Bettruhe nach Hirnblutung: Risiken und Vorteile

Strikte Bettruhe galt lange Zeit als Standardtherapie, um Patienten nach einer Hirnblutung oder anderen schweren Erkrankungen zu helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Heute sehen Mediziner die strenge Bettruhe früherer Zeiten ausgesprochen kritisch. Es gibt jedoch Ausnahmen, in denen Bettruhe notwendig sein kann. Dieser Artikel beleuchtet die Risiken und Vorteile der Bettruhe nach einer Hirnblutung und gibt einen Überblick über moderne Therapieansätze.

Was ist eine Hirnblutung?

Plötzliche Lähmungen, Sprachstörungen oder Bewusstlosigkeit deuten auf eine Hirnblutung hin. Schnelle Hilfe und Nachsorge können Betroffenen oft den Weg zurück in den Alltag erleichtern.

Die Hirnblutung führt zum Schlaganfall mit schlagartig auftretenden halbseitigen Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen oder Sprachstörungen oder Bewusstseinsverlust.

Es gibt verschiedene Arten von Hirnblutungen:

  • Intrazerebrale Blutung: Die häufigste Form ist die sogenannte intrazerebrale Blutung, also eine Einblutung direkt ins Gehirngewebe. Dabei platzt meist ein kleines Blutgefäß im Inneren des Gehirns - häufig infolge von Bluthochdruck. Die Blutung betrifft in der Regel einen größeren Bereich und wird deshalb manchmal auch Hirnmassenblutung genannt.

    Lesen Sie auch: Die Rolle der Bettruhe in der Meningitis-Behandlung

  • Subarachnoidalblutung: Eine Blutung in die Hirnhäute.

Ein zu hoher Blutdruck, der die Hirngefäße schädigt, ist die häufigste Ursache für eine Hirnblutung. Auch können Hirngefäß-Fehlbildungen eine Hirnblutung verursachen. Dazu zählen Fehlbildungen, bei denen viele Gefäße in einem Knäuel (Blutschwamm oder Angiom), Kurzschlüsse zwischen Gefäßen (sog. Fistel) oder eine Aussackung der Gefäßwand (sog. Aneurysma) vorliegen. Indirekt gelten alle eine Arteriosklerose begünstigenden Umstände als Risikofaktoren für eine Hirnblutung. Hierzu zählen neben einem Bluthochdruck der Konsum von Nikotin und Alkohol, ein erhöhter Blutfettspiegel, eine Blutzuckerkrankheit, Bewegungsmangel und Übergewicht.

Die Risiken der Bettruhe

Im Bett macht der Körper schnell schlapp. Heute wissen Mediziner, dass ein ruhig gestellter Organismus immer schlechter funktioniert. Wer jemals einen Gips tragen musste, weiß, wie schnell Muskulatur sich in Nichts auflöst. Experten sprechen von 15 Prozent, die pro Woche verloren gehen, wenn ein Muskel sich nicht bewegt.

Langes Liegen kann folgende negative Auswirkungen haben:

  • Muskelabbau: Durch die Inaktivität kommt es schnell zu einem Verlust von Muskelmasse und -kraft.
  • Erhöhtes Thromboserisiko: Langes Liegen kann die Durchblutung verlangsamen und das Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen) erhöhen.
  • Lungenentzündung: Wer im Bett liegt, atmet flacher, die Lunge wird schlechter durchlüftet - auch weil im überheizten Zimmer frische Luft und Sauerstoff fehlen. Das macht die Atmungsorgane anfällig für Infekte von Bronchitis bis Lungenentzündung.
  • Kreislaufprobleme: Der Kreislauf kann durch die Inaktivität geschwächt werden.
  • Dekubitus (Druckgeschwür): Durch das ständige Liegen auf bestimmten Körperstellen kann es zu Druckgeschwüren kommen.

