Physiotherapie nach Schlaganfall: Ein umfassender Überblick

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen von einem Moment auf den anderen verändern kann. Plötzlich werden alltägliche Bewegungen zur Herausforderung. Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Wiederherstellung von Funktionen und der Verbesserung der Lebensqualität nach einem Schlaganfall. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Physiotherapie nach einem Apoplex, von den Grundlagen und Zielen bis hin zu spezifischen Therapieansätzen und deren praktischer Anwendung.

Was ist ein Schlaganfall?

Ein Schlaganfall (Apoplex, engl. stroke) ist ein plötzlich auftretendes Ereignis einer Funktionsstörung des Gehirns. Ursachen sind zu 80 Prozent eine Mangeldurchblutung des Gehirns (Hirnembolie, Hirninfarkt) und zu 20 Prozent eine Hirnblutung. Dabei ist die Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen eingeschränkt oder abgeschnitten. Die Zellen in den betroffenen Gehirnregionen gehen zugrunde. Schlaganfälle führen bei circa 70 Prozent der Betroffenen zu Folgeschäden und sind nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bösartigen Neubildungen die dritthäufigste Todesursache.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigsten Ursachen für einen Schlaganfall sind ein Hirninfarkt, eine Hirnembolie oder eine Hirnblutung. Beim Hirninfarkt verengen oder verschließen sich zum Gehirn führende Blutgefäße oder Gefäße im Gehirn, zum Beispiel durch Arteriosklerose. Manchmal werden sie auch durch einen angespülten Blutpfropf (Hirnembolie) verstopft. Eine Hirnblutung entsteht durch den plötzlichen Riss eines Blutgefäßes im Gehirn. Seltenere Ursachen sind angeborene Gefäßmissbildungen oder Hirngefäße, die durch Infektionen geschädigt wurden. Risikofaktoren sind vor allem Bluthochdruck, Diabetes, hohe Blutfette, Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Diese Faktoren begünstigen Arteriosklerose, die meist über Jahre hinweg die Blutgefäße durch Fett- und Kalkablagerungen schädigt. Übrigens sind keineswegs nur ältere Menschen betroffen. Auch Jugendliche und Kinder können einen Schlaganfall bekommen.

Vorbeugung

Vorbeugen lässt sich durch eine gesunde Lebensweise, die auf fettreiche Ernährung und Rauchen verzichtet und Bewegung einschließt. Ein aktiver, beweglicher Lebensstil mit regelmäßiger Ausdauerbelastung hilft, dem Schlaganfall vorzubeugen. Präventionskurse unter Anleitung von speziell fortgebildeten Physiotherapeuten können Sie dabei unterstützen. Diese Kurse dienen der körperlichen Aktivierung oder auch der Entspannung. Bewegen Sie sich regelmäßig! Fragen Sie Ihren Physiotherapeuten nach geeigneten Kursangeboten!

Rolle der Physiotherapie nach einem Schlaganfall

Physiotherapie kann einen wesentlichen Behandlungsbeitrag leisten, wenn infolge eines Schlaganfalls das Bewegungssystem betroffen ist oder wenn Lähmungen eingetreten sind. Die physiotherapeutische Behandlung beginnt sehr rasch nach einem Schlaganfall, also bereits in der Klinik. Die Behandlung wird in der (neurologischen) Rehabilitation und anschließend in der freien Praxis Ihres Physiotherapeuten fortgesetzt. Zahlreiche Physiotherapeuten sind durch spezielle Weiterbildungen für die Behandlung von neurologischen Patienten besonders qualifiziert. Physiotherapie nach Schlaganfall ist eine Regelleistung der gesetzlichen Krankenversicherung in der ambulanten Versorgung. Der Physiotherapeut behandelt Sie auf der Grundlage einer ärztlichen Verordnung. Bei erstmaliger Verordnung sind bis zu 10 Behandlungseinheiten vorgesehen, bei längerfristigem Behandlungsbedarf bei Patienten nach dem 18.

