Ashwagandha, eine in der ayurvedischen Medizin hoch angesehene Heilpflanze, gewinnt weltweit an Bedeutung. Diese bemerkenswerte Wurzel bietet vielfältige gesundheitliche Vorteile, von der Verbesserung des Schlafs bis zur Regulierung des Blutzuckerspiegels. Dieser Artikel beleuchtet die traditionelle Verwendung von Ashwagandha, ihre Fähigkeit, Stress zu bewältigen, die mentale Gesundheit zu stärken und chronische Erkrankungen zu lindern.
Ursprung und traditionelle Verwendung von Ashwagandha
Ashwagandha, wissenschaftlich als Withania somnifera bekannt, hat eine lange Geschichte. Ursprünglich stammt die Pflanze aus den trockenen Regionen Indiens, des Mittleren Ostens und Nordafrikas. In der ayurvedischen Medizin, einem der ältesten medizinischen Systeme der Welt, nimmt Ashwagandha einen besonderen Platz ein und wird seit Tausenden von Jahren zur Behandlung von Schlaflosigkeit, Angstzuständen und Stress eingesetzt. Die ayurvedische Medizin basiert auf einem umfassenden Wissen über Pflanzen, ihre Bestandteile und Inhaltsstoffe sowie deren gesundheitsfördernde Wirkungen. Ashwagandha spielte nicht nur in der ayurvedischen Medizin eine bedeutende Rolle, sondern wurde auch in historischen Texten wie der Rigveda und anderen altindischen Schriften erwähnt. Die Verwendung von Ashwagandha erstreckt sich über verschiedene Kulturen, darunter Nepal, Sri Lanka und Teile Afrikas, wo sie ebenfalls ein fester Bestandteil der Naturmedizin ist. Archäologische Funde deuten darauf hin, dass Ashwagandha bereits in den alten orientalischen Kulturen für verschiedene Zwecke genutzt wurde.
In den letzten Jahrzehnten hat das Interesse an Ashwagandha in der westlichen Welt zugenommen, was mit einem wachsenden Interesse an alternativen und natürlichen Heilmethoden einhergeht. Studien deuten auf viele positive Einflüsse von Ashwagandha hin, obwohl endgültige Beweise noch ausstehen. Eine Studie aus dem Jahr 2012 legt nahe, dass die regelmäßige Einnahme von Ashwagandha einen erhöhten Cortisolspiegel senken und damit chronischen Stress reduzieren kann. Trotz der zunehmenden Forschung sind klinische Studien noch relativ selten, und die meisten Untersuchungen konzentrieren sich auf biochemische Analysen und experimentelle Studien.
Ashwagandha als Adaptogen zur Stressbewältigung
Ashwagandha ist ein kraftvolles Adaptogen, das hilft, Stress effektiv zu bewältigen. Adaptogene sind bioaktive Pflanzenstoffe, die dem Körper helfen, sich an Stresssituationen anzupassen. Diese Pflanzenstoffe haben einen ausgleichenden Einfluss auf die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse, ein empfindliches Gleichgewicht zwischen Gehirn und Hormonhaushalt. Die adaptogene Wirkung von Ashwagandha zeigt sich besonders in stressigen Lebensphasen, indem sie dem Körper hilft, sich besser an Stresssituationen anzupassen und einen positiven Effekt auf stressbedingte Beschwerden ausübt.
Ein wichtiger Aspekt der Stressbewältigung durch Ashwagandha ist seine Fähigkeit, den Cortisolspiegel zu regulieren. Cortisol, auch als Stresshormon bekannt, steigt bei akutem und chronischem Stress an. In einer 60-tägigen Studie mit Erwachsenen, die im Alltag hohem Stress ausgesetzt waren, wurde eine deutliche Reduzierung des Cortisolspiegels bei der Gruppe beobachtet, die Ashwagandha einnahm, im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Ashwagandha kann auch eine wichtige Rolle bei der Prävention von Burn-out spielen. In einer Studie berichteten Teilnehmer, die täglich 600 mg Ashwagandha-Extrakt über einen Zeitraum von 60 Tagen einnahmen, von einer 79-prozentigen Verringerung ihrer depressiven Verstimmungen. Durch seine vielfältigen Wirkungen auf Körper und Geist kann Ashwagandha ein wertvoller Begleiter im Stressmanagement sein.
