Fettleber und Muskelkrämpfe: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Fettleber ist eine weit verbreitete Zivilisationskrankheit, von der fast ein Viertel aller Erwachsenen in Deutschland betroffen ist und deren Zahl stetig zunimmt. Besonders gefährdet sind Menschen mit Typ-2-Diabetes, starkem Übergewicht und bereits übergewichtige Kinder. Die Leberverfettung verläuft oft jahrelang unbemerkt, birgt jedoch erhebliche Risiken für die Gesundheit. In diesem Artikel werden die Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsmöglichkeiten der Fettleber umfassend erläutert.

Was ist eine Fettleber?

Bei einer Fettleber, auch Steatosis hepatis genannt, lagert die Leber übermäßig viel Fett ein, wodurch ihre Stoffwechselfunktion beeinträchtigt wird. In schweren Fällen kann die Leber bis auf die doppelte Größe anschwellen. Die Leberverfettung kann verschiedene Ursachen haben, die meistens in Kombination auftreten.

Alkoholische Fettleber (AFLD)

Ein hoher Alkoholkonsum ist ein häufiger Auslöser einer Fettleber. Die Leber baut Alkohol ab, aber bei ständiger oder übermäßiger Zufuhr kann sie bestimmte Fettsäuren nicht mehr verarbeiten. Diese lagern sich dann in der Leber ein und lassen das Organ verfetten. Bei langjährigem Alkoholkonsum kann sich eine Leberzirrhose entwickeln.

Nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) / Metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MASLD)

Die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD), die nun als metabolisch assoziierte Fettlebererkrankung (MASLD) bezeichnet wird, ist eine der häufigsten Lebererkrankungen und betrifft weltweit Millionen Menschen. Sie wird oft durch eine ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel verursacht und kann sich unbemerkt über Jahre entwickeln. Eine Fettleber bleibt oft jahrelang symptomfrei. Die MASLD tritt meist in Verbindung mit Bewegungsmangel und einer ungesunden Ernährung auf. Süßigkeiten, zuckerhaltige Getränke und einfache Kohlenhydrate, wie sie in Weißbrot vorkommen, fördern die Einlagerung von Fett in der Leber. Vor allem übergewichtige Personen, mit Diabetes und erhöhten Blutfettwerten, sind betroffen.

Weitere Ursachen

  • Ungesunde Ernährung und Bewegungsmangel: Wer sich ungesund ernährt und wenig bewegt, hat ein erhöhtes Risiko für eine Fettleber. Denn wird dem Körper mehr Energie zugeführt, als er verwerten kann, speichert die Leber diese überschüssige Energie in Form von Fett ab.
  • Erhöhte Blutfettwerte: Dauerhaft erhöhte Blutfettwerte wirken sich negativ auf die Leber aus und können diese verfetten lassen.
  • Mangelernährung und Gewichtsverlust: Weitere Ursachen einer Fettleber können eine Mangelernährung und ein Gewichtsverlust sein. Fehlt es dem Körper insbesondere an Eiweiß (Protein), kann die Leber nicht ausreichend Lipoproteine bilden. Diese sind wichtig, um Fett aus der Leber hinauszubefördern.
  • Medikamente: Verschiedene Medikamente können zur Folge haben, dass die Leber verfettet. Dazu zählen beispielsweise kortisonhaltige Präparate, Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen.
  • Schwangerschaftsfettleber: In sehr seltenen Fällen kann eine Fettleber während einer Schwangerschaft entstehen. Fachleute sprechen dann von einer sogenannten Schwangerschaftsfettleber. Meist kommt es im letzten Abschnitt der Schwangerschaft dazu. Eine Schwangerschaftsfettleber ist ein akuter Notfall. Deshalb ist bei akuter Übelkeit, Erbrechen und etwa Oberbauchschmerzen eine sofortige ärztliche Untersuchung wichtig.

Symptome und Diagnose

Die Fettleber verläuft oft über Jahre völlig unbemerkt. Die Belastung der Leber zeigt sich allenfalls durch Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Selbst die sogenannten Leberwerte (GOT, GPT) geben bei einer Blutuntersuchung im ersten Stadium noch keinen Hinweis. Erst wenn die Fettleber sich entzündet, steigen die Leberwerte an, und es treten mitunter Symptome einer Gelbsucht auf.