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Diagnosestellung

Der behandelnde Arzt wird den Patienten oder ein Familienmitglied zu den aufgetretenen Symptomen befragen und was danach getan wurde. Er wird die Krankengeschichte des Patienten erheben, um Risikofaktoren für einen Schlaganfall herauszufinden. Auch regelmäßig eingenommene Medikamente können für die Diagnosestellung wichtig sein.

Darauf folgt eine körperliche Untersuchung, die folgendes beinhalten kann:

  • Blutdruck messen
  • Herz abhören
  • Gleichgewicht/Koordination testen
  • Taubheitsgefühl in Armen, Gesicht oder Beinen feststellen
  • Allgemeine Schwäche feststellen
  • Frage nach Anzeichen von Verwirrung
  • Frage nach Sehstörungen

Der Arzt wird daraufhin bestimmte Tests durchführen. Diese können dem Arzt helfen festzustellen:

  • ob der Patient einen Schlaganfall hatte
  • was ihn verursacht haben könnte
  • welcher Teil des Gehirns betroffen ist
  • ob eine Blutung im Gehirn vorliegt

Diese Tests können auch feststellen, ob die Symptome durch etwas anderes verursacht wurden.

Um festzustellen, ob der Patient einen Schlaganfall hatte und um eine andere Erkrankung auszuschließen, kann der behandelnde Arzt verschiedene, weiterführende Tests durchführen.

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Diese Tests umfassen:

  • Blutuntersuchungen
  • MRT- und CT-Untersuchung
  • EKG
  • Zerebrales Angiogramm
  • Karotis-Ultraschall
  • Echokardiogramm
  • Liquorpunktion

Behandlungsmöglichkeiten

Ein Schlaganfall erfordert sofortige ärztliche Hilfe. Wenn Du glaubst, dass Du oder eine andere Person einen Schlaganfall erleide(s)t, ruf umgehend den Notarzt. Eine sofortige Behandlung ist der Schlüssel zur Genesung.

Die Behandlung richtet sich nach der Art des Schlaganfalls und der individuellen Konstitution des Patienten und ebenso der Ursache. Im Folgenden werden die gängigsten Behandlungsmöglichkeiten vorgestellt:

  • Gerinnsel-auflösende Medikamente (können Blutgerinnsel in den Arterien des Gehirns auflösen)
  • Mechanische Thrombektomie
  • Stents
  • Operation
  • Abklemmen (Blutung wird gestoppt)

Es ist wichtig, dass die Genesung und Rehabilitation so schnell wie möglich beginnt. Tatsächlich sollte die Genesung nach einem Schlaganfall bereits im Krankenhaus beginnen. Dort kann ein Behandlungsteam den Zustand des Patienten stabilisieren, die Auswirkungen des Schlaganfalls beurteilen und mit der Therapie beginnen, die die Physiotherapie, Logopädie und andere Maßnahmen beinhaltet.

Ziele der Physiotherapie

Im Vordergrund der Therapie steht die Wiedererlangung der verloren gegangenen Funktionen (Paresen, Sensibilitätsstörungen, Neglect etc.) durch Wahrnehmungsschulung, Tonusregulation, Funktionsanbahnung / Fazilitation nach dem Bobath-Konzept. Wir unterstützen die frühestmögliche Mobilisation aus dem Bett entsprechend der vorhandenen Funktionen, um damit eine frühzeitige Annäherung an die Normalität zu erreichen. Das bedeutet z.B. frühzeitige Mobilisation im Bett in den Sitz zum aktiv-assistiven Waschen, in den Sessel zum Frühstücken oder unter die Dusche / auf die Toilette. Wir arbeiten von Anfang an im Sinne der Rehabilitation mit dem Endziel, die größtmögliche Selbstständigkeit und Lebensqualität wieder zu erlangen und eine Pflegebedürftigkeit so weit wie möglich zu mindern. Durch die neu erworbene Selbstständigkeit erhöht sich automatisch auch wieder das Selbstwertgefühl des Patienten. Das Bobath-Konzept eignet sich besonders bei Patienten mit erworbenen Hirnschäden wie z.

