Nervensystem Reset für einen besseren Schlaf

Ein erholsamer Schlaf ist essentiell für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden. Viele Menschen haben jedoch Schwierigkeiten, abends zur Ruhe zu kommen und einen tiefen, ungestörten Schlaf zu finden. Ein gestörter Schlafrhythmus kann verschiedene Ursachen haben und langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, das Nervensystem zu beruhigen und den natürlichen Schlafrhythmus wiederherzustellen.

Die innere Uhr und Melatonin

Für einen gesunden Schlafrhythmus ist die sogenannte innere Uhr verantwortlich. Sie befindet sich im Hypothalamus, einem Teil des Gehirns, der für die Steuerung des vegetativen Nervensystems zuständig ist. Der Takt der inneren Uhr wird maßgeblich durch das Hormon Melatonin beeinflusst, das uns schläfrig macht. Die Ausschüttung von Melatonin richtet sich nach dem Tag-Nacht-Wechsel. Die Sehnerven leiten die Information, ob es draußen hell oder dunkel ist, an das Gehirn weiter. Licht hemmt tagsüber die Melatoninproduktion, während Dunkelheit die Produktion des Hormons ankurbelt. Die höchste Melatoninkonzentration im Blut wird normalerweise zwischen 21 Uhr und 8 Uhr erreicht, was uns müde macht und zum Schlafen anregt.

Optimale Schlafdauer

Die optimale Schlafdauer liegt bei mindestens sieben Stunden. Eine Studie des Robert Koch-Instituts ergab, dass die meisten Menschen zwischen sechs und acht Stunden täglich schlafen, was auch der empfohlenen Schlafdauer für Erwachsene entspricht. Die tatsächliche optimale Schlafdauer ist jedoch sehr individuell und kann sich im Laufe des Lebens verändern. Generell gilt: Wenn man sich morgens wach und ausgeruht fühlt, hat man ausreichend geschlafen.

Ursachen für einen gestörten Schlafrhythmus

Es gibt zahlreiche Ursachen für einen gestörten Schlafrhythmus. Zu den häufigsten gehören:

  • Privater oder beruflicher Stress
  • Übermäßiger Konsum von Koffein oder Alkohol, besonders vor dem Schlafengehen
  • Körperliche oder psychische Erkrankungen
  • Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Jetlag oder Schichtarbeit
  • Zu ausgedehnter Mittagsschlaf
  • Helles Licht in der Nacht, insbesondere von Bildschirmen wie Smartphones, Tablets oder Laptops
  • Melatoninmangel

Wenn Schlaflosigkeit dauerhaft (mindestens drei Tage pro Woche), nach der Einnahme bestimmter Medikamente oder im Zusammenhang mit gesundheitlichen Beschwerden auftritt, sollte ein Arzt konsultiert werden, um mögliche Ursachen abzuklären und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

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Tipps zur Wiederherstellung des Schlafrhythmus

Um wieder besser zu schlafen, muss der Körper wieder an den natürlichen Schlafrhythmus gewöhnt werden. Die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin empfiehlt folgende Tipps:

  1. Schlafumgebung optimieren: Ein abgedunkelter und ruhiger Raum fördert das Einschlafen und Durchschlafen. Alternativ können geräuschisolierende Ohrstöpsel und eine Schlafbrille verwendet werden.
  2. Zimmertemperatur regulieren: Eine kühle Raumtemperatur (etwa zwischen 16 und 20 Grad Celsius) ist ideal für den Schlaf.
  3. Ernährung anpassen: Am Abend sollten keine schweren Mahlzeiten mehr eingenommen werden, um den Körper nicht unnötig zu belasten.
  4. Genussmittel reduzieren: Weniger Koffein, Alkohol und Nikotin verbessern die Schlafqualität.
  5. Regelmäßiger Sport: Bewegung fördert guten Schlaf, da der Körper ausgelastet ist und schneller in seinen Ruhezustand findet. Allerdings sollte Sport nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen erfolgen, sondern mindestens drei Stunden vorher.
  6. Sorgen aufschreiben: Um sich von privaten oder beruflichen Problemen zu befreien, kann es helfen, die Sorgen vor dem Schlafengehen auf einen Zettel zu schreiben und diesen über Nacht in eine Schublade zu legen.
  7. Mittagsschlaf kürzen: Je länger der Körper tagsüber ruht, desto weniger Schlaf benötigt er nachts. Daher ist es ratsam, den Mittagsschlaf zu kürzen oder ganz wegzulassen, um den normalen Schlafrhythmus wiederherzustellen.

