Gerd Müller: Diagnose Alzheimer – Ein Kampf gegen das Vergessen

Die Nachricht von Gerd Müllers Alzheimer-Erkrankung hat Fußball-Deutschland und die Welt erschüttert. Der "Bomber der Nation", eine Legende des deutschen Fußballs, kämpft nun seinen schwersten Kampf - den gegen das Vergessen.

Eine Fußballlegende

Gerd Müller, geboren am 3. November, war einer der besten deutschen Stürmer aller Zeiten. Seine Erfolge sind unbestritten:

  • Weltmeister
  • Europameister
  • Europapokalsieger
  • Weltpokalgewinner
  • WM-Torschützenkönig
  • EM-Torschützenkönig

Mit 365 Toren steht er bis heute mit gewaltigem Abstand an der Spitze der ewigen Schützenliste der Bundesliga. Miroslav Klose konnte erst später Müllers legendäre Länderspiel-Rekordmarke von 68 Toren (bei 62 Einsätzen) übertreffen. Klose benötigte für sein 69. Tor aber 132 Länderspiele.

Müller gewann alles, was es zu gewinnen gab, und schoss Tore wie kein anderer. Er war der Schrecken aller Verteidiger.

Der Kampf gegen die Sucht

Es gab schon einmal in seinem Leben eine ähnlich schwierige Phase. Müller war dem Alkohol verfallen. Um die Sucht zu besiegen, half ihm sein Freund Uli Hoeneß, eine Entziehungskur zu machen. Das war Anfang der neunziger Jahre. Franz Beckenbauer half ihm danach, wieder Fuß zu fassen. Gerd Müller bekam eine Stelle beim FC Bayern als Torwart- und Stürmertrainer für die Amateure und Jugendspieler.

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Ein Leben für den Fußball

Gerd Müller wuchs in Nördlingen auf und spielte in der Bundesliga nur für den FC Bayern. Nach 15 Jahren beim Klub zog er mit seiner Frau Uschi und seiner Tochter Nicole nach Florida. Dort stürmte er noch für die Lauderdale Strikers und eröffnete ein Steak-Restaurant.

Seit 1967 ist Müller mit seiner Uschi verheiratet.

Die Alzheimer-Diagnose

Anfang Oktober wurde die Alzheimer-Erkrankung von Gerd Müller öffentlich gemacht. Alzheimer ist eine bis heute unheilbare, neurodegenerative Erkrankung. Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz, an der nach Angaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft bundesweit 1,6 Millionen Menschen leiden. Alzheimer ist zwar nicht heilbar, doch das Fortschreiten der Symptome lässt sich mit Medikamenten vorübergehend hinauszögern. Das Wesen des Erkrankten verändert sich. Viele Patienten erkennen ihre Angehörigen nicht mehr, manche werden aggressiv.

Seit Februar wird der einstige "Bomber der Nation" in einem Pflegeheim im Münchner Süden betreut - liebevoll umsorgt von seiner Frau Uschi. Auch einstige Weggefährten beim FC Bayern München wie Roth, Karl-Heinz Rummenigge, Franz Beckenbauer, Uli Hoeneß oder Paul Breitner kümmern sich nach wie vor rührend um ihren Gerd.

"Gerd war ein wunderbarer Mitspieler und ist ein Freund. Er wird immer seinen festen Platz bei uns haben", sagte Rummenigge. "Wir helfen Gerd, wo es nur geht", wird Hoeneß in der Biografie "Der Bomber der Nation" zitiert.

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Sie wissen alle, was sie dem wohl besten Torjäger Deutschlands zu verdanken haben. "Ohne die Tore vom Gerd wären wir noch immer in unserer alten Holzhütte an der Säbener Straße", würdigte Kaiser Beckenbauer dessen Verdienste. Und Deutschland wäre ohne Müllers unnachahmliches Siegtor wohl auch nicht Weltmeister geworden.

Das Schweigen und die Erinnerung

Um Müller ist es längst still geworden. Im November feierte Müller im engsten Familienkreis seinen Geburtstag. Auf ein großes Fest wurde verzichtet. Der große Gerd Müller kämpft nun einen letzten, schweren Kampf: den gegen das Vergessen.