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Frühzeitige Mobilisation

Studien zeigen, dass frühe Mobilisation in direktem Zusammenhang mit besserem Outcome, also besseren Ergebnissen im Krankheitsverlauf steht.

Wiederherstellung von Körperfunktionen und Selbstständigkeit

In der anschließenden Rehabilitation kann der Physiotherapeut beim Wiederherstellen der Körperfunktionen, dem Erlernen von Alltagsaktivitäten und somit bei der Wiedererlangung der Selbstständigkeit helfen. Die Therapie unterscheidet sich je nach gesundheitlichem Zustand sowie individuellen Bedürfnissen des Patienten stark.

Therapieansätze in der Physiotherapie

Egal, ob nach einem Schlaganfall nur ein Taubheitsgefühl in den Fingern zurückbleibt oder schwere körperliche und kognitive Beeinträchtigungen: Therapien benötigt fast jede und jeder Schlaganfall-Betroffene.

Mögliche Elemente einer Therapie können die folgenden sein:

  • Neurologische Krankengymnastik ZNS ( PNF)
  • Allgemeine Krankengymnastik
  • Kraft- und Ausdauertraining (KGG)
  • Handlungsspezifische Bewegungsabläufe trainieren
  • Gangschule
  • Wärmetherapie
  • Kältetherapie
  • Erlernen von Hilfsmittelgebrauch (z.B.

Bobath-Konzept

Das Bobath-Konzept ist ein Ansatz zur Problemlösung in der Befundaufnahme und Behandlung von Personen mit Störungen des zentralen Nervensystem und anderen neurologischen Erkrankungen. Das Bobath-Konzept ist dabei nicht als fertiges Konzept zu sehen. Durch den frühzeitigen Einsatz des Bobath-Konzepts können negative Entwicklungen, wie z. Das Bobath-Konzept arbeitet, wie in der Pädagogik, mit dem Prinzip des Forderns und Förderns. Das Bobath-Konzept richtet sich immer an die persönlichen Ziele des Patienten. Es richtet sich nach dem 24-Stundenansatz.

Bei welchen Symptomen ist das Bobath-Konzept geeignet?

Das Bobath-Konzept wird zur Befundaufnahme und Behandlung von Menschen mit Störungen des Muskeltonus (= Spannungszustand der Muskulatur) verwendet. Auch bei sensiblen Störungen, wenn sich beispielsweise eine Körperseite dumpfer anfühlt als die andere, kann die Bobath-Therapie angewendet werden.

Was ist das Ziel des Bobath-Konzeptes?

Ziel der Bobath-Therapie ist die Verbesserung der funktionellen Fähigkeiten, sodass der Patient wieder am täglichen Leben teilnehmen kann. Zu den funktionellen Fähigkeiten gehören unter anderem die Regulierung des Muskeltonus sowie das Anbahnen von normalen Bewegungsmustern. Außerdem sollen Folgeschäden wie zum Beispiel Gelenkeinschränkungen und Schmerzen möglichst vermieden werden.

Was wird beim Bobath-Konzept gemacht?

Im Unterschied zu anderen Therapiekonzepten gibt es im Bobath-Konzept keine standardisierten Übungen. Es ist ein 24 Stunden-Konzept , mit dem möglichst früh begonnen werden sollte. Im Vordergrund stehen individuelle und alltagsbezogene therapeutische Aktivitäten, die den Patienten in seinem Tagesablauf begleiten. Hauptprinzip dabei ist es, die mehr betroffene Körperseite immer wieder in Alltagsbewegungen einzubeziehen. Dazu zählt beispielsweise eine entsprechende Gestaltung des Zimmers oder die Ansprache des Patienten über die mehr betroffene Seite.

Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)

PNF steht für Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation - ein komplizierter Name für eine hochwirksame Methode. Doch was steckt dahinter?

