Informationen zur stationären Aufnahme in der Uniklinik Bonn, Klinik für Epileptologie

Die Klinik und Poliklinik für Epileptologie am Universitätsklinikum Bonn ist eine führende Fachklinik für die Behandlung von Epilepsien und anderen Anfallserkrankungen. Seit über 40 Jahren werden hier Patientinnen und Patienten mit neu aufgetretenen oder chronischen Epilepsien behandelt, Menschen mit unklaren Anfallsleiden beraten und zu Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Komplikationen von Epilepsien geforscht. Die enge Verknüpfung von klinischer Versorgung und Wissenschaft hat der Klinik auch international eine Spitzenposition in der Epilepsie- und Hirnforschung eingebracht.

Formen der Epilepsie

Bei Epilepsien lassen sich zwei Hauptformen unterscheiden:

  • Fokale Epilepsie: Hier entsteht die Übererregung in einem umschriebenen Areal der Hirnrinde und breitet sich von dort aus.
  • Generalisierte Epilepsie: Bei generalisierten Epilepsien liegt eine weit verbreitete Störung des gesamten Gehirns vor, sodass die Anfälle von Anfang an das ganze Gehirn oder beide Gehirnhälften gleichzeitig erfassen.

Beide Hauptformen können weiter in eine Reihe von Epilepsie-Syndromen unterteilt werden, die sich nach dem Ursprungsort der Anfälle, dem Erkrankungsalter, den Anfallsformen usw. richten. Bei jedem Epilepsie-Syndrom kann es zu verschiedenen Anfallsformen kommen, die für das Syndrom typisch sein können, aber nicht müssen. Daher gibt es eine Einteilung der Epilepsie-Syndrome und eine der epileptischen Anfälle. Eine Syndrom-Diagnose ist für die Behandlung und Prognose von großer Bedeutung. Nicht selten treten bei epileptischen Anfällen klinische Zeichen auf, die für einen Ursprung des Anfalls in einer Hirnhälfte oder gar Hirnregion sprechen. Dies ist zur Lokalisation des Ursprungs der Epilepsie sehr nützlich.

Epilepsien können ein Zeichen einer umschriebenen Erkrankung des Gehirns sein oder durch genetisch vererbbare Veränderungen auf zellulärer Ebene entstehen, z.B. durch Veränderungen der Zellmembran. Akute Auslöser von epileptischen Anfällen bei Menschen, die eine Neigung zu Anfällen haben, kann z.B. ein Schlaf- oder Alkoholentzug sein. Akute Ursachen von Anfällen können aber auch ein Schlaganfall, eine Hirnblutung, eine schwere Verletzung oder Sauerstoffmangel des Gehirns sein. Man spricht dann auch von akut-symptomatischen Anfällen, die nur eine Reaktion auf die Schädigung des Gehirns sind. Bei diesen Erkrankungen steht die Behandlung des Auslösers im Vordergrund. Durch dauerhafte oder chronische Veränderungen der Struktur des Gehirns, z.B.

Gründe für eine stationäre Aufnahme

Es gibt verschiedene Gründe für eine stationäre Aufnahme in der Klinik für Epileptologie:

