Differenzialdiagnose von Befunden bei Morbus Alzheimer

Die Diagnose von Morbus Alzheimer (AD) erfordert eine sorgfältige Differenzialdiagnose, um andere Ursachen für kognitive Beeinträchtigungen auszuschließen. Das Ziel ist es, behandelbare, sekundär zu einer Demenz führende Erkrankungen zu erkennen und eine spezifische Therapie zu ermöglichen. Je früher dies geschieht und je gezielter die Behandlung vorgenommen wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die kognitive Störung zurückbildet und der Patient keine oder nur wenig ausgeprägte Defizite zurückbehält.

Einführung

Demenzerkrankungen sind durch die fortschreitende Entwicklung kognitiver Defizite in verschiedenen Bereichen gekennzeichnet. Neben Gedächtnisstörungen können auch andere kognitive Einbußen wie Orientierungs-, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Aphasie, Apraxie, Agnosie, Alexie, Akalkulie, gestörte Visuokonstruktion oder eine Beeinträchtigung der Exekutivfunktionen auftreten. Die kognitiven Defizite werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet und können zu einer individuell bedeutsamen Beeinträchtigung der Alltagsbewältigung führen.

Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form der Demenz. Es gibt aber auch andere Demenzformen, wie die vaskuläre Demenz, die frontotemporale Demenz oder die Lewy-Körper-Demenz. Die unterschiedlichen Formen der Demenz haben jeweils unterschiedliche Ursachen und können sich auch durch verschiedene Beschwerden äußern.

Häufigkeit und Bedeutung

Die Prävalenz von Demenzerkrankungen steigt mit dem Alter exponentiell an. In Deutschland sind etwa 1,2 Millionen Menschen über 65 Jahre von einer Demenz betroffen. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird die Anzahl der Erkrankten bis zum Jahr 2030 auf 1,56 Millionen und bis zum Jahr 2050 auf mehr als 2 Millionen steigen.

Ätiopathogenetisch können mehr als 70 verschiedene Demenzursachen unterschieden werden. Die Mehrzahl ist jedoch selten und bestimmt nicht den klinischen Alltag. Klinisch bedeutsam sind neben den primär neurodegenerativen Formen (Alzheimer-Demenz, Demenz mit Lewy-Körperchen, Parkinson-Demenz, Demenzen bei Frontolobärdegeneration) die vaskulären Formen.

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Differenzialdiagnostische Überlegungen

Die Differenzialdiagnose der Alzheimer-Demenz umfasst verschiedene Erkrankungen und Zustände, die ähnliche Symptome verursachen können. Hierzu gehören:

Frontotemporale Demenz (FTD)

Die frontotemporale Demenz (FTD) ist eine seltene Form einer schnell fortschreitenden Demenz. Sie macht Schätzungen zufolge zusammen mit der Alzheimer-Demenz die Mehrzahl aller Demenzerkrankungen unter 65 Jahren aus. Kennzeichnend bei der FTD ist, dass Nervenzellen speziell im Stirnhirn (Frontallappen) und im Schläfenlappen (Temporallappen) untergehen. Im Vergleich zur Alzheimer-Demenz bricht die FTD früher aus: meist zwischen dem 45. und 65. Lebensjahr.

Die Symptome sind von Patient zu Patient zum Teil sehr unterschiedlich - abhängig davon, in welchem Gehirnbereich Nervenzellen absterben. Bei der verhaltensbetonten Variante der frontotemporalen Demenz zeigen sich zuerst Veränderungen im Verhalten und der Persönlichkeit. Bei den sprachbetonten Varianten der frontotemporalen Demenz stehen Sprachstörungen im Vordergrund.

Vaskuläre Demenz

Die vaskuläre Demenz wird durch Durchblutungsstörungen des Gehirns verursacht, beispielsweise durch Schlaganfälle. Die neuropsychologischen Defizite sind abhängig von der Pathologie sowie deren Lokalisation und daher nicht generalisierbar.

Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK)

Die Demenz mit Lewy-Körperchen (DLK) ist durch fluktuierende kognitive Verlangsamung, Störung der Aufmerksamkeit, optische Halluzinationen und Parkinson-Symptome gekennzeichnet.

