Das Universitätsspital Zürich (USZ) ist eine führende Institution in der neurologischen Versorgung und Forschung in der Schweiz. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die verschiedenen Aspekte der neurologischen Klinik am USZ, einschließlich der Patientenversorgung, der Forschungsaktivitäten, der Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie der Patientenbewertungen.
Stärkung der Inneren Medizin am USZ und der Universität Zürich
Die Universität Zürich (UZH) und das Universitätsspital Zürich (USZ) haben das gemeinsame Ziel, die Innere Medizin in Zürich qualitativ und quantitativ zu stärken. Die Innere Medizin ist das Rückgrat der medizinischen Grundversorgung. Das Fachwissen über das Zusammenspiel der Organe wie Herz, Lunge, Magen, Darm oder Leber, insbesondere bei mehrfach erkrankten Patienten, ist für die Prävention, Behandlung, Heilung und Nachsorge akut oder chronisch erkrankter Menschen ausserordentlich wichtig.
Deshalb bauen die Universität Zürich und das Universitätsspital Zürich gemeinsam die klinische Versorgung, Lehre, Weiterbildung und Forschung in der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin am USZ aus. Unter dieser Prämisse haben UZH und USZ eine ausgewiesene Fach- und Führungspersönlichkeit gesucht, die sich für die verbindende Führungsrolle qualifiziert. In einem ordentlichen Berufungsverfahren haben sie Prof. Dr. med. Lars C. Huber auf den Lehrstuhl für Innere Medizin an der Universität Zürich berufen und zum Direktor der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin (KIM) am Universitätsspital Zürich ernannt. Lars C. Huber wird somit auch die Nachfolge von Prof. Dr. med. Christoph A. Meier als Direktor der KIM antreten, der Ende Juli 2025 altershalber ausscheidet.
"Spitaldirektion und Spitalrat des USZ danken Prof. Christoph Meier für die äusserst umsichtige und interprofessionell ausgerichtete Leitung der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin", sagt Monika Jänicke, CEO und Vorsitzende der USZ-Spitaldirektion. "Sein leidenschaftliches, ausserordentliches Engagement für value-based health care und eine patientenzentrierte Medizin haben die Klinik nachhaltig weiterentwickelt und sich auch auf das gesamte USZ positiv ausgewirkt. Gleichzeitig freut sich das USZ auf den Start von Prof. Dr. med. Lars C. Huber, der bislang am Stadtspital Zürich das Departement für Innere Medizin leitete und durch seine frühere Tätigkeit auch mit dem USZ bereits vertraut ist. Er wird seine Tätigkeit am USZ und an der UZH am 1. November 2025 aufnehmen. "Lars Huber verfügt über die besten Qualifikationen, um die Innere Medizin zukunftsgerichtet voranzubringen, dies mit klarem Fokus auf die Bedürfnisse der Bevölkerung sowie der angehenden und bestehenden Ärzteschaft", sagt Monika Jänicke mit Blick auf dessen Werdegang (s. Box). Lars C. Huber erklärt: "Ich freue mich sehr, diese verantwortungsvollen Aufgaben zu übernehmen und sehe dem Start an USZ und UZH mit Respekt und riesiger Begeisterung entgegen. Die Universität Zürich und das Universitätsspital Zürich haben das Verfahren für die Besetzung des Lehrstuhls und der Klinikleitung gemeinsam durchgeführt. Die Doppelanstellung an UZH und USZ ermöglicht die optimale Vernetzung von Forschung, Lehre und klinischer Praxis zur Patientenbetreuung. Ein nächster Schritt ist die Errichtung eines weiteren Lehrstuhls für Innere Medizin an der Universität Zürich mit einem komplementären Fokus auf der Grundlagenforschung. "Die Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung sollen sich so schnell wie möglich im klinischen Alltag anwenden lassen. Mit diesem Lehrstuhl trägt die UZH diesem Bestreben Rechnung", erklärt Prof. Dr. med. Beatrice Beck Schimmer, Direktorin Universitäre Medizin Zürich (UMZH), im Namen des Fakultätsvorstands der UZH.
Die Neurologische Klinik am USZ: Ein umfassendes Leistungsspektrum
Die Klinik für Neurologie am USZ befasst sich mit der Diagnostik und Behandlung der häufigen und seltenen Erkrankungen des Gehirns, des Rückenmarks, der Nerven und der Muskeln. Jährlich werden in der Klinik über 6.500 Patienten ambulant und stationär behandelt. Zusätzlich werden Patienten in anderen Kliniken bei Bedarf von den Ärzten mitbetreut.
