Bewegungstherapie und Studien zu Morbus Parkinson: Ein umfassender Überblick

Morbus Parkinson, auch bekannt als Parkinson-Krankheit (PD), ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft. Die Krankheit manifestiert sich hauptsächlich in Bewegungsproblemen wie Bewegungsverlangsamung, Zittern, Muskelsteifheit sowie Gleichgewichts- und Koordinationsstörungen. Auch Depressionen, Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Schlafstörungen und kognitive Beeinträchtigungen können auftreten. Obwohl Parkinson nicht heilbar ist, können verschiedene Therapieansätze die Symptome lindern und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Bewegungstherapie spielt hierbei eine zentrale Rolle.

Die Bedeutung der Bewegungstherapie bei Morbus Parkinson

Bewegungstherapeutische Maßnahmen sind ein wichtiger Bestandteil der komplementären Behandlung von Morbus Parkinson. Körperliche Aktivität kann den Einschränkungen von Beweglichkeit, Gleichgewicht und Körperhaltung entgegenwirken und auch Schlafstörungen, Depressionen und Verstopfung bessern. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass regelmäßiger Sport Nervenzellen im Gehirn schützen kann.

Evidenz aus Studien: "Hauptsache Bewegung!"

Ein aktueller Cochrane Review deutscher Autoren fasst die Wirksamkeit von Bewegungsangeboten für Menschen mit Morbus Parkinson mit den Worten "Hauptsache Bewegung!" zusammen. Die Auswertung von 156 randomisierten Studien ergab günstige Auswirkungen auf den Schweregrad von Bewegungssymptomen und die Lebensqualität. Dabei scheint die genaue Art der Bewegung zweitrangig zu sein.

Verschiedene Formen der Bewegungstherapie

Ein ideales Trainingsprogramm umfasst Ausdauer-, Kraft-, Gleichgewichts- und Dehnungsübungen und sollte über die Woche verteilt mindestens drei Stunden umfassen. Es ist wichtig, Aktivitäten auszuwählen, die man tatsächlich schaffen kann und die Freude bereiten, um langfristig aktiv zu bleiben.

Flexibilitätstraining

Flexibilitätstraining kann für Menschen mit Parkinson nützlich sein und wird oft als sicherer erster Schritt zu Beginn eines Trainingsprogramms empfohlen. Dehnübungen können dazu beitragen, einen Teil der mit Parkinson einhergehenden Muskelsteifheit zu lindern und Spannungen zu verringern. Studien zeigen, dass die Flexibilität des Rumpfes die Gleichgewichtskontrolle, die funktionelle Reichweite und die Gehgeschwindigkeit verbessern kann.

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Aerobes Training

Aerobes Training kann bei Menschen mit Parkinson zu positiven Ergebnissen führen. Eine Studie aus dem Jahr 2007 ergab, dass regelmäßiges aerobes Training auf einem Laufband zu Verbesserungen in Bezug auf Gleichgewicht, Geschwindigkeit, Angst vor Stürzen und die auf dem Laufband zurückgelegte Strecke führte.

Krafttraining

Krafttraining ist für Menschen mit Parkinson äußerst vorteilhaft, da es dazu beitragen kann, dem Muskel- und Kraftverlust entgegenzuwirken, der häufig bei Morbus Parkinson auftritt. Eine Studie zeigte, dass ein achtwöchiges Krafttraining zu einer signifikanten Verbesserung der Schrittlänge, der Gehgeschwindigkeit und der Haltungswinkel führte.

Perturbationstraining

Erste randomisierte kontrollierte Studien zeigen, dass das Perturbationstraining ein wirkungsvolles aufgabenspezifisches Training darstellt, um die Gang- und Gleichgewichtsfunktion zu verbessern sowie potenziell Stürze zu reduzieren.

Kombiniertes Herz-Kreislauf- und Motorik-Training

Experimentelle Befunde zu einem kombinierten Herz-Kreislauf- und Motorik-Training deuten darauf hin, dass Prozesse der Neuroplastizität verstärkt und die Therapiewirkung erhöht wird.

Weitere Bewegungsformen

Neben den genannten Trainingsformen gibt es eine Vielzahl weiterer Bewegungsangebote, die sich positiv auf die Symptome und die Entwicklung der Parkinson-Erkrankung auswirken können:

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  • Tanzen: Fördert durch Musik und Rhythmus fließende Bewegungen.
  • Bewegung im Wasser: Gangtraining oder Wassergymnastik.
  • Tai Chi und Yoga: Körper-Geist-Training, das Entschleunigung, Konzentration und Entspannung bei körperlicher Aktivität fördert.
  • LSVT-BIG: Ein spezialisiertes Behandlungsprogramm, das auf großräumige Bewegungen fokussiert.

Individuelle Anpassung und Motivation

Art und Intensität des persönlichen Trainingsprogramms sollten an die vorliegenden Symptome und Fähigkeiten angepasst werden. Um Langeweile und sinkender Motivation entgegenzuwirken, sollte das Trainingsprogramm aus verschiedenen Komponenten bestehen. Es ist wichtig, den Sport auszuwählen, der Spaß macht, um langfristig aktiv zu bleiben. Musik kann in vielerlei Hinsicht hilfreich sein, da sie die Motivation steigert und die Koordination der Bewegungen erleichtert. Einige Aktivitäten lassen sich besser in einer Gruppe umsetzen und machen so auch mehr Spaß.

Digitale Gesundheitsinnovationen zur Unterstützung der Bewegungstherapie

Digitale Gesundheitsinnovationen können dazu beitragen, einen besseren Einblick in die Art und Weise zu geben, wie Bewegung, Ernährung, Medikamente und andere Lebensstilfaktoren die Symptomkontrolle beeinflussen. Mithilfe tragbarer Sensoren können Bewegungsdaten erfasst werden, um Einblicke in motorische Zustände zu gewinnen.

Die Rolle von Schlaf und Ernährung

Neben Bewegung spielt auch ein erholsamer Schlaf eine wichtige Rolle für die Gehirngesundheit von Menschen mit Parkinson. Studien deuten darauf hin, dass bei Parkinson die innere Uhr (zirkadianer Rhythmus) gestört sein könnte. Ein erholsamer Schlaf ist wichtig für die neurobiologische Regeneration des Gehirns und die Funktion des glymphatischen Systems, das Stoffwechselabbauprodukte aus dem zentralen Nervensystem ausschwemmt.

Forschung und zukünftige Perspektiven

Obwohl bereits viele Studien die positiven Auswirkungen von Bewegungstherapie bei Morbus Parkinson belegen, besteht weiterhin Bedarf an großen Multicenter-Studien mit einheitlichem Design, um klare Empfehlungen ableiten zu können. Zukünftige Studien sollten zudem den Mobilitätsgrad der Erkrankten zum Krankheitsbeginn und im Verlauf untersuchen und auf eine frühzeitige Studieninklusion achten, um die Unterschiede zwischen ausscheidenden und weiterhin mobilen Patienten differenzierter herauszuarbeiten.

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