Der Vagusnerv: Schlüssel zu mehr innerer Ruhe

Der Vagusnerv, der längste und wichtigste Nerv des parasympathischen Nervensystems, spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung wichtiger Körperfunktionen wie Verdauung, Herzfrequenz, Atmung, Entzündungsregulation, Stressverarbeitung sowie Stimmung und emotionaler Balance. Ein aktiver Vagusnerv versetzt den Körper in einen Zustand der Ruhe und Regeneration. Ein unausgeglichener Vagusnerv kann sich durch Anspannung, Verdauungsprobleme, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen äußern.

Den Vagusnerv beruhigen: Ganzheitliche Methoden

Es gibt verschiedene ganzheitliche Methoden, um den Vagusnerv zu beruhigen und zu stärken:

  • Atemtechniken: Tiefe, langsame Atemzüge aktivieren den Vagusnerv direkt. Die 4-7-8-Methode (4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden halten, 8 Sekunden ausatmen) kann die Herzfrequenz senken und den Parasympathikus aktivieren. Summen beim Ausatmen verstärkt die Wirkung.
  • Ernährung: Eine gesunde Darmflora stärkt die Funktion des Vagusnervs. Wichtige Nährstoffe sind Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, B-Vitamine sowie Ballaststoffe und fermentierte Lebensmittel. Stark verarbeitete Lebensmittel, Alkohol und übermäßiger Zuckerkonsum sollten vermieden werden.
  • Achtsame Bewegung: Sanfte, gleichmäßige Bewegungen wie Spazierengehen, Yoga, Tai Chi oder Tanzen aktivieren den Vagusnerv auf natürliche Weise. Yoga-Positionen wie die Kindhaltung oder der Herzöffner entspannen das Nervensystem und unterstützen eine tiefe, beruhigende Atmung.
  • Kälte und Vibration: Kälteanwendungen (Gesicht mit kaltem Wasser abspülen oder kalte Duschen) und Vibrationen (Gurgeln, Summen, Singen, Massagen) können die vagale Aktivität steigern.
  • Rituale und emotionale Sicherheit: Feste Rituale, ein strukturierter Tagesablauf und emotionale Verbundenheit fördern die Aktivität des Vagusnervs. Beispiele sind Atemübungen am Morgen, Journaling am Abend oder soziale Interaktion.

Vagusnervstimulation: Was sagt die Forschung?

Die Stimulation des Vagusnervs liegt im Trend und hat großes Potenzial. Der Vagusnerv leitet wichtige Informationen von Organen und Systemen an das Gehirn und den Hirnstamm weiter. Bei bestimmten Symptomen oder Erkrankungen kann es sinnvoll sein, diese Verbindung entweder zu verstärken oder zu hemmen.

Wie wirkt die Vagusnervstimulation?

Die Aktivierung des Vagusnervs soll bei der Entspannung helfen und den Parasympathikus aktivieren. Dieser ist Teil des vegetativen Nervensystems und steuert unbewusste Körperfunktionen, die für Erholung und Regeneration wichtig sind. Er ist der Gegenspieler des Sympathikus, der den Körper in Stress- oder Gefahrensituationen aktiviert. Wie die Vagusnervstimulation wirkt, hängt allerdings vom gesundheitlichen Zustand und der Situation ab.

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Anwendungsbereiche der Vagusnervstimulation

Am Uniklinikum Tübingen wird die Vagusnervstimulation in Studien erforscht und dafür eine elektronische Stimulation über das Ohr verwendet. Derzeit geht man davon aus, dass diese professionelle Vagusnervstimulation Personen helfen kann, die unter Antriebslosigkeit, Depressionen, Epilepsie oder auch Störungen im Stoffwechsel oder der Verdauung leiden. Zudem könnte die Stimulation bei Trägheit oder Fatigue helfen.

Übungen für Zuhause

Nachweislich entspannend wirken zum Beispiel kontrollierte Atemübungen wie tiefes Atmen oder progressive Muskelentspannung. Auch die Boxatmung oder eine verlängerte Ausatmung können die Entspannung fördern. Unklar ist, wie gut die mechanische Stimulation, zum Beispiel Massagen am Hals, das Bienensummen oder Gurgeln die Entspannung fördert.

Freiverkäufliche Systeme zur Stimulation

Im Internet werden freiverkäufliche Systeme mit großen Versprechen beworben, allerdings gibt es keine nennenswerten Studien zur Wirksamkeit vieler Geräte. Viele Geräte sind nicht gefährlich, aber auch nicht als Medizinprodukte zur wirksamen Behandlung zertifiziert. Eine Garantie, dass sie den Vagusnerv tatsächlich stimulieren und eine therapeutische Wirkung haben, gibt es somit nicht.