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Die Klinik ist stets bemüht, die Behandlungs- und Betreuungsangebote weiter zu entwickeln und an nationalen und internationalen Standards zu orientieren. Auch auf Grund der engen Zusammenarbeit mit den anderen Kliniken und Instituten am UniversitätsSpital Zürich sowie auf Grund der Forschungs- und Weiterbildungsaktivitäten gelingt es, die verschiedenen neurologischen Erkrankungen auf höchstem und aktuellstem Niveau zu diagnostizieren und zu behandeln.
Adresse: Frauenklinikstr.
Erfahrungen im Praktischen Jahr (PJ) in der Neurologie am USZ
Ein PJ-Tertial in der Neurologie am USZ kann definitiv weiterempfohlen werden. Man sieht eine große Vielfalt und auch seltenere neurologische Krankheitsbilder, z.B. Myotone Dystrophien, Spinale Muskelatrophie, Progressive supranukleäre Blickparese. Ein typischer Tagesablauf sieht aus wie folgt: 8:00 Uhr Beginn zur Morgenbesprechung mit Vorstellung aller neueingetretenen Patienten. Im Anschluss gibt es diverse Fortbildungen (donnerstags immer neuroradiologisch und freitags Fallvorstellungen). Auf Station beginnt die Visite dann 9 Uhr. Dort ist man im Anschluss mit dem Schreiben von EKGs (wird leider nicht von Pflege übernommen) und dem Durchführen von Schellong- und MoCA-Tests beschäftigt. Am Nachmittag nimmt man neue Patienten auf und legt die Eintrittsberichte an. Zu den Stationsaufgaben gehören u.a. auch noch die Covid-Abstriche bei Neueintritten und die monopolare Austestung von Parkinson-Patienten. Man kann mit der Zeit auch eigene Patienten übernehmen. Auf der Station kam das Teaching leider etwas kurz, da im April die halbjährlichen Rotationen stattfinden und die neuen Assistenzärzte zum Teil selbst noch viel Unterstützung benötigten und noch nicht so viel Routine besaßen.
Neben der Bettenstation rotiert man auch 2 Wochen auf den Notfall sowie in die Tagesklinik, das Ganglabor und die neuromuskuläre Sprechstunde. In der Tagesklinik werden in erster Linie MS-Patienten betreut. Man ist für die Bestellung der Medikamente, das Erstellen der Berichte und Anmeldung neuer Termine verantwortlich. Außerdem darf man lumbalpunktieren und den Assistenzart bei der Auswertung der Liquorbefunde unterstützen. Wenn Zeit ist, kann man mit in die neuroimmunologische Sprechstunde. Im Ganglabor erhält man Einblick in diverse Gehtests und die Ganganalyse und kann selbst einmal eine Ganganalyse bei sich machen. In der neuromuskulären Sprechstunde betreut man selbst einen Patienten pro Tag (in direkter Rücksprache mit dem Oberarzt) und unterstützt ansonsten den jeweiligen Assistenzarzt und darf bei ENMGs dabei sein. Zusätzlich ist es auch möglich, noch in andere Sprechstunden (Schwindel, Neuroonkologisch, Kopfschmerz, …) zu rotieren, wenn genug Unterassistenten da sind um den Bedarf auf Station und in der Notaufnahme zu decken. Während der 4 Monate macht man 1-2 Wochenenddienste, die jeweils mit 50 CHF zusätzlich vergütet werden. Anzumerken ist, dass eine Rotation auf die Stroke Unit nicht vorgesehen ist, da man dort als Unterassistent nur wenige Aufgaben hat.