Nicht nur bei alltäglichen und harmlosen Krankheiten wie einem grippalen Infekt bringt langes Liegen dagegen keinen Vorteil oder schadet sogar. So bessern sich Rückenschmerzen so gut wie nie durch Liegen. Zwar bietet die entspannte Körperhaltung zunächst Linderung bei verspannter Muskulatur, gestauchten Lendenwirbeln oder blockiertem Iliosakralgelenk. Doch der Schmerz ist gleich wieder da, wenn der Patient steht, geht oder sitzt. Er verfällt in eine Schonhaltung, die wiederum den Rückenschmerz forciert - ein Teufelskreis.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Situationen, in denen Bettruhe notwendig sein kann

Es gibt jedoch einige Situationen, in denen kann und darf ein Patient nicht aufstehen - nicht einmal, um zur Toilette zu gehen. Strenge Bettruhe ist nötig:

  • im Frühstadium des Herzinfarkts
  • in Schockzuständen
  • bei Beatmung
  • bei Lungenembolie
  • bei schwerer Herzinsuffizienz
  • bei instabilen Knochen- oder Wirbelbrüchen.

Auch bei großen Hirnblutungen kann es durch die Volumenzunahme im durch den Knochen begrenzten Schädel zu einer lebensbedrohlichen, druckbedingten Verdrängung und Funktionsstörung des umliegenden Gehirngewebes kommen (sog. In diesem Fall können eine operative Eröffnung des Schädelknochens (sog. Trepanation) und ggf. eine Entfernung des Blutes zur Entlastung des Gehirns führen. Auch das Einbringen einer Sonde zur Druckmessung oder eines Schlauchs zur Ableitung von Flüssigkeit aus dem Gehirn (sog.

Umstritten ist die Bettruhe bei Komplikationen in der Schwangerschaft. Früher galt striktes Liegen als ein Muss, um eine Frühgeburt zu verhindern. Und tatsächlich sind vorzeitige Wehen oder Blutungen ein Warnsignal, das Schwangere nicht ignorieren sollten. Sich immer wieder Ruhe gönnen und keine schweren Gegenstände tragen, sind sinnvolle Schon-Hinweise des Arztes. Es gibt allerdings keine Studien, die der strengen Bettruhe attestieren, eine drohende Frühgeburt besser aufhalten zu können. Eine US-Studie meint sogar, dass langes Liegen und der damit verbundene Muskelabbau die Geburt erschwert.

Moderne Therapieansätze nach Hirnblutung

Selbst nach Operationen sollen Patienten daher schnellstmöglich aufstehen und das Krankenlager wenigstens für kurze Zeit verlassen - gern auch in Begleitung von Pflegepersonal. Die frühe Mobilisierung soll den Heilungsprozess beschleunigen und verhindern, dass das tagelange Liegen den Kreislauf schwächt, Thrombosen fördert und die Lunge anfällig für Entzündungen macht.

Die Akutbehandlung hängt unter anderem vom Ort und der Menge des ausgetretenen Blutes sowie der Ursache der Hirnblutung ab. Bei einer Blutgerinnungsstörung, z. B.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Nach der Akutbehandlung in der Klinik kommt der Abklärung der Blutungsursache eine große Bedeutung zu. Liegen Blutgerinnungsstörungen vor, müssen diese ebenfalls soweit möglich behandelt werden.

Die Rehabilitation dient der Wiederherstellung der durch die Schädigung des Gehirngewebes beeinträchtigten Funktionen. Darüber hinaus sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen eine psychosoziale Betreuung und Beratung entscheidend, z. B.

Neben einer medikamentösen Behandlung und der regelmäßigen Selbstmessung des Blutdrucks können Betroffene selbst durch einen Wandel des Lebensstils dazu beitragen, zukünftig Hirnblutungen zu verhindern.

Die Therapie erfolgt auf der Stroke Unit oder Intensivstation, wobei die Blutdrucktherapie wichtig ist. Bei Verdacht auf eine Hirnblutung muss unverzüglich der Rettungsdienst (Notruf 112) alarmiert werden, damit im Krankenhaus notwendige Untersuchungen (CT, MRT) und Behandlungen (Blutdrucktherapie, ggf.

