Morbus Crohn: Begleiterkrankungen, Muskelkrämpfe, Ursachen und Behandlung

Morbus Crohn ist eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED), die den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After befallen kann. Am häufigsten sind das letzte Segment des Dünndarms (terminales Ileum), der Grimmdarm (Kolon) und der Mastdarm (Rektum) betroffen. Die Erkrankung ist durch Entzündungen der Darmwand gekennzeichnet, die zu vielfältigen Beschwerden führen können.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit für optimale Behandlungsergebnisse

Die Behandlung von Morbus Crohn erfordert eine umfassende und interdisziplinäre Betreuung. Nach der Diagnose wird zunächst eine medikamentöse Therapie angestrebt, um die Symptome zu kontrollieren und die Entzündung einzudämmen. Um Komplikationen frühzeitig zu erkennen, arbeiten Ärzte verschiedener Fachrichtungen eng zusammen. Therapiepläne werden gemeinsam mit Internisten, Gastroenterologen und Radiologen besprochen.

Chirurgische Eingriffe bei Morbus Crohn

Ein chirurgischer Eingriff kann bei Komplikationen wie einem Loch oder Riss in der Darmwand (Darmperforation), Fisteln, Abszessen, drohendem Darmverschluss oder bei Versagen der konservativen Therapie notwendig sein. Auch bei chronischen Beschwerden wie wiederkehrenden Schmerzen und Durchfällen, die sich unter konservativer Therapie nicht bessern, kann eine Operation in Betracht gezogen werden. Es werden alle etablierten Verfahren und OP-Methoden inklusive der minimal-invasiven Chirurgie angeboten.

Auch nach einem operativen Eingriff ist die enge Zusammenarbeit mit internistischen Kollegen wichtig, da Morbus Crohn in den wenigsten Fällen allein durch eine Operation geheilt werden kann.

Begleiterkrankungen bei Morbus Crohn

Bei etwa 25 bis 40 % der Menschen mit einer CED wie Morbus Crohn treten Beschwerden außerhalb des Darms auf, bei rund einem Viertel sind es sogar mehrere Begleiterkrankungen. Am häufigsten sind Beschwerden an den Gelenken oder der Wirbelsäule, den Augen sowie der Haut. Diese Veränderungen an anderen Organen können gemeinsam mit dem Morbus Crohn vorkommen oder sich auch schon zeigen, bevor die Erkrankung auftritt.

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Es ist wichtig, dass Begleiterkrankungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. Neben dem behandelnden Arzt für den Morbus Crohn sollten auch alle anderen Fachärzte (z. B. Augen-, Zahn- oder Hautärzte) über die Erkrankung informiert werden. Die Beschwerden außerhalb des Darms sind ein Zeichen dafür, dass es sich bei Morbus Crohn um eine sogenannte systemische Erkrankung handelt. Der Krankheitsprozess, dem eine Fehlleitung des Immunsystems zugrunde liegt, wirkt sich auf den gesamten Organismus aus.

Gelenkschmerzen als häufige Begleitkomplikation

Gelenkschmerzen sind eine häufige extraintestinale Begleitkomplikation von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Bis zu 30% der Betroffenen mit CED leiden z.B. zusätzlich an einer Spondylarthritis. Gelenkbeschwerden treten jedoch auch darüber hinaus bei vielen Betroffenen auf.

Eine Studie untersuchte den Einfluss von Gelenkschmerzen auf die Lebensqualität von Patienten mit CED. Die Ergebnisse zeigten, dass Gelenkbeschwerden zu einer schlechteren Lebensqualität führen, insbesondere in Bereichen wie körperliche Funktion, Vitalität, soziale Interaktion und psychisches Wohlbefinden.

Um eine Minderung der Lebensqualität zu verhindern, ist es wichtig, gezielt nach solchen Beschwerden zu fragen und diese konsequent zu behandeln.

