Gehirnabbau: Was Sie dagegen tun können

Einleitung:Der Abbau des Gehirns ist ein natürlicher Prozess, der bereits ab dem 25. Lebensjahr beginnt und sich ab dem 40. Lebensjahr beschleunigen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen und Folgen des Gehirnabbaus und zeigt, wie man diesem Prozess entgegenwirken kann, um auch im Alter geistig fit zu bleiben.

Wie das Gehirn beim Schlafen "aufräumt"

Gesunder Schlaf ist für die Erholung des gesamten Körpers unerlässlich, insbesondere für das Gehirn. Während des Schlafs sinken Blutdruck und Herzfrequenz, während gleichzeitig wichtige Prozesse ablaufen. Wachstumshormone werden ausgeschüttet, um Knochen, Muskeln und Organe zu erneuern, und das Immunsystem arbeitet verstärkt. Das Gehirn verarbeitet tagsüber gesammelte Eindrücke und Informationen, bildet neue Gedächtnisinhalte und verfestigt bestehende.

Das glymphatische System

Ein wichtiger Aspekt der nächtlichen Gehirnreinigung ist das glymphatische System. Dieses System spült die Leerräume zwischen den Nervenzellen mit Liquor (Gehirnwasser) durch, um Abfallprodukte abzutransportieren. Die Neurowissenschaftlerin Maike Nedergaard vermutet, dass das glymphatische System vor allem während des Schlafens aktiv ist.

Folgen mangelnder Reinigung

Schlafentzug kann dazu führen, dass das glymphatische System weniger gut arbeitet. Dies kann sich negativ auf Stimmung, Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit auswirken. Studien deuten darauf hin, dass Störungen des glymphatischen Systems zur Entstehung von Krankheiten wie Migräne, Epilepsie oder Schlafstörungen beitragen können. Es gibt auch Hinweise darauf, dass ein gestörter Abtransport von Beta-Amyloid-Proteinen, die sich bei Alzheimer im Gehirn ablagern, die Entstehung dieser Krankheit begünstigen könnte.

Das alternde Gehirn: Ein natürlicher Prozess

Mit zunehmendem Alter lassen Gedächtnisleistung und Gehirnfunktionen nach. Dieser Prozess ist normal und muss nicht mit Krankheiten wie Alzheimer in Verbindung stehen. Bis zum Alter von 25 Jahren reift das Gehirn, danach beginnt ein langsamer Abbau.

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"Last in, first out"

Ein Forschungsteam verglich die Alterung des Gehirns von Menschen und Schimpansen. Dabei stellten sie fest, dass die Bereiche, die sich beim Menschen zuletzt entwickelt haben, sich auch zuerst wieder abbauen. Dazu gehört vor allem der präfrontale Kortex, der für komplexe rationale Entscheidungen zuständig ist.

Die "Gehirn-Uhr"

Ein anderes Forschungsteam versuchte, das Alter des Gehirns anhand der Interaktion der einzelnen Hirnregionen vorherzusagen. Eine "Hirnalterslücke" von beispielsweise zehn Jahren bei einer 50-jährigen Person bedeutet, dass die Gehirnleistung der einer 60-jährigen Person entspricht.

Einflussfaktoren

Das Altern des Gehirns wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, darunter Umweltverschmutzung, Kultur, sozioökonomische Bedingungen und Ernährung. Neurodegenerative Krankheiten wie Parkinson können den Alterungsprozess beschleunigen.

Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention

Da es bislang keine heilende Therapie für Alzheimer gibt, ist die Prävention von Demenz von großer Bedeutung. Ein vielversprechender Ansatz liegt in der orthomolekularen Medizin, die auf den gezielten Einsatz von Mikronährstoffen setzt, um die Gehirngesundheit zu unterstützen und das Demenzrisiko zu senken.

Was ist orthomolekulare Medizin?

Die orthomolekulare Medizin wurde von Linus Pauling geprägt und zielt darauf ab, den Körper mit optimalen Konzentrationen natürlicher Mikronährstoffe zu versorgen, um Gesundheit zu erhalten und Krankheiten vorzubeugen. Sie setzt auf hochwertige Vitalstoffe in teils hohen Dosierungen, stets unter individueller Anpassung an den Bedarf des Patienten.