Mögliche Folgen einer Hirnblutung

Wird das Gehirn durch einen Unfall geschädigt, kommt es darauf an, welche Regionen betroffen sind. Je nach Grad und Stelle der Schädigung treten entsprechend der Zuständigkeit dieser Hirnteile Fehlfunktionen auf: Bei Personen mit einer linkshemisphärischen Verletzung werden zum Beispiel sprachliche Beeinträchtigungen festgestellt; bei einer Verletzung der rechten Hemisphäre sind häufiger die Wahrnehmung, Aufmerksamkeit und Orientierungsfähigkeit gestört. Bei einer rechtshirnigen Verletzung kommt es zudem häufig zu einem Neglect, zur Vernachlässigung einer Körper- oder Raumseite. Ob und wie ausgeprägt Funktionsstörungen zurückbleiben, kann nach einer Verletzung anfänglich meist noch nicht beurteilt werden.

Nach einem leichten Schädel-Hirn-Trauma (Commotio cerebri), im Volksmund auch Gehirnerschütterung genannt, kann es unter anderem zu diffusem Kopfschmerz, Schwindel, Übelkeit, rascher Ermüdbarkeit und Reizbarkeit, Apathie sowie zu vermehrtem Schwitzen kommen.

Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma (Contusio cerebri) tritt nach dem Unfall in aller Regel zunächst ein Zustand ein, bei dem der Patient die Augen wie im Halbschlaf geschlossen hat. aus dem er durch nichts geweckt werden kann. Das sogenannte Koma kann mehrere Stunden, Tage oder gar Wochen anhalten. Solange der Patient komatös ist, liegt immer noch eine akute Erkrankung des Gehirns vor. Der Druck im Inneren des Schädels kann weiterhin erhöht und die Hirnfunktion durch Wassereinlagerungen im Hirngewebe gestört sein. In Teilen des Gehirns können die Stoffwechselvorgänge stark beeinträchtigt sein.

Kehrt der Patient aus dem Koma zurück, zeigt sich das dadurch, dass er häufiger die Augen offen hat. Hat der Patient die Augen zeitweise geöffnet, kann aber nichts fixieren und kehren seine geistigen Funktionen nicht wieder, spricht man von einem Wachkoma (Coma vigile) oder vom apallischen Syndrom. Da dem Betroffenen die bewussten geistigen Funktionen verloren gegangen sind, er sozusagen „ins Leere“ schaut, spricht man auch von „Seelenblindheit“. Obwohl Ärzte davon ausgehen, dass Wachkoma-Patienten bewusstlos sind, reagieren sie zum Teil dennoch auf Außenreize. Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass bei vielen Wachkoma-Patienten bestimmte Hirnteile nach wie vor aktiv sind. Die Frage, ob und wie viel der Betroffene von der Außenwelt wahrnimmt, kann bislang nicht beantwortet werden. Der apallische Zustand kann bestehen bleiben oder sich im Laufe der Zeit zurückbilden.

Nach schwerer Hirnschädigung werden psychische Veränderungen jeden Grades beobachtet. So kann es infolge einer posttraumatischen Hirnleistungsschwäche zu einer allgemeinen Verlangsamung, leichter Ermüdbarkeit, Lethargie, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwäche, Gedächtnis- und Denkstörung, depressiver Verstimmung, Kopf-schmerz und Schwindel kommen. Auch Sprachstörungen (Aphasie) und Störungen beim Umsetzen von Bewegungsabläufen und Handlungsabsichten (Apraxie) sind häufig. Sehr häufig treten bei Patienten nach einem SHT Konzentrationsschwierigkeiten auf. Es können zumeist nicht mehr zwei Sachen gleichzeitig erledigt werden oder die Aufmerksamkeit erlischt bereits nach kurzer Zeit. Die Geschwindigkeit der Denkabläufe verlang-samt sich. Gleichzeitig kommt es häufig zu Lern- und Gedächtnisstörungen, besonders nach einer Schädigung der linken Gehirnhälfte. Eine Gedächtnisstörung (Amnesie) kann sich sowohl in der Unfähigkeit äußern, sich an Vergangenes zu erinnern (retrograde Amnesie), als auch neue Gedächtnisinhalte zu speichern (anterograde Amnesie). Bei der retrograden Amnesie kann sich der Patient an eine Zeitdauer vor der Hirnschädigung nicht mehr erinnern. Diese Zeitdauer liegt im Bereich von Sekunden bis zu Monaten. Die anterograde Amnesie ist die häufigste Form der Gedächtnisstörung. Der Patient hat Schwierigkeiten beim Einprägen neuer Informationen, was ihm im Zusammenleben große Probleme bereitet. Oft ist die Fähigkeit, sich neue Namen oder Terminen zu merken, stark beeinträchtigt. Durch die Störungen des Gedächtnisses und der Aufmerksamkeit kann es zu Orientierungsstörungen kommen. Der Patient ist sich über Zeit, Ort und Situation, in der er sich befindet, nicht oder nur unzureichend im Klaren. Oft kann er keine Angaben zur eigenen Person machen. Die Patienten haben häufig Probleme Ereignisse zeitlich einzuordnen.

