Ein Apoplex, auch Schlaganfall genannt, kann zu einer Vielzahl von körperlichen Einschränkungen führen, darunter auch Kontrakturen der Beine. Bewegungsübungen spielen eine entscheidende Rolle bei der Rehabilitation nach einem Schlaganfall, insbesondere um die Beweglichkeit zu erhalten oder wiederherzustellen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über verschiedene Bewegungsübungen und Therapieansätze, die bei kontrahierten Beinen nach einem Apoplex eingesetzt werden können.
Grundlagen der Physiotherapie nach Apoplex
Die Physiotherapie ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation nach einem Schlaganfall. Sie zielt darauf ab, die Bewegungs- und Funktionsfähigkeit des Körpers wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Dabei werden sowohl aktive als auch passive Übungen eingesetzt, um die Muskeln zu stärken, die Gelenke zu mobilisieren und die Koordination zu verbessern.
Bobath-Konzept
Das Bobath-Konzept ist ein problemlösender Ansatz in der Befundaufnahme und Behandlung von Erwachsenen und Kindern mit neurologischen Erkrankungen, wie beispielsweise einem Schlaganfall. Es basiert auf neurophysiologischen und entwicklungsneurologischen Grundlagen und orientiert sich an den Ressourcen des Patienten. Das Konzept beruht auf der Annahme, dass sich das menschliche Gehirn "umorganisieren" (Plastizität) kann. Das heißt, dass gesunde Hirnregionen Aufgaben neu lernen und übernehmen können, die zuvor von erkrankten Regionen ausgeführt wurden. Im Vordergrund der Behandlung steht die Schulung der Gleichgewichtsreaktionen, der sogenannten Kopf- und Rumpfkontrolle und der Gleichgewichtsübertragung von einer auf die andere Körperseite - beispielsweise beim Gehen.
Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF)
Die Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation (PNF) ist eine dreidimensionale physiotherapeutische Behandlungsmethode, die bei Patienten aller medizinischen Fachbereiche Anwendung findet, bei denen das Bewegungsverhalten durch eine Erkrankung, Verletzung, Operation oder Degeneration gestört ist. Ziel des Physiotherapeuten ist es, das Nerven- und Muskelsystem durch eine Anbahnung von Bewegungsabläufen in die Lage zu versetzen, notwendige Bewegungen wieder durchzuführen. Dies geschieht durch gezielte Berührungen und Bewegungsaufträge.
Manuelle Therapie
Die manuelle Therapie dient in der Medizin der Behandlung von Funktionsstörungen des Bewegungsapparats (Gelenke, Muskeln und Nerven). In Deutschland ist sie der von Physiotherapeuten mit einer speziellen Weiterbildung durchgeführte Teil der Manuellen Medizin und beinhaltet Untersuchung und Behandlungstechniken. Ziel ist es, das Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und Nerven wiederherzustellen.
Lesen Sie auch: Sport bei Multipler Sklerose
Weitere Therapieformen
Neben den genannten Therapieansätzen gibt es eine Vielzahl weiterer Behandlungsmethoden, die bei kontrahierten Beinen nach einem Apoplex eingesetzt werden können:
- Manuelle Lymphdrainage: Diese Therapieform dient vor allem als Ödem- und Entstauungstherapie geschwollener Körperregionen, wie Körperstamm und Extremitäten (Arme und Beine), welche nach Traumata oder Operationen entstehen können.
- Massage: Die Massage dient zur mechanischen Beeinflussung von Haut, Bindegewebe und Muskulatur durch Dehnungs-, Zug- und Druckreiz.
- Wärme- und Kältetherapie: Wärme fördert die Durchblutung und Entspannung der Muskeln, während Kälte bei akuten Schmerzen und Entzündungen Linderung verschaffen kann.
- Elektrotherapie: Beim Ausfall von Nerven in der Peripherie des Körpers, also besonders an Armen und Beinen, kommt es zum Abbau von Muskelzellen des vom geschädigten Nerv versorgten Muskels. Um dies zu vermeiden, werden während einer Therapiesitzung Elektroden angebracht und mit geringen Stromimpulsen (Reizstrom) die Funktion des betroffenen Nerven stimuliert.
- K-Taping: Die elastischen Tapes werden selbsttragend aufgeklebt und folgen in speziellen Techniken Muskelstrukturen, Bändern und Nerven oder geben Lymphflüssigkeit Leitbahnen zur Entstauung vor. K-Taping schränkt den Patienten in seiner Bewegung nicht ein.