Müller war immer der Stille, der schüchterne und bescheidene Star, der auf all den Trubel um seine Person verlegen reagierte. Als ihn der FC Barcelona mit dem astronomischen Jahresgehalt von 600.000 Mark köderte, lehnte er verständnislos ab.

Wenn Gerd Müllers Erkrankung irgendeinen Sinn haben soll, dann den, der Demenz ein Gesicht gibt. Uns bleiben die Bilder und die Erinnerung an einen großartigen Fußballer.

Leben mit der Diagnose

Vor rund fünf Jahren habe Müller die Diagnose Demenz erhalten, seitdem benötige er eine Rundumbetreuung. Gegenüber „Bild“ spricht Uschi Müller viel über seine erfolgreiche Karriere beim FC Bayern München: „Er war sich seiner Erfolge niemals bewusst, es hat ihm einfach Spaß gemacht. Er war immer ein bescheidener, zurückhaltender, zurückgezogener Mensch.“

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Obwohl sich Uschi und Gerd seit 53 Jahren kennen, habe der Fußballer vieles vor seiner Frau geheim gehalten: „Was er mit sich ausgemacht hat, das blieb auch bei ihm. Er ließ sich nicht in seine Seele schauen. Da wusste auch ich nichts von ihm.“ Auch über seine jahrelange Alkoholabhängigkeit habe Müller nicht sprechen wollen, so Uschi gegenüber der „Bild“. Diese habe er jedoch erfolgreich überstanden.

Mittlerweile läge der 75-Jährige als Palliativpatient auf der Intensivstation. „Der Gerd schläft seinem Ende entgegen“, so Uschi Müller. „Er ist ruhig und friedlich, muss, glaube ich, auch nicht leiden. Er schläft langsam hinüber.“ Seinen Geburtstag werde Uschi wie jeden anderen Tag an der Seite ihres Mannes verbringen.

Was ist Alzheimer?

Eine Alterserkrankung des Gehirns, benannt nach dem deutschen Arzt Alois Alzheimer, der sie erstmals beschrieb. Zu den Symptomen gehören Gedächtnis- und Orientierungsstörungen sowie Einschränkungen beim Denk- und Urteilsvermögen, die zu einer langsamen „Auflösung” der Persönlichkeit führen. Mediziner nennen dieses Erscheinungsbild Demenz. Alzheimer ist zwar die häufigste Ursache für eine Demenz, allerdings muss umgekehrt die Ursache einer Demenz nicht zwangsläufig die Alzheimer-Krankheit sein.

Was passiert bei Alzheimer im Gehirn?

Man erkennt typische Verklumpungen von Eiweißmolekülen im Gehirn und ein Absterben von Nervenfasern und Nervenzellen - mit der Folge, dass das Gehirn schrumpft. Dieser Vorgang schadet vor allem Gedächtnis, Sprach- und Denkvermögen.

Ist Alzheimer vererbbar?

Die Veranlagung für Alzheimer tragen wir häufig in uns. Wenn ein Verwandter ersten Grades (Eltern, Geschwister) erkrankt, liegt das eigene Risiko, irgendwann im Leben an Alzheimer zu erkranken, bei bis zu 20 Prozent.

Ab wann muss man sich Sorgen machen?

Wenn Gedächtnisstörungen zumindest ein halbes Jahr bestehen und von einer weiteren Person bestätigt werden. Sie können sich nur noch sehr schlecht konzentrieren.

Wie erkennen Fachleute Alzheimer?

Es gibt drei Schritte: Der erste Schritt besteht aus der Krankengeschichte und psychologischen Testverfahren. Dabei werden dem Patienten zum Beispiel kurze Geschichten erzählt, die er nach 15 Minuten wiedergeben soll. Am Ende kann man sagen, ob eine Demenz vorliegt. Dann folgt die Ursachenforschung. Als zweiter Schritt die Analyse von Kernspin- oder CT-Aufnahmen des Gehirns und wenn möglich als dritter Schritt die Untersuchung von Gehirnflüssigkeit. Dann weiß man in der Regel, ob Alzheimer vorliegt.

Was schützt vor Alzheimer?

Einen absoluten Schutz gibt es nicht. Aber Menschen, die gedanklich und körperlich ein ganzes Leben lang aktiv sind, haben ein geringeres Risiko, an einer Demenz zu erkranken.

Stirbt man an Alzheimer?