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Normaldruckhydrozephalus (NDH)

Der Normaldruckhydrozephalus (NDH) ist durch die klassische Hakim-Trias - Demenz, Gangstörung, Inkontinenz - charakterisiert. Kognitiv zeigen sich eine Verlangsamung, ein dysexekutives Syndrom und Gedächtnisstörungen.

Sekundäre Demenzen

Eine große Anzahl von systemischen Erkrankungen kann sekundär zu einem demenziellen Syndrom führen. Hierzu gehören:

  • Endokrine Störungen: Hypo-/Hyperthyreose, Hypo-/Hyperparathyreoidismus, Hypophyseninsuffizienz, Nebenierenrindenunter-/-überfunktion, Cushing-Syndrom
  • Infektionen: Chron. HIV-Enzephalitis, andere chronische Meningoenzephalitiden, Neurolues, Neuroborreliose, Herpes-simplex-Enzephalitis, Zytomegalie, zerebrale Abszesse
  • Vaskuläre Störungen: Residualzustände nach akuter zerebraler Ischämie oder Blutung
  • Medikamentennebenwirkung/Intoxikation: Sedativa/Benzodiazepine, Neuroleptika, Lithium u. a.
  • Affektive Störungen: Depression, insbesondere Depression im Alter
  • Substanzmissbrauch: Alkoholtoxische Enzephalopathie

Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK)

Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) ist eine seltene, aber wichtige Differenzialdiagnose.

Diagnostische Verfahren

Zur Differenzialdiagnose der Alzheimer-Demenz stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:

Anamnese und klinische Untersuchung

Eine ausführliche Anamnese und klinische Untersuchung sind essenziell, um die Art und den Verlauf der kognitiven Beeinträchtigungen zu erfassen. Dabei sollten auch die Familienanamnese und die Medikamentenanamnese berücksichtigt werden.

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Neuropsychologische Testung

Neuropsychologische Tests können den Schweregrad und das Muster der kognitiven Beeinträchtigung erfassen und wertvolle Hinweise auf die Ursache der kognitiven Störung liefern.

Bildgebende Verfahren

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT des Gehirns kann kortikale und subkortikale Hirnmorphologie sowie gefäßassoziierte Pathologien darstellen.
  • Funktionelle Bildgebung (FDG-PET, FP-CIT-SPECT, Amyloid-PET): Die FDG-PET hat ihre Stärken in der Differenzialdiagnostik von neurodegenerativen Demenzen. Ein FP-CIT(Dopamin-Transporter)-SPECT kann in klinisch unklaren Fällen für die Differenzialdiagnose einer Lewy-Körperchen-Demenz versus Nicht-Lewy-Körperchen-Demenz eingesetzt werden. Neu ist die Möglichkeit zur Darstellung zerebraler Amyloidablagerungen im Gehirn mittels eines Amyloid-PET.

Liquordiagnostik

Die Liquordiagnostik kann bei klinisch unklaren Befunden oder Verdacht auf entzündliche oder infektiöse ZNS-Erkrankungen durchgeführt werden. Die kombinierte Bestimmung der Parameter Beta-Amyloid-1-42/-40, Gesamt-Tau und Phospho-Tau kann in solchen Situationen empfohlen werden.

Laboruntersuchungen

Im Rahmen der erweiterten Basisdiagnostik werden folgende Serum- bzw. Plasmauntersuchungen empfohlen: Blutbild, Elektrolyte (Na, K, Ca), Nüchtern-Blutzucker, TSH, Blutsenkung oder CRP, GOT, Gamma-GT, Kreatinin, Harnstoff, Vitamin B12.

Bedeutung der Frühdiagnostik

Eine frühzeitige und korrekte Diagnose der Alzheimer-Demenz ist entscheidend, um Betroffenen und ihren Angehörigen Zugang zu den Leistungen des Gesundheitssystems zu ermöglichen und rechtzeitig mit der Behandlung und Versorgung zu beginnen.

Medikamente und Kognition

Medikamente als einzige Ursache für ein Demenzsyndrom sind die Ausnahme. Dennoch erhöht die Einnahme von Benzodiazepinen, zentral wirksamen anticholinergen Substanzen, H1-Antihistaminika und Opioden das Risiko für eine leichte kognitive Störung erheblich. Unter Polypharmazie ist dieses Risiko ebenfalls erhöht.

Beispielbefund und Erklärung

Die Informationen in einem Befund sind nicht unbedingt auf den persönlichen Einzelfall übertragbar und ersetzen kein Arztgespräch.

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