Erektionsstörungen nach Meningitis: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Erektionsstörungen, auch erektile Dysfunktion oder umgangssprachlich Impotenz genannt, sind ein häufiges Problem, das Männer jeden Alters betreffen kann. Während die Ursachen vielfältig sind, von körperlichen Erkrankungen bis hin zu psychischen Belastungen, kann in seltenen Fällen auch eine Meningitis (Hirnhautentzündung) eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Zusammenhänge zwischen Meningitis und Erektionsstörungen, geht auf weitere Ursachen ein und stellt Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten vor.

Was ist Meningitis?

Die Meningitis ist eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute. Sie kann durch verschiedene Erreger verursacht werden, darunter Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten. Eine bakterielle Meningitis ist besonders gefährlich und wird oft durch Meningokokken, Pneumokokken oder Haemophilus influenzae Typ b ausgelöst. Virale Meningitiden verlaufen meist weniger schwerwiegend.

Symptome der Meningitis

Die Symptome einer Meningitis können sich schnell entwickeln, insbesondere bei bakteriellen Infektionen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Hohes Fieber
  • Nackensteifigkeit (Meningismus)
  • Starke Kopfschmerzen
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtscheu
  • Verwirrtheit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Epileptische Anfälle (in 15-30 Prozent der Fälle)

Bei einer Meningokokkeninfektion kann in 75 Prozent der Fälle ein Exanthem (Hautausschlag) am Körperstamm, den Beinen, den Schleimhäuten oder an der Bindehaut der Augen auftreten. In schweren Fällen kann es zu einem rasanten Verlauf mit inneren Blutungen (Waterhouse-Friderichsen-Syndrom) und Multiorganversagen kommen.

Diagnose und Behandlung der Meningitis

Die Diagnose einer Meningitis erfordert schnelles Handeln. Im Blut lassen sich regelhaft deutlich erhöhte Entzündungszeichen nachweisen. Bei Verdacht auf infektiöse Meningitis werden Blutkulturen abgenommen und Nervenwasser (Liquor) für die Erregerdiagnostik gewonnen. Die Behandlung erfolgt notfallmäßig mit einer Kombination von Antibiotika, die die Blut-Hirn-Schranke überwinden können. In bestimmten Fällen wird zusätzlich Kortison verabreicht.

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Mögliche Zusammenhänge zwischen Meningitis und Erektionsstörungen

Obwohl Erektionsstörungen nicht zu den typischen direkten Folgen einer Meningitis gehören, gibt es verschiedene Mechanismen, durch die eine Hirnhautentzündung indirekt zu sexuellen Funktionsstörungen führen kann:

  1. Schädigung des Nervensystems: In schweren Fällen kann eine Meningitis zu einer Hirnentzündung (Zerebritis) führen, die neurologische Ausfälle wie Lähmungen, Gesichtsfeldeinschränkungen oder Sprachstörungen verursachen kann. Sind die für die Erektion verantwortlichen Nerven betroffen, kann dies zu Erektionsstörungen führen. Auch Schädigungen des Rückenmarks (Myelitis) sind möglich.

  2. Hypophyseninsuffizienz: In seltenen Fällen kann eine Meningitis die Hypophyse schädigen und zu einer Hypophyseninsuffizienz führen. Die Hypophyse ist eine wichtige Hormondrüse, die unter anderem die Produktion von Geschlechtshormonen steuert. Ein Ausfall der Geschlechtshormonproduktion kann zu Impotenz, Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche führen. Die Hypophyse kann durch Tumore beschädigt werden, meistens handelt es sich dabei um sogenannte Adenome (gutartige Wucherung von Drüsengewebe).

  3. Psychische Belastung: Eine schwere Erkrankung wie die Meningitis kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Angst, Depressionen, Stress und ein vermindertes Selbstwertgefühl können die sexuelle Funktion beeinträchtigen und zu Erektionsstörungen führen.

  4. Medikamente: Einige Medikamente, die zur Behandlung der Meningitis eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Erektionsstörungen verursachen.

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Es ist wichtig zu beachten, dass Erektionsstörungen nach Meningitis eher selten sind und in den meisten Fällen andere Ursachen zugrunde liegen.

Weitere Ursachen von Erektionsstörungen

Die erektile Dysfunktion hat vielfältige Ursachen, die sich grob in organische und psychische Faktoren einteilen lassen. Oft spielen beide Bereiche eine Rolle.

Organische Ursachen

  • Vaskuläre Ursachen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und erhöhte Blutfettwerte sind häufige Auslöser. Sie stören die Blutversorgung des Penis. Auch Diabetes mellitus kann langfristig die Blutgefäße und Nerven schädigen.

  • Neurologische Ursachen: Schädigungen der Nerven, die für die Erektion verantwortlich sind, können durch Operationen, Rückenmarksverletzungen, Schlaganfälle, Multiple Sklerose, Parkinson-Krankheit oder diabetische Neuropathie entstehen.

  • Hormonelle Ursachen: Ein Testosteronmangel (Hypogonadismus) kann die Libido und Erektionsfähigkeit beeinträchtigen. Auch Schilddrüsenerkrankungen können eine Rolle spielen.

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  • Medikamente: Bestimmte Medikamente wie Blutdrucksenker (insbesondere Betablocker), Antidepressiva, Beruhigungsmittel, Chemotherapeutika und Medikamente zur Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen oder Prostatakrebs können Erektionsstörungen verursachen.

