Berufsunfähigkeit kann heutzutage jeden treffen. Im Fall einer Krankheit oder eines Unfalls zahlt die Versicherung dann monatlich eine vereinbarte Rente. Doch welche Krankheiten sind offiziell anerkannt? Eine der größten Vorteile der Berufsunfähigkeitsversicherung ist, dass es eben keine Liste anerkannter Krankheiten gibt. Weil es fast egal ist, welche Krankheit oder Körperverletzung zur Berufsunfähigkeit führt. Wichtig ist nur, dass man deswegen seinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent und für mindestens sechs Monate nicht mehr ausüben kann. Eine Polyneuropathie kann zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit führen.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems. Dieses umfasst sämtliche Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen. Dementsprechend erfasst sind auch die motorischen und sensorischen Nerven. Diese steuern die Muskeltätigkeit, sind für die Schmerzfasern zuständig und leiten dem Gehirn Informationen zu. Ebenfalls zum peripheren Nervensystem gehört das vegetative Nervensystem. Die Reizweiterleitung, durch die die Informationsübermittlung ans Gehirn erfolgt, ist bei der Polyneuropathie gestört. Je länger der Nerv ist, desto deutlicher sind die Beeinträchtigungen zu merken. Arme und Beine sind deshalb besonders häufig betroffen. Reize werden entweder gar nicht oder in zu starker oder schwacher Intensität an das Gehirn weitergeleitet. Dadurch können die Empfindungen der Betroffenen gestört sein. Oft wird ein Brennen oder Kribbeln wahrgenommen, starke Reize kaum wahrgenommen oder minimale Reize sehr intensiv empfunden. Weiterhin kann es zu Muskelschwächen, Verdauungsstörungen, Ohnmachtsanfällen und Gewichtsverlust kommen. Die Polyneuropathie tritt meistens als Begleiterkrankung einer anderen Krankheit auf. Diabetes mellitus und Alkoholkrankheit rufen die Polyneuropathie dabei am häufigsten hervor. Aber Polyneuropathie kann auch durch Infektions- oder Stoffwechselkrankheiten, Mangelernährung, Medikamenteneinwirkungen oder vererblichen Krankheiten ausgelöst werden. Für die effektive Behandlung ist es essenziell, die Grunderkrankung sicher festzustellen. Je nach Grunderkrankung muss diese dann entsprechend therapiert werden.
Taube Füße, brennende Schmerzen und ständige Erschöpfung sind Symptome der Polyneuropathie, einer schleichend beginnenden Nervenerkrankung mit massiven Auswirkungen auf das tägliche Leben und das Berufsleben. Für viele Betroffene wird irgendwann selbst der gewohnte Arbeitsalltag zur Herausforderung. Die Beschwerden sind oft unsichtbar, aber gravierend.
Ursachen von Polyneuropathie
Die Polyneuropathie tritt häufig symmetrisch auf, beispielsweise in beiden Beinen oder Armen, und kann verschiedene Ursachen haben. Am häufigsten wird sie durch Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch, Vitaminmangel (B1, B12, E), toxische Substanzen (z.B. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache jedoch unklar, dann spricht man von einer idiopathischen Polyneuropathie. Die Beschwerden entwickeln sich meist schleichend und äußern sich durch Sensibilitätsstörungen, die am gesamten Körper auftreten können. Eine Polyneuropathie betrifft nicht nur die motorischen oder sensorischen Nerven, sondern kann auch das vegetative Nervensystem beeinträchtigen. Besonders belastend für Betroffene ist, dass die Beschwerden meist dauerhaft sind und die Lebensqualität massiv einschränken. Auch wenn die Erkrankung äußerlich kaum sichtbar ist, kann sie im Alltag und vor allem im Berufsleben schwerwiegende Folgen haben.