Ursachen von Morbus Crohn

Welche Ursachen zu Morbus Crohn führen, ist nicht abschließend geklärt. Faktoren wie Genetik, Umwelt, Ernährung, körpereigene Abwehr und das Darmmikrobiom spielen eine große Rolle. Sicher ist, dass Rauchen das Risiko und den Verlauf bei Morbus Crohn nachhaltig negativ beeinflusst. Circa die Hälfte der Morbus-Crohn-Patienten hat eine Mutation in einem bestimmten Gen, dem NOD2/CARD15-Gen. Es ist wichtig für die Immunzellen in der Darmschleimhaut. Können sie aufgrund eines Gendefekts Krankheitserreger nicht mehr vollständig beseitigen, können die Erreger in die Darmwand eindringen. Erwiesen ist, dass Morbus Crohn in einigen Familien gehäuft vorkommt - und in Industrienationen häufiger als in Entwicklungsländern. Als mögliche Gründe dafür werden ungesunde Ernährung, übertriebene Hygiene und Umwelteinflüsse genannt.

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Symptome von Morbus Crohn

Die Symptome von Morbus Crohn sind vielfältig und nicht immer leicht zuzuordnen. Aphthen im Mund, Durchfälle, Unterbauchschmerzen oder Fisteln am After können auftreten. Im Unterschied zur Colitis ulcerosa handelt es sich bei Morbus Crohn um eine Entzündung der gesamten Darmwand und kann im gesamten Verdauungstrakt auftreten.

Je nachdem welcher Abschnitt des Verdauungstraktes von der Entzündung betroffen ist, kann es auch zur Störung der Nährstoffaufnahme kommen.

Diagnose von Morbus Crohn

Die Diagnose von Morbus Crohn setzt eine gründliche Anamnese voraus. Der Arzt tastet den Bauch auf entzündungsbedingte Widerstände oder Druckschmerz ab. Eine Stuhlprobe wird auf erhöhte Entzündungswerte (Calprotectin), das Blut auf den Entzündungsmarker C-reaktives Protein (CRP) und das Vorkommen eines bestimmten Antikörpers (ASCA) untersucht. Ein Ultraschall des Unterbauchs klärt darüber auf, ob die Darmwände entzündungsbedingt verdickt sind. Bei einer Darmspiegelung wird das Organ anschließend von innen untersucht. Dabei werden auch Gewebeproben entnommen.

Trotz aller diagnostischen Möglichkeiten kann die Unterscheidung zwischen Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Schwierigkeiten bereiten.

Behandlung von Morbus Crohn

Die Behandlung von Morbus Crohn hängt davon ab, wie aktiv die Erkrankung gerade ist und wie schwer sie ausfällt. Man unterscheidet dabei zwischen der Therapie eines akuten Schubs und der sogenannten Erhaltungstherapie während der Ruhephase der Erkrankung. Neben Allgemeinmaßnahmen kommen vor allem entzündungshemmende und immunmodulatorische Medikamente zum Einsatz.

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Sowohl aktives als auch passives Rauchen führt bei Morbus Crohn zu einem komplikationsreicheren Krankheitsverlauf, schlechterem Ansprechen auf Therapien und einem erhöhten Risiko für Operationen. Bei Kindern ohne Komplikationen, wie Strikturen oder Fisteln, und einem nur niedrigen bis mittleren Risiko für einen schweren Verlauf ist die exklusive enterale Ernährung das Mittel der ersten Wahl.

Bei einem leichten Krankheits-Schub kann eine symptomatische Therapie gegen Schmerzen, Durchfall oder Krämpfe helfen. Bei schweren Schüben ist dagegen der Einsatz von Medikamenten nötig, die das Immunsystem unterdrücken und Entzündungen bekämpfen.