  • Strukturelle Ursachen: Anatomische Veränderungen des Penis, wie die Peyronie-Krankheit (Penisverkrümmung), können Erektionsstörungen verursachen.

  • Nierenerkrankungen: Bei Nierenerkrankungen kann es zu sexuellen Funktionsstörungen wie z.B. vermindertem sexuellem Verlangen (Libidoverlust) oder Erektionsstörungen kommen.

Psychische Ursachen

  • Stress und Leistungsdruck: Hoher Stress im Berufs- oder Privatleben sowie Versagensängste können die Erektionsfähigkeit beeinträchtigen.

  • Depressionen und Angststörungen: Psychische Erkrankungen wie Depressionen, generalisierte Angststörungen oder Burnout gehen häufig mit Erektionsstörungen einher.

  • Beziehungsprobleme: Konflikte, mangelnde Kommunikation oder ungelöste Probleme in der Partnerschaft können zu Erektionsproblemen führen.

  • Traumatische Erlebnisse: Sexuelle Traumata oder negative sexuelle Erfahrungen in der Vergangenheit können psychogene Erektionsstörungen verursachen.

Diagnose von Erektionsstörungen

Eine präzise Diagnostik ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung. Der Arzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um die Krankengeschichte, Vorerkrankungen, eingenommene Medikamente, Lebensstil und Symptome zu erfassen.

Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung umfasst die Untersuchung des äußeren Genitals, das Abtasten der Prostata, die Überprüfung von Reflexen und Sensibilität sowie die Messung des Blutdrucks.

Bluttests

Bluttests sind wichtig, um organische Ursachen wie Diabetes, Fettstoffwechselstörungen oder Hormonmangel festzustellen. Es werden insbesondere Testosteron, Blutzucker, Blutfette, Nieren- und Leberwerte geprüft.

Weitere Untersuchungen

  • Schwellkörper-Injektionstest: Ein Medikament wird in den Penis gespritzt, um die Erektionsfähigkeit und Durchblutung zu prüfen.

  • Doppler-Sonografie: Eine Ultraschalluntersuchung misst den Blutfluss im Penis und hilft, vaskuläre Ursachen zu erkennen.

  • Messung der nächtlichen penilen Tumeszenz (NPT): Die nächtlichen Erektionen werden über mehrere Nächte aufgezeichnet, um psychische Ursachen zu erkennen.

  • Neurologische Tests: Bei Verdacht auf Nervenschäden können neurologische Tests notwendig sein.

  • Psychologische Untersuchung: Bei Verdacht auf psychische Ursachen kann ein Psychologe oder Psychotherapeut Depressionen, Ängste oder Beziehungsprobleme feststellen.

Behandlung von Erektionsstörungen

Die Behandlung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache.

Behandlung organischer Ursachen

  • Behandlung der Grunderkrankung: Bei vaskulären Ursachen ist eine Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen wichtig.

  • Hormontherapie: Bei Testosteronmangel kann eine Testosteronersatztherapie in Form von Gels, Spritzen oder Tabletten helfen.

  • Medikamentöse Therapie: Phosphodiesterase-5-Hemmer (PDE-5-Hemmer) wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) oder Vardenafil (Levitra) verbessern die Durchblutung des Penis und erleichtern das Erreichen einer Erektion.

  • Schwellkörper-Autoinjektionstherapie (SKAT): Der Patient injiziert selbstständig ein gefäßerweiterndes Medikament in den Penis.

  • Vakuumerektionshilfe: Eine Vakuumpumpe erzeugt einen Unterdruck, der Blut in den Penis zieht. Ein Gummiring am Penisansatz hält das Blut zurück.

  • Operation: In seltenen Fällen, z.B. bei Peyronie-Krankheit oder Gefäßverschlüssen, kann eine Operation notwendig sein.

Behandlung psychischer Ursachen

  • Psychotherapie: Eine Psychotherapie kann helfen, Stress, Ängste, Depressionen oder Beziehungsprobleme zu bewältigen, die zu Erektionsstörungen führen.

  • Paartherapie: Bei Beziehungsproblemen kann eine Paartherapie sinnvoll sein.

  • Sextherapie: Eine Sextherapie kann helfen, sexuelle Ängste und Versagensängste abzubauen und die sexuelle Kommunikation zu verbessern.

Allgemeine Maßnahmen

  • Gesunder Lebensstil: Ein gesunder Lebensstil mit viel Bewegung, ausgewogener Ernährung, wenig Alkohol und Nikotin sowie dem Abbau von Übergewicht kann die Potenz verbessern.

  • Regelmäßige Bewegung: Sport und Bewegung fördern die Durchblutung und können Erektionsstörungen entgegenwirken.

Prävention von Meningitis

Einige Formen der Meningitis lassen sich durch Impfungen verhindern. Es gibt Impfungen gegen Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Pneumokokken und Meningokokken. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt bestimmte Impfungen für Säuglinge, Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Postexpositionsprophylaxe bei Meningokokken-Erkrankung

Um die Ausbreitung von Meningokokken zu verhindern, ist bei nachgewiesener invasiver Meningokokken-Erkrankung oder Meningokokken-Konjunktivitis eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) für enge Kontaktpersonen erforderlich. Die PEP sollte so schnell wie möglich durchgeführt werden. Mittel der Wahl für Kinder ist Rifampicin. Alternativ ist eine Prophylaxe mit Ceftriaxon (i. m. Applikation) oder Azithromycin möglich.

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