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Wissenschaftliche Fundierung

Inzwischen stützen zahlreiche Studien die Bedeutung von Mikronährstoffen in Prävention und Therapie. Experten fordern einen ganzheitlichen Ansatz, der mehrere Mechanismen gleichzeitig positiv beeinflusst. Die orthomolekulare Medizin kombiniert wissenschaftliche Evidenz mit einem ganzheitlichen Therapieverständnis, um durch Ernährung, Supplemente und Lebensstiländerungen die bestmögliche Gehirngesundheit zu erreichen.

Angriffspunkte für Mikronährstoffe

Alzheimer ist eine komplexe neurodegenerative Erkrankung, bei der über Jahrzehnte schleichend Gehirnzellen absterben. Mikronährstoffe können an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:

  • Antioxidativer Schutz: Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen.
  • Entzündungshemmung: Omega-3-Fettsäuren, Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe wirken entzündungsmodulierend.
  • Homocystein und Gefäßgesundheit: B-Vitamine senken den Homocysteinspiegel, der mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko korreliert.
  • Energiehaushalt und Insulinsignalwege: B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen.
  • Neurotransmitter und Synapsen: Bestimmte Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter.
  • Amyloid-Clearance: Vitamin D fördert die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen.

Wichtigste Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention

  • B-Vitamine (B₆, B₁₂, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor.
  • Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende „Brain Food“-Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen.
  • Vitamin D: Wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn.
  • Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn.
  • Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
  • Zink & Selen: Essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen.
  • Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).
  • Lithium (Spurenelement): Könnte das Fortschreiten von Alzheimer verlangsamen.

Die Alterung des Gehirns und was dagegen hilft

Auch wenn mit zunehmendem Alter Gedächtnisleistung und Gehirnfunktionen nachlassen, gibt es Möglichkeiten, sich auch im hohen Alter einen scharfen Verstand zu bewahren.

Empfehlungen des Institute of Medicine (IOM)

  • Körperlich aktiv bleiben: Je eher man damit anfängt, umso besser.
  • Stetige Kontrolle bei hohem Blutdruck und Diabetes, sowie der Verzicht auf Rauchen: Alles, was schlecht für das Herz ist, ist auch schlecht für das Gehirn.
  • Einige Medikamente für Senioren können das Gehirn umnebeln: Immer nach etwaigen Nebenwirkungen fragen.
  • Sozial und intellektuell aktiv bleiben
  • Ausreichend Schlaf
  • Vorsicht vor Produkten, die eine Verbesserung der kognitiven Funktionen versprechen: Es gibt keine Beweise, dass Vitamine oder Nahrungsergänzungsmittel hülfen.

Neugier und geistige Herausforderungen

Wer auch im hohen Alter neugierig bleibt und seinen Geist fordert, kann das Altern des Gehirns auf wirkungsvolle Weise stoppen. Das Erlernen neuer Hobbys hat positive Effekte auf die graue Substanz im Gehirn.

Musikalische Betätigung

Auch das Musizieren oder aktive Hören von Musik kann dem altersbedingten Abbau des Gehirns entgegenwirken. Eine Studie zeigte, dass sowohl Klavierspielen als auch aktives Zuhören die graue Substanz in bestimmten Hirnregionen erhöhen und das Arbeitsgedächtnis verbessern können.

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Biohacking für die Gehirngesundheit

Biohacking ist ein Konzept, das darauf abzielt, die menschliche Physiologie positiv zu verändern und die Gehirnleistung zu steigern.

5 Health Hacks für Gehirn und Gedächtnis

  1. Fasten: Studien zeigen, dass Fasten die SIRT1- und SIRT2-Gene aktiviert, die den Alterungsprozess verlangsamen. Es stärkt das Immunsystem, erhöht die Langlebigkeit, fördert klares Denken, reduziert die Insulinproduktion, erhöht das Energieniveau und reduziert Depressionen und Angstsymptome.
  2. Bewegung: Regelmäßige körperliche Aktivität (mindestens 150 Minuten pro Woche) ist gut für Herz, Kreislauf, Gehirn und Gedächtnis. Bewegung erhöht den BDNF-Spiegel (Brain-Derived Neurotrophic Factor), ein Protein, das die Neubildung von Erinnerungen fördert und die langfristige Gedächtnisleistung unterstützt.
  3. Low-Carbohydrate Diet: Eine kohlenhydratarme Ernährung, wie die ketogene oder Paleo-Diät, kann die Gehirnfunktion optimieren. Der Körper produziert Ketone aus Körperfett, die das Gehirn als alternative Energiequelle nutzen kann.
  4. Entzündungen reduzieren: Chronische Entzündungen sind schädlich für Gehirn und Körper. Entzündungsfördernde Lebensmittel sollten vermieden und entzündungshemmende Lebensmittel wie Beeren, Fisch, Nüsse, Samen, Avocado, grüner Tee, Paprika und dunkle Schokolade konsumiert werden.
  5. Homocystein senken: Ein erhöhter Homocysteinspiegel kann das Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und kognitive Beeinträchtigungen erhöhen. Die Einnahme von Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure kann den Homocysteinspiegel senken und die Gehirnfunktion verbessern.