Der Grundgedanke von PNF ist, dass der Körper über bestimmte Bewegungsmuster verfügt, die tief in unserem Nervensystem verankert sind. Diese Bewegungsmuster, wie das diagonale Greifen oder das Aufstehen aus dem Sitzen, können nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein. PNF hilft, diese Muster wieder zu aktivieren, indem gezielt Muskeln, Nerven und Gelenke stimuliert werden.

Wie funktioniert das?

Der Therapeut arbeitet mit gezielten Widerständen, Dehnungen und Bewegungsanweisungen, um das Zusammenspiel zwischen Muskeln und Nervensystem zu verbessern. Bewegungen werden nicht isoliert trainiert, sondern in komplexen, natürlichen Abläufen - zum Beispiel in diagonalen Bewegungen, wie sie im Alltag häufig vorkommen. Das Ziel ist es, die Gehirn-Muskel-Verbindung zu reaktivieren, sodass Betroffene Bewegungen wieder bewusster und sicherer ausführen können.

PNF wurde ursprünglich zur Rehabilitation von Menschen mit neurologischen Erkrankungen entwickelt und wird heute weltweit in der Physiotherapie eingesetzt. Besonders nach einem Schlaganfall kann es helfen, Bewegungen gezielt zurückzuerlangen und Spastiken zu reduzieren.

Warum ist PNF so effektiv?

  • Es setzt direkt an den natürlichen Bewegungsmustern des Körpers an.
  • Es verbessert Koordination, Kraft und Beweglichkeit gleichzeitig.
  • Es fördert die Selbstständigkeit im Alltag.

PNF ist somit keine klassische Gymnastik, sondern eine gezielte Neurotherapie, die das Zusammenspiel von Muskeln und Nerven verbessert.

Die wichtigsten PNF-Techniken für Schlaganfallpatienten

  • Rhythmic Initiation (Ruhige Bewegungseinleitung): Hilft, Bewegungen fließender und koordinierter auszuführen, besonders bei Spastiken oder Steifigkeit.
  • Repeated Contractions (Wiederholte Muskelaktivierung): Fördert die Muskelkraft und Ausdauer, indem sie den Muskeln „beibringt“, länger durchzuhalten.
  • Hold-Relax (Anspannen und Entspannen zur Spastiklösung): Reduziert Muskelverspannungen und Spastiken, um die Beweglichkeit zu verbessern.
  • Contract-Relax (Verbesserung der Bewegungsreichweite): Hilft, die Bewegungsreichweite sanft zu vergrößern, besonders bei steifen Gelenken.
  • Stabilisierungstechniken (Gleichgewicht und Kontrolle verbessern): Stellt das Gleichgewicht wiederher und senkt das Sturzrisiko.

Aufgabenorientiertes Training (AOT)

Bei welchen Symptomen wird „Aufgabenorientiertes Training“ (AOT) geeignet?

Aufgabenorientiertes Training kommt unter anderem für Menschen mit grob- und feinmotorischen Störungen infrage, wie sie zum Beispiel bei einer halbseitigen Lähmung auftreten.

Was ist das Ziel von AOT?

Ziel ist es, die einzelne Bewegungsabläufe zu verbessern. Dies kann sich auf den Gang beziehen, aber auch auf Arm- und Handbewegungen. Beim AOT orientiert sich das Training an einem konkreten Alltagsbezug der Übungen. Das kann dabei unterstützen, dass das Gelernte direkt im Alltag eingesetzt werden kann. Durch dieses Training lernen die Betroffenen, möglichst viele Alltagshandlungen auszuführen. Die Therapeuten stimmen die Ziele individuell mit den Betroffenen ab. Es kann zum Beispiel trainiert werden, eine Tasse zum Mund zu führen, sich selbstständig an- und auszuziehen oder eine Treppe zu laufen.

Was wird beim AOT gemacht?

Wichtig ist: Die jeweilige Handlung wird sehr oft wiederholt. Die Patienten üben an der Leistungsgrenze. So kann das Gehirn den neuen Bewegungsablauf lernen und abspeichern. Da es sich bei Übungen in der Regel um Alltagstätigkeiten handelt, können Betroffene auch zu Hause intensiv üben. (Bitte Rücksprache mit dem Therapeuten halten, zum Beispiel aufgrund der Sturzgefahr bei Gangübungen.) Spezielle technische Geräte beziehungsweise Computerprogramme können die Therapie begleiten beziehungsweise intensivieren.