Es gibt neben den Morgenfortbildungen auch dienstags einen Journal Club, montags das Tumorboard und donnerstags die Klinische Visite bei der ein Fall durch einen Oberarzt mit den Assistenzärzten und Unterassistenten besprochen wird. Zusätzlich gibt es noch diverse weitere Besprechungen (z.B. neuroimmunologisch, Parkinson, …) an denen man teilnehmen kann. Neu eingeführt wurden Fortbildungen nur für Unterassistenten, bei denen jeweils ein UA montags einen interaktiven Kurzvortrag zu einem Thema hält. Dabei ist die für die Unterassistenten verantwortliche Oberärztin Marcellina Haeberlin dabei und beantwortet Fragen, die offen bleiben. Marcellina macht auch aller 3 Monate zusammen mit der Direktionssekretärin Manuela Wälte eine Besprechung mit allen Unterassistenten, bei der Lob und Kritik vonseiten der Unterassistenten geäußert werden dürfen. Dieses Format wird sehr geschätzt, da es zeigt, dass überhaupt Interesse an dem Feedback der Unterassistenten besteht und etwaige Kritik auch weitergegeben und Verbesserungsvorschläge umgesetzt wurden. Nach jedem Dienst bedankten sich die Assistenzärzte auch für die Hilfe und Unterstützung durch die Unterassistenten, was auch die Wertschätzung der Unterassistenten von ärztlicher Seite unterstreicht. Insgesamt fühlte man sich daher während des Tertials gut aufgehoben und konnte viel mitnehmen.
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Zusammenfassung der PJ-Erfahrungen
Zusammenfassend ist das USZ ein Ort mit einer freundschaftlichen und persönlichen Atmosphäre. Als PJ wird man als Person wahrgenommen, und freundlich behandelt. Auch untereinander herrscht zumeist ein positives, freundschaftliches Arbeitsklima am USZ. Wie immer im PJ ist die Hauptaufgabe eher Schreibarbeit, allerdings sieht man sogar eigene Patienten, und wird teilweise 1:1 oberärztlich im Alltag betreut. Da es das erste Tertial war, war einem nicht bewusst, dass dies eine Luxussituation darstellt, daher möchte man alle 1. Tertial-PJ vor diesem Fallstrick warnen, da man am Anfang einfach mit dem Klinikalltag zu kämpfen hat. Blutentnahmen sind erfreulicherweise kein Thema, da die Pflege diese absolut sinnvollerweise erledigt, und auch die Arbeitszeiten sind human (je nach Rotation 8:00 bis 17:30 oder sogar kürzer). Es gibt im Vergleich mit Deutschland viel Freizeit, die Menschen dort sind sehr freundlich, und auch genug Mittags- und Frühstückspausen. Ein Tertial mit Fokus auf die Stadt Zürich/Freizeit/positive Erlebnisse ist daher gut zu realisieren.
Kritikpunkte und Anmerkungen
Es gibt allerdings bei der Pflege ein paar Defizite, die angemerkt werden sollten: die „Checkliste für aufwendige Patienten“ für die Station Neurologie. Diese soll verhindern, dass das Gesamt-USZ komplexe Patienten auf die neurologische Station verlegt. Es gibt bspw. Punkte für alt sein, mehrere Medikamente einnehmen, und bereits bei wenigen Punkten ist es ein aufwendiger Patient. Gerade, da es sich um eine Universitätsklinik handelt, ist das befremdlich. Zum Zeitpunkt des Berichtes hatte die USZ-Neurologie kaum/keine neuen Weiterbildungsstellen. Wer mit Blick auf eine Bewerbung dort ein PJ machen möchte, sollte dies aktuell bedenken.
Finanzielle Aspekte
Das Gehalt klingt mit ca. 1100 CHF für deutsche Ohren nach viel, allerdings sind die Lebenserhaltungskosten in Zürich ca. das zweifache von Deutschland. Daher sollte man nicht nur auf die reine Zahl schauen. Zudem zahlt man Reinigungspauschale 110 CHF, Gebühr beim Amt 100 CHF, Mobilität. Insgesamt kann man sich die 1100 CHF ungefähr wie 550 Euro in einer Stadt wie Gießen oder Kiel vorstellen. Man wird definitiv etwas Geld zusätzlich zahlen müssen. Mensakosten USZ: günstigstes Gericht 8,90 CHF mit Mitarbeiterrabatt eingeschlossen. Die Wohnheime des USZ sind teurer als vergleichbare Wohnheime anderer Institutionen. Miete muss Bar und persönlich monatlich beim Mitarbeiterservice entrichtet werden, wodurch entsprechende Umrechnungsverluste von Euro auf CHF entstehen. Sie kosten 600 bis 700 CHF mtl. Zuzüglich einer Reinigungspauschale von 110 CHF, allerdings bieten Hospitäler wie das Triemli Zürich Zimmer für 400 CHF an. Im Wohnheim selbst war es bei meinem Aufenthalt häufig laut abends. Die Türen sind hellhörig, Trennwände könnten dies beheben. Gemeinschaftsküchen und Gemeinschaftsbäder geteilt mit 20 Leuten, aber mit eigenem Kühlschrank, fehlende Kochutensilien (Diebstahl).
