Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist und auch Kinder betreffen kann. Im Kindesalter tritt die Migräne bei etwa 4 bis 5 % der Kinder auf. Es ist wichtig, die Symptome frühzeitig zu erkennen und eine geeignete Behandlung einzuleiten, um die Lebensqualität der betroffenen Kinder zu verbessern.
Symptome der Migräne bei Kindern
Die Symptome einer Migräne bei Kindern können sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden. Während Erwachsene oft einseitige Kopfschmerzen verspüren, treten Migräneschmerzen bei Kindern häufig beidseitig auf. Die Kopfschmerzphase bei Kindern ist oft kürzer als im Erwachsenenalter und kann auch weniger als 4 Stunden umfassen. Einige Kinder haben auch nur eine sogenannte „Bauchmigräne“ (abdominelle Migräne), begleitet von Blässe, Appetitlosigkeit, Übelkeit und/oder Erbrechen und Bauchschmerzen.
Weitere typische Symptome sind:
- Intensive Kopfschmerzen: Die Schmerzen werden oft als pochend, pulsierend oder drückend beschrieben.
- Übelkeit und Erbrechen: Übelkeit, Erbrechen und Schwindelgefühle können wesentlich stärker ausgeprägt sein als die Schmerzen.
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit: Viele betroffene Kinder reagieren empfindlich auf helles Licht und laute Geräusche.
- Aura: Teilweise treten neurologische Symptome wie Sehstörungen (z. B. Flimmern, Zickzacklinien), Kribbelmissempfindungen oder Sprachstörungen auf. Diese Erscheinung wird als Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet: Gegenstände oder Teile des eigenen Körpers können größer oder kleiner erscheinen, die Kinder wirken verwirrt. Ein verändertes Geräusch- und Tastempfinden sowie Halluzinationen sind möglich.
- Verhaltensänderungen: Viele betroffene Kinder hören mit dem Spielen oder Lernen auf, sind blass und legen sich freiwillig hin, um zu schlafen. Kinder können z.B. den Beginn von Schmerzen nur schwer kommunizieren. Sie hören jedoch auf zu spielen oder zu essen, sie können weinen, gereizt sein oder auch Wutanfälle haben.
Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Kinder alle diese Symptome aufweisen müssen. Die Symptome können von Kind zu Kind variieren und sich im Laufe der Zeit verändern.
Bauchmigräne (abdominelle Migräne)
Bei einigen Kindern äußert sich die Migräne vor allem durch Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Diese Form wird als Bauchmigräne oder abdominelle Migräne bezeichnet. Betroffene Kinder können während der Attacken nicht mehr lernen oder spielen und müssen sich hinlegen. Diese Migräneattacken dauern zwischen 2 Stunden und 3 Tagen und können von Kopfschmerzen begleitet sein, wobei die Bauchschmerzen überwiegen. In der Pubertät verwandelt sich die Bauchmigräne oft in eine Kopfschmerzmigräne. Manchmal verschwinden die Attacken auch in der Pubertät.
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Ursachen und Auslöser der Migräne bei Kindern
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Kinder, deren Eltern oder andere Familienmitglieder an Migräne leiden, haben ein höheres Risiko, ebenfalls an Migräne zu erkranken.
Verschiedene Faktoren können Migräneattacken bei Kindern auslösen oder verstärken. Diese sogenannten Trigger sind von Kind zu Kind unterschiedlich und müssen individuell herausgefunden werden.
Häufige Trigger sind:
- Stress und psychische Belastungen: Anspannung und Stress gelten als mögliche Auslöser von Migräneanfällen. Auch psychische Belastungen, etwa durch eine Trennung der Eltern, Probleme in der Schule oder einen Umzug und damit verbundene Veränderungen können Migräne begünstigen.
- Schlafstörungen: Schlafmangel und unregelmäßige Schlafzeiten können Migräneanfälle auslösen.
- Ernährung: Bestimmte Lebensmittel und Getränke können bei manchen Kindern Migräneattacken auslösen. Dazu gehören beispielsweise Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte oder koffeinhaltige Getränke.
