Dopaminausschüttung beim Einkaufen: Wissenschaftliche Erkenntnisse und Auswirkungen

Einführung

Das Einkaufen ist ein fester Bestandteil unseres Alltags, doch was passiert dabei eigentlich in unserem Gehirn? Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass beim Einkaufen, insbesondere beim Entdecken von Schnäppchen oder beim Erblicken begehrenswerter Produkte, eine Dopaminausschüttung stattfindet. Dopamin, oft als "Glückshormon" bezeichnet, spielt eine zentrale Rolle im Belohnungssystem unseres Gehirns. Dieser Artikel beleuchtet die wissenschaftlichen Erkenntnisse zur Dopaminausschüttung beim Einkaufen, ihre Auswirkungen auf unser Verhalten und wie wir uns vor ungewollten Impulskäufen schützen können.

Die Rolle von Dopamin im Belohnungssystem

Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine Schlüsselrolle bei Motivation, Lernen und Belohnung spielt. Lange Zeit wurde Dopamin als reiner Belohnungsbotenstoff angesehen, doch neuere Forschungen haben gezeigt, dass es vielmehr mit der positiven Überraschung und der Vorfreude auf eine Belohnung assoziiert ist.

Dopamin und assoziatives Lernen

Tierversuche haben gezeigt, dass Dopamin entscheidend für das assoziative Lernen ist. Wenn beispielsweise ein Affe lernt, dass ein Lichtsignal das Erscheinen einer Weintraube ankündigt, wird Dopamin bereits beim Aufleuchten des Lichts ausgeschüttet, nicht erst beim Erhalt der Weintraube. Dies bedeutet, dass Dopamin die Erwartung einer Belohnung und die damit verbundene Vorfreude kodiert.

Dopamin als Motivator

Dopamin motiviert uns, bestimmte Handlungen auszuführen, die mit einer Belohnung verbunden sind. Dies kann sowohl die Nahrungsaufnahme als auch das Erreichen lang angestrebter Ziele betreffen. Studien haben gezeigt, dass bereits der Geschmack eines Milchshakes im Mund zu einer Dopaminausschüttung führt, gefolgt von einer weiteren Ausschüttung, wenn das Getränk den Magen erreicht. Interessanterweise war die Dopaminausschüttung im Mund stärker bei Teilnehmern, die ein besonderes Verlangen nach dem Milchshake hatten, während die Ausschüttung im Magen geringer ausfiel. Dies deutet darauf hin, dass unser Verlangen eng mit Dopamin verbunden ist.

Hirnforschung und Konsumverhalten

Die Hirnforschung hat interessante Einblicke in das Konsumverhalten der Menschen gegeben. Entgegen der Annahme, dass Kunden rationale Entscheidungen treffen, zeigen Studien, dass unser Gehirn oft von Emotionen und unbewussten Prozessen beeinflusst wird.

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Schnäppchen und das Belohnungszentrum

Hirnforscher haben herausgefunden, dass Sonderangebote und Rabatte das Belohnungsnetzwerk im Vorderhirn aktivieren und eine Dopaminausschüttung auslösen. In einer Studie der Universität Bonn wurden Testpersonen im Kernspintomographen (MRT) Produkte mit und ohne Rabattzeichen gezeigt. Das Ergebnis: Sonderangebote brachten das Belohnungsnetzwerk regelrecht zum Leuchten und sorgten für Glücksgefühle, noch bevor die Teilnehmer eine Kaufentscheidung getroffen hatten.

Hohe Preise und das Schmerzzentrum

Umgekehrt aktivieren hohe Preise das Schmerzzentrum im Gehirn, den sogenannten Inselcortex. Dies führt dazu, dass wir den Preis als "schmerzhaft" empfinden und den Kauf eher vermeiden.

Der Einfluss von Knappheit und sozialem Status

Die tatsächliche oder vorgetäuschte Knappheit eines Angebots weckt unseren Sammeltrieb. Wir wollen kaufen, bevor es jemand anderes tut, was evolutionsbedingt ist. Auch der Wunsch nach sozialer Anerkennung spielt eine Rolle. Produkte, die wir als "cool" empfinden, aktivieren eine Region im Gehirn, die mit Selbstwahrnehmung und sozialen Emotionen zusammenhängt. Wir beurteilen aufregende Dinge wie iPhones oder Porsches hinsichtlich ihres Potenzials, unseren gesellschaftlichen Status zu erhöhen.

