Eingeklemmter Nerv während der Geburt: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Ein eingeklemmter Nerv während der Geburt kann verschiedene Ursachen haben und unterschiedliche Auswirkungen auf Mutter und Kind haben. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze, um ein umfassendes Verständnis für dieses Thema zu schaffen.

Einführung

Ein eingeklemmter Nerv, auch Nervenkompression genannt, tritt auf, wenn ein Nerv durch umliegendes Gewebe wie Knochen, Knorpel, Muskeln oder Sehnen unter Druck gerät. Dieser Druck kann zu Schmerzen, Taubheitsgefühl, Kribbeln und Muskelschwäche führen. Während der Schwangerschaft und Geburt können verschiedene Faktoren dazu beitragen, dass Nerven eingeklemmt werden.

Ursachen für eingeklemmte Nerven während der Geburt

Die Ursachen für eingeklemmte Nerven während der Geburt können vielfältig sein und sowohl die Mutter als auch das Kind betreffen.

Bei der Mutter

  • Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen: Die Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen während der Schwangerschaft können dazu führen, dass bestimmte Nerven eingeklemmt werden.
  • Lagerung während der Geburt: Eine Schädigung des N. cutaneus femoris lateralis, die Meralgia paraesthetica, kann während der natürlichen Geburt durch die Lagerung der Mutter provoziert werden. Auch eine Schädigung des N. obturatorius kann zustande kommen, wenn der kindliche Kopf in das Becken eintritt.
  • Druck durch das wachsende Baby: Das wachsende Baby kann Druck auf Nerven im Becken- und Rückenbereich ausüben, insbesondere auf den Ischiasnerv.
  • Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaftshormone können zu einer Lockerung der Bänder und Gelenke führen, was die Stabilität des Beckens beeinträchtigen und Nerven einklemmen kann.
  • ISG-Blockade: Instabilitäten und Dysfunktionen der Iliosakralgelenke (ISG) können ebenfalls zu Nervenkompressionen führen. ISG-Blockaden entstehen häufig durch Fehlhaltungen, Überlastung oder einseitige Belastungen, wie sie etwa beim Heben schwerer Gegenstände, beim Sport oder beim Tragen eines Kindes auftreten können. Beckenringinstabilität kann ebenfalls eine Ursache sein. In der Schwangerschaft treten ISG-Blockaden gehäuft auf.

Beim Kind

  • Geburtstrauma: Bei schwierigen Geburten kann es durch eine starke Überdehnung oder einen zu starken Zug an der Schulter des Neugeborenen zu einer Plexusschädigung kommen. Diese Form wird als „Obstetric Brachial Plexus Palsy“ (OBPP) bezeichnet. Der Plexus brachialis ist ein Geflecht aus Nervenfasern, das die gesamte motorische und sensible Versorgung des Arms, der Schulter und der Hand steuert. Der Plexus brachialis wird aus den Nervenwurzeln C5 bis C8 und Th1 gebildet, die aus dem Rückenmark austreten.

Symptome eines eingeklemmten Nervs

Die Symptome eines eingeklemmten Nervs können je nach betroffenem Nerv und Schweregrad der Kompression variieren.

Bei der Mutter

  • Schmerzen: Stechende Schmerzen im Unterleib, im Rücken, im Gesäß oder in den Beinen.
  • Taubheitsgefühl und Kribbeln: Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Fingern (Karpaltunnelsyndrom), im Bein oder im Fuß.
  • Muskelschwäche: Muskelschwäche in den betroffenen Bereichen.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten beim Gehen, Aufstehen oder Drehen.
  • Ischiasschmerzen: Schmerzen, die vom unteren Rücken bis in die Beine ausstrahlen.
  • Meralgia paraesthetica: Schmerzhafte unangenehme Empfindungen des ventrolateralen Oberschenkels.
  • Howship-Romberg-Syndrom: Missempfindungen an der distalen Innenseite des Oberschenkels.

Beim Kind

  • Plexusparese: Die Auswirkungen einer Plexusparese reichen von leichten Bewegungseinschränkungen bis hin zu einer kompletten Armlähmung.

Diagnose

Die Diagnose eines eingeklemmten Nervs erfordert eine sorgfältige Untersuchung und Anamnese.

