Bewegungsübungen für Demenzpatienten: Aktivierung, Förderung und Lebensqualität

Demenz ist eine Erkrankung, die das Leben der Betroffenen und ihrer Angehörigen stark beeinflusst. Menschen mit Demenz haben oft Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben zu bewältigen, da ihr Gedächtnis und ihre kognitiven Fähigkeiten nachlassen. Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz sollte daher auch gezielte Beschäftigungen wie Spiele und andere Aktivitäten beinhalten. Es ist wichtig, den Betroffenen Dinge vorzuschlagen und sie zur Teilnahme zu motivieren, ohne sie zu überfordern oder ihnen schwierige Aufgaben zu stellen. Das Ziel sollte nicht sein, die Demenz "wegzutrainieren", sondern vielmehr, die vorhandenen Fähigkeiten zu erhalten und die Lebensqualität zu verbessern.

Bedeutung von Bewegung und Aktivierung bei Demenz

Bewegung und Aktivierung spielen eine entscheidende Rolle im Leben von Menschen mit Demenz. Sie regen den Kreislauf an, fördern Sinneserfahrungen und bringen Freude. Studien haben gezeigt, dass Bewegung die Durchblutung des Gehirns erhöht und somit zur Erhaltung der kognitiven Funktionen beitragen kann. Darüber hinaus können Bewegungsübungen depressive Symptome, die oft mit Demenz einhergehen, positiv beeinflussen. Wer sich bewegt, fühlt sich sicherer, spürt seinen Körper und bleibt besser in Kontakt mit seiner Umgebung.

Ziele von Bewegungsübungen

  • Erhaltung und Förderung der kognitiven Fähigkeiten
  • Anregung des Kreislaufs und der Sinneswahrnehmung
  • Verbesserung der Stimmung und des Wohlbefindens
  • Erhaltung der Selbstständigkeit und Lebensqualität
  • Förderung sozialer Kontakte und des Gemeinschaftsgefühls

Geeignete Bewegungsübungen für Demenzpatienten

Die Auswahl der geeigneten Bewegungsübungen sollte sich nach dem Stadium der Demenz und den individuellen Vorlieben und Fähigkeiten des Betroffenen richten. Es ist wichtig, Überforderung zu vermeiden und stattdessen auf Spaß und positive Erfahrungen zu setzen.

Allgemeine Empfehlungen

  • Spaziergänge und Ausflüge: Ideal sind Orte, die dem Demenzerkrankten immer schon gefallen haben oder einen biografischen Bezug bieten. Vermeiden Sie chaotische, laute Umgebungen, da diese zu Verwirrung und Stress führen können.
  • Tanzen und Singen: Bekannte Schlager aus der Jugendzeit stimulieren fröhliche Erinnerungen und können die Stimmung aufhellen. Gemeinsames Singen und Tanzen fördert das Gemeinschaftsgefühl und wirkt der Isolation entgegen.
  • Kleine Arbeiten in Haus und Garten: Wenn der Angehörige sich schon früher gerne mit solchen Aufgaben beschäftigt hat, können kleinere Arbeiten in Haus oder Garten leicht umsetzbar sein. Achten Sie darauf, keine zu komplizierten oder gefährlichen Aufgaben zu wählen.
  • Kreative Tätigkeiten: Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien aus der Natur oder dem Bastelladen kann Demenzerkrankten viel Freude bereiten. Nehmen Sie den Wechsel der Jahreszeiten als Anlass, um passende Dekoration zu basteln.
  • Gedächtnistraining: Gedächtnisübungen können bei einer leichten Demenz noch sinnvoll sein und Spaß bereiten. Sie fordern die Gehirnleistung und aktivieren das Gehirn aus dem Ruhemodus.

Spezifische Übungen und Aktivitäten

  • Händegymnastik: Fördert die Auge-Hand-Koordination und kann die kognitiven Leistungen verbessern.
  • "Geräusche erkennen": Aktivieren Sie den Hörsinn mit Alltagsgegenständen. Ihr Spielpartner soll dabei erraten, welches Geräusch Sie machen.
  • "Gegenstände erfühlen": Aktivieren Sie den Tastsinn spielerisch leicht. Lassen Sie zum Beispiel Steine und Holzstücke vergleichen. Was ist härter, was weicher?
  • "Lieder erraten": Spielen Sie ein bekanntes Lied von früher ab und lassen Sie den Interpreten und/oder den Liedtitel erraten.
  • Puzzles und Memory-Spiele: Fördern die Konzentrationsleistung. Wählen Sie Puzzles im Großformat mit wenigen Teilen und Memory-Spiele mit großen Karten und leicht erkennbaren Motiven.
  • 10-Minuten-Aktivierung: Zielt darauf ab, die Sinne anzuregen sowie Körper und Geist zu aktivieren.

Beispiele für Bewegungsübungen im Freien

  • Waldspaziergang: Gehen Sie mit dem zu betreuenden Menschen in den Wald. Machen Sie auf einen Vogel aufmerksam, der fröhlich zwitschert, und bewegen Sie die Arme, als wollten Sie fliegen.
  • "Storch und Hase": Stolzieren Sie wie ein Storch durch das Gras oder versuchen Sie ein wenig wie ein Häschen zu hüpfen. Beschreiben Sie dem erkrankten Menschen, was sie gerade machen, und lassen Sie ihn raten, welches Tier Sie gerade nachmachen.
  • Sinneserfahrungen: Halten Sie inne, nehmen Sie Ihren Partner an den Händen, schließen Sie die Augen und lauschen Sie der Natur.