Symptome von Polyneuropathie
Typische Symptome sind Kribbeln, Taubheitsgefühle, Schmerzen und Muskelschwäche, meist beginnend in Füßen und Händen. Häufig kommt chronische Erschöpfung hinzu.
Lesen Sie auch: Alles über Herpes-Meningitis
Die Rolle von Erschöpfung (Fatigue) bei Polyneuropathie
Polyneuropathie ist eine Erkrankung, die Betroffene nicht nur körperlich, sondern oft auch mental stark belastet. Diese Form der Erschöpfung, auch Fatigue-Syndrom genannt, ist mehr als nur Müdigkeit. Sie ist tiefgreifend, dauerhaft und lässt sich selbst durch Ruhe oder Schlaf nicht vollständig lindern. Im Zusammenhang mit Polyneuropathie betrifft die Erschöpfung nicht nur die körperliche Kraft, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit. Diese Symptome sind für Außenstehende oft unsichtbar und werden daher nicht selten unterschätzt.
Chronische Erschöpfung bei Polyneuropathie ist ein häufig unterschätztes Symptom mit gravierenden Folgen. Für viele Betroffene ist sie der Hauptgrund, weshalb sie ihren Beruf nicht mehr ausüben können. In der juristischen Bewertung von Berufsunfähigkeit sollte sie deshalb nicht nur als Begleiterscheinung, sondern als zentrales Argument bzw. Lassen Sie Ihre Symptome daher frühzeitig fachärztlich abklären und dokumentieren Sie Ihre Einschränkungen so umfassend wie möglich. Eine Polyneuropathie geht nicht nur mit gesundheitlichen Einschränkungen einher, sondern kann sich auch in Form von Erschöpfungssymptomen äußern. Dadurch kann die Erkrankung existenzielle Konsequenzen für das Berufsleben haben.
Berufsunfähigkeit und Polyneuropathie
Kann eine Polyneuropathie zu einer bedingungsgemäßen Berufsunfähigkeit führen? Polyneuropathie führt zu einer Störung der Reizweiterleitung und kann damit weitreichende Konsequenzen für den Alltag und den Beruf der betroffenen Personen bedeuten. Dabei kann auch an eine Berufsunfähigkeit zu denken sein. Die typische Symptomatik bei Polyneuropathie kann nicht nur den Alltag, sondern auch die Berufsausübung beeinträchtigen. Die gestörte Reizweiterleitung und die damit einhergehenden Missempfindungen können Auswirkungen auf die Motorik der Betroffenen haben. Die zahlreichen Begleitsymptome haben zudem oftmals einen starken negativen Einfluss auf die generelle Leistungsfähigkeit. Ob und wann eine bedingungsgemäße Berufsunfähigkeit vorliegt, hängt jedoch von den im Versicherungsvertrag vereinbarten Bedingungen ab. Die typischen Versicherungsbedingungen einer Berufsunfähigkeitsversicherung setzen voraus, dass der zuletzt in gesunden Tagen konkret ausgeübte Beruf aufgrund der Erkrankung zu mindestens 50% nicht mehr ausgeübt werden kann.
Diagnose allein reicht nicht aus
Nein, denn bei einer Berufsunfähigkeit kommt es nicht auf die Diagnose bestimmter Krankheiten an. Eine private Berufsunfähigkeitsversicherung leistet nur, wenn eine Krankheit oder Erkrankung vorliegt, deren Auswirkungen sich negativ auf die Fähigkeit auswirken, den eigenen Beruf auszuüben. Meist muss die Einschränkung 50 % oder mehr betragen, damit die Versicherung eine BU-Rente zahlt. Das bedeutet, dass nicht allein die Diagnose Polyneuropathie über eine Berufsunfähigkeit entscheidet, sondern die funktionellen Auswirkungen der Erkrankung.