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Diagnosemethoden

  • Körperliche Untersuchung: Oft kann der Arzt eine vergrößerte Leber (Hepatomegalie) schon ertasten.
  • Ultraschalluntersuchung: Ist das Organ auf dem Ultraschallbild vergrößert oder auffällig hell, spricht dies für eine Verfettung.
  • Blutuntersuchung: Aus den Blutwerten für GGT und Triglyceride errechnet sich mit den Daten von BMI (Körpergröße-Gewicht-Verhältnis) und Bauchumfang (gemessen auf Taillenhöhe) der sogenannte Fettleber-Index (FLI). Liegt der persönliche FLI über 60, besteht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Fettleber.
  • Leberbiopsie: Nur in seltenen Fällen ist noch eine Punktion der Leber (Leberbiopsie) notwendig - das ist die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe bei lokaler Betäubung zur mikroskopischen Untersuchung.
  • Fibroscan: Ob das Lebergewebe schon durch eine Entzündung vernarbt ist und eine Tendenz zur Fibrose - der krankhaften Vermehrung von Bindegewebe - vorliegt, kann der Arzt mit einem Fibroscan untersuchen, einer Art Ultraschall.

Folgen einer unbehandelten Fettleber

Wenn das vermehrte Fett im Laufe der Zeit zu einer Entzündung der Leber führt, drohen schwerwiegende Folgen: Das Lebergewebe kann sich verhärten, vernarben und sogar zu einer Leberzirrhose entwickeln. Oft kann der Arzt eine vergrößerte Leber (Hepatomegalie) schon ertasten. Findet keine Behandlung statt, kann sich die Leber weiter entzünden - im Endstadium kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Dabei verhärtet und vernarbt das Lebergewebe und es kommt zu einer allmählichen Umwandlung in Bindegewebe, die mit Schrumpfung und Funktionsverlust des Organs einhergeht. Gleichzeitig steigt das Risiko für Leberkrebs sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, einschließlich Arterienverkalkung. In schweren Fällen bleibt oft nur eine Lebertransplantation als letzte Möglichkeit.

Behandlung der Fettleber

Eine Schlüsselrolle bei der Behandlung einer Fettleber spielt die Umstellung der Ernährung. In der Regel ist die Einlagerung von Fett (überwiegend von Triglyceriden) in die Leberzelle reversibel, kann also rückgängig gemacht werden. Häufig genügen schon eine ausgewogene, gesunde Ernährungsweise und der Verzicht auf Alkohol, damit sich die Fetteinlagerungen vollständig zurückbilden. Wichtig: Zwischen den Mahlzeiten braucht die Leber Pausen. Die alte Regel, lieber viele kleine Mahlzeiten zu essen, kann die Leberzellen überfordern. Bei fortgeschrittener Fettleber oder starkem Übergewicht (Adipositas) sollte zudem kalorienreduziert gegessen werden. Gestärkt wird die Leberfunktion durch den präbiotischen Nährstoff Inulin. Er gehört zu den Ballaststoffen und steckt unter anderem in vielen Wurzelgemüsen. Nicht zu vergessen ist genügend Bewegung - moderate reicht, Hochleistungssport ist nicht nötig. Bewegung verbrennt Kalorien, die dann nicht mehr in (Leber-)Fett umgewandelt werden müssen.

Ernährungsempfehlungen

  • Ausgewogene, gesunde Ernährung: Viel frische Sachen essen, vor allem Gemüse in Maßen. Obst ist explizit empfohlen, aber man sagt so ungefähr zwei Portionen pro Tag oder eine Hand voll.
  • Verzicht auf Alkohol: Man muss unbedingt auf Alkohol verzichten, denn ein zusätzlicher Alkoholkonsum kann eine Fettleber, bedingt durch die Fettleibigkeit oder auch Diabetes, deutlich verstärken.
  • Kalorienreduktion: Bei fortgeschrittener Fettleber oder starkem Übergewicht (Adipositas) sollte zudem kalorienreduziert gegessen werden.
  • Pausen zwischen den Mahlzeiten: So hat die Leber Zeit, ihre Aufgaben zu erledigen.
  • Vermeidung von Fastfood und zuckerhaltigen Getränken: Wir wissen, dass zum Beispiel Fastfood zu einer Leberverfettung führen kann. Wir wissen, dass zum Beispiel Cola- oder Limonade-haltige Getränke zu einer Leberverfettung führen können.
  • Reduktion von Kohlenhydraten: Wir wissen aber auch, dass eine kohlenhyrdatreiche Nahrung ebenfalls zu einer Leberverfettung führen kann. Und da ist es wichtig, dass man auf Obst verzichtet oder wenig Obst konsumiert und mehr Gemüse konsumiert.