Die Stimmung von Menschen mit schweren Hirnverletzungen kann starken Schwankungen unterliegen, die Betroffenen sind häufig leichter reizbar als vor dem Unfall. Neben Auffälligkeiten im Gefühlsbereich zeigen sich auch Störungen im Sozialverhalten. Nach einer schweren Schädel-Hirn-Verletzung kann es zu einer tiefgreifenden und bleibenden Veränderung des psychischen Zustandes des Patienten kommen. Bei den Persönlichkeitsveränderungen können zwei Formen unterschieden werden: Im ersten Fall verhält sich der Patient aggressiver und distanzloser. Er kann sich nur schlecht beherrschen. Dies ist dann der Fall, wenn im Stirnhirn die Regionen verletzt sind, die über den Augenhöhlen liegen. Manche Patienten können tragischerweise nicht erkennen, dass sie beeinträchtigt sind und es fehlt ihnen daher an der Bereitschaft und Möglichkeit, sich mit den tatsächlich vorhandenen Problemen auseinander zu setzen. Andere Patienten erleben ihre Einschränkungen im täglichen Leben wiederum sehr bewusst und reagieren darauf mutlos oder traurig.

Eine Sprachstörung tritt zumeist nach Schädigung der motorischen (Broca-Zentrum) oder sensorischen (Wernicke-Zentrum) Regionen in der linken Hirnhälfte auf. Hier befinden sich bei den meisten Menschen die Sprachregionen. Nur bei wenigen liegen diese Funktionen in der rechten oder in beiden Hirnseiten. Kommt es zu einer Schädigung der Sprachregionen, treten Sprachstörungen (Aphasien) auf. Typisch dafür ist eine schwerfällige, mühevolle und langsame Sprechweise mit undeutlicher Aussprache. Inhaltlich können Fragen sinnvoll beantwortet werden, der Betroffene kann zumeist aber keine vollständigen oder grammatikalisch fehlerfreien Sätze produzieren. Eine Aphasie kann in sehr unterschiedlichen Schweregraden auftreten. Bei einigen Patienten sind nur leichte Unsicherheiten zum Beispiel beim Finden von Wörtern festzustellen. Von Aphasie Betroffene können unter unkontrollierten Wutausbrüchen leiden, fluchen oder andere beschimpfen, ohne dies zu wollen oder es beeinflussen zu können. Später sind die Betroffenen meist selbst durch ihre Verhaltensweise irritiert und oft auch beschämt. Viele Aphasie-Patienten wirken in ihrem Antrieb gestört oder sind depressiv.

Bei Verletzungen des Gehirns kann es zu Störungen beim Umsetzen von Handlungsabsichten in Bewegungen und Handlungen kommen (Apraxie). Trotz erhaltener Bewegungs-fähigkeit und Wahrnehmung werden Teile von Handlungen wiederholt, weggelassen oder Elemente vorangegangener Handlungen übernommen. Dies betrifft alltägliche Bewegungen wie eine Begrüßung und Handlungen wie das selbständige Zubereiten einer Tasse Kaffee. Patienten wissen oft nicht mehr, wie man mit bestimmten Objekten umgeht, zeigen im Umgang mit Objekten eine gewisse Ratlosigkeit und benutzen sie falsch. Sie versuchen beispielsweise, das Fleisch mit der Gabel zu schneiden. Auch vertauschen die Betroffenen bei mehrteiligen Handlungen die zeitliche Abfolge. Bei manchen Patienten treten Rechenstörungen (Dyskalkulien) auf. Die Fähigkeit, Zahlen zu schreiben und zu lesen, ist beeinträchtigt.