Auswirkungen auf verschiedene Berufe
In Berufen mit körperlicher Belastung (z. B. in der Pflege, im Handwerk oder in der Produktion) können neurologische Ausfälle, kombiniert mit schneller Erschöpfung, dazu führen, dass selbst einfachste Aufgaben zur Überforderung werden. Auch Sicherheitsaspekte (z. B. Aber auch in vermeintlich „leichten” Büro- oder Verwaltungsjobs ist mentale Erschöpfung ein schwerwiegender Faktor.
Lesen Sie auch: Seltene Fälle von Meningitis nach Impfung
Ja, sehr deutlich. Handwerker, Chirurgen oder Feinmechaniker benötigen präzise Sensibilität und Kraft in den Händen. Bei Stehberufen sind Gangstörungen und Fußschmerzen besonders limitierend.
Schwierigkeiten beim Nachweis der Berufsunfähigkeit
Da die Erschöpfungssymptomatik bei einer Polyneuropathie nicht objektiv messbar ist, kann dies ein Problem für die Anerkennung einer Berufsunfähigkeit darstellen. Versicherungen verlangen oft klare Beweise, obwohl es für chronische Erschöpfung und Fatigue bisher keine standardisierten Test-, Labor- oder Bildgebungsverfahren gibt. funktionelle Tests (z.B.
Die Beschwerden bei Polyneuropathie, wie etwa die belastende Erschöpfung, sind subjektiv. Das bedeutet, dass sie sich nicht oder nur schwer objektiv messen lassen, etwa durch Laborwerte oder bildgebende Verfahren. Für Versicherungen und Gutachter sind sie daher schwer nachvollziehbar, da sie klar quantifizierbare Befunde bevorzugen. Trotz dieser Hürden gibt es Möglichkeiten, die Beschwerden rechtssicher zu dokumentieren und im Verfahren durchzusetzen. Besonders wichtig ist es, die Auswirkungen der Symptome auf den konkreten Beruf darzustellen. Es reicht daher nicht aus, dass jemand unter Erschöpfung leidet.
Der Stellenwert medizinischer Nachweise
Das Gesetz verlangt allerdings verlässliche medizinische Nachweise für die Anerkennung. Viele Anträge auf Berufsunfähigkeit oder Erwerbsminderung scheitern nicht daran, dass die Betroffenen nicht krank genug wären, sondern vielmehr daran, dass die medizinischen Einschränkungen nicht korrekt oder vollständig dokumentiert wurden. Hinzu kommt, dass nicht jedes Attest oder jeder medizinische Nachweis geeignet ist, um ihn bei der Versicherung einzureichen. Ohne juristische Unterstützung ist ein erfolgreicher Antrag daher kaum realistisch.
In einem Berufsunfähigkeitsverfahren kann eine saubere Dokumentation der Erschöpfungssymptome entscheidend für den Ausgang sein.
Lesen Sie auch: Alternativen zur Nasenspray-Abhängigkeit
Behandlungsmöglichkeiten
Behandlungsmöglichkeiten umfassen: medikamentöse Schmerztherapie, Behandlung der Grunderkrankung (z.B. Diabetes-Einstellung), Physiotherapie, und ggf. alternative Verfahren. Die Versicherung erwartet, dass alle sinnvollen Therapien ausgeschöpft wurden.
Die Rolle von Rechtsanwälten
Gerade bei komplexen Krankheitsbildern wie Polyneuropathie und chronischer Erschöpfung reichen medizinische Unterlagen oft nicht aus, um den Versicherer zu überzeugen. Betroffene sollten sich deshalb unbedingt an erfahrene, auf Berufsunfähigkeit spezialisierte Rechtsanwälte wenden. Die Rechtsanwälte Klaus und Ostheim unterstützen Sie kompetent und vorausschauend bei der Antragstellung, bevor der Versicherer Argumente gegen Ihren Anspruch entwickelt.
Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte unterstützen von einer Polyneuropathie Betroffenen in sämtlichen Stadien des Berufsunfähigkeitsverfahrens. Dabei ist zu erwähnen, dass gerade die Anforderungen an die Darlegung der Berufsunfähigkeit nicht unerheblich sind. Die ständige Rechtsprechung hält es vielmehr für erforderlich, dem Versicherer alle für die Entscheidung maßgeblichen Informationen anzuzeigen, dazu gehört auch eine hinreichend spezifische Aufschlüsselung der regelmäßig zu erbringenden Teiltätigkeiten (siehe hierzu Die Arbeitsbeschreibung bei Berufsunfähigkeit (BGH)). Diese Übersicht ist in Gestalt eines sog. Stundenplanes zu erstellen (siehe hierzu Anforderungen an die Beschreibung der beruflichen Tätigkeiten in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BGH)). Weist der Versicherer den Antrag auf Berufsunfähigkeitsrente zurück, sind dessen Argumente und die Rechtmäßigkeit der Leistungsablehnung dezidiert zu prüfen. Insbesondere wenn sich der Versicherer darauf beruft, dass bei der Beantragung des Versicherungsschutzes Gesundheitsfragen falsch beantwortet worden seien (siehe hierzu Die vorvertragliche Anzeigepflicht) und der Versicherer daraufhin die Anfechtung oder Rücktritt erklärt, sollte die Angelegenheit in qualifizierte Hände eines Experten gegeben werden. Auch hierfür stehen Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte natürlich gerne zur Verfügung. Die Hamburger Kanzlei Jöhnke & Reichow unterstützt Versicherte bundesweit bei der Geltendmachung von Leistungen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung. Jöhnke & Reichow Rechtsanwälte haben sich im Versicherungsrecht spezialisiert. Ein Schwerpunkt der anwaltlichen Tätigkeit liegt dabei auf dem Gebiet der Berufsunfähigkeitsversicherung, in welchem wir Versicherte sowohl bei der Beantragung der Berufsunfähigkeitsrente als auch nach einer Leistungsablehnung bundesweit unterstützen. In der Vergangenheit haben wir dabei auch bereits für unsere Mandantschaft eine Berufsunfähigkeit bei Polyneuropathie durchsetzen können oder aber zumindest einen nennenswerten Vergleichsbetrag erzielen können.
Prognose
Die Prognose hängt von der Ursache ab. Diabetische oder alkoholische Polyneuropathie kann bei konsequenter Behandlung der Grunderkrankung stabilisiert oder gebessert werden. Chemotherapie-induzierte Formen können sich zurückbilden. Idiopathische oder fortgeschrittene Formen haben oft eine schlechtere Prognose.
Rückkehr an den Arbeitsplatz
Für viele Menschen, die unter Polyneuropathie leiden, kommt irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie wieder ins Berufsleben zurückkehren müssen oder möchten. Allerdings ist es nur in seltensten Fällen möglich, im gleichen Umfang zu arbeiten wie vor der Diagnose. Erfahren Sie, wie Sie sich auf die Rückkehr in die Arbeitswelt vorbereiten und was Sie tun können, um das Arbeiten mit Polyneuropathie so angenehm wie möglich zu gestalten.
Möglichkeiten der Wiedereingliederung
Wenn Sie aufgrund Ihrer Polyneuropathie nicht mehr in der gleichen Form am Arbeitsleben teilnehmen können wie vor der Erkrankung, bieten sich Ihnen verschiedene Möglichkeiten. Die Bandbreite reicht hier von einer Umgestaltung des Arbeitsplatzes über eine Reduzierung der Stunden oder einen Wechsel der Abteilung bis hin zu einer Umschulung auf einen anderen Beruf.
Wichtig zu wissen: Wenn Sie länger als sechs Wochen berufsunfähig waren, ist Ihr Arbeitgeber verpflichtet, Sie bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben bestmöglich zu unterstützen.