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  • Abklärung nach einem ersten Anfall: Wenn Sie einen erstmaligen epileptischen Anfall erlitten haben, kann eine stationäre EEG-Diagnostik (z.B. 24-Stunden-EEG) durchgeführt werden, um das Risiko weiterer Anfälle und die Notwendigkeit einer medikamentösen Therapie zu klären.
  • Differenzialdiagnostik: Es ist entscheidend, die Erkrankung mit modernsten Diagnoseinstrumenten genau abzuklären, insbesondere wenn Anfälle neu aufgetreten sind oder die ersten Therapieversuche erfolglos verlaufen sind. Abgeklärt werden muss, ob es sich tatsächlich um eine Epilepsie handelt oder ob andere Erkrankungen wie Synkopen (Ohnmachtsanfälle) oder psychogene nicht-epileptische Anfälle vorliegen.
  • Einstellung und Optimierung der Medikation: Wenn Sie unter einer Epilepsie leiden und bereits Medikamente einnehmen, kann eine stationäre Aufnahme erforderlich sein, um die anfallssupprimierende Medikation hinsichtlich Wirksamkeit und Verträglichkeit zu optimieren.
  • Prächirurgische Epilepsiediagnostik: Wenn eine Operation zur Behandlung der Epilepsie in Frage kommt, ist eine umfangreiche prächirurgische Diagnostik notwendig, um die Möglichkeit eines sicheren und Erfolg versprechenden operativen Eingriffs zu prüfen.
  • Multimodale Komplexbehandlung: Für Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren Epilepsien bietet die Klinik eine multimodale Komplexbehandlung an, bei der neben der medikamentösen Therapie auch Ergotherapie, Physiotherapie, Neuropsychologie/Verhaltensmedizin, Sozialberatung und/oder Logopädie eingesetzt werden.

Diagnostische Verfahren

Im Rahmen der stationären Diagnostik werden verschiedene Verfahren eingesetzt:

  • EEG-Diagnostik: Ruhe-Wach-Routine-EEG, 24/48-Stunden mobiles Langzeit-EEG, Video-EEG-Monitoring (Anfallsaufzeichnung)
  • Bildgebung: Hochauflösende Magnetresonanztomographie (MRT) des Gehirns
  • Neuropsychologische Untersuchung: Beurteilung von Leistungsvermögen (Sprache/Denken), Befindlichkeit/Verhalten, motorischer Koordination, Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprachfunktionen und visuell-räumlichen Funktionen
  • Blutspiegelbestimmung: Überwachung der Konzentration der anfallssupprimierenden Medikamente im Blut

In seltenen Fällen kann es erforderlich sein, die Qualität der EEG-Messung durch eine Implantation von Elektroden in das Gehirn entscheidend zu verbessern, z.B. um den Anfallsherd ganz sicher identifizieren zu können.

Multimodale Komplexbehandlung schwer behandelbarer Epilepsien

Patienten*innen, die zu einer umfassenden Diagnostik oder zur Umstellung ihrer Medikamente für einige Tage stationär in die Klinik kommen, haben die Möglichkeit, an der sogenannten Multimodalen Komplexbehandlung schwer behandelbarer Epilepsien ("KB") teilzunehmen.

Im Rahmen der Komplexbehandlung werden jedem/r Patientenin neben der medizinischen Behandlung mindestens drei für ihn geeignete Therapiemodule vorgeschlagen. Prinzipiell angeboten werden: Physiotherapie, Ergotherapie, Neuropsychologie, Sozialkonsil und Logopädie. Diese Therapieansätze zielen auf eine Verbesserung der Gesamtsituation des/r Patientenin sowie eine bessere Bewältigung der mit der Epilepsie einhergehenden Herausforderungen im Alltag.

Die Häufigkeit der einzelnen Therapien richtet sich nach dem Bedarf der Betroffenen.

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Das Team der Therapeuteninnen und die behandelnden Ärzteinnen treffen sich zu wöchentlichen Fallbesprechungen, bei denen der Therapiebedarf sowie die Therapieziele und -ergebnisse jedes Patienten eingehend besprochen werden.

Aus der Komplexbehandlung heraus ergibt sich häufig auch eine Beratung zu poststationär weiterzuführenden ambulanten Therapien (z.B. Physiotherapie, Neuropsychologische Therapie) oder zu sinnvollen Rehabilitationsmaßnahmen.

Eine Komplexbehandlung dauert mindestens 8 Tage. Die Kosten einer Komplexbehandlung übernimmt die Krankenkasse.

Prächirurgische Epilepsiediagnostik und Epilepsiechirurgie

Im Rahmen der Prächirurgischen Epilepsiediagnostik wird die Möglichkeit eines sicheren und Erfolg versprechenden operativen Eingriffs zur Behandlung der Epilepsie geprüft.

