne-Medikamente als vor dem Konsum von medizinischem Cannabis.
  • Studie der American Academy of Neurology (2024): Eine randomisierte, doppelblind placebokontrollierte Crossover-Studie mit Migränepatienten zeigte, dass die Kombination von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sowie THC allein Migräneattacken effektiver verkürzt als ein Placebo.

Expertenmeinungen

PD Dr. med. Stefanie Förderreuther, Präsidentin der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) e. V., betont: „Doch leider ist die Studienlage auch in diesem Bereich noch zu dürftig, als dass wir eine reguläre Behandlung mit Cannabinoiden empfehlen würden. Wir brauchen Studien, die beweisen, dass eines oder verschiedene Cannabinoide in der Behandlung von definierten Kopfschmerzsyndromen nicht nur wirksam, sondern vor allem auch sicher sind. Anders als bei allen zur Kopfschmerzbehandlung zugelassenen Substanzen fehlen entsprechende Daten.“

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Professor Dr. med. Häuser erklärt: „Es besteht keine ausreichende Evidenz, dass cannabisbasierte Arzneimittel in der Therapie bei Tumorschmerzen, rheumatischen und gastrointestinalen Schmerzen oder bei Appetitlosigkeit bei Krebs und AIDS wirksam sind.“

THC und CBD bei Migräne

THC ist der psychoaktive Bestandteil von Cannabis und hat schmerzlindernde Eigenschaften. CBD ist nicht psychoaktiv und hat ebenfalls schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften. Migräne kann durch entzündliche Prozesse im Gehirn verschärft werden. Einige Studien deuten darauf hin, dass Cannabinoide den Serotoninspiegel beeinflussen können. Migräne geht häufig mit Übelkeit und Erbrechen einher.

In einer Doppelblindstudie hat sich die Wirkung des synthetischen Cannabinoids Nabilon bewährt. Bei den 30 Teilnehmer*innen, die unter Migräne litten, hat dieses die Schmerzen wirksamer gelindert als Ibuprofen.

Setzt man auf Blüten, werden allgemein Sorten mit einem hohen THC-Gehalt empfohlen, da diese eine schmerzlindernde und äußerst entspannende Wirkung haben sollen. Auch andere Sorten mit Terpenen wie Myrcen, Pinene, Linalool, Limonen oder Beta-Caryophyllen können Deine Migräne lindern.

THC/CBD-Kombination

Eine randomisiert-kontrollierte Studie, die auf der Jahrestagung der American Academy of Neurology in Denver vorgestellt wurde, zeigt, dass inhaliertes Cannabis Migräneattacken effektiver verkürzt als ein Placebo. Die Kombination von Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD) sowie THC allein waren demnach effektiv.

Mögliche Nebenwirkungen

Wie bei jeder anderen Therapie kann es auch zu Nebenwirkungen kommen, wenn Du Cannabis bei Migräne einnimmst. Da jeder Mensch unterschiedlich auf Cannabinoide reagiert, können auch die Symptome variieren.

Zu den häufigsten möglichen Nebenwirkungen gehören:

  • Mundtrockenheit
  • Orientierungslosigkeit
  • Müdigkeit
  • Schwindelanfälle
  • Steigerung des Appetits

Bei einigen Menschen verschwinden einige Symptome nach einer Eingewöhnungsphase.

Cannabis kann die Aufmerksamkeit einschränken, Übelkeit und Erbrechen bei Patienten verursachen und die Stimmung beeinträchtigen. Kardiale Krisen, Selbstmord oder Psychosen sind schwerwiegende Nebenwirkungen, die einzeln berichtet wurden. Längere Anwendung von Cannabis kann zur Gewöhnung führen, wobei die Abhängigkeit weniger stark ausgeprägt ist als bei anderen Drogen. Da das Endocannabinoidsystem an der Hirnentwicklung beteiligt ist, sind Heranwachsende und junge Erwachsene mit hohem Cannabiskonsum besonders gefährdet für psychische und kognitive Störungen.

CBD hingegen ist besser verträglich, wobei zur Sicherheit von Cannabidiol keine Langzeitstudien vorliegen.

Cannabis vs. Traditionelle Migränemedikamente

Im Vergleich dazu wirken traditionelle Migränemedikamente wie Triptane und NSAIDs (nichtsteroidale Antirheumatika) auf die Blutgefäße und Schmerzrezeptoren im Gehirn. Im Gegensatz dazu sind herkömmliche Migränemedikamente, insbesondere NSAIDs, mit gastrointestinalen Problemen wie Magenschmerzen und Blutungenassoziiert.

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Cannabis hängt stark von der individuellen Verträglichkeit ab. Für eine individuelle Beratung zu den besten Anwendungsmethoden und der passenden Dosierung kontaktieren Sie die kostenlose Hotline der Cannamedical Pharma.

Die Anwendung von medizinischem Cannabis bei Migräne bietet vielfältige Möglichkeiten zur Linderung von Symptomen.

  • Start low, go slow: Beginnen Sie mit einer niedrigen Dosis und steigern Sie langsam, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
  • Einnahmemethoden variieren: Bei akuten Migräneanfällen ist die Inhalation (z. B. durch Verdampfen) wegen der schnellen Wirkung innerhalb weniger Minuten nützlich. Öle und Tinkturen sind eine diskrete Alternative, die unter die Zunge getropft wird und eine etwas längere Wirkung bietet.
  • Überwachung der Reaktion: Führen Sie ein Tagebuch über Dosierung und Reaktionen, um herauszufinden, was am besten wirkt.
  • Bei potenziellen Medikamenteninteraktionen: Einige Migränemedikamente können mit Cannabis interagieren.

Fazit

Die Forschung zu Cannabis und Migräne befindet sich noch in einem frühen Stadium, aber erste Ergebnisse sind vielversprechend. Einige Studien deuten darauf hin, dass Cannabis, insbesondere in Kombination mit THC und CBD, die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren kann. Es ist jedoch wichtig, sich von einem Arzt beraten zu lassen, um die richtige Dosierung und Anwendungsform zu finden und mögliche Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont, dass weitere Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Cannabis bei der Behandlung von Migräne umfassend zu belegen.

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