5 Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung von Gehirn und Gedächtnis

  1. Kurkuma: Der Wirkstoff Curcumin hat entzündungshemmende Eigenschaften und kann die Amyloid-Plaque-Bildung im Gehirn reduzieren.
  2. Bacopa Monnieri: Verbessert die Geschwindigkeit der visuellen Informationsverarbeitung, die Lernrate und das Gedächtnis.
  3. Forskolin: Erhöht den cAMP-Spiegel im Körper, was die Zellkommunikation verbessert und die Regeneration von Gehirnzellen fördert.
  4. Omega-3-Fettsäuren: Spielen eine wichtige Rolle für die Gesundheit von Gehirn, Herz und Darm. Resolvine, Omega-3-Metabolite, helfen, Entzündungen zu reduzieren.
  5. Xanthine: Koffein (z.B. in Kaffee, Tee, Soda und dunkler Schokolade) verbessert die Konzentration, Energie und Aufmerksamkeit.

Die Rolle von Intelligenz im Kontext des Gehirnabbaus

Unsere Intelligenz besteht aus verschiedenen Komponenten, von denen die fluide und die kristalline Intelligenz besonders wichtig sind.

Fluide vs. kristalline Intelligenz

Fluide Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, Probleme zu lösen und sich an neue Situationen anzupassen. Diese Fähigkeit nimmt mit dem Alter ab. Kristalline Intelligenz basiert auf Wissen und Fähigkeiten, die wir im Laufe unseres Lebens erworben haben. Diese Form der Intelligenz bleibt im Alter oft stabil oder nimmt sogar zu.

Neuronale Kompensation

Das Gehirn verfügt über Mechanismen, um Funktionsverluste auszugleichen, indem es alternative Netzwerke oder Mechanismen nutzt. Dies wird als neuronale Kompensation bezeichnet. Es gibt drei Arten der neuronalen Kompensation: Hochregulierung, Selektion und Reorganisation.

Individuelle Unterschiede beim Gehirnabbau

Der Abbau im Gehirn lässt sich nicht pauschal vorhersagen, da es erhebliche individuelle Unterschiede gibt. Genetische Veranlagungen, Lebensstil, Gesundheitszustand und Umwelteinflüsse spielen eine große Rolle dabei, wie schnell und stark diese Abbauprozesse ablaufen.

Faktoren, die den Abbau beeinflussen

  • Genetische Veranlagung
  • Lebensstil: Geistige Aktivität, körperliche Aktivität, Ernährung, Schlaf, soziale Kontakte
  • Gesundheitszustand: Chronische Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Umwelteinflüsse: Anregendes Umfeld, geistige Herausforderungen

Strategien zur Entgegenwirkung des Gehirnabbaus

Es gibt zahlreiche Strategien, mit denen man dem Abbau im Gehirn entgegenwirken kann:

  • Sportliche Aktivität: Sportlich aktive Menschen verlieren weniger Nervenzellen.
  • Soziale Kontakte: Menschen mit vielen sozialen Kontakten haben ein besser erhaltenes Gehirn.
  • Ausreichend Schlaf: Essentiell für die Gehirngesundheit.
  • Ausgewogene Ernährung: Obst, Gemüse, Nüsse und Fisch sind besonders gut für die Gehirnfunktion.
  • Geistige Herausforderungen: Lesen, Puzzles lösen oder das Erlernen neuer Fähigkeiten hält das Gehirn auf Trab.
  • Lachen: Aktiviert verschiedene Bereiche des Gehirns, fördert die Durchblutung und setzt Endorphine frei.

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