Marken und Religion

Studien haben gezeigt, dass starke Marken wie Apple, Rolex oder Ferrari im Gehirn ähnliche Aktivitäten auslösen wie religiöse Bilder. Dies erklärt möglicherweise den Apple-Kult und die starke Bindung mancher Menschen zu bestimmten Marken.

Autopilot und Informationsflut

Um mit der Informationsflut beim Einkaufen klarzukommen, schalten wir oft auf Autopilot. Dies kann jedoch zu Fehlentscheidungen führen, wie ein Experiment des WDR-Magazins "Quarks & Co" zeigte. Kunden zahlten für ein vermeintliches Sonderangebot mehr als für die Einzelartikel, da der Belohnungsanreiz die Rechenkünste besiegte.

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So schützen Sie sich vor der Schnäppchen-Falle

Sind wir dem Handel also blind ausgeliefert? Nein. Es gibt verschiedene Strategien, um sich vor ungewollten Impulskäufen zu schützen:

  • Abstand nehmen: Verlassen Sie das Geschäft, gehen Sie einmal um den Block oder schlafen Sie eine Nacht darüber. Dies gibt Ihrem Frontalhirn Zeit, die Kontrollfunktion wieder hochzufahren.
  • Klare Einkaufspläne: Gehen Sie mit einem klaren Plan einkaufen, um die Versuchung von Schnäppchen zu vermeiden.
  • Negative Emotionen vermeiden: Gehen Sie nicht einkaufen, um negative Emotionen zu regulieren. Suchen Sie stattdessen nach anderen, kostenlosen Aktivitäten, die Sie aufmuntern, wie z.B. ein Waldspaziergang.
  • Zeit nehmen: Nehmen Sie sich Zeit bei der Entscheidung für oder gegen einen Kauf, um Ihren Präfrontalen Kortex zu aktivieren.
  • Bargeld bevorzugen: Bezahlen Sie lieber mit Bargeld als mit Kreditkarte oder Smartphone, um das Schmerzempfinden beim Geldausgeben zu erhöhen.
  • Offline-Shopping bevorzugen: Shoppen Sie lieber im Laden als online, da beim Online-Shopping eine größere Gefahr besteht, die Kontrolle über das Einkaufsverhalten zu verlieren.
  • Achtsamkeit üben: Achten Sie bewusst auf Ihre Impulse und hinterfragen Sie, ob Sie ein Produkt wirklich benötigen oder ob Sie nur dem Belohnungsgefühl nachjagen.

Social Media und Dopamin

Auch die Nutzung sozialer Medien kann zu einer Dopaminausschüttung führen und süchtig machen. Studien haben gezeigt, dass bereits 5-10% der Internet- und Social-Media-Nutzer nicht mehr kontrollieren können, wie viel Zeit sie online verbringen. Das Verlangen nach Social Networks kann sogar größer sein als das nach Nikotin oder Alkohol.

Auswirkungen auf das Gehirn

Die Online-Sucht ist zwar eine psychische Abhängigkeit, aber sie kann das Gehirn auf ähnliche Weise verändern wie Drogen. Vor allem in den Gehirnteilen, die emotionale Verarbeitung, Aufmerksamkeitsspanne und Entscheidungsfindung kontrollieren, kann sich der Anteil an weißer Substanz reduzieren. Zudem muss auch bei der Social-Media-Nutzung die Dosis immer gesteigert werden, um den gleichen Belohnungseffekt zu erzielen.

Selbstbezug und Anerkennung

Während wir soziale Medien nutzen, wird die Dopamin-Freisetzung in unserem Gehirn erhöht, besonders wenn wir unsere eigenen Gedanken darlegen. Studien haben gezeigt, dass sich bei einem realen Gespräch zweier Menschen 30 bis 40 Prozent der Inhalte um die eigenen Ansichten drehen, während bei der online Social-Media-Kommunikation 80 Prozent der Inhalte rein selbstbezogen sind. Dies deutet darauf hin, dass der Drang nach Anerkennung und Selbstbestätigung eine wichtige Triebkraft für die Nutzung sozialer Medien ist.

Social Media Detox

Um den gestörten Dopaminkreislauf im Gehirn wieder in gesunde Bahnen zu lenken, kann ein Social Media Detox helfen. Dabei verzichtet man für einen bestimmten Zeitraum auf die Nutzung sozialer Medien, um dem Gehirn die Möglichkeit zu geben, sich zu erholen und das Gleichgewicht wiederherzustellen.