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Bei der Mutter

  • Anamnese: Erhebung der Vorgeschichte (zum Beispiel eines Geburtstraumas, Unfallhergang, Symptome).
  • Körperliche Untersuchung: Untersuchung der motorischen, sensorischen und reflektorischen Funktionen.
  • Neurologische Tests: Ggf. Elektromyogramm (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit (NLG), um die Funktion der Nerven zu bewerten.
  • Bildgebende Verfahren: In seltenen Fällen CT- oder MRT-Untersuchungen, um andere Ursachen auszuschließen.

Beim Kind

  • Körperliche Untersuchung: Beurteilung der Beweglichkeit und Sensibilität des Arms.
  • Neurologische Untersuchung: Überprüfung der Reflexe und Muskelkraft.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen MRT, um den Zustand des Plexus brachialis zu beurteilen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines eingeklemmten Nervs zielt darauf ab, den Druck auf den Nerv zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

Bei der Mutter

  • Konservative Behandlung:
    • Physiotherapie: Ziel ist, Muskelabbau zu verhindern und die Gelenkbeweglichkeit zu erhalten. Mit kräftigenden und dehnenden Übungen können Sie das Iliosakralgelenk mobilisieren und stabilisieren. Gezielte Bewegung verbessert außerdem die Beweglichkeit in der Hüfte, löst Verspannungen im Rücken und stärkt die Rumpf- und Beckenmuskulatur.
    • Manuelle Therapie: Sanfte Bewegung, um eine ISG-Blockade zu lösen.
    • Schmerzmanagement: Medikamente, physikalische Maßnahmen (z. B. Wärme- oder Kälteanwendungen).
    • Ergonomische Anpassungen: ergonomische Liegeposition (z. B. Schlafen auf der Seite mit einem Kissen zwischen den Beinen).
    • Beckenorthese: Eine Beckenorthese wie die SacroLoc kann die Therapie von Beckenschmerzen sinnvoll unterstützen und prophylaktisch wirken. Sie hilft, Schmerzen zu lindern, indem sie das Becken stabilisiert und die gedehnten Bänder speziell um den Bereich der ISG entlastet.
    • Lokale Infiltrationen: Bei Meralgia paraesthetica und Howship-Romberg-Syndrom können lokale Lidocain-Pflaster helfen.
  • Chirurgische Intervention: In seltenen Fällen, wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichend sind, kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu entlasten.

Beim Kind

  • Physiotherapie: Ziel ist, die Beweglichkeit und Kraft im Arm zu verbessern.
  • Ergotherapie: Anpassung des Alltags, um die Beeinträchtigungen durch die Plexusparese zu minimieren.
  • Handorthesen: Moderne Handorthesen können bei Funktionseinschränkungen durch eine Plexusparese eine wichtige Rolle spielen. Sie können Greif-, Halte- und Bewegungsfunktionen übernehmen und erleichtern.
  • Nervenrekonstruktion: In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um geschädigte Nerven zu reparieren oder zu ersetzen.

Prävention

Einige Maßnahmen können helfen, das Risiko eines eingeklemmten Nervs während der Geburt zu verringern.

Bei der Mutter

  • Gesunde Gewichtszunahme: Achten Sie auf eine angemessene Gewichtszunahme während der Schwangerschaft.
  • Gute Körperhaltung: Achten Sie auf eine gute Körperhaltung und vermeiden Sie langes Stehen oder Sitzen in ungünstigen Positionen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung kann Ihnen keine sofortige Schmerzlinderung bringen, aber die Stärkung Ihrer Rückenmuskulatur kann helfen, Rücken und Beine zu stützen und Rückenschmerzen langfristig zu lindern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um den richtigen Trainingsplan zu finden.
  • Ergonomische Maßnahmen: Verwenden Sie ergonomische Hilfsmittel, um den Rücken und das Becken zu entlasten.
  • Vermeidung von Überlastung: Vermeiden Sie Überlastung und einseitige Belastungen.

Beim Kind

  • Sorgfältige Geburtsplanung: Wählen Sie ein erfahrenes Geburtsteam und besprechen Sie mögliche Risiken und Komplikationen im Voraus.
  • Vermeidung von unnötigen Interventionen: Vermeiden Sie unnötige Interventionen während der Geburt, die das Risiko eines Geburtstraumas erhöhen könnten.

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