Die Parkinsonkrankheit, auch bekannt als Morbus Parkinson oder Schüttellähmung, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die das Bewegungszentrum des Gehirns betrifft. Ein zentrales Symptom ist die Bewegungsverarmung (Akinese), oft begleitet von weiteren motorischen Einschränkungen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen der Bewegungsverarmung bei Parkinson und stellt verschiedene Behandlungsansätze vor.
Was ist Parkinson?
Bei Parkinson sterben in einer bestimmten Region des Gehirns, der Substantia nigra, Zellen ab, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Dopamin ist für die Bewegungssteuerung unerlässlich. Erst wenn etwa 60 Prozent dieser Dopamin-produzierenden Zellen abgestorben sind, treten die ersten Symptome auf.
Kardinalsymptome von Parkinson
Zu den typischen Kardinalsymptomen der Parkinsonkrankheit gehören:
- Ruhetremor: Ein unwillkürliches Zittern, das vor allem in Ruhe auftritt.
- Rigor: Eine fortschreitende Muskelspannung und -steifigkeit.
- Akinese/Bradykinese/Hypokinese: Bewegungsverarmung, Verlangsamung aller Bewegungsabläufe und Verlust von Bewegungsamplituden. Im klinischen Sprachgebrauch werden diese Begriffe oft synonym verwendet.
- Posturale Instabilität: Störung der reflektorischen Ausgleichsbewegungen, die zu Gleichgewichtsproblemen und Stürzen führen kann.
Die Bewegungsverarmung (Akinese) im Detail
Die Bewegungsverarmung ist ein wesentliches Leitsymptom aller Parkinson-Syndrome. Sie äußert sich in drei Komponenten:
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen.
- Hypokinese: Verminderung der Bewegungsamplituden. Dies kann sich beispielsweise in einer zunehmenden Verkleinerung des Schriftbilds (Mikrografie) oder einem reduzierten Mitschwingen der Arme beim Gehen äußern. Auch die Mimik kann betroffen sein (Hypomimie, "Pokerspieler-Gesicht").
- Akinese: Hemmung der Bewegungsinitiierung, Schwierigkeit, eine Bewegung zu beginnen.
Ohne das Vorliegen einer Akinese kann die Diagnose Parkinson nicht gestellt werden.
Lesen Sie auch: Parkinson-Medikamente: Was Sie beachten müssen
Ursachen der Bewegungsverarmung bei Parkinson
Die Bewegungsverarmung bei Parkinson ist primär auf den Dopaminmangel im Gehirn zurückzuführen. Der Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen in der Substantia nigra führt zu einer Störung der Signalübertragung in den Basalganglien, einer Hirnregion, die für die Bewegungsplanung und -ausführung wichtig ist.
Differentialdiagnose: Abgrenzung zu anderen Parkinson-Syndromen
Es ist wichtig, das idiopathische Parkinson-Syndrom (IPS), also den Morbus Parkinson im engeren Sinn, von anderen Parkinson-Syndromen zu unterscheiden. Dazu gehören beispielsweise:
- Multisystematrophie (MSA)
- Progressive supranukleäre Paralyse (PSP)
- Kortikobasale Degeneration/Syndrom (CBD/CBS)
- Lewy-Body-Demenz
- Vaskuläres Parkinson-Syndrom (subkortikale vaskuläre Enzephalopathie SVE)
- Normaldruckhydrozephalus (NPH)
- Medikamentös induziertes Parkinson-Syndrom
Die Unterscheidung ist wichtig, da nicht alle Formen des Parkinson-Syndroms gleichermaßen auf Parkinson-Medikamente ansprechen und bei einigen Formen (z.B. MSA, Lewy-Body-Demenz) bestimmte Medikamente kontraindiziert sein können.
Diagnostische Kriterien des idiopathischen Parkinson-Syndroms (IPS)
Die Diagnose des IPS basiert auf klinischen Kriterien. Folgende Schritte sind dabei entscheidend:
- Vorliegen von Bradykinese (Verlangsamung in der Initiation und Ausführung von Willkürbewegungen mit Verlangsamung und Amplitudenreduktion bei Bewegungen) + eines der folgenden Leitsymptome:
- Ruhetremor (4-6 Hz)
- Rigor
- Haltungsinstabilität (gestörte gleichgewichtsregulierende Reflexe), die nicht primär durch Störungen im Sehen, des Gleichgewichtorgans, des Kleinhirns oder der peripheren Nerven erklärbar sind
- Ausschlusskriterien: Liegen Ausschlusskriterien für ein IPS vor? Dazu gehören beispielsweise:
- Plötzlicher Beginn
- Schädel-Hirn-Verletzung
- Hirnentzündung
- Einnahme von Neuroleptika oder ähnlichen Medikamenten bis kurz vor Beginn der Symptome
- Supranukleäre Blickparese (schwer eingeschränkte Blickwendung nach oben und unten)
- Zerebelläre Zeichen (Symptome die auf eine Störung des Kleinhirn hinweisen)
- Früh ausgeprägte Störungen des vegetativen Nervensystems wie Inkontinenz
- Frühe Demenz
- Fehlendes Ansprechen auf hohe Dosen von Levodopa (wenn Malabsorption ausgeschlossen wurde)
- Typische Wirkungsschwankungen der Dopamin-Ersatz-Therapie: Im weiteren Verlauf der Erkrankung treten bei vielen Patienten mit IPS typische Wirkungsschwankungen der Dopamin-Ersatz-Therapie auf ("On-Off-Phänomen", Levodopa-Langzeitsyndrom, Levodopa-Dyskinesien).