Um die Erkrankung auch auf Dauer in Schach zu halten und damit ein weiteres Ausbreiten möglichst zu verhindern, greift man heute vor allem auf sogenannte Biologika zurück. Außerdem ist seit 2023 ein spezielles Medikament zugelassen, das die Weiterleitung von Entzündungssignalen verhindert, ein sogenannter JAK-Inhibitor (Upadacitinib). Auch andere, bereits länger bekannte immunsuppressive Wirkstoffe wie Azathioprin und Methotrexat können helfen.

In beschwerdefreien Zeiten (Remissionsphase) hilft eine antientzündliche Ernährung, das Darmimmunsystem zu stärken. Eine leichte Vollkost mit ausreichend Ballaststoffen und Probiotika kann die Barrierefunktion der Darmschleimhaut unterstützen und den nächsten Krankheitsschub hinauszögern. In der Akutphase dagegen sind Ballaststoffe zu meiden.

Morbus-Crohn-Patienten leiden häufiger unter Nährstoffmangel durch die Veränderungen in der Darmwand. Psychosoziale und psychotherapeutische Unterstützung finden Patienten in Schulungsprogrammen zur Krankheitsbewältigung oder in der Begegnung mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe.

Schmerzen bei Morbus Crohn

Schmerzen sind ein häufiges Symptom bei Morbus Crohn. Sie können dumpf, stechend, krampfartig, episodenhaft oder dauerhaft sein. Bauchschmerzen treten oft im rechten Unterbauch und einige Zeit nach dem Essen auf. Auch Gelenke oder Muskeln können wehtun.

Im Zusammenhang mit der Entzündung bei Morbus Crohn werden bestimmte Botenstoffe freigesetzt, die ein Signal an die feinen Nervenenden im Körper geben. Es werden weitere Stoffe, sogenannte Schmerzmediatoren, ausgeschüttet, die die Schmerzantennen noch empfindlicher machen.

Was gegen die Schmerzen bei Morbus Crohn getan werden kann, hängt von ihrer Ursache ab. Manchmal ist es gut, zusätzlich Schmerzmittel zu nehmen, bis ein Schub nachlässt. Dabei kommt jedoch nicht jedes Schmerzmittel infrage, da diese den schon entzündeten Darm zusätzlich belasten können. Die individuell optimale Schmerzbehandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab.

Wenn du Schmerzen hast, solltest du das unbedingt mit deiner Ärztin bzw. deinem Arzt besprechen.

Muskelkrämpfe bei Morbus Crohn

Muskelkrämpfe können ebenfalls eine Begleiterscheinung von Morbus Crohn sein. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Es braucht seine Zeit, um in die Gänge zu kommen. Ob Begleiterscheinung der CED oder nicht.. Fakt ist, dass CEDler das eben auch manchmal noch dazu bekommen.

Behandlung von Muskelkrämpfen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Muskelkrämpfe zu behandeln. Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit Limptar N-Tabletten (Chininsulfat) oder Tetrazepam. Vor der Einnahme sollte jedoch unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Tetrazepam sollte nicht in Kombination mit Alkohol eingenommen werden und kann die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

Neben Medikamenten können auch physikalische Maßnahmen wie Gymnastik, Wassergymnastik und Massagen helfen, Muskelkrämpfe zu lindern.

Fibromyalgie als mögliche Ursache für Muskelschmerzen

Muskelschmerzen am ganzen Körper können auch Ausdruck einer Fibromyalgie sein. Häufig kommen psychische oder psychosomatische Beschwerden dazu, wie beispielsweise Depressionen, Schlafstörungen oder Verdauungsprobleme.

Psychosomatische Aspekte

Manchmal können die Beschwerden auch einen psychosomatischen Hintergrund haben. Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung können helfen, die Beschwerden zu lindern.

Es ist wichtig, sich von der Aussage des Arztes nicht beirren zu lassen und Dinge zu planen, die einem und dem Körper gut tun, wie z.B. einen Sauna-Tag mit Massage oder einen Urlaub in wärmeren Gegenden.

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