Linderung des Sympathikus-Nervs beim Horner-Syndrom: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Das Horner-Syndrom ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Störung des sympathischen Nervensystems verursacht wird. Diese Störung kann verschiedene Ursachen haben und sich durch eine Reihe von charakteristischen Symptomen äußern, insbesondere am Auge. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnosemethoden und verschiedene Behandlungsansätze, die zur Linderung der Symptome und zur Verbesserung der Lebensqualität von Betroffenen eingesetzt werden können.

Das Nervensystem: Ein komplexes Netzwerk

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das aus Abermilliarden von Nervenzellen, den Neuronen, besteht. Allein im Gehirn gibt es davon rund 100 Milliarden. Jedes Neuron hat unterschiedliche faserartige Fortsätze: zum einen die Dendriten, mehrere kurze Fortsätze, mit denen die Nervenzelle Signale empfängt, und zum anderen das Axon, das Signale weiterleitet und auch mal über einen Meter lang sein kann. Die Kontaktpunkte zwischen Dendriten und Axonen sind die Synapsen.

Das Nervensystem steuert körperliche Prozesse und überwacht den Status des Organismus. Außerdem nehmen wir mit dem Nervensystem die Umwelt wahr. In Augen, Ohren, Nase, Zunge und Hautsensoren verarbeiten Nervenzellen Sinnesreize. Das Nervensystem gibt die Information an das Gehirn weiter, das Empfindungen wie Wohlgefühl oder Schmerz generiert. Bei Bedarf werden notwendige Reaktionen ausgelöst: etwa schnelle Bewegungen, um die Hand zurückzuziehen, die an etwas Heißes fasst; oder ein überlegtes Ausweichen, wenn das Auge ein Hindernis gemeldet hat.

Aufbau des Nervensystems

Alle Teile des Nervensystems hängen zusammen. Dennoch unterscheidet man zum besseren Verständnis zwischen dem zentralen und peripheren Nervensystem. Das zentrale Nervensystem besteht aus den Nerven in Gehirn und Rückenmark. Es liegt geschützt im Schädel und im Wirbelkanal der Wirbelsäule. Das periphere Nervensystem umfasst alle anderen Nervenbahnen im Körper.

Die Unterscheidung in zentral und peripher bezieht sich auf die Lage der Nerven im Körper. Eine weitere Unterscheidung beruht auf den Funktionen des Nervensystems. Das willkürliche oder somatische Nervensystem lenkt Vorgänge im Körper, die wir bewusst über unseren Willen beeinflussen: Aktionen wie Greifen, Laufen, Sprechen oder das Lesen dieses Artikels. Das unwillkürliche, auch autonome oder vegetative Nervensystem ist für Prozesse verantwortlich, die unabhängig von unserem Willen ablaufen. Es kontrolliert Organfunktionen, die wir nicht bewusst steuern, etwa von Leber oder Darm. Damit steuert es lebenswichtige Körperfunktionen wie Verdauung, Stoffwechsel, Herzschlag und Atmung.

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Zwischen Gehirn und peripherem Nervensystem werden Mitteilungen ausgetauscht. Das vegetative Nervensystem passt körperliche Funktionen entsprechend an - es löst beispielsweise bei voller Blase Harndrang aus, oder führt zur Bildung von Schweiß zur Abkühlung des Körpers bei Hitze.

Parasympathikus und Sympathikus im vegetativen Nervensystem

Das vegetative Nervensystem lässt sich weiter einteilen in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus). Sympathikus und Parasympathikus werden oft als Gegenspieler bezeichnet. Einfach ausgedrückt: Das sympathische Nervensystem reguliert die Organfunktionen in Stresssituationen oder bei Aktivität und das parasympathische Nervensystem in Entspannungsphasen. Zum vegetativen Nervensystem zählt außerdem noch das enterische Nervensystem, das Nervensystem des Darms. Es besteht aus einem Nervengeflecht in der Darmwand und reguliert den Darm weitgehend unabhängig.

