Einführung
Das Parkinson-Kopfkissenphänomen ist ein spezifisches Symptom, das bei Patienten mit fortgeschrittener Parkinson-Krankheit auftreten kann. Es äußert sich dadurch, dass die betroffene Person im Liegen den Kopf unbeabsichtigt einige Zentimeter über der Unterlage hält, selbst wenn ein zuvor stützendes Kissen entfernt wird. Dieses Phänomen ist ein Ausdruck des Rigors, der Muskelsteifheit, die ein Hauptmerkmal der Parkinson-Krankheit ist.
Was ist Rigor?
Rigor, lateinisch für "Steifheit, Starre", bezeichnet eine durchgehend unwillkürliche Anspannung der Muskeln. Im Unterschied zur Spastik, bei der die Muskelspannung mit zunehmender Geschwindigkeit passiver Bewegungen zunimmt, ist die Spannung beim Rigor unabhängig von der Geschwindigkeit oder Richtung der Bewegung. Eine Sonderform des Rigors ist das Zahnrad-Phänomen, bei dem der Bewegungswiderstand abrupt nachlässt und der Muskel sich ein Stück bewegen lässt, bevor die Spannung wieder ansteigt.
Ursachen von Rigor
Rigor entsteht, wenn entweder hemmende Nervenzellen, die der Muskelanspannung entgegenwirken, ausfallen oder Nervenzellen, die zur Muskelanspannung führen (α-Motoneuronen), permanent angeregt werden. Ein Neuronen-Ausfall kann beispielsweise bei Vergiftungen vorkommen. Genetisch bedingte Myopathien sind angeborene Muskelerkrankungen, die oft nach Belastung zu Muskelschmerzen führen und mit einer Muskelsteifigkeit einhergehen können. Rigor ist hierbei jedoch nicht das Hauptsymptom. Nicht in jedem Fall sind also gleich Parkinson oder eine Vergiftung die Ursache. Infektionen (z. B. Nebenwirkung bestimmter Medikamente (z.B.
Das Kopfkissenphänomen als Ausdruck von Rigor bei Parkinson
Beim Parkinson-Kopfkissenphänomen ist die Muskulatur des Patienten derartig unter Spannung, dass der Kopf beim Liegen das Kopfkissen nicht berühren kann. Dies ist ein deutliches Zeichen für den ausgeprägten Rigor, der bei Parkinson-Patienten auftreten kann.
Parkinson-Krankheit: Ein Überblick
Die Parkinson-Krankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS), ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor mehr als zweihundert Jahren von J. Parkinson entdeckt wurde. Sie ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Mittelhirn, gekennzeichnet. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die Steuerung von Bewegungen, die Koordination und andere Funktionen verantwortlich ist.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursache der Parkinson-Krankheit ist bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Mehr als 16 Genorte sind für das IPS bzw. für andere neurodegenerative Formen des Parkinson-Syndroms beschrieben worden, einige mutierte Gene und ihre Proteine wurden schon kloniert. Die Genloci wurden der zeitlichen Reihenfolge ihrer chromosomalen Lokalisation nach mit PARK1, 2, 3, 4 usw. bezeichnet. Die wichtigsten Mutationen bzw. Risikovarianten sind auf dem α-Synuklein- (SNCA/Park1), PINK1- (Park2), DJ1- (Park7), LRRK2- (Park8) und dem Glukozerebrosidase (GBA)-Gen. GBA Risikovarianten lassen sich bei ca. 10 % der Patienten mit IPS nachweisen. Monogenetische Formen betreffen v. a. die Patienten mit jüngerem Beginn (<40) und dürften weniger als 15 der Patienten betreffen.
Defekte zelluläre Radikalentgiftungsmechanismen, Störungen im mitochondrialen Energiestoffwechsel (Komplex-I-Defekt der mitochondrialen Atmungskette) werden als Auslöser eines pathologischen oxidativen Stresses diskutiert. Dabei spielt vermutlich die mitochondriale Komplex-1-Inhibition eine zentrale Rolle, sie führt zu einer Aggregation von α-Synuklein und Apoptose von Dopaminneuronen durch einen defekten Abbau dieser Proteine. Somit steht eine pathologische Ablagerung von Proteinen wie α-Synuklein und ihr ungenügender Abbau durch das Proteasom im Zentrum der pathogenetischen Kaskade.