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Ashwagandha zur Unterstützung der mentalen Gesundheit
Ashwagandha hat sich als vielversprechendes natürliches Mittel zur Unterstützung der mentalen Gesundheit erwiesen. Studien haben gezeigt, dass Ashwagandha-Extrakte das Potenzial haben, Angstsymptome zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern. In einer Studie, bei der Teilnehmer täglich 600 mg Ashwagandha-Extrakt einnahmen, wurde eine bemerkenswerte Verringerung depressiver Verstimmungen beobachtet. Bei der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) könnte Ashwagandha ebenfalls unterstützend wirken, indem es die Stressreaktion des Körpers reguliert. Seine adaptogene Wirkung unterstützt die Balance im Nervensystem und kann für Ruhe und Klarheit des Geistes sorgen. Obwohl spezifische Studien zu Ashwagandha und PTBS begrenzt sind, deuten die positiven Effekte auf Stress und Angst darauf hin, dass es auch bei der Bewältigung von PTBS-Symptomen hilfreich sein könnte.
Ashwagandha für Sportler und Fitnessbegeisterte
Ashwagandha gewinnt zunehmend an Bedeutung als natürliches Ergänzungsmittel für Sportler und Fitnessbegeisterte. Eine Analyse aus fünf verschiedenen Studien ergab, dass die Einnahme von Ashwagandha über mehrere Wochen den maximalen Sauerstoffverbrauch (VO2 max) bei gesunden Erwachsenen und Sportlern signifikant erhöht hat. Die Pflanze hat entzündungshemmende Eigenschaften, die dazu beitragen können, trainingsbedingte Muskelschäden zu reduzieren. Ashwagandha kann auch den Cortisolspiegel senken, was Stress reduziert und die Regeneration fördert. Die verbesserte Schlafqualität durch Ashwagandha trägt ebenfalls zur besseren Regeneration bei. Durch diese vielfältigen Wirkungen kann Ashwagandha die körperliche Leistungsfähigkeit auf mehreren Ebenen unterstützen.
Ashwagandha bei chronischen Erkrankungen
Ashwagandha hat sich als vielversprechende natürliche Unterstützung bei verschiedenen chronischen Erkrankungen erwiesen. Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Ashwagandha den Blutzuckerspiegel sowohl bei gesunden Menschen als auch bei Diabetikern senken kann. Die entzündungshemmenden Eigenschaften von Ashwagandha können dazu beitragen, Schmerzen und Schwellungen bei Gelenkschmerzen, Schwellungen oder Rheuma zu reduzieren. Ashwagandha zeigt auch vielversprechende Wirkungen bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson.
Es ist wichtig zu beachten, dass trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse weitere Forschung notwendig ist, um die volle Wirksamkeit von Ashwagandha bei chronischen Erkrankungen zu verstehen. Bei chronischen Erkrankungen sollte die Einnahme von Ashwagandha immer zuerst mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Auch bei bereits eingenommenen Medikamenten sollte der Arzt konsultiert werden, da es zu Wechselwirkungen kommen kann.
Ashwagandha und die Schilddrüsenfunktion
Ashwagandha zeigt vielversprechende Wirkungen auf die Schilddrüsenfunktion. Studien deuten darauf hin, dass es den Spiegel der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4) optimieren kann. In einer indischen Pilotstudie mit 50 Teilnehmern im Alter von 18 bis 50 Jahren, die alle an einer Schilddrüsenunterfunktion litten, zeigte sich nach 8-wöchiger Einnahme von 600 mg Ashwagandha-Extrakt eine bemerkenswerte Verbesserung.