Wenn das autonome Nervensystem bestimmte Informationen über den Körperstatus und äußere Bedingungen erhalten hat, reagiert der sympathische Teil mit der Anregung von entsprechenden Körperprozessen - oder der parasympathische mit deren Hemmung: Der Sympathikus erhöht bei Gefahr Herzschlag und Atemtätigkeit und verbessert die Durchblutung - das steigert die körperliche Leistungsfähigkeit, die zur Flucht oder Verteidigung notwendig ist. Gleichzeitig hemmt der Sympathikus Vorgänge wie die Verdauung, die bei Gefahr nicht hilfreich sind. Wenn wir entspannt sind, verlangsamt der Parasympathikus den Herzschlag und beruhigt die Atmung.

Beim Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus geht es darum, dass immer diejenigen Körperfunktionen Vorrang erhalten, deren Aktivität in einer jeweiligen Situation am sinnvollsten ist. Die beiden Systeme wirken also nicht unbedingt entgegengesetzt, sondern können sich in manchen Funktionen ergänzen. Sie arbeiten zusammen, um den Körper im Gleichgewicht zu halten. Der Sympathikus übernimmt so lange die Führung, wie es nötig ist, um eine Stresssituation zu meistern. Dann schaltet sich das parasympathische Nervensystem ein und führt den Organismus in den „Normalbetrieb“ zurück.

Sympathische Nervenzellen befinden sich im Rückenmark im mittleren Bereich der Wirbelsäule und die parasympathischen im oberen und unteren Bereich. Von hier gehen Signale an die sogenannten Ganglien aus. Ganglien sind Anhäufungen von Nervenzellkörpern im peripheren Nervensystem. Die Ganglien sind außerdem über Axone mit den inneren Organen verbunden. Die meisten sympathischen Ganglien befinden sich in der Nähe des Rückenmarks. Viele von ihnen verbinden sich zu einem Ganglienstrang, der parallel zum Rückenmark verläuft. Die parasympathischen Nervenzellen werden hingegen erst kurz vor den Zielorganen über Ganglien zusammengeschaltet.

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Über die Ganglien sind die Nervenzellen des Sympathikus und Parasympathikus jeweils untereinander sowie mit den einzelnen Organen vernetzt. Um Signale übertragen zu können und die Organe zu verstärkter oder verminderter Aktivität anzuregen, sind chemische Botenstoffe notwendig: sogenannte Neurotransmitter. Die wichtigsten Transmitter bei der Kommunikation von Sympathikus, Parasympathikus und Organen sind Acetylcholin und Noradrenalin. Letzteres wirkt stimulierend und Acetylcholin überwiegend hemmend. Acetylcholin spielt bei der parasympathischen Signalübertragung die Hauptrolle. Es kommt zwar auch bei der Kommunikation in den sympathischen Ganglien zum Einsatz, für die Signalübertragung an die Organe setzen aber die meisten sympathischen Fasern Noradrenalin frei.

Das Horner-Syndrom: Eine Störung des Sympathikus

Das Horner-Syndrom ist eine Störung desjenigen Sympathikusanteils, der das Auge mit Nerven versorgt. Diese Störung kann, je nach Lokalisation, unterschiedliche Ursachen haben. Ursächlich sind bei der zentralen Form ein Hirnstamminfarkt sowie Verletzungen des Halsmarks. Bei der präganglionären Form sind es Tumoren. Das Horner-Syndrom zeigt sich in einer charakteristischen Trias von Symptomen am betroffenen Auge: Ptosis, Miosis und Enophthalmus. Ptosis beschreibt das Herabhängen des Oberlids, was dem Auge ein teilweise geschlossenes Aussehen verleiht. Miosis ist die Verengung der Pupille, die besonders bei schwachem Licht auffällt. Enophthalmus bedeutet das Einsinken des Augapfels in die Augenhöhle.

