Alzheimer-Risikofaktoren: Ein Fokus auf schwarze Menschen und Präventionsstrategien

Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung, die vor allem im höheren Alter auftritt und sich durch kognitive Defizite wie Gedächtnisverlust, Konzentrationsschwierigkeiten und Entscheidungsprobleme äußert. Weltweit sind etwa 50 Millionen Menschen von Demenz betroffen, wobei Alzheimer die häufigste Ursache darstellt. Die Zahl der Betroffenen wird laut Alzheimer’s Research UK bis 2050 auf 152 Millionen steigen. Angesichts der alternden Bevölkerung, insbesondere in den USA, stellt die Prävalenz von Demenz eine wachsende Herausforderung dar.

Lebenszeit-Prävalenz von Demenz

Eine umfassende Studie, veröffentlicht im Journal Nature Medicine, ergab, dass das Lebenszeitrisiko für Demenz bei US-Amerikanern ab 55 Jahren 42% beträgt. Diese Ergebnisse basieren auf Daten der "Atherosclerosis Risk in Communities Neurocognitive Study" (ARIC-NCS), die seit 1987 die vaskuläre Gesundheit und kognitive Funktion von 16.000 Probanden verfolgt. In dieser Studie wurden 3.252 Fälle von Demenz dokumentiert.

Frauen haben mit 48% ein höheres Risiko als Männer (35%), was primär auf ihre längere Lebenserwartung zurückzuführen ist. Die Studie identifizierte zudem spezifische Risikofaktoren, die das Demenzrisiko erhöhen.

Besondere Risikogruppen

  • APOE4-Gen: Träger des APOE4-Gens, das mit spät einsetzender Alzheimer-Erkrankung assoziiert ist, haben ein Risiko zwischen 45 und 60%.
  • Schwarze Menschen: Die Lebenszeit-Prävalenz ist in dieser Bevölkerungsgruppe dreimal höher als bei Weißen.
  • Alter über 75 Jahre: Hier steigt das Risiko auf über 50%.

Die früheren Unterschätzungen der Erkrankung sind auf unzuverlässige Dokumentationen und fehlende Erkennung in frühen Stadien zurückzuführen. Vor allem bei Minderheitengruppen, die oft weniger Zugang zu medizinischer Versorgung haben, wird Demenz häufig nicht diagnostiziert.

Genetische Faktoren und APOE4

Schon länger ist bekannt, dass genetische Faktoren die Anfälligkeit für Alzheimer bestimmen. Eine bereits bekannte Genvariante, Apolipoprotein-4 (APOE4), erhöht nicht nur das Demenzrisiko, sondern kann Alzheimer direkt auslösen. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn Betroffene zwei Kopien dieses Gens in ihrem Erbgut tragen. Homozygote Träger dieser Genvariante entwickeln im Alter nahezu alle anomale Amyloid-Ansammlungen in ihrem Gehirn.

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Ein Team um Juan Fortea vom Biomedical Research Institute Sant Pau in Barcelona untersuchte die Wirkung der APOE4-Genvariante genauer. Sie fanden heraus, dass fast alle Menschen mit zwei APOE4-Varianten Alzheimer-Symptome zeigten. Bereits im Alter ab 55 Jahren fanden sich in ihrem Blut höhere Werte an typischen Alzheimer-Biomarkern als bei Personen, die die APOE3-Variante trugen. Im Alter ab 65 Jahren wiesen 95 Prozent der homozygoten Testpersonen abnorm erhöhte Werte von Amyloid-Proteinen im Nervenwasser auf, was als klares Indiz für eine Alzheimer-Erkrankung gilt.

Fortea und seine Kollegen schlossen daraus, dass APOE4 bei doppeltem Auftreten eine eigene genetisch bedingte Alzheimer-Form auslöst. Qin Xu vom Gladstone Institute of Neurological Disease in San Francisco betont, dass die Ergebnisse Arzneimittelentwickler dazu motivieren sollten, APOE4 als therapeutisches Ziel zu priorisieren.

Stadien der Alzheimer-Krankheit

Alzheimer verändert Gedächtnis, Denken und Alltagsfähigkeiten - schleichend, aber unumkehrbar. Der Verlauf ist individuell, folgt jedoch bestimmten Mustern:

  1. Frühe Phase (MCI): Leichte Beeinträchtigungen des Denkens und Erinnerns, die im Alltag zunächst kaum einschränken.
  2. Mittlere Phase: Zunehmende Vergesslichkeit im Alltag, insbesondere was das Kurzzeitgedächtnis betrifft. Schwierigkeiten, neue Informationen zu behalten, Orientierungsprobleme und Veränderungen in der Stimmung.
  3. Fortgeschrittene Phase: Deutliche Beeinträchtigung des Kurz- und Langzeitgedächtnisses. Orientierungsprobleme, selbst in vertrauter Umgebung, tiefgreifende Veränderungen im Verhalten und Wesen.
  4. Endstadium: Vollständige Abhängigkeit von Pflege. Verlust der Sprache, Orientierungslosigkeit, Inkontinenz und Schluckstörungen.

Risikofaktoren und Prävention

Neben genetischen Faktoren spielen auch Lebensstil und Umwelt eine wichtige Rolle bei der Entwicklung von Demenz.