In der Regel nicht. Ein typischer Krankheitsverlauf eines Alzheimer-Patienten ist jedoch ein Knochenbruch nach einem Sturz, gefolgt von langer Bettlägerigkeit, die wiederum das Risiko für eine tödliche Lungeninfektion erhöht.

Wie kann man sich auf ein Leben mit der Krankheit vorbereiten?

Die Familie sollte sich genau über Alzheimer und wie man mit Kranken umgeht informieren. In der Wohnung können Orientierungshilfen und Gedächtnisstützen helfen. Etwa ein Zettel mit wichtigen Telefonnummern oder ein Wochenplan für Termine wie Einkäufe, die Selbsthilfegruppe oder Besuche. Machen Sie die Wohnung zudem sicherer, indem Sie für eine helle Beleuchtung sorgen und Stolperfallen entfernen. Es gibt auch technische Hilfsmittel wie Herdplatten, die sich nach einer Zeit von allein ausschalten oder einen Überlaufalarm bei Badewannen.

Kann Gedächtnistraining Alzheimer aufhalten?

Das übliche Gedächtnistraining (z. B. Kreuzworträtsel) eignet sich nicht für Demenzkranke, denn es ist leistungsorientiert und erzeugt oft nur Frust. Besser eignen sich spielerische Übungen, die sich in den Alltag einbauen lassen, etwa das gegenseitige Vorlesen aus der Zeitung und das Gespräch darüber. Man sollte etwas unternehmen, aktiv bleiben und den Demenzkranken mit einbeziehen, etwa ihn im Haushalt helfen lassen. Dabei kommt es nicht auf das perfekte Ergebnis an, sondern auf das gemeinsame Tun.

Soll man den Alzheimerkranken darauf hinweisen, wenn er Namen verwechselt?

Nein, er wird sich die Namen dadurch nicht besser merken können. Es verärgert ihn nur, wenn man ständig seine Schwächen bloßstellt.

Wie sehr belastet Alzheimer die Angehörigen?

Die Erkrankten benötigen rund um die Uhr Anleitung, Betreuung und Beaufsichtigung. Das bringt Angehörige oft an die Grenzen der Belastbarkeit, zumal sich die meisten ebenfalls schon im höheren Lebensalter befinden. Das Risiko für Burn-out, Depression und Suchterkrankungen steigt. Deshalb sollten sich Angehörige unbedingt nach Hilfen umschauen.

Welche Hilfen gibt es für Angehörige?

Es gibt ‚Betreuungsgruppen‘, in denen die Kranken ein oder zwei Nachmittage in der Woche gesellig beieinander sein können. Vielerorts haben sich auch Helferinnenkreise etabliert: Freiwillig Engagierte kommen für einige Stunden zu Hause vorbei und leisten Gesellschaft. Für die Angehörigen entstehen so Freiräume, um einmal durchzuatmen. Es gibt außerdem Fortbildungen, wie das Programm ‚Hilfe beim Helfen‘. Auch Tagespflege- oder Kurzzeitpflegeeinrichtungen entlasten die Angehörigen für einige Stunden oder Tage. Und nicht zuletzt sollten Angehörige, wenn Pflegebedarf besteht, einen Antrag bei der Pflegekasse stellen.

Ist die Krankheit heilbar?

Derzeit nicht. Es gibt aber Medikamente, die das Fortschreiten der Krankheit verzögern. Diese Antidementiva verbessern Gehirn- und Gedächtnisleistung und verschieben den Zeitpunkt, an dem schwere Symptome wie zum Beispiel Pflegebedürftigkeit auftreten, um etwa ein Jahr nach hinten.

Sind neue Therapien in Sicht?

Ja. Eine Art Impfung befindet sich in der Entwicklung. Sie soll das Immunsystem dazu anstacheln, frühzeitig die erwähnten Eiweißablagerungen zu bekämpfen. So eine Therapie wird bei weit fortgeschrittenem Alzheimer nicht helfen, aber vielleicht bei sehr frühen Stadien.

Alzheimer: Forschung und Ursachen

Mit seinen knapp 70 Jahren ist Gerd Müller ein noch recht junger Patient mit dieser Diagnose. Die meisten Betroffenen sind 85 Jahre alt und älter. Bis heute ist Alzheimer eine unheilbare Erkrankung. In bestimmten Bereichen des Gehirns gehen Nervenzellen zugrunde. Die Gründe dafür werden derzeit weltweit erforscht.

