Bewerbung mit Multipler Sklerose: Tipps und Strategien für ein erfolgreiches Berufsleben

Multiple Sklerose (MS) muss kein Hindernis für ein erfülltes Berufsleben sein. Viele Betroffene sind ohne größere Probleme beruflich aktiv. Es gibt jedoch einige Aspekte, die MS-Erkrankte bei der Bewerbung und im Berufsleben beachten sollten, um Schwierigkeiten zu vermeiden. Dieser Artikel gibt Ihnen wertvolle Tipps und Strategien an die Hand, um Ihre Karriere trotz MS erfolgreich zu gestalten.

Die Diagnose MS: Ein Wendepunkt im Leben?

Die Diagnose MS kann zunächst ein Schock sein. Julia, 31 Jahre alt, erhielt ihre Diagnose im März 2020. Sie arbeitet als Digital Learning Managerin und entwickelt digitale Lernformate. Trotz Fatigue und Empfindungsstörungen in den Beinen, die ihr von früheren Schüben geblieben sind, hat sie gelernt, ihre Symptome gut in den Griff zu bekommen. Sie plant ihre Aktivitäten anhand ihrer Energie und verwendet kühlende Textilien gegen das Beinkribbeln.

Umgang mit der Diagnose am Arbeitsplatz

Viele Betroffene fragen sich, ob sie ihre Vorgesetzten und Kollegen über ihre MS informieren sollten. Grundsätzlich besteht keine Auskunftspflicht gegenüber dem Arbeitgeber, solange die MS die Arbeit nicht einschränkt. Es kann jedoch ratsam sein, Vorgesetzte zu informieren, beispielsweise wenn zunehmende Konzentrationsstörungen das Pensum beeinträchtigen. Ein offenes Gespräch ermöglicht es, gemeinsam Lösungen zu finden und das Arbeitsumfeld an die MS anzupassen.

Bewerbungsprozess mit MS: Offenheit oder Verschwiegenheit?

Eine der zentralen Fragen im Bewerbungsprozess ist, ob man die MS erwähnen soll oder nicht. Hier gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es hängt von der individuellen Situation, dem Bauchgefühl und der Unternehmenskultur ab.

Offenheit als Strategie

Julia hat sich entschieden, bei ihren Bewerbungen mit offenen Karten zu spielen und ihre Schwerbehinderung anzugeben. Dies ermöglichte es ihr, von Anfang an transparent zu sein und Unternehmen zu finden, die offen für Diversität und chronische Erkrankungen sind. Sie erwähnte bereits im Anschreiben, dass sie aufgrund ihrer Schwerbehinderung nur 30 Stunden pro Woche arbeiten kann, auch wenn die Stelle für 40 Stunden ausgeschrieben war.

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Verschwiegenheit als Option

Es gibt jedoch auch Situationen, in denen es ratsam sein kann, die MS zunächst nicht zu erwähnen. Wenn die Erkrankung keine Auswirkungen auf die Arbeit hat und man sich unwohl fühlt, darüber zu sprechen, kann man sie weglassen. Laut Gesetz darf der Arbeitgeber auch nicht nach Details zur Erkrankung fragen.

Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch

Unabhängig davon, ob man die MS erwähnt oder nicht, ist eine gute Vorbereitung auf das Vorstellungsgespräch entscheidend. Informieren Sie sich gründlich über das Unternehmen, überlegen Sie sich Antworten auf mögliche Fragen und bereiten Sie eigene Fragen vor. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Qualifikationen und Stärken und zeigen Sie, dass Sie trotz MS eine wertvolle Bereicherung für das Unternehmen sind.

Tipps für ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch mit MS

  • Kennen Sie Ihre Rechte: Informieren Sie sich über die gesetzlichen Bestimmungen für Menschen mit Behinderung. Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) bietet hierzu umfassende Informationen.
  • Selbstbewusstsein zeigen: Glauben Sie an sich und Ihre Fähigkeiten. Lassen Sie sich nicht von der MS entmutigen, sondern sehen Sie sie als Teil Ihrer Persönlichkeit.
  • Offenheit zeigen: Wenn Sie sich wohlfühlen, sprechen Sie offen über Ihre MS und erklären Sie, wie Sie mit den Herausforderungen umgehen.
  • Flexibilität signalisieren: Zeigen Sie, dass Sie bereit sind, gemeinsam mit dem Arbeitgeber Lösungen zu finden, um Ihre Arbeitsbedingungen an Ihre Bedürfnisse anzupassen.
  • Stärken betonen: Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken und Qualifikationen. Zeigen Sie, was Sie dem Unternehmen bieten können.
  • Fragen stellen: Nutzen Sie die Gelegenheit, um Fragen zum Unternehmen, zur Stelle und zu den Arbeitsbedingungen zu stellen. Zeigen Sie Interesse und Engagement.