Ursachen des Horner-Syndroms

Das Horner-Syndrom entsteht durch eine Störung des sympathischen Nervensystems, das für die unwillkürliche Steuerung vieler Körperfunktionen verantwortlich ist. Der Sympathikus ist ein Teil des autonomen Nervensystems und beeinflusst unter anderem die Pupillenerweiterung, das Heben des Oberlids und die Einziehung des Augapfels. Ursächlich können verschiedene Faktoren für die Schädigung der Nervenbahnen verantwortlich sein. In einigen Fällen bleibt die genaue Ursache unbekannt, was als idiopathisches Horner-Syndrom bezeichnet wird.

Störungen des Sympathikus-Nervs können von Schädigungen der Strukturen rund um den Verlauf des Nervenstrangs vom Gehirn zum Auge verursacht werden. Meist verursachen derartige Schädigungen Druck auf den Nerv und/oder führen zu einer Minderdurchblutung.

Mögliche Ursachen sind:

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  • Verletzungen: Traumata am Kopf, Hals oder der Brust können die Nervenbahnen des Sympathikus schädigen.
  • Tumore: Tumore im Bereich des Halses, der Brust oder des Gehirns können auf die Nerven drücken oder diese direkt infiltrieren.
  • Infektionen: Entzündungen im Mittelohr können sich auf die Nerven ausbreiten und das Horner-Syndrom verursachen.
  • Gefäßerkrankungen: Erkrankungen, die die Blutversorgung der Nerven beeinträchtigen, können ebenfalls zum Horner-Syndrom führen.
  • Idiopathisch: Bei etwa der Hälfte der betroffenen Hunde kann für das Horner-Syndrom keine Ursache gefunden werden. Dies wird idiopathisches Horner-Syndrom genannt. Davon sind insbesondere männliche Golden Retriever, aber auch Labrador Retriever, Collies und Cocker Spaniel betroffen.
  • Brust- und Halswirbelsäule: Schädigungen der Bandscheibe wie Bandscheibenvorfälle; Verletzungen in dem Bereich.
  • Selten kann beim Hund eine Ohrenentzündung zu einem Horner-Syndrom führen.

Symptome des Horner-Syndroms

Das Horner-Syndrom zeigt sich in einer charakteristischen Kombination von Symptomen, die meist nur auf einer Seite des Gesichts auftreten:

  • Verengung der Pupille (Miosis): Vor allem in dunklerer Umgebung kann man die verengte Pupille gut erkennen, da sich die nicht-betroffene Pupille bei niedrigem Lichteinfall vergrößert. Bei einem beidseitigem Horner-Syndrom ist dies allerdings schwierig, da dann keine Unterschiede der Pupillengröße mehr bestehen. In heller Umgebung kann eine verengte Pupille ebenfalls nicht gut erkannt werden, da starker Lichteinfall auch am gesunden Auge zu einer Pupillenverengung führt.
  • Herabhängendes Augenlid (Ptosis): Das obere Augenlid hängt herab, wodurch das Auge kleiner wirkt.
  • In die Augenhöhle eingesunkener Augapfel (Enophtalmus): Durch Störungen der Innervation von der glatten Muskulatur, die den Augapfel in Position hält, sinkt der Augapfel in die Augenhöhle ein.
  • Vorfall des dritten Augenlids (Nickhautvorfall): Die Nickhaut, ein drittes Augenlid, das sich im inneren Augenwinkel befindet, tritt hervor.
  • Außerdem kann der fehlende sympathische Einfluss auch zu einer Erweiterung der Gefäße von der Bindehaut des Auges und gelegentlich der umliegenden Haut führen. An den betroffenen Stellen sehen das Auge bzw. die Hautareale durch die vermehrte Durchblutung gerötet aus.
  • Das alleinige Horner-Syndrom löst beim Hund keine Schmerzen aus.

Zusätzliche Symptome können helfen, die Form des Horner-Syndroms zu identifizieren. Ein zentrales Horner-Syndrom kann neben den typischen Symptomen am Auge von weiteren Anzeichen wie einem veränderten Bewusstsein, Verhaltensänderungen, einem schwankenden Gang und Lähmungserscheinungen begleitet sein. Symptome wie Schwäche, Lähmungserscheinungen, verminderte Reflexe eines oder beider Vorderbeine können ein präganglionäres Horner-Syndrom des Hundes begleiten. Dazu kann noch ein verminderter oder ausgefallener Pannikulusreflex kommen, der sich durch Zucken der Rumpfhautmuskulatur bei Kneifen in die Rückengegend zeigt.