Sind durch das SHT Blutungen im Hinterhauptlappen aufgetreten, kann es zu halbseitigen Gesichtsfeldausfällen (Hemianopsien) kommen. Es gibt unterschiedliche Arten von Gesichtsfeldeinschränkungen. Es kann das rechte oder das linke Gesichtsfeld, oder nur ein kleiner Ausschnitt betroffen sein. Bei Schädigungen im Bereich der linken Sehrinde ist beispielsweise auf beiden Augen das rechte Gesichtsfeld ausgefallen. So kann der Betroffene, wenn er geradeaus blickt, Sehreize, die von rechts kommen, nicht bemerken. Dies bereitet ihm erhebliche Probleme beim Gehen, da er Dinge übersieht und rechts an Hindernisse stößt.

Als Folge einer Verletzung des Gehirns kann es dazu kommen, dass ein Patient bei unversehrtem Gesichtsfeld eine seiner Körperhälften oder auch eine Raumhälfte vernachlässigt. Ohne dass das Wachbewusstsein oder die Orientiertheit betroffen sind, kommt es dann zu einem Ausblenden von Sinnesreizen auf einer Körperseite. Die halbseitige Vernachlässigung ist nach einer Verletzung der rechten Gehirnhälfte häufiger. Verletzungen der rechten Gehirnhälfte führen zu Vernachlässigungen der linken Körper- oder Raumhälfte. In diesem Fall würde der Betroffene zum Beispiel nur seine rechte Gesichtshälfte rasieren, nur seine rechte Körperhälfte waschen und nur die rechte Hälfte seines Tellers leer essen. Auch würde der Patient - im Gegensatz zu einem Patienten mit einem Gesichtsfelddefekt - Personen, die von links kommen keine Beachtung schenken. Beim Lesen weisen Patienten mit linksseitigem Gesichtsfelddefekt und Patienten mit Neglect ähnliche Störungen auf. Nur ist die Störung bei einem Neglect meist viel ausgeprägter; die Patienten beginnen erst in der Zeilenmitte zu lesen.

In der Nachbarschaft der Sprachzentren befinden sich motorische und sensible Regionen, die für die Bewegungssteuerung und die Körperwahrnehmung der jeweils gegenüberliegenden Körperseite zuständig sind. Lähmungen sind wie Sprachstörungen ein häufiges Symptom nach Schädel-Hirn-Verletzungen. Beide Störungen treten oftmals zusammen auf. Bei Halbseitenlähmung (Hemiplegie) tritt durch Verletzung einer Gehirnhälfte eine Lähmung der gegenüberliegenden Körperhälfte auf. Häufig können die betroffene Seite des eigenen Körpers sowie der ihn umgebende Raum nicht mehr wahrgenommen werden (Neglect). Das Gefühlsempfinden in den gelähmten Bereichen kann gestört. Spastische Lähmungen gehen mit einer erhöhten Muskelspannung einher. Davon können alle vier Gliedmaßen oder nur eine Körperhälfte betroffen sein. Willkürliche Bewegungen sind erschwert und der Patient leidet häufig an Schmerzen. Da Schmerzen die Spastik fast immer verstärken, müssen Schmerzen vermieden werden.

Bei Sprechstörungen (Dysarthrien) ist im Gegensatz zur Sprachstörung nur die Sprech-motorik gestört ist. Patienten mit einer Sprechstörung können ohne Probleme verstehen, lesen und schreiben, jedoch infolge ihrer Hirnverletzung Laute, Wörter und Sätze nicht mehr deutlich und verständlich aussprechen. Wenn auch die Atmung und die Stimmbildung beeinträchtigt sind, spricht man von Dysarthrophonie.