Bewegung

Genügend Bewegung ist wichtig - moderate reicht, Hochleistungssport ist nicht nötig. Bewegung verbrennt Kalorien, die dann nicht mehr in (Leber-)Fett umgewandelt werden müssen. Für eine gesunde Leber wird eine Kombination aus Ausdauertraining (z. B. Laufen, Radfahren, Schwimmen) und Krafttraining empfohlen.

Medikamentöse Therapie

Seit Mitte August gibt es einen medikamentösen Therapie-Ansatz bei der sogenannten metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung MASH (vormals nicht- alkoholische Fettleber/NASH). Mit Resmetirom wurde in der EU erstmals ein Arzneimittel gegen schwere Fettleber-Erkrankungen zugelassen. Die Zulassung gilt für den Einsatz bei Menschen, die bereits Anzeichen einer Lebervernarbung haben, aber noch keine Zirrhose. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt die medikamentöse Behandlung in Verbindung mit einer Ernährungsumstellung und Sport. Vielversprechende Ergebnisse zeigte laut einer Studie auch das Medikament Semaglutid, das bisher zur Behandlung von Diabetes Typ 2 und Fettleibigkeit eingesetzt wird.

Weitere Therapieansätze

  • Phosphatidylcholin (PC): Phosphatidylcholin (PC) ist ein wesentlicher Phospholipidbestandteil der Zellmembranen und spielt eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der Zellstruktur und -funktion. Es ist auch eine bedeutende Quelle für Cholin, einen Nährstoff, der für die Synthese von Acetylcholin, einem wichtigen Neurotransmitter, erforderlich ist. Ein Mangel an Phosphatidylcholin kann zu verschiedenen gesundheitlichen Problemen führen.

Muskelkrämpfe und Fettleber: Ein möglicher Zusammenhang

Obwohl Muskelkrämpfe nicht direkt als typisches Symptom einer Fettleber gelten, gibt es indirekte Zusammenhänge, die diese Beschwerden erklären könnten:

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  • Elektrolytungleichgewicht: Lebererkrankungen können den Elektrolythaushalt des Körpers beeinträchtigen, was zu einem Mangel an wichtigen Mineralstoffen wie Kalium, Magnesium und Kalzium führen kann. Diese Elektrolyte sind jedoch essenziell für die Muskelkontraktion, und ein Mangel kann Muskelkrämpfe auslösen.
  • Mangelernährung: Eine Fettleber kann die Nährstoffaufnahme beeinträchtigen, was zu einem Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen führen kann, die für die Muskelfunktion wichtig sind. Insbesondere ein Mangel an Vitamin D, B-Vitaminen und Magnesium kann Muskelkrämpfe begünstigen.
  • Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung von Lebererkrankungen eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen.
  • Dehydration: Lebererkrankungen können zu Flüssigkeitsansammlungen im Körper führen, was die Nierenfunktion beeinträchtigen und zu Dehydration führen kann. Dehydration ist ein bekannter Auslöser von Muskelkrämpfen.
  • Erhöhte Ammoniakwerte: Bei fortgeschrittenen Lebererkrankungen kann die Leber Ammoniak nicht mehr ausreichend abbauen, was zu erhöhten Ammoniakwerten im Blut führen kann. Dies kann die Muskelfunktion beeinträchtigen und Muskelkrämpfe verursachen.

Es ist wichtig zu beachten, dass Muskelkrämpfe viele Ursachen haben können und nicht zwangsläufig auf eine Fettleber zurückzuführen sind. Wenn Sie jedoch unter Muskelkrämpfen leiden und gleichzeitig Risikofaktoren für eine Fettleber aufweisen, sollten Sie dies von einem Arzt abklären lassen.

Prävention

Die Leberverfettung ist eine Zivilisationskrankheit, ihre Ursachen liegen großteils in der Lebensweise: falsche Ernährung - besonders zu viele Kohlenhydrate - und mangelnde Bewegung. Übergewicht, aber auch Alkoholmissbrauch und bestimmte Medikamente begünstigen die Krankheit. Allerdings sind auch schlanke Menschen nicht vor einer Fettleber gefeit. Eiweißmangel - zum Beispiel durch Unterernährung - kann die Leber ebenfalls auf Dauer verfetten.

Tipps zur Vorbeugung

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist wichtig.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität hilft, Übergewicht zu vermeiden und die Lebergesundheit zu fördern.
  • Vermeidung von Übergewicht: Übergewicht ist ein Risikofaktor für eine Fettleber.
  • Mäßiger Alkoholkonsum: Alkohol sollte nur in Maßen konsumiert werden.
  • Vermeidung von schädlichen Medikamenten: Medikamente, die die Leber schädigen können, sollten vermieden werden.

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