Constraint-Induced Movement Therapy (CIMT)

Bei welchen Symptomen ist die CIMT-Therapie geeignet?

Ist ein Arm nicht in vollem Umsatz einsatzfähig, vernachlässigen die Betroffenen diese Seite oft bei ihren Alltagstätigkeiten. Manchmal geht es schneller, Handgriffe ausschließlich mit der gesunden Seite zu erledigen. So sinnvoll das zur Alltagsbewältigung ist, kann aber im Verlauf auch ein „erlernter Nicht-Gebrauch“ des gelähmten Armes resultieren. Denn es kann sein, dass sich der gelähmte Arm zumindest teilweise erholt und dann im Alltag wieder entsprechend eingesetzt werden könnte. Manche Schlaganfall-Betroffenen benutzen jedoch weiter fast nur den gesunden Arm, obwohl der gelähmten inzwischen schon wieder mehr machen könnte. In diesem Fall ist der Einsatz der „Constraint-Induced Movement Therapy“ (CIMT) sinnvoll - also eine Therapie, bei der ganz intensiv Alles mit dem betroffenen Arm gemacht wird. Dadurch kann die spontane Nutzung des gelähmten Armes wieder gefördert werden. Wichtig ist zu beachten, dass die Therapie nur dann infrage kommt, wenn keine vollständige Lähmung vorliegt und die Handfunktion teilweise noch erhalten ist. Außerdem sollten keine schwere Spastik oder Schmerzen im betroffenen Arm vorhanden sein und keine erhöhten Risiken (z.B. Sturzrisiko) bei der Durchführung bestehen.

Was ist das Ziel der CIMT-Therapie?

Ziel ist es, den verstärkten Einsatz des betroffenen Armes im Alltag zu fördern.

Was wird bei der CIMT-Therapie gemacht?

Der nicht-betroffene Arm wird über mehrere Stunden täglich immobilisiert (bis zu 90% des Tages), das heißt künstlich stillgelegt, zum Beispiel durch eine Schiene. Dadurch sind die Betroffenen „gezwungen“, die schwächere Seite zumindest während der Therapiestunden, oftmals auch zu Hause im Alltag intensiv einzusetzen.

Elektrostimulation

Bei welchen Symptomen ist die Elektrostimulation geeignet?

Durch einen Schlaganfall funktioniert die Signalweiterleitung vom Gehirn über das Rückenmark und die Nervenbahnen an den Muskel teilweise nicht mehr, da die dafür zuständigen Hirn-/Nervenzellen oder Bahnen geschädigt sind. Infolgedessen werden die betroffenen Muskeln gar nicht oder nicht mehr so häufig angeregt und kann nicht mehr (richtig) bewegt werden.

Was ist das Ziel der Elektrostimulation?

Die Elektrotherapie kann dabei helfen, Bewegungsabläufe mit Unterstützung von Elektrostimulation wieder zu erlernen. Für den Therapieerfolg sollten gezielte Funktionen bei häufiger Wiederholung (Repetition) geübt werden. Neben der Verbesserung der aktiven Bewegungsfähigkeit, soll die Elektrostimulation helfen, einer Spastikentwicklung vorzubeugen.

Welche Formen der Elektrostimulation gibt es und wie funktionieren diese jeweils?

  • Neuromuskuläre Elektrostimulation (NMES): Elektroden werden auf dem betroffenen Muskel platziert, um Nerven und Muskeln zu stimulieren und eine Bewegung zu erzeugen.
  • EMG (Elektromyographie)-getriggerte Elektrostimulation (EMG-ES): Misst die Muskelaktivität und stimuliert den Muskel, sobald eine gewisse Aktivität erreicht wird, um kontrollierte Bewegungen zu fördern.
  • Funktionelle Elektrostimulation (FES): Mehrere Elektroden werden auf die Haut geklebt, um mehrere betroffene Muskeln gleichzeitig zu stimulieren und Aktivitäten wie das Greifen und Loslassen von Gegenständen zu ermöglichen.