An einer mittlerweile anerkannten Theorie forscht unter anderem der Tübinger Neurowissenschaftler Mathias Jucker. Er ist überzeugt davon, dass der Niedergang der Nervenzellen im Gehirn eines Alzheimerpatienten auf dem sogenannten Prion-Prinzip beruht: Dabei zwingen falsch gefaltete Prionproteine dem perfekt strukturierten Pendant im Gehirn wie mit einer Art Schablone ihre Form auf - mit dem Ergebnis, dass Nervenzellen massenhaft zugrunde gehen, sodass das Hirn eines an diesem Altersleiden verstorbenen Menschen aussieht wie ein Schwamm.

Die Ursache für diesen Zelluntergang ist derzeit ebenfalls unklar. Es werden Umweltfaktoren, chronische Erkrankung, Spurenelemente wie Aluminium und psychische Komponenten diskutiert.

Auch Alkoholmissbrauch wird immer wieder für den Niedergang der Nervenzellen angeführt: Einen direkten, wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhang zwischen Alkoholismus und Alzheimer gibt es nicht. Zwar gehen bei jedem Vollrausch Zehntausende Nervenzellen verloren, jedoch muss man viele Jahre sehr viel trinken, damit dies eine spürbare Auswirkung hat: Beim sogenannten „Wernicke-Korsakow-Syndrom“ schwerer Alkoholiker schrumpft das Gehirn und kommt es zu einer Demenz. Diese unterscheidet sich jedoch von der Alzheimer-Demenz - zumindest in bildgebenden Verfahren. Die Symptomatik einer alkoholbedingten Demenz kann aber durchaus ähnlich sein wie bei dem Altersleiden Alzheimer.

Wie Alzheimer beginnt

Das Leiden beginnt damit, dass man nicht mehr weiß, wo der Schlüssel liegt, und es geht damit weiter, dass man plötzlich seine Freunde und Angehörige nicht mehr erkennt. Diese Demenz ist ein Leiden, das einen verheerenden Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen hat. Am Ende ihres Lebens verändern Alzheimerpatienten häufig ihre Persönlichkeit - was für Angehörige ein schwer zu bewältigendes Problem darstellt.

Diese Art der Altersdemenz ist weder heilbar noch lässt sich das Fortschreiten mit Medikamenten aufhalten. Daher ist es umso wichtiger, vorbeugend zu wirken - auch wenn sich Experten einig sind, dass der kognitive Zerfall letztendlich nicht aufgehalten werden kann. Experten raten zu einem gesunden Lebenswandel: Ausreichend viel Bewegung, ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte könnten das Leiden verzögern. Auch wer sich geistig fit hält, kann seine Nervenzellen möglicherweise vor dem Untergang schützen.

Alzheimer: Formen und Stadien

In Deutschland leben rund 1,6 Millionen Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen leiden unter Alzheimer.

Verschiedene Formen von Alzheimer-Demenz

Am häufigsten tritt die sporadische Form des Alzheimers auf. Bei dieser Erkrankung determinieren genetische sowie Umwelteinflüsse den Verlauf. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Aber auch das ApoE4-Gen, das für den Transport von Fettsäuren zuständig ist, erhöht das Risiko, zu erkranken.

Wesentlich seltener ist die autosomal-dominante Form der Alzheimer-Demenz. Kennzeichnend für diese Form von Alzheimer ist, dass die Symptome wesentlich früher auftreten und sich schneller verstärken beziehungsweise häufen.

Sind innerhalb einer Familie mehrere Menschen an Alzheimer erkrankt, sprechen Mediziner von einer familiären Form von Alzheimer. Bei dieser Form ist das Risiko der Blutsverwandten erhöht, ebenfalls an Alzheimer zu erkranken. Während das Lebenszeitrisiko normalerweise bei zehn Prozent liegt, erhöht es sich bei Verwandten ersten Grades um das Zweieinhalbfache (25 Prozent).

Symptome: Alzheimer-Demenz durchläuft verschiedene Stadien

Der Verlauf der Alzheimer-Erkrankung ist bereits seit Alois Alzheimers ersten Aufzeichnungen gut dokumentiert. Die erste Phase von Demenz-Krankheiten wie Alzheimer ist das Stadium der leichten Demenz.