Symptome
Die Parkinson-Krankheit manifestiert sich durch eine Vielzahl von motorischen und nicht-motorischen Symptomen. Die Kardinalsymptome des Parkinsonismus sind Bradykinese (Verlangsamung der Bewegungen), Rigor (Muskelsteifheit), Tremor (Zittern) und posturale Instabilität (Gleichgewichtsstörungen).
Motorische Symptome
- Bradykinese: Die Verlangsamung der Bewegungsabläufe ist eines der Hauptsymptome von Parkinson. Hierbei handelt es sich um einen schleichend voranschreitenden Prozess, der einzelne Körperbereiche betreffen kann (Körperhaltung, Arme, Gesicht usw.). Eine Verlangsamung der Bewegungsabläufe ist am Anfang nur an Kleinigkeiten zu erkennen, zum Beispiel handwerkliche Tätigkeiten gelingen nicht mehr so flüssig wie früher. Erst wenn die Unbeweglichkeit zunimmt, kommt es zu den ersten Parkinson Symptomen. Feinmotorische Tätigkeiten (z. B. TippRasch abwechselnde Bewegungsabläufe von Fingern und Händen sind für Parkinson Patienten bereits im frühen Stadium der Erkrankung kaum mehr ohne Aussetzer bzw. ohne eine Verlangsamung der Bewegungen möglich. Besteht der Verdacht auf Parkinson, sollte mit dem jeweiligen Senior der sogenannte Taping-Test durchgeführt werden.
- Rigor: Aufgrund der für Parkinson typischen langanhaltenden Muskelspannung werden die Muskeln steif. Der Betroffene hat dabei ein gewisses Lähmungsgefühl. Während des Anfangsstadiums sind nur die Oberarme, die Schultern und/oder der Nacken betroffen, so dass es hier gerne zur Fehldiagnose „Rheuma“ oder „orthopädische Probleme“ kommt. Weitere Symptome, die für Rigor sprechen, sind das Zahnrad- und/oder Kopfkissenphänomen (Die Muskulatur des Patienten steht derartig unter Spannung, dass sein Kopf beim Liegen das Kopfkissen nicht berühren kann.)
- Tremor: Ein weiteres typisches Parkinson-Syndrom ist der Tremor. In der Regel sind davon hauptsächlich die Hände betroffen, doch auch andere Körperteile, wie z. B. Bei vielen Parkinson-Patienten kommt es zu einem sogenannten Ruhe-Tremor. Das heißt, dessen Muskulatur ist vollständig entspannt. Andere Betroffene leiden wiederum an einem Aktionstremor/Haltetremor.
- Posturale Instabilität: Mit dem Voranschreiten der Parkinson-Erkrankung nehmen auch die Gleichgewichtsstörungen zu. Gerade bei Parkinson Patienten, die noch nicht im Seniorenpflegeheim leben, ist es besonders wichtig, dass möglichst alle Stolperfallen in der näheren Umgebung entfernt werden. Darüber hinaus sollte geprüft werden, ob für den Patienten die Anschaffung diverser Hilfsmittel ratsam ist, wie z. B.
- Veränderte Körperhaltung: Die typische Körperhaltung eines Morbus Parkinson Patienten ist ein nach vorne gebeugter Oberkörper und Kopf. Er hält dabei seine Arme eng an den Oberkörper gepresst. Zudem zeigen Betroffene sogenannte Start- und Stoppschwierigkeiten, d. h. Parkinson Patienten sind sehr häufig von gastrointestinalen Störungen (Magen-Darm-Beschwerden) betroffen. Parkinson wirkt sich auch auf die Nervenzellen des Magen-Darm-Trakts aus. Natürlich haben auch die Bewegungsstörungen des Patienten, wie auch ein oft schlechtes Trinkverhalten einen negativen Einfluss auf die Verdauung. Gut die Hälfte aller Parkinson Patienten haben mit Dysphagien oder Schluckbeschwerden zu kämpfen. Vor allem, wenn sie von neurologischen Störungen betroffen sind können sie Schluckbeschwerden entwickeln. Der Grund ist, dass die Speiseröhre durch Krankheit deutlich an Beweglichkeit verliert. Aufgrund der Schluckbeschwerden hat der Patient keine Lust mehr zu essen. Weiche Speisen, wie z. B.