Beratung und Unterstützung
Vor der Rückkehr an Ihre Arbeitsstelle empfiehlt es sich, eine umfassende persönliche Beratung in Anspruch zu nehmen. Hilfreiche Anlaufstellen können der Betriebsrat Ihres Unternehmens oder die Schwerbehindertenvertretung sein. Auch Ihre Krankenkasse ist wahrscheinlich in der Lage, Sie zum Thema „Arbeiten mit Polyneuropathie“ zu beraten, beziehungsweise kann Ihnen die Kontaktdaten von Beratungsstellen nennen. Der Integrationsfachdienst an Ihrem Wohnort ist ebenfalls eine gute Adresse. Sollte sich abzeichnen, dass Sie aufgrund Ihrer Polyneuropathie gar nicht mehr arbeiten können, sollten Sie sich erkundigen, ob eine Verrentung für Sie infrage kommt. Um dies in die Wege zu leiten, müssen Sie das Versicherungsamt oder die Deutsche Rentenversicherung (DRV) kontaktieren.
Schwerbehindertenausweis
Wenn Sie die Diagnose Polyneuropathie erhalten haben, haben Sie möglicherweise Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis. Dieser ist ein wichtiges Instrument, um Ihnen den (Arbeits-)alltag zu erleichtern und krankheitsbedingte Nachteile auszugleichen. Durch den Schwerbehindertenstatus haben Sie - abhängig vom Grad der Behinderung (GdB) - einen besseren Kündigungsschutz, Anspruch auf Zusatzurlaub und Vorteile bei der Einkommenssteuer. Die erforderlichen Anträge sowie Hilfe beim Ausfüllen erhalten Sie zum Beispiel beim Sozialdienst der behandelnden Klinik, dem zuständigen Versorgungsamt oder bei Beratungsstellen und Selbsthilfegruppen, die auf Polyneuropathie spezialisiert sind.
Umgang mit Kollegen
Mit einer Polyneuropathie gehen viele Tätigkeiten und Abläufe nicht mehr so gut von der Hand wie früher. Diese Tatsache sollten Sie sich vergegenwärtigen, um Stress und Enttäuschungen zu vermeiden. Planen Sie künftig pauschal etwas mehr Zeit für Ihre Aufgaben ein und versuchen Sie, sich ausschließlich auf eine Sache zu konzentrieren. Scheuen Sie sich auch nicht davor, Arbeitskollegen um Unterstützung zu bitten - selbst wenn Sie das anfangs vielleicht Überwindung kosten wird. Ziehen Sie Ihre Lieblingskollegen ins Vertrauen und sprechen Sie mit Ihnen über die Polyneuropathie. Sie werden Verständnis dafür haben und Ihnen beim Wiedereinstieg ins Arbeitsleben helfend zur Seite stehen.
Gestaltung des Arbeitsalltags
Im Privatleben, wie auch im beruflichen Umfeld, sollten Polyneuropathie-Patienten auf bequeme Kleidung achten, die nicht kneift oder einschneidet. Gleiches gilt für die Schuhe, die den Fuß komplett umschließen sollten. Je nach Jahreszeit und Arbeitsplatz sollten Sie außerdem dafür sorgen, dass Hände und Füße angenehm warm beziehungsweise kühl bleiben.
Sind von der Polyneuropathie vor allem Ihre Füße betroffen, sollten Sie auch am Arbeitsplatz langes Stehen vermeiden und zum Beispiel bei „Steh-Konferenzen“ um einen Sitzplatz bitten.
Achten Sie nicht nur in Ihrem Zuhause, sondern auch an Ihrem Arbeitsplatz darauf, dass es dort keine Stolperfallen, zum Beispiel durch herumliegende Kabel oder lose Teppichkanten gibt. Holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung vom Betriebsrat, der Schwerbehindertenvertretung oder dem Arbeitsschutzbeauftragten.