Organisatorisches und Aufgaben im PJ
Man wird am ersten Tag zum Mitarbeiterservice gebeten. Hier wird ein Mitarbeiterausweis gegen Gebühr erstellt. Im ersten Tertial fiel das schwer, wenn man aber mit einem deutschen SAP-System vertraut ist, dürfte es kein Problem darstellen - ich habe da am Anfang etwas gestrauchelt und das fiel auch negativ auf. Teile des USZ, insb. Schwindel, liegen am Flughafen, da im Dienstplan keine Räumlichkeiten verzeichnet sind, kann man hier versehentlich zum falschen Ort gehen.
Typische Aufgaben als Unterassistent:
- Morgenrapport (jeden Tag 8:00): Vorstellen von Patienten möglich. Es gibt immer einen klinischen Fall oder Vortrag.
- EKG kleben, schreiben und befunden (sehr häufig).
- Briefe (sehr häufig). Das USZ hat ein vollständig digitales IT-System (KISIM). Die Befunde müssen aus den PDF-Dateien in den Arztbrief kopiert werden. Dabei geht die Formatierung verloren, da KISIM dies nicht miterfasst. Leider ist dies eine der Hauptaufgaben als Unterassistent auf Normalstation, allerdings geht es einem als Arzt später nicht anders.
- Allgemeiner internistischer Status (sehr häufig). Auf Station werden bei allen Patienten internistische Status erhoben. Herz, Lunge, Bauch KU.
- Allgemeiner Neurostatus bei Eintritt/Austritt mit Befundbesprechung (sehr häufig). Man erhebt bei allen Patienten viele neurologische KU.
- Visite-Notizen: Bei der täglichen Visite läuft man mit und macht Notizen. Manchmal soll man in der Kurve Dinge ändern.
- Eigene Patientenfälle (vereinzelt auf Nachfrage): Wenn man noch Zeit, kann man einzelne Patienten mitbetreuen und diese dann auch auf Visite vorstellen.
- Teilnehmendes Beobachten, weil leider nicht viele Patienten für einen selbst anfallen (sehr häufig).
- 2 eigene Patienten täglich (Gesamtaufwand ca. 3 Stunden), man bekommt hierfür keinerlei Einführung, aber die Oberärzte machen alle Patienten immer ein zweites Mal, also ist dies eigentlich kein Problem - man sollte sich nur nicht so wie ich erschrecken.
- Stroke ist abgetrennt von der Notfall-Rotation. Als Unterassistent gibt es keine Rotation auf Stroke oder Post-Stroke.
- Die Notfallrotation beinhaltet daher meist periphere Neurologie, Schwindel, funktionelle Probleme und Kopfschmerz.
- Hauptaufgaben sind das Erheben von Anamnesen, körperliche Untersuchungen und das Schreiben von Briefen.
- Man lernt die entsprechende Differentialdiagnose und BPLS-Lagerungen, sowie ärztliche Arbeit als Neurologe.
- Teilnehmendes Beobachten (sehr häufig). Keine eigenen Patienten, man kann bei Untersuchungen zuschauen und eine Ganganalyse lernen.
- Schreibarbeit (sehr häufig), man verfasst Briefe anhand von vorgefertigten Bausteinen für die Folgegaben von Immunsuppressiva (105. Gabe Ocrevus etc.), trägt die Laborwerte in die markierten Lücken des Bausteins ein und versendet den Brief.
- Telefonate (jeden Morgen): Jeden Morgen muss man die Patienten des Folgetages anrufen, und sie an die Termine erinnern und sie nach Infekten fragen. Das wird dann in einer Notiz dokumentiert.
- JCV-Tests beantragen (häufig): Pflege gibt einem einen Barcode, mit dem man online Tests anfordert.
- Lumbalpunktionen supervidiert und erklärt (gelegentlich). Ich wusste vorher bereits, wie man eine LP korrekt aufklärt.
- EKG kleben (häufig).
- Tlw. Unterassistentenfortbildung: Vorträge sind ohne strenge Vorgaben. Aber supervidiert durch engagierte Oberärztin, die on the fly Feedback zum Inhalt gibt.