Laufbandtraining

Intensives Üben eine wesentliche Voraussetzung, um wieder laufen zu lernen. Deswegen ist die Therapie auf dem Laufband besonders erfolgsversprechend. Das gilt sowohl für Betroffene, die noch auf technische Unterstützung angewiesen sind als auch für Betroffene, die bereits aus eigener Kraft wieder ein paar Schritte gehen können.

Was ist das Ziel des Laufbandtrainings?

Das Laufbandtraining hilft vor allem bei der Verbesserung der Gehgeschwindigkeit. Zusätzlich wird die Ausdauer verbessert.

Gibt es weitere Möglichkeiten den Gang zu verbessern?

Während des Gehtrainings besteht die Möglichkeit, bestimmte Muskeln, die beim Gehen gebraucht werden, über elektrische Nervenimpulse gezielt anzusteuern. Bei gehfähigen Patienten wird das Ganze über die sogenannte transkutane elektrische Nervenstimulation (abgekürzt TENS) unterstützt. Das TENS-Gerät sorgt unter anderem dafür, dass die Spastik im betroffenen Bein reduziert und dadurch das Gehen erleichtert wird. Sprunggelenksorthesen helfen Betroffenen mit einer Fußheberschwäche, die als Folge des Schlaganfalls entstehen kann. Die Orthese korrigiert die Fehlstellung des Fußes und ermöglicht dadurch ein besseres Abrollen. Diese Orthesen gibt es ebenfalls mit Elektrostimulation.

Welche Geräte können beim Gehen unterstützen, wenn ich noch nicht selbstständig gehen kann?

Roboter bzw. elektromechanische Geräte helfen Betroffenen, wieder gehen zu lernen. Dabei gibt es zwei unterschiedliche Geräte-Arten:

  • Endeffektor-Modelle: Dabei wird der Betroffene in ein Gurtsystem eingespannt, sodass das Gewicht auf den Beinen reduziert ist. Mit Hilfe von beweglichen Fußplatten kann der Gang langsam wieder eingeübt werden.
  • Exoskelett-Modelle: Dabei sind eine elektromechanische Führung der Hüftgelenke und Beine möglich. Ein Beispiel ist der robotergestützte Lokomat, bei dem die Steuerung der Knie- und Hüftgelenke über Elektromotoren unterstützt wird.

Armrehabilitation

In der Armrehabilitation gibt es dazu viele unterschiedliche therapeutische Ansätze. Welche Therapie im Einzelfall zum Einsatz kommt, hängt jeweils von den individuellen Gegebenheiten ab.

Beurteilung der Armlähmung

Ob eine Armlähmung nach einem Schlaganfall vorliegt, stellt der behandelnde Arzt in der klinisch-neurologischen Untersuchung vom. Liegt eine Lähmung vor, prüft er, wie stark sie ausgeprägt ist. Anschließend geht es darum, Therapieziele gemeinsam festzulegen, geeignete therapeutische Vorgehensweisen auszusuchen und im Verlauf die Therapieerfolge möglichst objektiv festzuhalten. Dabei können standardisierte klinische Beurteilungsmethoden nützlich sein. Diese Tests werden als „Beurteilungsskalen“ oder auch als „Assessment“-Verfahren bezeichnet. Sie basieren darauf, dass bestimmte Aspekte der Armmotorik bzw.

