Klinikum Nordschwarzwald: Entwicklung, Angebote und neurologische Versorgung

Das Klinikum Nordschwarzwald, insbesondere das Zentrum für Psychiatrie (ZfP) Calw, hat in den letzten Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen. Ursprünglich als Landeskrankenhaus gegründet, hat es sich zu einer modernen und innovativen Fachklinik entwickelt, die ein breites Spektrum an psychiatrischen und psychosomatischen Leistungen anbietet. Dieser Artikel beleuchtet die wichtigsten Entwicklungen, Angebote und Veränderungen in der neurologischen Versorgung des Klinikums Nordschwarzwald, insbesondere im Kontext des Standorts Calw-Hirsau.

Historische Entwicklung und Trägerschaft

Die Notwendigkeit einer verbesserten psychiatrischen Versorgung im Raum Karlsruhe und Stuttgart führte im März 1962 zur Entscheidung des Landtags von Baden-Württemberg, eine neue psychiatrische Klinik zu errichten. Bis 1995 war diese Klinik ein Betrieb des Landes Baden-Württemberg unter der Trägerschaft des Sozialministeriums. Durch das Gesetz zur Neuorganisation der psychiatrischen Landeskrankenhäuser wurde das Landeskrankenhaus zum 01.01.1996 in das Zentrum für Psychiatrie Calw (ZfP Calw) umgewandelt, einer Anstalt des öffentlichen Rechts. In den 50 Jahren seines Bestehens hat das ZfP Calw seine Versorgungs- und Behandlungsstrukturen kontinuierlich weiterentwickelt und ist heute eine moderne Fachklinik mit insgesamt 589 stationären Betten.

Psychiatrische Angebote und Außenstellen

Das ZfP Calw hat im Laufe der Jahre ein umfassendes Netzwerk an psychiatrischen und psychosomatischen Angeboten aufgebaut. Dazu gehören:

  • Psychiatrische Tageskliniken: In Kooperation mit der Evangelischen Heimstiftung Stuttgart wurde 1998 eine psychiatrische Tagesklinik in Böblingen mit 40 Plätzen eingerichtet. Im Jahr 2002 folgte eine weitere Tagesklinik in Pforzheim mit 30 Plätzen.
  • Psychiatrische Institutsambulanz (PIA): Seit dem 1. April 2002 betreibt das ZfP Calw eine PIA.
  • Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie: Am Standort Calw-Hirsau wurde am 1. Januar 2008 eine Fachklinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie mit 100 Betten eröffnet. Damit wurde das Klinikum Nordschwarzwald zum achten Standort für den Maßregelvollzug in Baden-Württemberg. Die Klinik behandelt verurteilte suchtkranke Rechtsbrecher gemäß § 64 StGB.
  • Suchtmedizinische Tageskliniken: Im Mai 2013 eröffnete das ZfP Calw eine suchtmedizinische Tagesklinik in Pforzheim mit 18 Plätzen. Diese richtet sich an erwachsene Männer und Frauen mit Abhängigkeit oder Missbrauch von Alkohol oder Medikamenten. Das Psychiatrische Behandlungszentrum (PBZ) Böblingen bietet seit dem 15. Juli 2013 eine stationäre Behandlungsmöglichkeit am Krankenhaus Böblingen. Dem PBZ Böblingen ist auch eine suchtmedizinische Tagesklinik mit 18 Plätzen angegliedert, die ein Angebot für Menschen mit Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit im Einzugsbereich Böblingen, Sindelfingen, Herrenberg und Leonberg darstellt und in das Suchthilfe-Netzwerk des Landkreises Böblingen eingebunden ist.
  • Psychosomatische Medizin: Eine Satellitenstation für psychosomatische Medizin wurde im September 2009 am Krankenhaus Leonberg mit 27 Planbetten eröffnet. Diese Station wird unter der Betriebsträgerschaft des Klinikums Nordschwarzwald geführt.

Veränderungen in der neurologischen Versorgung

Eine wesentliche Veränderung in der Struktur des Klinikums Nordschwarzwald betrifft die Neurologie. Zum 1. Januar 2009 wurde die Abteilung Neurologie an die Kreiskliniken Calw gGmbH in Calw abgegeben, die Teil des Klinikverbunds Südwest GmbH ist. Im Rahmen eines Kooperationsvertrags zwischen dem Klinikverbund Südwest GmbH und dem Klinikum Nordschwarzwald wurden die 30 neurologischen Planbetten an die Kreiskliniken Calw gGmbH verlagert. Seitdem werden die notwendigen neurologischen Konsile für das Klinikum Nordschwarzwald von den Kreiskliniken Calw erbracht.

Bedeutung für die Patientenversorgung

Die Verlagerung der neurologischen Abteilung an die Kreiskliniken Calw ermöglichte eine Konzentration des Klinikums Nordschwarzwald auf seine Kernkompetenzen im Bereich der Psychiatrie und Psychotherapie. Durch die Kooperation mit den Kreiskliniken Calw wird jedoch weiterhin eine umfassende medizinische Versorgung der Patienten gewährleistet, da bei Bedarf neurologische Expertise hinzugezogen werden kann. Die Eröffnung von Tageskliniken und Institutsambulanzen in verschiedenen Regionen trägt zudem zu einer wohnortnahen und bedarfsgerechten Versorgung psychisch kranker Menschen bei. Die forensische Klinik in Calw-Hirsau spielt eine wichtige Rolle im Maßregelvollzug und bietet spezialisierte Behandlung für suchtkranke Rechtsbrecher.

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Qualitätssicherung und Fortbildung

Das Klinikum Nordschwarzwald legt großen Wert auf die Qualität seiner Leistungen und die kontinuierliche Fortbildung seiner Mitarbeiter. Die Klinik ist anerkannte Weiterbildungsstätte für die Fachgebiete Psychiatrie und Psychotherapie, Neurologie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. Die theoretische und praktische Weiterbildung erfolgt intern durch regelmäßige Vorträge und Seminare. Darüber hinaus besteht ein Fort- und Weiterbildungsverbund mit dem Zentrum für Psychotherapie Nördlicher Schwarzwald (www.zfpn.de), der sowohl Theorie als auch externe Weiterbildungsinhalte wie Selbsterfahrung und Supervision ambulanter Behandlungen vermittelt. Für Diplom-Psychologen in Ausbildung werden Praktikumsplätze angeboten. Ein wichtiges Ziel der Ausbildung ist neben der fachlichen Kompetenz die persönliche Entwicklung der Schüler und ein sozialer und feinfühliger Umgang mit anderen Menschen.

Engagement gegen Stigmatisierung

Das Klinikum Nordschwarzwald setzt sich aktiv für die Gleichstellung psychisch Kranker mit körperlich Kranken ein. Noch immer sind psychisch Kranke in der Öffentlichkeit mit Vorurteilen konfrontiert. Zur gesellschaftlichen Stigmatisierung kommt hinzu, dass psychische Erkrankungen häufig mit Scham- und Schuldgefühlen, Versagensgefühlen und Depressionen verbunden sind. Die Mitarbeiter des Klinikums engagieren sich in sozialpolitischen Gremien wie den Psychiatrie-Arbeitskreisen der Landkreise, um die Situation psychisch kranker Menschen zu verbessern. Ein besonderes Anliegen ist die Angehörigenarbeit.

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