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Kaufsucht: Wenn das Einkaufen zur Sucht wird

Bei manchen Menschen entwickelt sich das Einkaufen zu einer Sucht, der sogenannten Kaufsucht. Betroffene kaufen, obwohl sie eigentlich nicht wollen und erleben einen Kontrollverlust. Weitere Kriterien für eine Kaufsucht sind die gedankliche Vereinnahmung und der finanzielle und soziale Schaden.

Ursachen und Kompensation

Kaufsucht hat nicht DIE eine Ursache. Bestimmte Werte, die in der frühen Lebensphase vermittelt wurden, etwa, dass Konsumverhalten etwas Wichtiges ist, können ein Faktor sein. Hinzu kommt, dass das Kaufen als Bewältigungsstrategie genutzt wird, um negative Gefühle wie Stress, mangelndes Selbstwertgefühl oder Einsamkeit zu kompensieren.

Dopamin und das Hochgefühl

Es ist nicht die gähnende Leere im Kleiderschrank, die Kaufsüchtige dazu bringt, immer mehr Dinge zu kaufen. Es ist die Sucht nach dem Hochgefühl, das durch die hohe Dopaminausschüttung verursacht wird. Negative Empfindungen werden so nicht mehr wahrgenommen.

Therapie und Hilfe

Kaufsucht ist zwar nicht heilbar, aber therapierbar. Eine Therapie kann helfen, die Stimuli zu kontrollieren, die zum Kaufen verleiten. Auch die negativen Empfindungen, die eine Ursache für Kaufattacken sind, können behandelt werden.

Impulskontrollstörungen: Wenn die innere Bremse versagt

Kaufsucht kann auch im Zusammenhang mit Impulskontrollstörungen stehen. Bei Impulskontrollstörungen fühlen Betroffene den starken internen Drang, problematische Verhaltensweisen zu zeigen, gegen die kein oder nur sehr schwer Widerstand geleistet werden kann.

Neurologische Ursachen

Die Ursachen für Impulskontrollstörungen liegen im Gehirn. Der präfrontale Kortex ist vermutlich an der mangelnden Hemmung impulsiven Verhaltens beteiligt. Besonders Dopamin und Serotonin spielen eine zentrale Rolle. Vermutlich ist vor allem das dopaminerge Belohnungssystem beteiligt, ebenso wie die Amygdala, die an der Steuerung emotionaler Impulse beteiligt ist und bei der Ausschüttung von Dopamin mitwirkt.

Beispiele für Impulskontrollstörungen

Neben Kaufsucht gibt es weitere Impulskontrollstörungen wie Kleptomanie (Stehlen von Gegenständen) und Pyromanie (Feuerlegen).

Therapie

Eine sorgfältige Diagnostik ist entscheidend, um Impulskontrollstörungen richtig zu behandeln. Die kognitive Verhaltenstherapie gilt als die hilfreichste Therapieoption. Bei schweren Fällen können auch Medikamente eingesetzt werden.

Sparen und Dopamin

Auch das Sparen und Investieren wird von unserem Gehirn beeinflusst. Evolutionsbiologisch betrachtet geht es zunächst darum, dass wir im Hier und Jetzt überleben. Geschieht dies, werden von unserem Gehirn Dopamin und weitere Botenstoffe ausgeschüttet, die eine sofortige Belohnung und das Verlangen nach mehr signalisieren. Um langfristige Sparziele zu erreichen, müssen wir Impulse, die eine sofortige Belohnung versprechen, unterdrücken. Diese Fähigkeit wird von einem entwicklungsgeschichtlich jungen Hirnbereich gesteuert, dem Präfrontalen Kortex.

Tipps zum Sparen

  • Klares Sparziel definieren: Definieren Sie ein klares Sparziel, um die Motivation aufrechtzuerhalten.
  • Impulskäufe vermeiden: Vermeiden Sie Impulskäufe, indem Sie mit einem klaren Plan einkaufen gehen und sich Zeit für Entscheidungen nehmen.
  • Belohnungen aufschieben: Üben Sie, Belohnungen aufzuschieben, um den Präfrontalen Kortex zu trainieren.
  • Automatische Sparpläne: Richten Sie automatische Sparpläne ein, um das Sparen zu vereinfachen.
  • Budget erstellen: Erstellen Sie ein Budget, um Ihre Ausgaben zu kontrollieren und Sparpotenziale zu erkennen.

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