- Umweltfaktoren: Lärm, grelles Licht, starke Gerüche oder Wetterumschwünge können ebenfalls Migräneattacken auslösen.
- Veränderungen von Routinen und Gewohnheiten: Reisen und klimatische Veränderungen, Änderungen im Tagesablauf sowie durch unregelmäßige Mahlzeiten.
- Körperliche Anstrengung: Überanstrengung und mangelnde Flüssigkeitszufuhr können ebenfalls Migräne begünstigen.
Es kann hilfreich sein, ein Migräne-Tagebuch zu führen, um mögliche Auslöser zu identifizieren. Dabei werden die Umstände vor, während und nach einer Migräneattacke dokumentiert, um Muster zu erkennen.
Diagnose der Migräne bei Kindern
Die Diagnose der Migräne bei Kindern kann eine Herausforderung sein, da die Symptome vielfältig sein können und sich von denen bei Erwachsenen unterscheiden können. Ein Arzt wird in der Regel eine gründliche Anamnese erheben und eine körperliche Untersuchung durchführen, um andere mögliche Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
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Folgende Informationen sind für die Diagnose wichtig:
- Häufigkeit und Dauer der Kopfschmerzen: Wie oft treten die Kopfschmerzen auf und wie lange dauern sie an?
- Art und Stärke der Schmerzen: Wie werden die Schmerzen beschrieben (pochend, drückend, stechend) und wie stark sind sie?
- Begleitsymptome: Treten Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Geräuschempfindlichkeit auf?
- Mögliche Auslöser: Gibt es bestimmte Situationen oder Faktoren, die die Kopfschmerzen auslösen?
- Familiäre Vorbelastung: Gibt es in der Familie andere Personen, die an Migräne leiden?
In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen wie eine Elektroenzephalografie (EEG) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.
Behandlung der Migräne bei Kindern
Die Behandlung der Migräne bei Kindern zielt darauf ab, die Häufigkeit und Intensität der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der betroffenen Kinder zu verbessern. Die Behandlung kann sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze umfassen.
Nicht-medikamentöse Behandlung
Nicht-medikamentöse Maßnahmen spielen bei der Behandlung der Migräne bei Kindern eine wichtige Rolle. Dazu gehören:
- Entspannungstechniken: Entspannungsverfahren wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Migräneattacken zu reduzieren.
- Regelmäßiger Tagesablauf: Ein regelmäßiger Tagesablauf mit festen Schlaf- und Essenszeiten kann dazu beitragen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Vermeidung von Triggern: Das Vermeiden von bekannten Auslösern kann die Häufigkeit von Migräneattacken reduzieren.
- Verhaltenstherapie: Die Verhaltenstherapie ist eine psychotherapeutische Behandlungsmethode. Sie vermittelt Methoden und Strategien, die dabei helfen sollen, Migräneanfällen vorzubeugen. Dahinter steht die Theorie, dass bestimmte Verhaltensweisen und Einstellungen zur Entstehung von Migräneanfällen beitragen. Dies können etwa ungünstige Schlafgewohnheiten oder Probleme beim Umgang mit Stress sein. Im Rahmen der Behandlung lernen Kinder zum Beispiel, wie sie sich von den Schmerzen oder der Angst davor ablenken können. Sie erfahren außerdem, wie ihre Gedanken und Gefühle die Migräne beeinflussen können.
- Biofeedback: Die Biofeedback-Therapie soll helfen, bestimmte Vorgänge im eigenen Körper bewusst wahrzunehmen und zu beeinflussen. Während einer Sitzung werden Sensoren auf die Haut geklebt, die zum Beispiel die Hirnaktivität oder die Hauttemperatur messen. Die Messung wird auf einem Bildschirm sichtbar gemacht. Durch bewusste Konzentration ist es mit einiger Übung meist möglich, zum Beispiel die Hauttemperatur willentlich zu verändern. Die Messwerte zeigen, ob dies gelingt. Wer lernt, eigene Körperfunktionen zu steuern, soll auf diese Weise auch beginnende Kopfschmerzen besser kontrollieren können.
- Sport und Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität kann helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Gesundheit zu verbessern.