Autofahren mit Polyneuropathie
Trotz Polyneuropathie mit dem Auto zur Arbeit?Die wenigsten Menschen haben das Glück, ihren Arbeitsplatz fußläufig erreichen zu können, sondern sind auf das Auto als Verkehrsmittel angewiesen. Mit einer Polyneuropathie kann diese Option unter Umständen wegfallen, da es ein Sicherheitsrisiko wäre, mit einem PKW im Straßenverkehr teilzunehmen.
Fallbeispiele von Ingenieuren mit Berufsunfähigkeit
“Ich kann als Ingenieur doch gar nicht berufsunfähig werden. Da müssten mir schon beide Hände abfallen.”So oder so ähnlich habe ich schon den einen oder anderen Ingenieur in Bezug auf das Thema Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abwinken sehen. Wer jedoch die Funktionsweise einer BU grundlegend verstanden hat, sieht das regelmäßig schon nicht mehr so entspannt. Ich bin also berufsunfähig, wenn ich meinen zuletzt ausgeübten Beruf nur noch zu weniger als 50% ausüben kann - für voraussichtlich (oder bereits tatsächlich) mindestens 6 Monate. Das sagt die Theorie. Trotzdem bleibt es häufig abstrakt, wann diese vielbeschriebene 50%-Grenze erreicht ist und was konkrete Beispiele dafür sind. Hierbei soll dieser Blogbeitrag Abhilfe schaffen. Hinweis: Nicht alle Versicherer waren bereit, Auskünfte zu geben. Zudem unterscheidet sich der Detailgrad der herausgegebenen Daten zwischen den Versicherern.
Hier sind einige Beispiele von Ingenieuren, die aufgrund verschiedener Erkrankungen berufsunfähig wurden:
- Versorgungstechnikingenieur (34 Jahre): Leukämie, Chemotherapie. Aufgrund der überraschend guten Prognose ist im April 2022 eine medizinische Überprüfung des Leistungsanspruchs geplant.
- Maschinenbauingenieurin (32 Jahre): Ein schwerer Bandscheibenschaden in der Halswirbelsäule (sogenannter zervikaler Bandscheibenvorfall) zwang die Ingenieurin zu einer OP.
- Dipl.-Ing. für Elektrotechnik (33 Jahre): Psychische Beschwerden seit 2014. Es bestehen starke Einschränkungen des Antriebs, Konzentrationsvermögens und Gedächtnisses. Im Juli 2022 soll geprüft werden, ob die laufende Psychotherapie zu einer Besserung der Beschwerden geführt hat.
- Dipl.-Ing. (49 Jahre): Von einem Tag auf den anderen verschlechterte sich das räumliche Sehen des Kunden. Weil präzises Arbeiten und die gewohnten Bürotätigkeiten nicht mehr möglich waren, stellte er Antrag auf Berufsunfähigkeit. Die Diagnose lautete "Netzhautablösung und Gefäßverschluss im Auge".
- Diplomingenieur (30 Jahre): Im Januar 2020 hat die versicherte Person einen Schlaganfall erlitten. Es bestehen Sprachstörungen und halbseitige Lähmungserscheinungen.
- Student Elektrotechnik (24 Jahre): Ein Burn-Out in Verbindung mit einer leichten Angststörung überfordern den Studenten in seinem Studium. Aufgrund der erfolgreichen Therapie plant der Kunde seine Wiedereingliederung und Rückkehr ins Studium noch im Jahr 2022.
- Vertriebsingenieurin: Die Kundin ist vielseitig beschäftigt. Von Aufgaben im Projektmanagement über Kundenakquise und -betreuung bis hin zur Durchführung von Pitches ist sie überall dabei. Teilweise ist sie bis zu zehn Stunden täglich unterwegs - bis sie an einer Lungenfibrose erkrankt. Die Krankheit ist so schwer, dass nur eine Lungentransplantation das Überleben der Kundin ermöglicht.