Spiele und Beschäftigungen für Demenzpatienten

Neben Bewegungsübungen können auch Spiele und andere Beschäftigungen dazu beitragen, die Lebensqualität von Menschen mit Demenz zu verbessern.

Allgemeine Empfehlungen

  • Beachten Sie das Stadium der Demenz: Überforderung bewirkt negative Reaktionen.
  • Gehen Sie auf persönliche Vorlieben und Abneigungen ein: Die Beschäftigung sollte Spaß machen.
  • Respektieren Sie die Entscheidung des Demenzerkrankten: Lassen Sie es zu, wenn der Erkrankte nicht selbst aktiv werden möchte, sondern lieber beobachtet.
  • Tolerieren Sie "Fehler": Schimpfen Sie auf keinen Fall, wenn etwas nicht funktioniert.
  • Schaffen Sie eine positive und unterstützende Umgebung: Vermeiden Sie Leistungsdruck und Wettbewerb.

Geeignete Spiele

  • Würfelspiele und "Mensch ärgere Dich nicht": Am besten eignen sich Spiele, die von Kindheit an vertraut sind.
  • Memory-Spiele: Mit großen Karten und leicht erkennbaren Motiven, die Erinnerungen wecken und zum Erzählen anregen.
  • Einfache Puzzles: Mit nur vier Teilen je Motiv, die das Zusammenfügen leicht machen und ein Gespräch über damals und heute anregen.
  • Kartenspiele: Zu Themen wie „Natur“, „Damals“, „Zu Hause“, „Bewegung“ oder „Rätseln“ werden Fragen gestellt, Lieder gesungen oder Gymnastikübungen gemacht.

Weitere Beschäftigungsmöglichkeiten

  • Vorlesen: Kann für Menschen mit Demenz genauso aktivierend sein wie Kopfrechnen für einen gesunden Menschen. Wählen Sie Bücher mit kurzen, einfachen und positiven Geschichten.
  • Erinnerungsalben: Sammeln Sie Fotos und Erinnerungsstücke aus dem Leben der demenzerkrankten Person. Stellen Sie konkrete Fragen zur Kindheit oder Jugend des Demenzerkrankten.
  • Musikhören: Bekannte Lieder aus der Jugendzeit wecken oft lebendige Erinnerungen.
  • Umgang mit Kunst: Der Besuch von Museen und die Betrachtung von Kunstwerken schafft Raum für Kommunikation und stärkt das Selbstbewusstsein.
  • Snoezelen: Dabei werden gezielt unterschiedliche Sinne aktiviert und stimuliert.

Tipps für die Durchführung von Bewegungsübungen und Beschäftigungen

  • Schaffen Sie eine angenehme Atmosphäre: Sorgen Sie für eine ruhige und vertraute Umgebung.
  • Passen Sie die Übungen und Spiele an die individuellen Bedürfnisse an: Berücksichtigen Sie das Stadium der Demenz, die körperlichen Fähigkeiten und die persönlichen Vorlieben des Betroffenen.
  • Seien Sie geduldig und verständnisvoll: Demenz lässt sich nicht "wegtrainieren". Akzeptieren Sie die nachlassenden Fähigkeiten des Demenzerkrankten und setzen Sie sich keine großen Arbeitsziele.
  • Motivieren Sie den Betroffenen zur Teilnahme: Schlagen Sie von sich aus Dinge vor und ermutigen Sie ihn, mitzumachen.
  • Feiern Sie Erfolge: Loben Sie den Betroffenen für seine Bemühungen und Fortschritte.
  • Machen Sie aus Bewegungsabläufen ein Ritual: Beginnen und beenden Sie die Übungen immer mit denselben Bewegungen oder Handlungen.
  • Nutzen Sie die Natur: Gehen Sie mit dem Betroffenen in den Wald, auf eine Wiese oder in den Garten.
  • Informieren Sie sich über Angebote für Menschen mit Demenz: Viele Sozialverbände und kirchliche Träger bieten regelmäßige Treffpunkte und Kurse an.
  • Lassen Sie sich schulen: In Pflegekursen oder -schulungen erhalten Sie wertvolle Tipps für die Pflege und Beschäftigung bei Demenz.

Bedeutung sozialer Kontakte

Soziale Kontakte spielen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung und Behandlung von Demenz. Sie regen das Gehirn an und fördern das Wohlbefinden.

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Wie soziale Kontakte Alzheimer vorbeugen

  • Anregung des Gehirns: Soziale Interaktionen fordern das Gehirn heraus und regen die Nervenzellen zur Vernetzung an.
  • Training sozialer Kompetenzen und Planungsfähigkeiten: Die Teilnahme an sozialen Aktivitäten erfordert die Planung und Organisation von Terminen und die Interaktion mit anderen Menschen.
  • Schutz vor sozialem Rückzug: Soziale Kontakte verhindern die Isolation und fördern das Gefühl der Zugehörigkeit.

Möglichkeiten zur Förderung sozialer Kontakte

  • Teilnahme an Gruppenaktivitäten: Viele Organisationen bieten spezielle Gruppen für Menschen mit Demenz an, in denen sie gemeinsam Sport treiben, spielen oder sich austauschen können.
  • Besuche von Freunden und Familie: Regelmäßige Besuche von vertrauten Personen können das Wohlbefinden steigern und Erinnerungen wecken.
  • Ehrenamtliche Tätigkeiten: Wenn der Betroffene dazu in der Lage ist, kann er sich ehrenamtlich engagieren und so soziale Kontakte knüpfen und das Gefühl haben, etwas Sinnvolles zu tun.

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