Training als Schlüssel zu erholsamem Schlaf

Regelmäßige Bewegung ist ein Schlüssel zu erholsamem Schlaf. Eine Studie der University of Texas in Austin hat gezeigt, dass Männer, die regelmäßig trainierten, deutlich mehr Zeit im Tiefschlaf verbrachten, schneller einschliefen und von besserer Stimmung am nächsten Tag berichteten.

Wie Training den Rhythmus reguliert

Training wirkt wie ein Verstärker des zirkadianen Rhythmus, der den Schlaf-Wach-Zyklus steuert. Bewegung erhöht die Körpertemperatur, senkt das Stresshormon Cortisol und fördert die Ausschüttung von Melatonin.

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Wie viel Bewegung ist nötig?

Bereits 30 Minuten Bewegung täglich reichen aus, um die Schlafqualität deutlich zu verbessern. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht die Intensität.

Bewegungsideen für den Alltag

  • Morgens: Ein kurzer Lauf oder Seilspringen bringt den Kreislauf in Schwung.
  • Mittags: Eine kurze Session mit Liegestützen, Planks und Squats im Büro oder Homeoffice baut Stress ab.
  • Abends: Ein halbstündiges Krafttraining oder Zirkeltraining.

NSDR: Tiefschlaf ohne Schlaf

NSDR (Non-Sleep Deep Rest) ist eine Ansammlung von Achtsamkeitspraktiken, die zu einem tiefen Zustand der Entspannung führen. Diese Techniken versetzen den Körper in einen Zustand, in dem Herzfrequenz, Gehirnwellen und Stresshormone deutlich heruntergefahren werden. NSDR hilft dabei, mentale Erschöpfung abzubauen, die Konzentration zu verbessern und das Nervensystem nachhaltig zu beruhigen.

Wie funktioniert NSDR?

NSDR funktioniert wie ein Baukasten. Je nach Bedarf lassen sich einzelne Elemente kombinieren oder entfernen. Der Einstieg in NSDR beginnt oft mit einem sogenannten Bodyscan, bei dem die Aufmerksamkeit Stück für Stück durch den Körper gelenkt wird. Gezielte Atemtechniken beruhigen das Nervensystem. Eine geführte Meditation kann hilfreich sein, um die Aufmerksamkeit lenken zu lassen.

NSDR im Alltag integrieren

NSDR lässt sich zeitlich äußerst flexibel in den Alltag integrieren. Eine Sitzung kann je nach Bedarf zwischen zehn und sechzig Minuten dauern. Yoga Nidra, auch bekannt als „yogischer Schlaf“, ist eine geführte Tiefenentspannung, bei der Körper und Geist in einen Zustand zwischen Schlaf und Wachsein versetzt werden und ist ein zentraler Baustein beim NSDR.

Nervensystem im Stress vs. Ein ruhiges Nervensystem

Ein ruhiges Nervensystem entsteht nicht nur durch Meditation oder Atemtechniken - auch die haptische, olfaktorische und thermische Umgebung spielt eine große Rolle.

Tipps für ein ruhiges Nervensystem

  • Tiefe Bauchatmung im Liegen: Legen Sie beide Hände auf den Bauch und atmen Sie langsam und bewusst in diese Region hinein.
  • Wechselspiel aus warmem und kaltem Wasser: Ein kurzes Wechselspiel aus warmem und kaltem Wasser, morgens oder abends auf Stirn und Wangen aufgetragen, spricht bestimmte Hirnnerven an, die mit dem Vagus verknüpft sind.
  • Sanfter Übergang beim Ausschalten des Lichts: Schließen Sie bereits vor dem Ausschalten die Augen, entsteht ein sanfterer Übergang.
  • Zirbenkissen: Die ätherischen Öle der Zirbe beeinflussen nachweislich die Herzfrequenzvariabilität - ein zentraler Marker für vagale Aktivität.

5-Minuten-Morgenroutine für dein Nervensystem

Eine schnelle Morgenroutine kann helfen, das Nervensystem zu regulieren und entspannter in den Tag zu starten.

Die 5-Minuten-Routine in 5 einfachen Schritten

  1. Minute 1 - Tiefe Bauchatmung oder Box-Breathing: 6 bis 8 Wiederholungen.
  2. Minute 2 - Mobilisation für Schultern und Wirbelsäule: Schultern kreisen, Oberkörper drehen, Rücken abrollen.
  3. Minute 3 - Sanfter Bewegungsflow: Kniebeugen, Ausfallschritte oder auf der Stelle marschieren.
  4. Minute 4 - Stretching und Übergänge: Arme nach oben strecken, zur Seite beugen, tiefe Hocke oder Fersensitz.
  5. Minute 5 - Ausklang mit bewusster Atmung: Tief und bewusst in den Bauch atmen.

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