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Ashwagandha und die reproduktive Gesundheit
Ashwagandha hat einen positiven Einfluss auf die reproduktive Gesundheit sowohl bei Männern als auch bei Frauen. Bei Männern kann es die Spermienqualität verbessern und die Fruchtbarkeit steigern. Studien haben gezeigt, dass Ashwagandha die Spermienkonzentration erhöhen und die Qualität der Spermien verbessern kann. Bei Frauen kann Ashwagandha den Spiegel der luteinisierenden und follikelstimulierenden Hormone beeinflussen, was auf einen möglichen positiven Effekt auf die sexuelle Gesundheit hindeutet. Interessanterweise zeigt Ashwagandha auch positive Wirkungen bei Frauen in den Wechseljahren. Studien haben ergeben, dass es signifikant zur Linderung von Menopause-bedingten Problemen beitragen kann, einschließlich psychologischer, physischer und urogenitaler Beschwerden.
Ashwagandha kann den Spiegel des männlichen Sexualhormons Testosteron erhöhen und dazu beitragen, ein optimales hormonelles Gleichgewicht im Körper herzustellen. In einer Studie mit übergewichtigen Männern im Alter von 40-70 Jahren führte die tägliche Einnahme von 21 mg Withanolid-Glykosiden (ein Extrakt aus Ashwagandha) über 8 Wochen zu einer Erhöhung des Testosteronspiegels. Ashwagandha kann auch den DHEA-S-Spiegel erhöhen, welches eine Art Vorstufe der Hormone Östrogen und Testosteron ist. In einer Studie wurde nach 8-wöchiger Einnahme von Ashwagandha ein 18-prozentiger Anstieg des DHEA-S-Spiegels im Vergleich zur Placebogruppe festgestellt. Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirkung von Ashwagandha auf das Hormonsystem individuell variieren kann.
Ashwagandha bei Parkinson
Die Parkinson-Krankheit gilt als die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung nach Alzheimer. Durch die Degeneration der Gehirnzellen, die für die Produktion des Neurotransmitters Dopamin verantwortlich sind, entsteht die sogenannte primäre Parkinson-Krankheit. Sekundäre Parkinson-Erkrankungen hingegen haben verschiedene andere Ursachen wie Medikamente, insbesondere Neuroleptika, vaskuläre Ursachen, Toxine, Traumata, Infektionen und Tumore.
Die klassischen Symptome der Parkinson-Krankheit sind:
- Verlangsamte Bewegungen (Bradykinesie)
- Tremor (eine unwillkürliche, rhythmische, zitternde Bewegung eines Körperteils)
- Rigidität oder Steifheit
- Haltungsinstabilität oder Parkinson-Gang
Ayurveda diagnostiziert die Parkinson-Krankheit als Störung des „Vata“-Prinzips in mehreren strukturellen und funktionellen Komponenten des Körpers. Auch wenn es Hinweise wie „Kampavata“ gibt - ein Zustand mit Zittern der Extremitäten, passt die Kombination aus Bradykinesie, Zittern, Rigor und Haltungsinstabilität besser zu einem Zustand - „Vata-Syndrom“.
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Studien deuten darauf hin, dass Ashwagandha nervenschützend (neuroprotektiv) bei Alzheimer, Parkinson, Chorea Huntington und anderen neurodegenerativen Erkrankungen wirkt. Bei diesen Erkrankungen verschlechtern sich langsam und fortschreitend die Struktur und Funktion des zentralen Nervensystems. Für die positive Wirkung von Ashwagandha bei neurodegenerativen Erkrankungen kommen verschiedene Mechanismen in Betracht. Oft führen Forscher den Effekt etwa darauf zurück, dass die Schlafbeere die Funktion der Zell-Kraftwerke (Mitochondrien) wiederherstellen und zugleich oxidativen Stress, Entzündungen und einen übermäßigen programmierten Zelltod (Apoptose) reduzieren kann.
Die Behandlung besteht daher darin, das erhöhte Vata und seine einzelnen Eigenschaften zu reduzieren sowie das Agni (Verdauungs- und Stoffwechselfeuer) mit allen Mitteln und Methoden zu stärken.