Forschungsmöglichkeiten
Zusatz: Forschung: Masterprojekte sind möglich (Medizin ist ein Master in der Schweiz). Journal Club dienstags. USZ-interne Symposien und Research Days. Leider fand ich trotz meiner Forschungserfahrung nicht viel Anschluss, hatte nachgefragt, aber keine Projekte bekommen. Das kann aber auch an einem selbst gelegen haben. Wenn man forschungsinteressiert ist, dann sollte man ggf.
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Forschungsschwerpunkte der Neurologischen Klinik
Die Neurologische Klinik am USZ engagiert sich stark in der Forschung, um die Diagnostik und Behandlung neurologischer Erkrankungen zu verbessern. Einige der Schwerpunkte sind:
Schlaganfallforschung
Die Forschungsgruppe von Susanne Wegener, Professorin an der Universität Zürich (UZH) und leitende Ärztin an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich (USZ), zeigt, dass der Erfolg der Schlaganfallbehandlung vom sogenannten Kollateral-Netzwerk abhängt. Kollateralen sind Blutgefäße, die benachbarte Arterienbäume miteinander verbinden und als potenzielle Umleitungen im Falle einer Gefäßverstopfung fungieren. "Diese Gefäßbrücken erhalten die Selbstregulierung des Gehirns aufrecht und ermöglichen eine langsamere, allmähliche Wiederdurchblutung, was zu kleineren Infarkten führt", sagt Wegener.
Für ihre Arbeit verwendete das Forscherteam um die beiden Erstautoren Nadine Binder und Mohamad El Amki ein Mausmodell für Schlaganfälle sowie mehrere moderne Bildgebungsverfahren, um Veränderungen in der arteriellen Blutzufuhr am lebenden Organismus zu untersuchen. Bei Versuchstieren, die über schlechte Kollateralen verfügen, waren die Arteriensegmente nach der Gerinnselentfernung dysfunktional und starr. "Die darauffolgende übermäßige Wiederdurchblutung führte bei den Mäusen zu Blutungen und einer erhöhten Sterblichkeit", so Wegener.
Die Ergebnisse aus dem Mausmodell konnten die Forschenden anschließend auch bei Schlaganfallbetroffenen bestätigen: Patienten mit schlechten Kollateralen zeigten nach erfolgter Öffnung des verstopften Blutgefäßes eine ähnlich schnelle und übermäßige Wiederdurchblutung des Hirnareals wie die Mäuse. Auch bei ihnen kam es zu kleinen Blutungen im Gehirn, und ihre Genesung war schlechter.
Bisher stand die schnelle Entfernung des Gerinnsels bei Patienten mit Schlaganfall im Vordergrund. Die Probleme durch zu schnelle Wiederdurchblutung nach der Therapie und ihre potenziell schädlichen Auswirkungen bei Schlaganfallpatienten wurden bislang allerdings kaum beachtet. Nun ist es möglich, Schlaganfallpatienten mit erhöhtem Risiko während der Entfernung des Blutgerinnsels anhand der Geschwindigkeit der Wiederdurchblutung zu identifizieren.
Hirntumorforschung
Der Neurologe Tobias Weiss forscht an einer neuen Methode, mit der in Blutproben Hinweise auf einen Hirntumor gefunden werden können. Um einen Hirntumor verlässlich diagnostizieren und seine molekulare Struktur bestimmen zu können, war bisher eine Operation nötig, bei der eine Gewebeprobe entnommen wird. Viel einfacher wäre es, Tumoren über Blutproben erkennen und überwachen zu können.
Tobias Weiss und sein Team nutzen sogenannte extrazelluläre Vesikel. Diese winzigen Partikel sind eine Art Kopien der Zellen, aus denen sie stammen; sie bestehen unter anderem aus DNA, RNA und Proteinen und sind von einer Membranhülle umgeben. Die Krebszellen kommunizieren damit ebenfalls untereinander. Sie beeinflussen so beispielsweise Immunzellen, damit diese sie nicht angreifen. Zum Nachteil könnte den Tumorzellen jedoch gereichen, dass sie sich über die Vesikel auch zu erkennen geben - etwa im Blut. Denn auch Hirntumoren geben spezifische Vesikel ins Blut ab.
Die Gruppe um Tobias Weiss untersucht, ob sich anhand der Vesikel die folgenden Fragen beantworten lassen: Hat jemand einen Hirntumor? Wie gross ist er? Dabei zeigte sich, dass es anhand der extrazellulären Vesikel mit einer Genauigkeit von mehr als 90 Prozent möglich ist, nicht krebskranke von krebskranken Personen zu unterscheiden. Je nach Krebsart liegt die Trefferquote gar bei 98 Prozent.