Stellt man bei seinem Hund Symptome wie z. B. verschieden große Pupillen, hängende Augenlider, einen eingefallenen Augapfel oder einen Nickhautvorfall fest, sollte man zeitnah einen Tierarzt aufsuchen.

Diagnose des Horner-Syndroms

Für die Diagnosestellung können weitere Symptome Hinweise auf die Form des Horner-Syndroms sowie die zugrunde liegende Erkrankung geben. Deshalb wird der Tierarzt zuerst eine gründliche allgemeine und neurologische Untersuchung des Hundes vornehmen. Wenn das Horner-Syndrom ohne weitere Symptome auftritt, kann das betroffene Neuron meist durch Augentropfen und weitere medikamentöse Tests identifiziert werden. Eine Unterscheidung zwischen einem zentralen, post- und präganglionären Horner-Syndrom ist vor allem für die Heilungsaussichten entscheidend.

Die Diagnose des Horner-Syndroms basiert auf der klinischen Untersuchung und den charakteristischen Symptomen. Eine detaillierte Anamnese ist entscheidend, um mögliche Ursachen wie Traumata oder frühere Ohrinfektionen zu identifizieren.

Zur Diagnosestellung können folgende Untersuchungen durchgeführt werden:

  • Klinische Untersuchung: Der Tierarzt untersucht das Auge und die umliegenden Strukturen auf die typischen Symptome des Horner-Syndroms.
  • Pharmakologische Tests: Durch die Gabe von bestimmten Augentropfen kann der Tierarzt feststellen, wo genau die Schädigung des Nervensystems lokalisiert ist.
  • Bildgebende Verfahren: Schädigungen des Rückenmarks, der Wirbelsäule oder des Schädels als Ursache können mittels bildgebender Verfahren wie Röntgen, Computertomographie (CT) bzw. Magnetresonanztomographie (MRT) abgeklärt werden.

Behandlung des Horner-Syndroms

Gegen das Horner-Syndrom beim Hund ist eine ursächliche Behandlung nicht möglich. Deshalb zielt die Diagnostik darauf ab, die zugrunde liegende Erkrankung zu identifizieren. Die Behandlung des Horner-Syndroms richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. In Fällen, in denen die Ursache bekannt und behandelbar ist, wie bei einer Infektion oder einem Trauma, kann die Behandlung der Grunderkrankung zur Besserung des Horner-Syndroms führen.

  • Behandlung der Grunderkrankung: Wenn das Horner-Syndrom durch eine Infektion, einen Tumor oder eine andere Grunderkrankung verursacht wird, muss diese entsprechend behandelt werden.
  • Symptomatische Behandlung: Die Symptomatik des Horner-Syndroms, so zeigen Erfahrungen bei betroffenen Hunden, kann allerdings positiv durch ergänzende Therapien beeinflusst werden. Dazu gehören Augentropfen, die die Pupille erweitern, da der Hund durch die ständig verkleinerte Pupille besonders im Dunkeln weniger gut sehen kann.

Prognose und Prävention

Die Heilungschancen des Horner-Syndroms beim Hund hängen von der Grunderkrankung und dem betroffenen Neuron der sympathischen Nervenbahn ab. Eine günstige Prognose hat das idiopathische Horner-Syndrom, das häufig spontan innerhalb weniger Monate wieder abheilt. Ein Horner-Syndrom als Folge einer Verletzung oder Infektion hat ebenfalls eine gute Prognose. Hunde, bei denen das Horner-Syndrom häufig nicht heilbar ist, leiden z. B.

Eine günstige Prognose hat das idiopathische Horner-Syndrom, das häufig spontan innerhalb weniger Monate wieder abheilt. Ein Horner-Syndrom als Folge einer Verletzung oder Infektion hat ebenfalls eine gute Prognose. Hunde, bei denen das Horner-Syndrom häufig nicht heilbar ist, leiden z. B.