Behandlungsprotokoll für Parkinson in der ayurvedische Medizin
Unter Berücksichtigung der Chronizität, der strukturellen und funktionellen Beeinträchtigungen, die durch die Krankheit verursacht werden, sowie der grundlegenden Körperkonstitution des Einzelnen wird die Therapie von einem Ayurveda-Spezialisten verschrieben. Sie erfordert einen multimodalen Ansatz und kann als adjuvante Therapie zu den bestehenden Dopamin-Medikamenten durchgeführt werden.
- Pflanzliche Arzneimittel: Ayurvedische Kräuter werden eingesetzt, um das neurologische Wohlbefinden zu fördern und die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Ashwagandha, Kapikachu, Brahmi, Shatavari, Guduchi und Triphala sind einige häufig verwendete Kräuter. Diese Kräuter verbessern die Lebensqualität aufgrund ihrer neuroprotektiven, antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkung.
- Ayurvedische Ernährung: Der Schwerpunkt einer ausgewogenen ayurvedischen Ernährung liegt auf vollwertigen Lebensmitteln, die leicht verdaulich, nahrhaft und förderlich für die allgemeine Gesundheit sind. Ernährungsempfehlungen für Parkinson-Patienten können reichhaltige, nahrhafte Lebensmittel wie gekochte Getreideprodukte, Suppen, Eintöpfe, Gemüse und Kräutertees umfassen. Maßvoller Verzehr, achtsames Essen und geeignete Mahlzeitenkombinationen.
- Lebensstil, Yoga, Meditation: Ayurveda legt großen Wert auf die Bedeutung einer Änderung des Lebensstils, um die allgemeine Gesundheit und das Wohlbefinden zu fördern. Patienten wird empfohlen, einen regelmäßigen Tagesablauf einzuhalten, sich ausreichend auszuruhen und zu schlafen, leichte Yoga-Übungen und Pranayama (Atemübungen) zu praktizieren. Kurze Meditationen helfen dabei, eine optimistische Einstellung und emotionale Widerstandsfähigkeit zu entwickeln.
- Panchakarma-Therapie: Die Ayurveda-Panchakarma-Therapie kann zusammen mit der bestehenden therapeutischen Methode durchgeführt werden und trägt dazu bei, die Wirkung verschiedener Medikamente zu verstärken. Das Ziel der Panchakarma-Behandlung ist es, den Stoffwechsel zu stärken, angesammelte Giftstoffe (Ama) auszuscheiden und die Doshas wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Panchakarma umfasst Ölmassagen (Abhyanga), Kräuterdampfbäder, verschiedene Arten von Stempelmassagen, Matravasthi (Öl-Einlauf), Virechana (Abführen), Nasya (Inhalation von medizinischen Ölen) usw. als Beispiele für Behandlungen. Nach einer ausführlichen Erstkonsultation wird ein Therapieplan erstellt und die einzelnen Behandlungen werden nach einer kurzen Überprüfung des Fortschritts täglich geplant. Die Dauer von Panchakarma variiert je nach Zustand und Konstitution des Einzelnen.
Darreichungsformen und Dosierung von Ashwagandha
Ashwagandha ist in verschiedenen Formen erhältlich, um den individuellen Bedürfnissen gerecht zu werden. Es gibt Kapseln, Pulver und standardisierte Extrakte. Das Pulver lässt sich leicht in weiche Nahrungsmittel wie Joghurt oder Haferflocken mischen. Die empfohlene Dosierung von Ashwagandha variiert je nach Anwendungszweck und individuellen Bedürfnissen. Es ist ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und sich langsam an die persönliche Tagesdosis heranzutasten. Für die Anwendung gegen Stress empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zweimal täglich 250 mg.
Mögliche Nebenwirkungen und Vorsichtsmaßnahmen
Obwohl Ashwagandha in den empfohlenen Mengen als sicher gilt, können gelegentlich Nebenwirkungen auftreten. In einigen Fällen wurde von Leberschäden berichtet. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter 12 Jahren wird von der Einnahme von Ashwagandha abgeraten. Um Nebenwirkungen zu vermeiden, sollte die empfohlene Dosierung nicht überschritten und nach 12 Wochen Anwendung eine Pause von einigen Wochen eingelegt werden.
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