Nicht-motorische Symptome
Neben den motorischen Symptomen treten bei Parkinson-Patienten häufig auch nicht-motorische Symptome auf, die die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen können. Dazu gehören:
- Kognitive Beeinträchtigungen: Die Angaben zur Prävalenz einer Demenz bei Parkinson-Patienten zeigen eine erhebliche Streuung von 5-80 %. Zumindest in den Frühstadien der Erkrankung ist eine Demenz selten. Eine im Vordergrund stehende oder eine rasch progrediente Demenzentwicklung muss bei einem Parkinson-Patienten stets zu einer differenzialdiagnostischen Überprüfung der Ausgangsdiagnose führen. Antiparkinsonika führen bei diesen Kranken besonders häufig zu einem zusätzlichen Psychosyndrom. Nach 20 Jahren Verlauf eines IPS sind über 80 % der noch überlebenden Patienten dement (Hely et al. 2008). Wenn die Demenz innerhalb des ersten Jahres des Beginns der motorischen Symptomatik oder davor auftritt, ist die Konvention, dass dann die Krankheit als eine Lewy-Body-Demenz diagnostisch einzuordnen und damit gegen die mit dem idiopathischen Parkinson-Syndrom assoziierte Demenz zu differenzieren ist (Walker et al. 2015).
- Depressionen und Angstzustände: Depression und Angst: Affektive Lage und motorischer Zustand stehen in einer komplexen Wechselwirkung. Publizierte Zahlen zur Prävalenz der Depression beim IPS schwanken zwischen 20 und 60 %. Etwa 40 % aller Parkinson-Kranken erleben pathologische Angst und 35 % leiden an einer klinisch signifikanten Depression (Reijnders et al. 2008), die unabhängig von der motorischen Beeinträchtigung einen entscheidenden Faktor für die Lebensqualität der Parkinson-Patienten darstellt. Selbsteinschätzung des Affektes ist neben der axialen Behinderung (Gleichgewichts- und Gangstörung) der wichtigste bestimmende Faktor für eine schlechte Lebensqualität bei Parkinson-Patienten (Muslimovic et al.
- Schlafstörungen: Mehr als zwei Drittel der Menschen, die an Parkinson leiden, sind auch von Schlafstörungen betroffen.
- Vegetative Störungen: Vegetative Symptome wie Schlafstörungen, orthostatische Dysregulation, verzögerte Magenentleerung, Obstipation, Detrusorhyperreflexie (imperativer Harndrang, Dranginkontinenz) und Impotenz kommen regelmäßig bei Patienten mit IPS vor. Sie sind weniger ausgeprägt als bei der Multisystematrophie.
Diagnose
Die Diagnose der Parkinson-Krankheit basiert auf der klinischen Untersuchung und der Anamnese des Patienten. Sind die typischen Parkinson-Symptome feststellbar ist es für den Arzt ein Leichtes, die Krankheit zu diagnostizieren. Doch leider ist nicht jeder Patient ein Bilderbuchfall. Oft kann es Jahre dauern, bis Betroffene die richtige Diagnose bekommen.
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Im Fall von Parkinson kommt es zum Beispiel im Liegen teils zum Kopfkissen-Phänomen. Dabei hält die betroffene Person ihren Kopf unbeabsichtigt einige Zentimeter über der Unterlage, auch wenn ein zuvor stützendes Kissen entfernt wird.
Zusätzliche bildgebende Verfahren wie die Positronenemissionstomografie (PET) mit 18Fluorodopa können eingesetzt werden, um die Dopaminverarmung im Striatum sichtbar zu machen.
Therapie
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, aber die Symptome können mit Medikamenten und anderen Therapien behandelt werden. Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen. Hierfür werden Dopaminergika wie L-Dopa und Dopaminagonisten eingesetzt.