- Reflektorische Atemtherapie: Durch die manuelle Stimmulierung konkreter Körperrezeptoren wirkt der Therapeut auf den Atemrhythmus des Patienten ein. So wird eine Optimierung der individuellen Atemvorgänge und damit auch eine Verbesserung der Beweglichkeit des Körpers, sowie eine Schmerzreduktion und eine positive Beeinflußung der Psyche erreicht.
- Beckenbodentraining: Ein nicht oder schlecht trainierter Beckenboden kann zu vielfältigen Problemen führen. Nach der Geburt hilft ein Beckenbodentraining, welches zumeist im Rahmen der Rückbildungsgymnastik durchgeführt wird, den stark beanspruchten und gedehnten Beckenboden zu stärken.
- Pilates: Die Pilates-Methode ist ein ganzheitliches Körpertraining, in dem vor allem die tief liegenden, kleinen und meist schwächeren Muskelgruppen angesprochen werden, die für eine korrekte und gesunde Körperhaltung sorgen sollen.
- Kraniomandibuläre Dysfunktion (CMD) Behandlung: Eine Kiefergelenksbehandlung wird bei einer gestörten Funktion im Zusammenspiel von Ober-und Unterkiefer eingesetzt. Derartige Fehlfunktionen können weitreichende Auswirkungen haben - sowohl auf benachbarte als auch auf entfernte Organe.
- Triggerpunkttherapie: Diese Therapie hat als Ziel die Beseitigung sogenannter „myofaszialer Triggerpunkte“. Diese sind lokal begrenzte Muskelverhärtungen in der Skelettmuskulatur, die lokal druckempfindlich sind und von denen übertragene Schmerzen ausgehen können.
- Extensionstherapie: Eine Behandlung der Gelenke der Arme und Beine sowie der Wirbelsäule mittels genau abgestimmter Zugkraft - mit dem Ziel, die betroffenen Gelenke oder ggf. die komprimierten Nervenwurzeln zu entlasten.
- Krankengymnastik auf neurophysiologischer Basis nach Bobath (KG-ZNS): Die Bobath-Therapie ist ein spezielles Behandlungskonzept für Patienten mit Störungen des zentralen Nervensystems. Durch gezielte Behandlungstechniken werden Bewegungsfolgen und -übergänge aufgebaut sowie Gleichgewichtsreaktionen und die Körperwahrnehmung verbessert. Ziel des Therapeuten ist es, dem Patienten eine bessere Bewältigung seines Alltags zu ermöglichen, wodurch sich seine Selbstständigkeit und Lebensqualität erhöht.
- Dorn-Therapie: Die DORN-Therapie ist eine natürliche Methode zur Ermittlung und Korrektur von Fehlstellungen in der Wirbelsäule.
- Kinesio-Taping: Aufgrund seiner elastischen Eigenschaften ermöglicht das Kinesio Tape die vollständige Bewegungsfreiheit und Mobilität.
- Funktionstraining: Funktionstraining wirkt besonders mit den Mitteln der Krankengymnastik und der Ergotherapie gezielt auf körperliche Strukturen (Muskeln, Gelenke etc.) und wird unter Anleitung und Überwachung durchgeführt.
Spezifische Übungen für kontrahierte Beine
Die spezifischen Übungen, die bei kontrahierten Beinen nach einem Apoplex eingesetzt werden, hängen von der Art und dem Ausmaß der Kontraktur ab. Einige Beispiele für Übungen sind:
- Dehnübungen: Diese Übungen helfen, die verkürzten Muskeln zu dehnen und die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern.
- Kräftigungsübungen: Diese Übungen helfen, die geschwächten Muskeln zu stärken und die Stabilität der Gelenke zu verbessern.
- Mobilisationsübungen: Diese Übungen helfen, die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern und Verklebungen zu lösen.
- Koordinationsübungen: Diese Übungen helfen, die Koordination der Muskeln zu verbessern und die Bewegungsabläufe zu harmonisieren.
Es ist wichtig, dass die Übungen von einem qualifizierten Physiotherapeuten angeleitet werden, um sicherzustellen, dass sie korrekt ausgeführt werden und keine Verletzungen verursachen.
Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit
Eine erfolgreiche Behandlung von kontrahierten Beinen nach einem Apoplex erfordert eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen, wie beispielsweise Ärzte, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Logopäden. Durch den Austausch von Informationen und die Abstimmung der Therapieziele kann eine optimale Versorgung des Patienten gewährleistet werden.
Lesen Sie auch: Demenz und Bewegung: Ein Ratgeber
Lesen Sie auch: Lebensqualität durch Bewegung bei Demenz
tags: #bewegungsubungen #bei #kontrahierten #beinen #nach #apoplex