Das Ziel der Epilepsiechirurgie ist dauerhafte Anfallsfreiheit. Solche Eingriffe sind nur bei fokalen Epilepsien möglich. Bei fokalen Epilepsien findet sich oft in der Kernspintomographie ein strukturell auffälliges Hirngebiet, in dem die Anfälle entstehen, der sogenannte "Anfallsherd" oder "Fokus". Bei einem epilepsiechirurgischen Eingriff wird dieser Anfallsherd operativ entfernt. In seltener angewendeten OP-Verfahren werden Verbindungen zwischen Hirngebieten getrennt (Hemisphärotomie, Callosotomie). Auch die Implantation von Neurostimulatoren (z.B. Vagusnerv-Stimulation) ordnet man den chirurgischen Verfahren in der Epilepsietherapie zu.

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Während die operativen Eingriffe selbst in der Neurochirurgischen Klinik (Leitung Prof. Dr. H. Vatter) durchgeführt werden, erfolgt in der Klinik für Epileptologie die umfangreiche, vorgeschaltete prächirurgische Epilepsiediagnostik. Neben der Bildgebung des Gehirns mittels hoch auflösender Magnetresonanztomographie (MRT) muss mit Hilfe des Video-EEG-Monitorings bewiesen werden, dass beispielsweise eine strukturell auffällige Zone im Gehirn (die sogenannte "Läsion") tatsächlich der Ursprungsort ausnahmslos aller Anfälle des Patienten ist. Hierzu müssen möglichst mehrere epileptische Anfälle aufgezeichnet werden, was meist 7-14 Tage dauert; in der Regel werden die Epilepsiemedikamente in diesen Tagen reduziert oder ganz abgesetzt. Die Klinik verfügt über 12 Video-EEG-Betten.

Eine umfangreiche neuropsychologische Untersuchung ist ein wesentlicher Teil des diagnostischen Standardprogramms vor einem epilepsiechirurgischen Eingriff. Untersucht werden die motorische Koordination, Aufmerksamkeit und Exekutivfunktionen, verbales und figurales Gedächtnis, Sprachfunktionen und visuell-räumliche Funktionen sowie emotionales Befinden und Persönlichkeit. Die Untersuchung wird ein Jahr nach der Operation bei einem erneuten kurzen stationären Aufenthalt wiederholt (Follow-up).

Nachdem es gelungen ist, die Anfallsursprungszone klar zu definieren, muss gemeinsam mit den Kollegen*innen der Neurochirurgie beurteilt werden, ob eine operative Entfernung dieses Hirnareals gefahrlos möglich ist. Manchmal müssen hierzu weitere Untersuchungen durchgeführt werden, z.B. Untersuchungen zur Sprachdominanz im Gehirn (z.B. mit transkranieller Doppler-Sonographie, funktioneller Bildgebung oder mit einem Wada-Test).

Für die Mehrzahl der notwendigen Eingriffe wurden in den vergangenen Jahrzehnten Routineverfahren etabliert, die weltweit sehr häufig eingesetzt werden. In Bonn wurden seit dem Ende der 1980er Jahre ca. 4.000 Patienten epilepsiechirurgisch behandelt (Erwachsene und Kinder); über eine entsprechend umfassende Erfahrung verfügt das Zentrum.

Je nach zugrunde liegender Erkrankung führt die Operation bei fast allen Patientinnen zu einem bedeutsamen Rückgang der Anfälle und 50-80% der operierten Patientinnen werden dauerhaft anfallsfrei. Komplikationen treten nur sehr selten auf. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse.

Ketogene Diät

Die ketogene Diät ist eine sehr fettreiche Ernährungstherapie mit sehr wenigen Kohlenhydraten, die zur Behandlung schwer behandelbarer Epilepsien eingesetzt werden kann.