Medikamentöse Behandlung
Die medikamentöse Behandlung der Migräne bei Kindern sollte nur in Absprache mit einem Arzt erfolgen. Viele Medikamente, die Erwachsenen helfen, können bei Kindern schwere Schäden anrichten. Geben Sie daher Ihrem Kind keine frei verkäuflichen Schmerzmittel oder Ihr persönliches „Anti-Kopfschmerzmittel“.
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Für die Akutbehandlung von Migräneattacken bei Kindern sind in erster Linie Paracetamol oder Ibuprofen empfehlenswert. Stärkere Wirkstoffe oder Mittel zur Vorbeugung verschreibt der Neurologe bzw. Kinder- und Jugendarzt nur in seltenen Fällen.
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Migräneattacken können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen helfen, die Schmerzen zu lindern. Es ist wichtig, die empfohlene Dosis einzuhalten und die Medikamente nicht zu häufig einzunehmen, um das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren.
- Triptane: Triptane sind spezielle Migränemittel, die bei starken Attacken eingesetzt werden können. Einige Triptane sind auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen.
- Antiemetika: Bei Übelkeit und Erbrechen können Antiemetika wie Domperidon helfen, die Symptome zu lindern.
- Vorbeugende Medikamente: Bei häufigen oder schweren Migräneattacken können vorbeugende Medikamente eingesetzt werden, um die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Dazu gehören beispielsweise Betablocker (Propranolol oder Metoprolol) oder Flunarizin.
Die Entscheidung für eine medikamentöse Behandlung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Häufigkeit und Schwere der Attacken, dem Alter des Kindes und möglichen Begleiterkrankungen.
Natürliche Heilmittel und Hausmittel
Zusätzlich zu den konventionellen Behandlungen können auch natürliche Heilmittel und Hausmittel zur Linderung von Migränesymptomen bei Kindern eingesetzt werden. Dazu gehören:
- Pfefferminzöl: Das Auftragen von Pfefferminzöl auf die Stirn und die Schläfen kann helfen, die Kopfschmerzen zu lindern.
- Ingwer: Ingwer kann bei Übelkeit und Erbrechen helfen. Er kann als Tee oder in Kapselform eingenommen werden.
- Magnesium: Magnesiummangel kann Migräneattacken begünstigen. Eine Magnesiumergänzung kann helfen, die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.
- Kühlende Umschläge: Das Auflegen von kühlen Umschlägen auf die Stirn oder den Nacken kann helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Ruhe und Dunkelheit: Ein ruhiger, abgedunkelter Raum kann helfen, die Symptome zu lindern und die Entspannung zu fördern.
Es ist wichtig zu beachten, dass natürliche Heilmittel und Hausmittel nicht für alle Kinder geeignet sind und nicht immer wirksam sind. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, bevor Sie Ihrem Kind natürliche Heilmittel geben.
Umgang mit Migräne im Alltag
Migräne kann den Alltag von Kindern und ihren Familien stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen der Migräne umzugehen.
Folgende Tipps können helfen:
- Aufklärung: Informieren Sie Ihr Kind über die Migräne und erklären Sie ihm, was in seinem Körper passiert.
- Unterstützung: Bieten Sie Ihrem Kind Unterstützung und Ermutigung. Zeigen Sie Verständnis für seine Beschwerden und helfen Sie ihm, mit den Herausforderungen der Migräne umzugehen.
- Anpassung des Lebensstils: Passen Sie den Lebensstil Ihres Kindes an, um mögliche Auslöser zu vermeiden und einen regelmäßigen Tagesablauf zu fördern.
- Schule: Informieren Sie die Schule über die Migräne Ihres Kindes und besprechen Sie, wie die Schule Ihr Kind unterstützen kann.
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann hilfreich sein. Es gibt Selbsthilfegruppen für Kinder und Jugendliche mit Migräne und ihre Eltern.
Verlauf und Prognose
Bei manchen Kindern verschwinden die Anfälle nach der Pubertät, andere haben sie auch noch als Erwachsene. Die Hälfte der Kinder verschwindet die Migräne in der Pubertät.