Die Prävention des Horner-Syndroms ist schwierig, da viele Ursachen nicht vorhersehbar sind. Eine gesunde Lebensweise, einschließlich einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung, kann dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken und das Risiko von Infektionen zu minimieren. Regelmäßige tierärztliche Untersuchungen können helfen, zugrunde liegende Erkrankungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Vegetative Störungen und das Horner-Syndrom

Eine Störung des vegetativen Nervensystems gefährdet den ordnungsgemäßen Ablauf lebenswichtiger körperlicher Prozesse. Bei Schädigung der Nerven oder des Gehirns kann es daher zu Störungen des vegetativen Nervensystems kommen. In vielen Fällen lässt sich bei einer Störung des vegetativen Nervensystems keine konkrete Ursache ausmachen.

Mögliche auslösende Krankheiten sind:

  • Diabetes mellitus: Ein unbehandelter oder schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann das Nervensystem schädigen. Ein Beispiel ist der Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie), wenn infolge eines Diabetes Nerven geschädigt sind, die normalerweise beim Stehen einen blutdrucksteigernden Reflex auslösen.
  • Verletzungen vor allem in der Nähe des Rückenmarks, bei denen Verbindungen im Nervensystem beschädigt werden können
  • Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom), wodurch zu viele Neurotransmitter freigesetzt werden, die zu einer kaum zu senkenden Erhöhung des Blutdrucks führen
  • virale oder bakterielle Infektionen
  • Multisystematrophie, eine Erkrankung, die viele Systeme betrifft, darunter auch das autonome Nervensystem
  • genetisch bedingte oder erworbene Erkrankungen wie Amyloidose

Eindeutige Krankheitszeichen bei Problemen mit dem vegetativen Nervensystem gibt es nicht. Liegt eine andere Erkrankung zugrunde, wird diese behandelt. Wenn keine Grunderkrankung ausgemacht werden kann oder diese nicht heilbar ist, konzentriert sich die Behandlung auf die Symptomlinderung, zum Beispiel die Blutdruckstabilisierung bei orthostatischer Hypotonie.

Hyperhidrose: Überaktiver Sympathikus und seine Behandlung

Die Hyperhidrose ist eine Erkrankung, die durch ein übermäßiges Schwitzen charakterisiert ist. Obwohl bekannt ist, dass die Schweißregulation vom sympathischen Nervensystem kontrolliert wird und es zahlreiche Untersuchungen über das sympathische Nervensystem gibt, ist letztlich immer noch offen, welcher spezifische Defekt zu einer Hyperhidrose führt. Ob die Ursache der übermäßigen Schweißbildung einer Überaktivität des sympathischen Nervensystems liegt oder den Schweißdrüsen selbst zuzuordnen ist, ist nach wie vor unbekannt.

Schwitzen ist eine für die Regulierung der Körpertemperatur notwendige natürliche Körperfunktion. Die Schweißabsonderung wird durch einen Teil unseres vegetativen Nervensystems, das sympathische Nervensystem, gesteuert. Bei manchen Menschen (ungefähr 1% der Bevölkerung) arbeitet dieses System auf einem zu hohen Niveau, weit höher als nötig, um die Körpertemperatur konstant zu halten.

Generell wird zwischen unterschiedlichen Formen der Hyperhidrose unterschieden. Bei der Primären Hyperhidrose ist die genaue Ursache dieser Störung unbekannt und der Patient ist ansonsten gesunden. Betroffene leiden meist ab der Pubertät unter vermehrtem Schwitzen. Häufige Auslöser sind neben erhöhter Umgebungstemperatur insbesondere Nervosität und Stress. Im Rahmen der sekundären Hyperhidrose ist die vermehrte Schweißproduktion ursächlich durch eine andere Erkrankung bedingt und der Auslöser lässt sich sehr wohl erkennen.