Modifizierbare Risikofaktoren

  • Bluthochdruck: Schädigt nicht nur die Blutgefäße, sondern auch das Gehirn. Eine medikamentöse Einstellung des Blutdrucks ist sehr wichtig.
  • Diabetes: Überhöhte Blutzuckerwerte begünstigen Demenz, da sich die Durchblutung im Gehirn verschlechtert.
  • Rauchen: Begünstigt Arteriosklerose, verstopft Gefäße, schädigt den Hirnstoffwechsel und ist mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung der Alzheimer Demenz verbunden.
  • Übergewicht: Menschen mit Übergewicht erkranken häufiger an Alzheimer Demenz als andere.
  • Hoher Cholesterinspiegel: Steigert das Risiko, an einer Demenz zu erkranken.
  • Geistige Inaktivität: Unser Gehirn profitiert vom Lernen neuer Dinge.
  • Vitamin D-Mangel: Steht im Zusammenhang mit einem erhöhten Demenzrisiko.
  • Schlafstörungen: Regelmäßig weniger als fünf Stunden Schlaf und/oder eine schlechte Schlafqualität steigern das Demenz-Risiko.
  • Soziale Isolation: Wer im Alter sozial isoliert lebt, hat ein höheres Demenz-Risiko.
  • Schwerhörigkeit: Geht mit einem erhöhten Demenzrisiko einher, wenn das Hörvermögen nicht mit einem Hörgerät ausgeglichen wird.
  • Erhöhtes Homocystein: Eine natürlich vorkommende Aminosäure, die ein Risikofaktor für Demenz und Arteriosklerose ist.

Präventive Maßnahmen

  • Herz-Kreislauf-Prävention: Blutdruckkontrolle und Diabetesmanagement können das Demenzrisiko senken.
  • Frühdiagnostik bei Hörverlust: Nur ein Drittel der Betroffenen nutzt aktuell Hörgeräte.
  • Ressourcen für benachteiligte Gruppen: Verbesserte Bildung und Ernährung können langfristig das Risiko mindern.
  • Mediterrane Ernährung: Eine vitamin- und polyphenolreiche Ernährung, die reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Gewürzen, Olivenöl, fettreichem Seefisch und Nüssen ist.
  • Körperliche Aktivität: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung des Gehirns und kann das Demenzrisiko senken.
  • Kognitives Training: Geistig anspruchsvolle Aufgaben, wie das Lösen von Kreuzworträtseln oder Erlernen einer Fremdsprache, können helfen, das Gehirn lange fit zu halten.
  • Soziale Kontakte: Kommunikation und Interaktion mit anderen Menschen schützt das Hirn vor geistigem Verfall.
  • Flavonoidreiche Ernährung: Der Konsum von flavonoidreichen Lebensmitteln wie Tee, Beeren, Rotwein und Zwiebeln kann das Demenzrisiko senken.

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS)

Genomweite Assoziationsstudien (GWAS) spielen eine zentrale Rolle bei der Identifizierung von genetischen Risikofaktoren für Alzheimer. Dabei wird das Genom an relevanten Positionen untersucht, um Veränderungen zu finden, die mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko einhergehen. Tim Becker vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) erklärt, dass man im menschlichen Erbgut auf elf Stellen gestoßen ist, die bislang weitgehend unbeachtet waren. Veränderungen in diesen Regionen können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, an Alzheimer zu erkranken. Einige dieser Gene hängen mit den Eiweißen Amyloid-Beta und Tau zusammen, die für Alzheimer bekanntermaßen von Bedeutung sind.

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Aktuelle Forschung und Ausblick

Die Alzheimer-Forschung konzentriert sich weiterhin auf die Identifizierung von Ursachen und Risikofaktoren, die Entwicklung von präventiven Maßnahmen und die Suche nach wirksamen Therapien.

Amyloid und Tau

Amyloid-beta (Aß) ist ein Protein, das natürlicherweise im Gehirn vorkommt. Bei Menschen mit Alzheimer sammelt es sich übermäßig zwischen den Gehirnzellen an und bildet giftige Klumpen (Oligomere) und riesige Zusammenlagerungen (Plaques). Das Tau-Protein sorgt im Inneren der Gehirnzellen für die Stabilität und Nährstoffversorgung. Bei der Alzheimer-Krankheit ist es chemisch so verändert, dass es seiner Funktion nicht mehr nachkommen kann und eine fadenförmige Struktur bildet.

Gliazellen

Neben den Ablagerungen von Amyloid und Tau kommen Fehlfunktionen bestimmter Zellen als mögliche Auslöser der Alzheimer-Krankheit in Frage. Im Fokus stehen hier insbesondere die Gliazellen, die etwa 90 Prozent aller Gehirnzellen ausmachen. Mikrogliazellen spielen eine wichtige Rolle im Immunsystem unseres Gehirns, während Astrozyten das Gehirn mit Nährstoffen versorgen, die Flüssigkeitszufuhr regulieren und bei der Regeneration des Zellgewebes helfen.

Gesundheitspolitische Maßnahmen

Der prognostizierte Anstieg der Demenzfälle erfordert eine verstärkte Aufmerksamkeit seitens der Gesundheitspolitik. Solange es kein Heilmittel gibt, kommt der Früherkennung und Vorbeugung der Alzheimer Demenz eine besondere Bedeutung zu.

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