Die Erkranken können sich neue Dinge nicht mehr merken. Zudem gestalten sich vor allem abstrakte Aufgaben des Alltags, wie beispielsweise eine Steuererklärung, schwierig. In dieser Phase der Alzheimer-Krankheit haben sich in bestimmten Bereichen der Großhirnrinde (Neokortex) erste Proteinklumpen gebildet, sogenannte Beta-Amyloid-Plaques.

Ist das Stadium der mittelschweren Demenz erreicht, haben die verklumpten Proteine bereits weitere Hirnareale befallen. Die Erkrankten können komplexe Formen und Muster nicht mehr richtig erkennen und erinnern. So wird es für die Patienten schwierig, Haushaltsgeräte zu bedienen oder sich selbstständig zu kleiden. Auch das Sprachverständnis leidet. Die Erkrankten selbst sehen die eigenen Beeinträchtigungen meist nicht ein (Anosognosie).

Psychische Symptome in der schweren Demenzphase

Die Symptomatik nimmt im Laufe der Zeit zu. Für den Erkrankten bringt das häufig psychische Zusatzsymptome mit sich, wie Angst, depressive Verstimmungen, Halluzinationen oder eine Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus. Das Stadium der schweren Demenz prägen zunehmende motorische und vegetative Störungen etwa Inkontinenz. Die Erkrankten werden pflegebedürftig. Aufgrund der mangelnden Abwehrfähigkeit ihres Immunsystems leiden Alzheimer-Patienten in diesem letzten Stadium häufig an einer Lungenentzündung, an Infektionen oder anderen Krankheiten. Dieses letzte Stadium führt schließlich zum Tod.

Risikofaktoren und Prävention

Die schlechte Nachricht ist: Ist eine Demenz, vor allem in der häufigsten Form Alzheimer, erst einmal ausgebrochen, lässt sie sich allenfalls verzögern, aber nicht mehr aufhalten oder gar heilen. Umso wichtiger ist es, die Risikofaktoren für den Verfall der kognitiven Fähigkeiten zu kennen - und nach Möglichkeit auszuschalten. Die Forschung hat inzwischen eine ganze Reihe von Gefahrenquellen erkannt, die eine Demenz begünstigen können.

Bei manchen Faktoren sei noch nicht einmal klar, ob es sich um einen Risikofaktor oder ein Frühsymptom der Erkrankung handle. „Das gilt etwa für Depressionen im Alter“, sagt die DZNE-Expertin, die zudem Direktorin an der Klinik für Neurodegenerative Erkrankungen und Gerontopsychiatrie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) ist. „Es gibt Hinweise, dass bestimmte Antidepressiva die Entwicklung einer Alzheimer-Erkrankung verzögern können“.

Drei Risikofaktoren für Demenz, die nicht beeinflussbar sind

  • Alter: Ab dem 60. Lebensjahr verdoppelt sich die Demenzhäufigkeit alle fünf Jahre
  • Geschlecht: Frauen sind eher demenzgefährdet als Männer
  • Genetische Faktoren: So beeinflusst eine bestimmte Variante des ApoE-Gens (wichtig für den Cholesterintransport im Blut) die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer-Demenz zu erkranken. Bei Trägern von ApoE4 treten Krankheitssymptome besonders früh auf.

Sieben wichtige Risikofaktoren für Demenz, die veränderbar sind

„Etwa 30 Prozent des Alzheimer-Risikos lassen sich durch sieben Risikofaktoren erklären, die wir mehr oder minder wirksam beeinflussen können“, sagt die Demenz-Forscherin Miia Kivipelto vom Karolinska-Institut in Stockholm.

Das sind:

  • Diabetes
  • Bluthochdruck
  • Adipositas
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • geringe Bildung
  • Depression

Anja Schneider würde auch schlechtes Hören in die Liste aufnehmen. „Das führt zu sozialer Isolation, was wiederum in einer Depression enden kann. Mit einem Hörgerät wäre ein Risikofaktor für Demenz leicht auszuhebeln.“ Verschiedene Studien hätten die Bedeutung dieses Faktors bereits gezeigt.

Fünf neu entdeckte Risikofaktoren für Demenz

Beobachtungsstudien haben mittlerweile auch folgende Risikofaktoren ausgemacht:

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