Konservative Therapie der Hyperhidrose

Die konservative Therapie der Hyperhidrose beinhaltet einige nicht invasive Hyperhidrosebehandlungen, die darauf abzielen, die Symptome zu lindern, ohne chirurgische Eingriffe vorzunehmen.

  • Deos und Cremes mit Aluminiumsalzen: Diese Produkte werden häufig als erste Behandlungsoption eingesetzt. Aluminiumsalze wirken, indem sie die Ausführungsgänge der Schweißdrüsen temporär blockieren, was zu einer reduzierten Schweißproduktion führt. Diese Antitranspirantien sind besonders wirksam bei axillärer Hyperhidrose (übermäßigem Schwitzen in den Achselhöhlen).
  • Leitungswasser-Iontophorese: Diese Methode wird vorrangig zur Behandlung der palmaren Hyperhidrose (Hände) und der plantaren Hyperhidrose (Füße) eingesetzt. Bei der Iontophorese tauchen Betroffene ihre Hände und/oder Füße in ein Wasserbad, durch das ein schwacher elektrischer Strom geleitet wird. Dieses Verfahren kann die Aktivität der Schweißdrüsen effektiv reduzieren.
  • Botox-Injektionen: Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das bei der Behandlung der Hyperhidrose eingesetzt wird, indem es die Signalübertragung von den Nerven zu den Schweißdrüsen blockiert. Diese Behandlung wird häufig bei axillärer Hyperhidrose angewendet, kann aber auch bei der palmaren Hyperhidrose effektiv sein.

Diese konservativen Behandlungsmethoden sind - neben einer Umstellung gewisser Alltags- und Ernährungsroutinen - die ersten Schritte in der Therapie der Hyperhidrosis.

Medikamentöse Behandlung der Hyperhidrose

Die medikamentöse Behandlung der Hyperhidrose umfasst den Einsatz spezifischer Arzneimittel, die darauf abzielen, die Schweißproduktion zu reduzieren. Zu den gängigsten Medikamenten gehören Anticholinergika, die die Aktivität des Nervensystems dämpfen und so die Stimulierung der Schweißdrüsen verringern. Diese Medikamente können in Form von Tabletten oder äußerlichen Anwendungen verabreicht werden. Die Behandlung muss individuell angepasst werden, da Anticholinergika auch Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit oder Sehstörungen mit sich bringen können und somit selten als Dauertherapie eingesetzt werden.

Chirurgische Behandlung der Hyperhidrose

Eine Hyperhidroseoperation ist eine Behandlungsoption für Patientinnen und Patienten, bei denen konservative und medikamentöse Therapien keine ausreichende Linderung bringen.

  • Subkutane Kürettage und Saugkürettage: Dies sind chirurgische Verfahren zur Behandlung der Hyperhidrose, insbesondere im Bereich der Achselhöhlen. Beide Methoden zielen darauf ab, die überaktiven Schweißdrüsen zu entfernen, um so das übermäßige Schwitzen zu reduzieren. Beide Eingriffe werden in der Regel unter (Tumeszenz-)Lokalanästhesie durchgeführt.
  • Endoskopische / roboterassistierte thorakale Sympathektomie (VATS Sympathektomie oder auch roboterassistierte RATS Sympathektomie): Bei dieser Operation werden die Nervenbahnen sowie die zu- und ableitenden Nervenfasern, die die Schweißdrüsenaktivität in bestimmten Körperregionen regulieren, durchtrennt oder mittels des Clippings unterbrochen. Hierzu führen wir unter Vollnarkose über kleine Schnitte im Brustraum spezielle Instrumente und eine Kamera ein. Mithilfe dieser Instrumente werden bestimmte Teile des Sympathikus-Nervs, der für die Steuerung der Schweißproduktion verantwortlich ist, durchtrennt oder verödet. Der Eingriff wird v. a.

Diese Operationen können sehr effektiv sein, bergen jedoch auch Risiken wie Infektionen, Narbenbildung oder - in seltenen Fällen - Veränderungen in der Schweißproduktion an anderen Körperstellen (kompensatorisches Schwitzen).

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