Knieschmerzen sind ein häufiges Problem, das Menschen jeden Alters betreffen kann. Oft wird angenommen, dass die Ursache der Schmerzen direkt im Kniegelenk liegt. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass Schmerzen im Bereich des Knies auch von anderen Strukturen herrühren können, insbesondere von der Hüfte oder der Wirbelsäule. Nervenschmerzen im Bein, die bis oberhalb des Knies reichen, können verschiedene Ursachen haben.
Ursachen von Nervenschmerzen oberhalb des Knies
Nervenschmerzen im Bein können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Einige der häufigsten Ursachen sind:
- Hüfterkrankungen: Hüftprobleme wie Hüftarthrose oder ein Hüftimpingement können Schmerzen verursachen, die bis ins Knie ausstrahlen. Die Nerven, die die Hüfte versorgen, überlappen sich mit denen des Knies, wodurch Schmerzen aus der Hüfte im Knie wahrgenommen werden können. Zudem können Fehlstellungen oder Erkrankungen der Hüfte das Gangbild verändern und die Belastung auf das Kniegelenk erhöhen, was zu Überlastungen oder Abnutzung führt.
- Erkrankungen der Lendenwirbelsäule: Ein Bandscheibenvorfall, eine Spinalkanalstenose oder andere degenerative Veränderungen der Lendenwirbelsäule können Druck auf die Nervenwurzeln ausüben und Schmerzen verursachen, die ins Bein ausstrahlen. Der Ischiasnerv, der vom unteren Rücken über das Gesäß bis ins Bein verläuft, ist besonders anfällig für Irritationen.
- Tractus iliotibialis-Syndrom: Der Tractus iliotibialis ist eine breite Sehnenplatte an der Außenseite des Oberschenkels, die vom Beckenkamm bis zum Knie verläuft. Eine Überlastung oder Verspannung dieses Bandes kann zu Schmerzen im Bereich des seitlichen Knies führen. Häufige Auslöser einer Überbelastung des Tractus iliotibialis sind Hüftfehlstellungen, Arthrose oder muskuläre Dysbalancen.
- Polyneuropathie: Die Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die mehrere Nerven des peripheren Nervensystems betrifft. Typische Symptome sind Kribbeln, Brennen und Taubheit, die anfangs an beiden Füßen und Beinen auftreten können. Ursachen für eine Polyneuropathie können Diabetes mellitus, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Vitaminmangel, Autoimmunerkrankungen, bestimmte Medikamente sowie Infektions- und Krebserkrankungen sein.
- Nervenwurzelkompression: Mechanische Einflüsse, etwa durch Fehlstellungen oder Verkalkungen, können Druck auf Nervenwurzeln ausüben und ausstrahlende Schmerzen in Beine und Füße verursachen.
- Diabetische Neuropathie: Langfristig erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes mellitus können Nervenschäden im Bein verursachen, die als diabetische Neuropathie bezeichnet werden.
- Alkoholmissbrauch: Langfristiger Alkoholmissbrauch kann periphere Neuropathie verursachen, was zu Nervenschmerzen in den Beinen führt.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B, insbesondere B1 (Thiamin), B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin), kann periphere Neuropathie verursachen, die Nervenschäden und Schmerzen in den Beinen auslöst.
- Stress: Stress allein kann nicht direkt Nervenschmerzen im Bein verursachen, aber er kann indirekt zu Nervenschmerzen im Bein beitragen, indem er vorhandene Bedingungen wie Neuropathie oder Verspannungen verstärkt.
Symptome von Nervenschmerzen oberhalb des Knies
Die Symptome von Nervenschmerzen im Bein können vielfältig sein und hängen von der zugrunde liegenden Ursache ab. Einige häufige Symptome sind:
- Stechende Schmerzen im Oberschenkel oder in der Wade
- Kribbeln oder Taubheitsgefühle im Fuß
- Schwäche in den Beinen, die das Gehen erschwert
- Brennende Schmerzen im Knie oder Oberschenkel
- Schmerzen, die sich wie "Stromschläge" anfühlen
- Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen (Allodynie)
- Verstärkte Schmerzempfindlichkeit nach schmerzauslösenden Reizen (Hyperalgesie)
Diagnose von Nervenschmerzen oberhalb des Knies
Eine genaue Diagnose ist entscheidend, um die Ursache der Nervenschmerzen zu identifizieren und eine geeignete Behandlung einzuleiten. Die Diagnose umfasst in der Regel die folgenden Schritte:
- Anamnese: Der Arzt wird Sie ausführlich nach Ihren Beschwerden, Vorerkrankungen und Lebensumständen fragen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird Ihr Knie, Ihre Hüfte und Ihre Wirbelsäule untersuchen, um die Schmerzquelle zu lokalisieren und mögliche Ursachen zu identifizieren. Dazu gehören die Beurteilung der Beweglichkeit, die Prüfung der Reflexe und die Durchführung spezifischer Tests, um die Funktion von Nerven und Muskeln zu überprüfen.
- Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen, Ultraschall, MRT oder CT können eingesetzt werden, um Knochen, Weichteile und Nervenstrukturen darzustellen und mögliche Ursachen wie Arthrose, Bandscheibenvorfälle oder Nervenkompressionen zu identifizieren. Ein offener MRT kann eine patientenfreundliche Diagnostik ohne Platzangst ermöglichen.
- Neurologische Tests: Nervenleitgeschwindigkeitstests können helfen, Nervenschäden zu quantifizieren. Die Quantitative Sensorische Testung (QST) misst die Hautempfindlichkeit und hilft, geschädigte Nervenfasern zu identifizieren.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können auf zugrunde liegende Ursachen wie Diabetes oder Vitaminmangel hinweisen.
- Ganganalyse: Auffälligkeiten wie Hinken oder verkürzte Schritte geben Aufschluss über die Belastung von Hüfte und Knie.
- Palpation: Schmerzen bei Druck auf bestimmte Bereiche helfen, den Fokus einzugrenzen.
- MRT: Liefert detaillierte Bilder der Weichteile und hilft, Schleimbeutelentzündungen oder Muskelverletzungen zu diagnostizieren.
- Ultraschall: Besonders nützlich, um Schwellungen oder Ergüsse sichtbar zu machen.
- Arthroskopie: In einigen Fällen kann eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) notwendig sein, um das Kniegelenk direkt zu untersuchen und kleine Schäden zu behandeln.
- Nerv-Muskel-Biopsie: Die Untersuchung einer Gewebeprobe kann helfen, die Ursache einer Polyneuropathie zu finden. Dazu wird eine sogenannte Nerv-Muskel-Biopsie aus dem Schienbein entnommen und feingeweblich untersucht. Hierbei wird festgestellt, ob der Schaden an der Hüllsubstanz des Nerven (Myelin) oder am Nerven selbst entstanden ist.
Behandlung von Nervenschmerzen oberhalb des Knies
Die Behandlung von Nervenschmerzen im Bein zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern, die zugrunde liegende Ursache zu behandeln und die Funktion des Beins wiederherzustellen. Die Behandlung kann folgende Maßnahmen umfassen:
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Taubheit im linken Bein
- Konservative Behandlung:
- Schmerzmittel: Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden. Bei starken Schmerzen können Opioide erforderlich sein, obwohl sie bei neuropathischen Schmerzen nicht immer die erste Wahl sind.
- Antidepressiva und Antikonvulsiva: Antidepressiva wie Amitriptylin und Antikonvulsiva wie Gabapentin oder Pregabalin können bei neuropathischen Schmerzen wirksam sein, indem sie die Nervenaktivität beeinflussen.
- Capsaicin-Pflaster: Capsaicin, der Wirkstoff in Chilischoten, kann in Form von Pflastern auf die Haut aufgetragen werden, um Schmerzen zu betäuben und die Durchblutung zu fördern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und die Schmerzen zu lindern. Gleichgewichtstraining kann die Gangunsicherheit reduzieren.
- Orthopädische Hilfsmittel: Orthopädische Einlagen oder Bandagen können helfen, Fehlstellungen zu korrigieren und die Belastung auf das Kniegelenk zu reduzieren.
- Injektionen: In einigen Fällen können Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika in die Nähe der betroffenen Nervenwurzeln oder Gelenke helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Alternative Therapien: Akupunktur oder TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation) können ebenfalls zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Wärme- und Kälteanwendungen: Warme Kompressen oder Bäder können die Muskeln entspannen und Schmerzen reduzieren. Kälteanwendungen können Entzündungen entgegenwirken.
- Entspannungstechniken: Yoga oder Meditation können helfen, Stress abzubauen, der Nervenschmerzen verstärken kann.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Omega-3-Fettsäuren und Antioxidantien kann entzündungshemmend wirken und Gelenkbeschwerden lindern.
- Gewichtsreduktion: Übergewicht kann die Kniegelenke zusätzlich belasten, daher kann eine Gewichtsreduktion helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Operative Behandlung:
- Hüftprothese: Bei fortgeschrittener Hüftarthrose kann ein Hüftgelenksersatz (Hüftprothese) erforderlich sein, um die Schmerzen zu lindern und die Funktion der Hüfte wiederherzustellen.
- Arthroskopie: Minimalinvasive Eingriffe (Arthroskopie) können Veränderungen im Hüftgelenk beheben.
- Dekompression von Nerven: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Druck von den Nerven zu nehmen, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall oder einem Karpaltunnel-Syndrom.
- Korrekturosteotomie: Bei Fehlstellungen des Beins kann eine operative Korrektur (Korrekturosteotomie) erforderlich sein, um die Belastung auf das Kniegelenk zu reduzieren.
Lesen Sie auch: Dauerhafte Beinkrämpfe: Mögliche Ursachen und Behandlung
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Beinbeschwerden