Im Kindesalter wirkt die ketogene Diät bei bestimmten Epilepsieformen sehr gut. Bei erwachsenen Patientinnen und Patienten gibt es auch Studien, bei der eine relevante Besserung der Anfallskontrolle belegt wurde. Hier kommt auch in der Regel die modifizierte Atkins-Diät zum Einsatz - eine weniger einschränkende Form der ketogenen Ernährung, die sich im Alltag leichter umsetzen lässt.

In der Klinik wird eine individuelle Beratung und Betreuung zur ketogenen Ernährungstherapie angeboten. Die ausführliche Aufklärung zu den verschiedenen Diätformen erfolgt in der Ambulanz. Der Start der Therapie findet anschließend auf der Station Foerster im Rahmen eines multidisziplinären Konzepts statt. So wird sichergestellt, dass die Patientinnen und Patienten optimal auf die Ernährungsumstellung vorbereitet sind und mögliche Nebenwirkungen frühzeitig erkannt werden.

Narkolepsie

Die Klinik behandelt auch Patientinnen und Patienten mit Narkolepsie. Bei der Narkolepsie handelt es sich um eine Schlafstörung, die mit einem gestörten Schlaf-Wach-Rhythmus einhergeht und zu einer ganztägig erhöhten Schläfrigkeit mit wiederkehrendem Schlafzwang führt. Zusätzlich kann es zu - meist durch Gefühle ausgelöste - Verlusten des Muskeltonus kommen, was zu plötzlichem Einknicken der Beine bis hin zu Stürzen bei den Betroffenen führen kann.

Was Sie für die stationäre Aufnahme benötigen

Bei allen ambulanten oder stationären Kontakten benötigen Sie:

  • Ihre Versichertenkarte
  • Eine am Untersuchungstag gültige Überweisung eines Kassenarztes (nur bei gesetzlich versicherten Patienten)
  • Bei einem stationären Aufenthalt: Krankenhauseinweisung durch Ihren behandelnden Arzt
  • Kopien der Unterlagen früherer Untersuchungen, z. B. Arztbriefe, MRT-Aufnahmen vom Kopf, Vorbefunde, Befunde aus früheren neuro-/psychologischen Untersuchungen etc. (Hinweis: Die Kopien verbleiben in der Patientenakte!)
  • Anfallskalender der letzten Monate (soweit vorhanden)
  • Patienten aus dem Ausland: Bitte bringen Sie Übersetzungen vorhandener fremdsprachlicher Arztberichte in englischer oder deutscher Sprache mit.

Station Foerster

Die Station Foerster befindet sich im 1. Obergeschoss. Die Zimmer sind ruhig zum Wald hin gelegen. Die Station verfügt über 26 Betten (8 Einzelzimmer, 9 Doppelzimmer). Alle Zimmer werden videoüberwacht. 12 Zimmer sind zur 24-stündigen Video-EEG-Überwachung mit Anfallsaufzeichnung ausgestattet.

Videosprechstunde

Die Klinik bietet auch eine Videosprechstunde an. Diese kann sowohl von bereits im Hause bekannten Patientinnen und Patienten als auch von Patientinnen und Patienten, die erstmals mit der Klinik in Kontakt treten, genutzt werden. Die telemedizinische Sprechstunde bietet sich natürlich nur für Gesprächs- und Beratungstermine an, bei denen keine Untersuchungen vor Ort erforderlich sind (z.B. EEG, Blutabnahme, MRT-Untersuchungen, neuropsychologische Tests).

Dazu benötigen Sie ein Smartphone, ein Tablet oder einen Computer mit Webcam und Mikrofon sowie eine Internetverbindung. Alle technischen Einzelheiten entnehmen Sie bitte dem Patientenflyer zu diesem Thema.

Kontakt

Klinik und Poliklinik für EpileptologieUniversitätsklinikum BonnVenusberg-Campus 153127 Bonn

Telefon Station Foerster: 0228 287-15706Fax Station Foerster: 0228 287-19351

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