Therapieansätze

In der Arm-Rehabilitation können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze gewählt werden. Einerseits gibt es verschiedene Therapieformen ohne technische Geräte, um in der Ergo- oder Physiotherapie den betroffenen Arm aktiv zu trainieren. Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Therapie sollte die Rehabilitation der Armmotorik früh nach einem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt. In der späten Krankheitsphase (zum Beispiel ein Jahr und später nach einem Schlaganfall) können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel 90-270 Minuten pro Woche ein strukturiertes, sich wiederholendes Training. Die verschiedenen klassischen Physiotherapie­schulen (zum Beispiel Bobath oder PNF) werden nicht ausdrücklich empfohlen. Insbesondere bei leichten bis mittelschweren Lähmungen ist für die Behandlung geeigneter Patienten ein „Zirkeltraining“ denkbar. Dabei können auch passive mechanische Trainingsgeräte und virtuelle Realitäts-Anwendungen zum Einsatz kommen. Um die Arm-Handaktivitäten zu verbessern, lassen sich tägliches Eigentraining und Training mit Therapeuten kombinieren (Eigentraining mit regelmäßiger therapeutischer Begleitung, 90 Minuten pro Woche). Zusätzlich gibt es geräteunterstützte Therapien wie die neuromuskuläre Elektrostimulation und die Robot-Therapie, aber auch die Therapie mit virtueller Realitätsanwendungen sowie die sensible Stimulation und Akupunktur.

  • Arm-Basis-Training: Übt täglich die Bewegungsfähigkeit wiederholt und einzeln in den verschiedenen Abschnitten von Arm, Hand und Fingern.
  • Arm-Fähigkeits-Training: Trainiert täglich Präzision und Geschwindigkeit („Geschicklichkeit“) bei verschiedenen Armfunktions-Anforderungen an der individuellen Leistungsgrenze.
  • Bewegungsinduktionstherapie (CIMT): Eine spezielle Therapie für Schlaganfall-Betroffene mit einem „erlernten Nicht-Gebrauch“.
  • Spiegeltherapie: Der Patient betrachtet im Spiegel die Bewegung seiner nicht gelähmten Hand. Durch den Blick in den Spiegel sieht diese Bewegung so aus als würde sich seine gelähmte Hand ganz normal bewegen.
  • Mentales Training: Eine Verbesserung der Armfunktion ist auch durch das mentale Training denkbar.
  • Neuromuskuläre Elektrostimulation: Nerven und Muskel am Arm werden elektrisch stimuliert, um eine Bewegung zu erzeugen, die eine betroffene Person mit schwerer Armlähmung nach Hirnschädigung noch nicht selbst ausführen könnte.
  • Arm-Therapie-Roboter: Können je nach Bauart Schulter- und Ellenbogen-Bewegungen, Unterarm- und Handgelenksbewegungen oder Fingerbewegungen mechanisch unterstützen.

PNF-Übungen für den Alltag

Hier sind einige einfache Bewegungsmuster, die sich auch zu Hause umsetzen lassen:

  • Diagonale Armbewegungen: Den Arm aus einer tiefen Position schräg nach oben führen, als würde man ein Schwert aus der Tasche ziehen. Hilft, Schultermuskeln zu aktivieren und das Greifen zu verbessern.
  • Fußheben gegen Widerstand: Beim Sitzen ein Theraband um den Fuß legen und den Fuß aktiv anziehen. Stärkt die Muskulatur und verbessert das Gehen.
  • Kreuzkoordination: Beim Gehen bewusst Arm- und Beinbewegungen betonen (rechte Hand zur linken Knieseite führen). Fördert das natürliche Gangmuster und verbessert die Koordination.

Unterstützung durch Angehörige

Viele Schlaganfallpatienten profitieren von Unterstützung - sei es durch Partner, Kinder oder Freunde. Angehörige können helfen, indem sie:

  • Bewegungen sanft führen, ohne sie vollständig zu übernehmen.
  • Den Patienten zum aktiven Mitmachen ermutigen, anstatt nur Hilfestellung zu leisten.
  • Den Fortschritt beobachten und Feedback an den Therapeuten geben.

Hilfsmittel für zu Hause

  • Spiegel - um Bewegungen bewusst zu kontrollieren.
  • Theraband - für leichte Widerstandsübungen.
  • Weiche Bälle - für Greifübungen.
  • Stabile Stühle oder Geländer - für Gleichgewichtsübungen.

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