Zu Schluckstörungen (Dysphagien) kommt es nach Hirnverletzungen häufiger als früher angenommen. Vor allem in der ersten Phase nach dem Unfall können Schwierigkeiten beim Essen, Trinken und Abhusten auftreten. Schluckstörungen können den Kau- und Schluckvorgang beim Essen und Trinken sowie das Zusammenspiel von Mund- und Gesichtsmuskulatur allgemein betreffen. Klingt die Stimme eines Patienten feucht oder rasselnd oder gibt er an, die Nahrung bleibe ihm „im Halse stecken“, können dies Hinweise auf eine Schluckstörung sein, die ernst genommen werden sollten. Schluckstörungen sind eine ernste Bedrohung für den Organismus, denn das Schlucken gehört zu den lebenserhaltenden Funktionen. Ohne zu schlucken kann weder feste noch flüssige Nahrung aufgenommen werden. Es besteht zu-dem die Gefahr, dass Nahrung und Flüssigkeit statt in die Speiseröhre in die Luftröhre gelangen.

Sowohl die Raumwahrnehmung als auch die Selbstwahrnehmung oder das Hör- oder Sehvermögen können gestört sein. Die Patienten verlieren ihre Fähigkeit, einen Raum im Ganzen wahrnehmen zu können. Beim Betroffenen entsteht das Gefühl, sich „im Raum zu verlieren“. Sind Seh- beziehungsweise Hörzentrum oder deren Nervenbahnen im Gehirn verletzt, kommt es zu Störungen des Hör- oder Sehvermögens.

Das Gehirn hat sehr viele Funktionen bei der Aufrechterhaltung des inneren Milieus (Homöostase) im menschlichen Organismus und seiner Interaktion mit der Umwelt. Es überwacht komplexe Regelkreise, die innerhalb des Organismus die Regulation von Nahrungsaufnahme, Körpertemperatur, Blutkreislauf, Säure-Basen-Haushalt, Wasser- und Elektrolythaushalt sowie die Atmung gewährleisten.

Nach einem Schädel-Hirn-Trauma können sich verletzungsbedingt am Gehirn Narben bilden, die epileptische Anfälle verursachen können. Die Gefahr einer Narbenbildung ist nach offenen Hirnverletzungen höher als nach geschlossenen. Epileptischen Anfällen kann mit antiepileptischen Medikamenten entgegengewirkt werden.

Die Rolle der Hirnhemisphären

Das Großhirn ist, wie viele Organe des menschlichen Körpers, paarig angelegt: Es besteht aus zwei Hälften, den Hemisphären, die durch den sogenannten Balken miteinander verbunden sind. Das Gehirn arbeitet asymmetrisch, das heißt die Kontrolle der rechten Körperseite obliegt weitestgehend der linken Hemisphäre und umgekehrt. Jede der beiden Hemisphären ist für bestimmte Tätigkeiten zuständig. Man spricht hier von einer Lateralisierung der Funktionen. Bei der am stärksten lateralisierten Funktion, der Sprache, ist die Fähigkeit zum Verstehen bei beiden Hemisphären prinzipiell vorhanden, doch übernimmt bei einem Großteil der Menschen die linke Hemisphäre diese Aufgabe. Bei der Musikalität verhält es sich umgekehrt: zumeist ist die rechte Hirnhälfte „musikalischer“ als die linke. Ein Teil der Patienten, bei denen das Sprachzentrum auf der linken Seite geschädigt war, lernten erstaunlicherweise nach einiger Zeit wieder Sprechen. Offenbar hatte die rechte Hemisphäre die Aufgabe übernommen. Auch bei Kleinkindern mit nicht abgeschlossener Sprachentwicklung, kann eine Übernahme von Sprachfunktionen auf die nicht beschädigte Hirnhälfte beobachtet werden. Dies deutet darauf hin, dass jede Funktion in beiden Hemisphären angelegt ist, sich die Ausprägung der Fähigkeiten hinsichtlich dieser Funktionen jedoch in den Hirnhälften stark unterscheidet. Im Allgemeinen verarbeitet die linke Hemisphäre Informationen eher analytisch, die rechte dagegen eher synthetisch ganzheitlich.

tags: #bettruhe #nach #hirnblutung