- Maschinenbauingenieur (25 Jahre): Ein bösartiger Tumor der Haut zwang den Maschinenbauingenieur zu Bestrahlung, Chemotherapie und Reha.
- Industrie-Maschinenbauer (36 Jahre): Die Unterlagen für den Leistungsantrag wurden im August 2017 eingereicht. In der Folge wurde der Kunde von Seiten der Allianz zum Thema Umschulung beraten. Zudem forderte die Allianz einen Arztbericht beim behandelnden Orthopäden an, der eine 100-prozentige Einschränkung seit April 2017 bestätigte. Mit dem erfolgreichen Abschluss der Umschulung gelang der berufliche Neuanfang im Juni 2019.
- Entwicklungsingenieurin (37 Jahre): Am 13.06.2017 wurde der Antrag auf BU-Leistung gestellt. Bis zum 14.07.2017 lagen Fragebögen, zahlreiche aktuelle fachärztliche Befunde und Behandlungsberichte vor, die umgehend den Gesellschaftsärzten der Allianz vorgelegt wurden. Eine Woche später bestätigte die Allianz aufgrund des starken Sehkraftverlusts einen BU-Grad von mehr als 50% und hat die dauerhafte Berufsunfähigkeit der Vertriebsingenieurin anerkannt. Die Kundin arbeitete praktisch ausschließlich im Büro oder Homeoffice am PC. Plötzlich entwickelten sich starke Schmerzen in beiden Armen und Schultern - Schreibtischtätigkeiten wurden zur Qual. Die Ursache war ein Karpaltunnelsyndrom, das die Funktion des Ellenbogens sowie des Schultergelenks beeinträchtigt.
- Entwicklungsingenieurin (37 Jahre): Die Kundin meldete sich telefonisch infolge starker Schlafstörungen und Erschöpfungssymptome. Weil psychische Beschwerden grundsätzlich schwieriger objektivierbar sind als körperliche Leiden, forderte die Allianz ein fachärztliches Gutachten an, weil der behandelnde Facharzt keine Aussage hinsichtlich der Berufsunfähigkeit treffen konnte.
- Projektingenieur & -manager (46 Jahre): Der Kunde ist bereits seit vielen Jahren als Projektmanager tätig. Regelmäßige Meetings sind sowohl teamintern als auch mit externen Auftraggebern an der Tagesordnung. Durch die Kleinhirndegeneration wurden Sprach- und Bewegungsstörungen ausgelöst, die die Ausübung seiner beruflichen Tätigkeit stark beeinträchtigen. Die Schädigung der motorischen Leistungsfähigkeit ist so schwer, dass eine Wiedereingliederung nicht absehbar ist.
- IT-Ingenieurin (33 Jahre): Die gestellten Diagnosen sind umfangreich. Chronische Lumboischialgie (Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule), Wurzelkompressionssyndrom und Nacken-Schulter-Arm-Syndrom (Zervikobrachialgien). Die IT-Ingenieurin arbeitet vorwiegend im Sitzen. Aufgrund der Symptome, der ärztlich bestätigten Veränderungen der Wirbelsäule und dem Verlauf der Beschwerden ist von einem chronischen Schmerzsyndrom auszugehen.
- Elektroingenieur (40 Jahre): Wegen einer Epilepsie kann der Kunde seit einigen Wochen seinen Beruf als Elektroingenieur in der Montage von Hochspannungsfreileitungen nicht mehr ausüben.
- Entwicklungsingenieurin (40 Jahre): Der Mann der Kundin kam bei einem Autounfall ums Leben. Wegen der hierdurch ausgelösten mittelgradigen depressiven Episode ist sie seither nicht mehr in der Lage, ihrer beruflichen Tätigkeit mit der notwendigen psychischen Leistungsfähigkeit nachzugehen. Die Depression führte zudem zu diversen Zwangsstörungen, die eine Prognose für eine Wiedereingliederung erschweren.
tags: #berufsunfahigkeid #durch #polyneuropathie