Ziel der interdisziplinären Kooperation ist es auch, ein mobiles Gerät zu entwickeln, um die Vesikel einfach aus dem Blut zu isolieren. Ein entsprechendes Patent ist in Vorbereitung. Geklärt werden soll etwa, ab welchem Zeitpunkt einer Tumorbildung die Vesikel nachgewiesen werden können. «In drei bis fünf Jahren sollten wir wissen, welches Potenzial die Vesikel haben», sagt Weiss. Im besten Fall werden sie bei der Behandlung von Patient:innen mit Hirntumoren gleich mehrere Vorteile haben: Ein Bluttest ist für die Betroffenen weniger invasiv, lässt sich einfacher wiederholen, verursacht deutlich weniger Kosten als etwa eine Bildgebung, und der Krankheitsverlauf lässt sich damit besser überwachen.
Reperfusionsversagen
Prof. Dr. med. Susanne Wegener ist leitende Ärztin an der Klinik für Neurologie des Universitätsspitals Zürich. Neben ihrer klinischen Arbeit ist sie stark in der Forschung tätig. Einer ihrer Schwerpunkte ist das Reperfusionsversagen bei Schlaganfall.
S. Wegener: Die Therapie konzentriert sich stark auf die Akutphase. Wir können bei dem akuten Schlaganfall viel erreichen, indem wir bei dem ischämischen Schlaganfall versuchen, das verstopfte Gefäss wiederzueröffnen. Aber wir haben immer noch nicht alles erreicht und sehen bei vielen eine ungenügende Reperfusion des Hirngewebes trotz Akutbehandlungen. Das Thema ist aber auch interessant, weil es nicht nur Schlaganfall betrifft, sondern viele neurologische Erkrankungen, die an die Durchblutung gekoppelt sind. Man weiss, dass bei einigen Demenzen die Durchblutung bestimmter Hirnareale vermindert ist. Das merkt man nicht so stark wie bei einem Schlaganfall, aber auch hier könnte eine Behandlung, die auf eine bessere Durchblutung kleiner Gefässe abzielt, etwas erreichen.
S. Wegener: Es wird immer mehr in der Klinik akzeptiert, dass es den Reperfusionsschaden gibt. Früher hat man gedacht, das wäre nur ein Artefakt im Tiermodell. Es gibt nun eine bessere Bildgebung, die uns erlaubt, die Gefässe gut zu sehen und die Durchblutung zu erkennen. Der Wissensstand ist so, dass wir sehen, dass diese Blutgefässe, gerade auch die Umgehungskreisläufe, die Kollateralen, individuell sehr unterschiedlich angelegt sind. Diese Kollateralen sind extrem wichtig dafür, wie gut Patient:innen auf die Therapie ansprechen. Der Wissensstand geht dahin, dass wir immer besser verstehen, bei wem die Gefahr hoch ist, dass es zum Reperfusionsschaden kommt. Bei Medikamenten sind wir noch in der Grundlagenforschung. Da gibt es einige Kandidaten, von denen wir wissen, dass sie die Durchblutung der kleinen Gefässe verbessern. Hier ist der Fokus auch auf dem sogenannten Inflammasom, also den entzündlichen Veränderungen im Blut und im Nervensystem, die schnell bei einem Schlaganfall angestossen werden. Diese Prozesse tragen wahrscheinlich dazu bei, dass die kleinen Blutgefässe nicht richtig durchblutet werden. Früher dachte man, Inflammation tritt erst ein paar Tage nach einem Schlaganfall auf. Aber wir verstehen immer mehr, dass das bereits früh ein Problem darstellt.
Spezialisierte Zentren und Sprechstunden
Die Neurologische Klinik am USZ bietet spezialisierte Zentren und Sprechstunden für verschiedene neurologische Erkrankungen an, darunter:
- Zentrum für neuromuskuläre Erkrankungen: Geleitet von Prof. Dr. Hans Jung, Facharzt für Neurologie. Er hat Erfahrung in der Behandlung von Patient:innen mit Neuropathie, insbesondere mit Neuropathie bei Amyloidose.
- Neuroimmunologische Sprechstunde: Hier werden Patienten mitAutoimmunerkrankungen des Nervensystems betreut.
- Schwindelsprechstunde
- Neuroonkologische Sprechstunde
- Kopfschmerzsprechstunde
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