Medikamentöse Therapie
Die Erkenntnis des Dopamindefizits im Striatum führte zur Basis der medikamentösen Parkinson-Therapie, der Dopaminsubstitution durch Dopaminergika (L-Dopa als Vorstufe von Dopamin, Dopaminagonisten).
Weitere Therapieansätze
- Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine entscheidende Rolle bei der Behandlung. Durch gezielte Übungen kannst du die Muskelsteifheit reduzieren und die Beweglichkeit verbessern. Regelmäßige Physiotherapie und besonders auch das Üben Zuhause hilft, die Anspannung der Muskeln zu mindern und so typische Haltungsanomalien zu vermeiden.
- Ergotherapie:
- Logopädie:
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Auch eine THS kann dir möglicherweise helfen. Besprich deine Symptome immer mit einem Arzt und lass dich beraten. Dieser Blogbeitrag ist kein Ersatz für eine individuelle Beratung oder Therapiemaßnahme.
Umgang mit Rigor und dem Kopfkissenphänomen
Rigor ist ein häufiges und belastendes Symptom der Parkinson-Krankheit. Es kann die Beweglichkeit einschränken, Schmerzen verursachen und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.
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Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung von Parkinson zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und somit die Symptome, einschließlich des Rigors, zu lindern.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen
Neben der medikamentösen Behandlung können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen helfen, den Rigor zu reduzieren:
- Regelmäßige Bewegung: Bewegung ist ein effektives Mittel, um Rigor zu lindern. Regelmäßige Übungen speziell für Parkinson-Patienten können helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Beweglichkeit zu verbessern. Im Online-Trainingsbereich findest du passende Übungen und Strategien, um deine Lebensqualität langfristig zu erhalten und zu steigern. Du Studien und meine Erfahrung zeigen, dass die körpereigene Dopaminausschüttung durch regelmäßiges Bewegen im Vergleich zu Bewegungsmuffeln ebenfalls erhöht sein kann. Auch Musik und Aktivitäten, die dich glücklich machen, steigern die Dopaminausschüttung möglicherweise. Stress hingegen wirkt sich ungünstig aus.
- Dehnübungen: Willst du leichter dich leichter bewegen? Um die Muskelspannung und die Koaktivierung zu durchbrechen, brauchst du wirksame Übungen. Neben Atemübungen können gezielte Dehnübungen hierbei hilfreich sein. Für die schnelle Wirkung ist es wichtig, dass du erkennst, dass eine Dehnung Zeit braucht. Die Muskelspannung lässt erst nach, wenn du länger in einer Dehnung bleibst. Dehnungen von wenigen Sekunden haben wegen des Dehnungsreflexes oft kaum einen Effekt. Im Online-Trainingsbereich zeige ich dir, worauf es wirklich ankommt. Konzentriere dich nicht nur auf einzelne Muskeln oder nur die großen Muskelgruppen. Halte wirklich alle Gelenke im Blick. Auch wenn die Steifheit von Kiefer und Füßen häufig nicht erwähnt werden, kann dies trotzdem zu unnötigen Problemen führen. Stell dir vor, du kannst nicht mehr auftreten, weil deine Zehen gekrallt sind. Du könntest z. B. deshalb kaum noch laufen. Das wäre mit gezielten Bewegungen zu verhindern.
- Wärmeanwendungen:
- Massagen:
- Entspannungstechniken:
Spezifische Maßnahmen bei Kopfkissenphänomen
Beim Kopfkissenphänomen kann es hilfreich sein, spezielle Kissen oder Lagerungstechniken zu verwenden, um den Nacken zu entlasten und den Komfort im Liegen zu verbessern.
Differenzialdiagnose
Es ist wichtig zu beachten, dass Rigor und das Kopfkissenphänomen nicht ausschließlich bei der Parkinson-Krankheit auftreten können. Sie können auch bei anderen Erkrankungen vorkommen, die das Nervensystem oder die Muskeln betreffen. Daher ist eine sorgfältige ärztliche Untersuchung erforderlich, um die Ursache der Symptome zu ermitteln.
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