Arbeitsleben mit MS: Herausforderungen und Chancen

Auch nach erfolgreicher Bewerbung und Einstellung gibt es im Arbeitsleben mit MS einige Herausforderungen zu meistern. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu kennen und rechtzeitig Unterstützung zu suchen.

Umgang mit Fatigue

Fatigue ist ein häufiges Symptom bei MS und kann die Leistungsfähigkeit stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, ausreichend Ruhezeiten einzuplanen, die Arbeitszeit flexibel zu gestalten und Stress zu vermeiden. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Fatigue und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.

Anpassung des Arbeitsplatzes

Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Arbeitsplatz an die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung anzupassen, soweit dies zumutbar ist. Dies kann beispielsweise ein höhenverstellbarer Schreibtisch, eine ergonomische Maus oder eine spezielle Beleuchtung sein. Sprechen Sie mit Ihrem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat über mögliche Anpassungen.

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Unterstützung durch Kollegen

Suchen Sie sich Verbündete im Kollegenkreis, die Sie im Arbeitsalltag unterstützen können. Offenheit und Kommunikation sind hier der Schlüssel. Erklären Sie Ihren Kollegen, was MS bedeutet und wie sie Ihnen helfen können.

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Es gibt eine Vielzahl von Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben, die Menschen mit MS in Anspruch nehmen können. Dazu gehören beispielsweise technische Arbeitshilfen, Arbeitsassistenz, Anpassung des räumlichen Arbeitsumfeldes, Kraftfahrzeughilfen, Unterstützung bei Aus- und Fortbildung oder Umschulung. Detaillierte Informationen erhalten Sie von Rentenversicherungen, der Agentur für Arbeit oder von Integrationsämtern.

Rechtliche Aspekte: Kündigungsschutz und Schwerbehinderung

Eine MS-Erkrankung ist grundsätzlich kein Kündigungsgrund. Schwerbehinderte und Gleichgestellte genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Eine Kündigung ist nur mit Zustimmung des Integrationsamtes möglich.

Schwerbehindertenausweis

Ab einem Grad der Behinderung von 50% können Sie einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Dieser bringt einige Vorteile im Arbeitsleben mit sich, wie beispielsweise zusätzlichen Urlaub, Kündigungsschutz und finanzielle Unterstützung.

MS und Karriere: Weiterbildung und Aufstieg

Eine MS-Erkrankung steht einer Weiterbildung oder weiteren Schritten auf der Karriereleiter grundsätzlich nicht entgegen. Betroffene haben unter bestimmten Umständen Ansprüche auf Weiterbildung, um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu erhalten oder zu verbessern. Das Integrationsamt bietet hierzu Beratungsangebote an.

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Tipps von MS-Betroffenen für MS-Betroffene

  • Hören Sie auf Ihren Körper: Achten Sie auf Ihre Grenzen und nehmen Sie sich ausreichend Zeit für Ruhe und Erholung.
  • Suchen Sie sich Unterstützung: Sprechen Sie mit anderen Betroffenen, tauschen Sie sich aus und holen Sie sich Rat.
  • Bleiben Sie aktiv: Bewegung und Sport können helfen, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Geben Sie nicht auf: Glauben Sie an sich und Ihre Fähigkeiten. Lassen Sie sich nicht von der MS entmutigen, sondern kämpfen Sie für Ihre Ziele.
  • Seien Sie offen: Sprechen Sie mit Ihrem Arbeitgeber und Ihren Kollegen über Ihre MS. Offenheit schafft Verständnis und ermöglicht es, gemeinsam Lösungen zu finden.
  • Nutzen Sie Ihre Rechte: Informieren Sie sich über Ihre Rechte und nehmen Sie die Leistungen in Anspruch, die Ihnen zustehen.
  • Bleiben Sie positiv: Eine positive Einstellung kann helfen, mit den Herausforderungen der MS besser umzugehen.

Erfolgsgeschichten: MS im Berufsleben

Viele Menschen mit MS führen ein erfolgreiches und erfülltes Berufsleben. Sie arbeiten in den unterschiedlichsten Berufen und meistern die Herausforderungen, die die MS mit sich bringt. Diese Erfolgsgeschichten zeigen, dass MS kein Hindernis für eine erfolgreiche Karriere sein muss.

Julia: Vom Tiefpunkt zur Traumjob

Julia erlebte nach ihrer Diagnose zunächst einen Tiefpunkt, als sie weitere Schübe hatte und mehrmals die Medikamente wechseln musste. Sie zweifelte an sich und fragte sich, ob sie etwas falsch gemacht hatte. Erst als sie auf Instagram aktiv wurde und von anderen Verläufen erfuhr, kam sie aus diesem Loch wieder heraus. Sie wechselte den Arbeitgeber und arbeitet nun wieder in ihrem Traumjob im E-Learning-Bereich. Die Arbeitsbedingungen kommen ihr sehr entgegen, da sie flexibel arbeiten und ihre Arzttermine wahrnehmen kann.

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