Behandlung der Bewegungsverarmung bei Parkinson
Die Behandlung der Bewegungsverarmung bei Parkinson zielt darauf ab, den Dopaminmangel im Gehirn auszugleichen und die motorischen Fähigkeiten zu verbessern. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die oft in Kombination eingesetzt werden:
Lesen Sie auch: Die Stadien der Parkinson-Krankheit erklärt
Medikamentöse Therapie
- Levodopa: Levodopa ist ein Prodrug, das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Es ist das wirksamste Medikament zur Behandlung der motorischen Symptome von Parkinson, einschließlich der Bewegungsverarmung.
- Dopaminagonisten: Dopaminagonisten wirken direkt an den Dopaminrezeptoren im Gehirn und ahmen die Wirkung von Dopamin nach.
- MAO-B-Hemmer: MAO-B-Hemmer verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn und erhöhen so die Dopaminkonzentration.
- COMT-Hemmer: COMT-Hemmer verhindern den Abbau von Levodopa im Körper und verlängern so die Wirkdauer von Levodopa.
Nicht-medikamentöse Therapie
- Bewegungstherapie: Regelmäßiges Bewegungstraining und Aktivitätsübungen sind ein wichtiger Bestandteil der Parkinson-Therapie. Sie zielen darauf ab, die Wirbelsäule aufgerichtet zu erhalten, die Beweglichkeit der großen Gelenke, die Feinmotorik der Hände, die Bewegung der Gesichtsmuskeln (Mimik) sowie ein sicheres Gangbild zu erhalten. Viele Bewegungsübungen können in der häuslichen Umgebung regelmäßig durchgeführt werden, um die Selbständigkeit möglichst lange zu erhalten.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, die Beweglichkeit und das Gleichgewicht zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Alltagsfähigkeiten zu erhalten und zu verbessern.
- Logopädie: Logopädie kann helfen, die Sprach- und Schluckfunktion zu verbessern.
- Funktionsspiele: Funktionsspiele fördern abwechslungsreich motorische Fertigkeiten (wie Hand- und Fingerfunktionen) oder grundlegende Fähigkeiten (wie Gedächtnis, Konzentration und strategisches Denken).
Spezifische Übungen zur Verbesserung der Beweglichkeit
Für den Alltag gibt es viele Übungen, die jederzeit und an jedem Ort durchgeführt werden können. Mäßige, aber regelmäßige (tägliche) Übungen erhalten die Beweglichkeit. Die Anzahl der Wiederholungen ist dabei nicht so wichtig, auch eine oder zwei Übungen täglich haben Effekte. Die Übungen sollten langsam durchgeführt und dabei auf eine bewusste Atmung geachtet werden. Sie lassen sich allein oder mit einem Familienmitglied durchführen.
- Übungen im Liegen: Dienen hauptsächlich der Verbesserung der Beweglichkeit der Gelenke und der Vorbeugung von Sehnen- und Muskelverkürzungen.
- Übungen im Sitzen und im Stehen: Erhalten und verbessern das Gleichgewicht, die Rumpfkontrolle, -stabilität sowie die freie Schulter- und Armbeweglichkeit.
- Nordic Walking: Fördert die rhythmische Bewegung und die Aufrichtung.
- Hand- und Fingerübungen: Erhalten das Greifen und das Halten mit der Hand und tragen damit erheblich zur Selbstständigkeit bei.
Tiefe Hirnstimulation (THS)
Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Hirnregionen implantiert werden, um die Aktivität dieser Regionen zu modulieren. Die THS kann bei Patienten mit fortgeschrittenem Parkinson, die auf Medikamente nicht mehr ausreichend ansprechen, die motorischen Symptome, einschließlich der Bewegungsverarmung, deutlich verbessern.
Weitere Therapieansätze
- Botulinumtoxin-Therapie: Kann bei Dystonien (Verkrampfungen) eingesetzt werden.
- Pumpentherapien mit Apomorphin oder L-Dopa: Können bei Patienten mit starken Wirkungsschwankungen der Medikamente in Betracht gezogen werden.
- Videobasierte Parkinson-Therapie (Ärztliche Videobegleitung zu Hause): Kann die Therapie unterstützen und die Lebensqualität verbessern.
- Endoskopische Evaluation Parkinson-bedingter Schluckstörungen: Bei Schluckstörungen kann eine endoskopische Untersuchung helfen, die Ursache zu ermitteln und eine geeignete Therapie einzuleiten.
- Indikationsstellung für PEG-Anlage bei Parkinson-Patienten mit Schluckstörungen: Bei schweren Schluckstörungen kann eine PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) notwendig sein, um die Ernährung sicherzustellen.
Spezialisierte Ambulanzen und Kliniken
Für die Diagnose und Behandlung von Bewegungsstörungen, einschließlich Parkinson, gibt es spezialisierte Ambulanzen und Kliniken. Diese bieten eine umfassende Betreuung von der Neudiagnose bis hin zur Behandlung im fortgeschrittenen Stadium.
- Dystonie-Ambulanz: Spezialisiert auf die Behandlung von Dystonien.
- Spastik-Ambulanz: Spezialisiert auf die Behandlung von Spastik.
Bedeutung von Bewegung und Aktivität
Bewegung ist ein menschliches Bedürfnis und vermittelt Selbstbewusstsein und Lebensgefühl. Für Menschen mit Parkinson ist Bewegung besonders wichtig, um die Selbstständigkeit möglichst lange zu erhalten. Regelmäßige Bewegung hilft, die Muskelkraft zu stärken, das Gleichgewicht zu fördern und die Beweglichkeit zu verbessern. Dadurch kann auch das Risiko von Stürzen verringert werden.
Lesen Sie auch: Überblick zur Dopamin-Erhöhung bei Parkinson
tags: #bewegungsverarmung #bei #parkinson #erklaren