Bienengifttherapie bei Parkinson: Eine vielversprechende Begleittherapie?

Honig und Bienenprodukte sind seit Jahrtausenden fester Bestandteil der Medizin in vielen Kulturen. Die Apitherapie, der medizinische Einsatz von Honig und anderen Bienenprodukten, gewinnt auch hierzulande immer mehr an Bedeutung. Neben Honig werden häufig Propolis, Gelée Royale, Pollen und Bienengift in Rezepturen verwendet. Insbesondere Bienengift wird traditionell bei verschiedenen Erkrankungen eingesetzt, darunter Multiple Sklerose, Arthritis, Arthrose, chronische Schmerzen und die Parkinson-Krankheit.

Was ist Apitherapie?

Apitherapie leitet sich vom lateinischen Wort „apis“ für „Biene“ und dem griechischen Ausdruck „θεραπεία“ („therapeia“) für „dienen, Pflege der Kranken“ ab. Es umfasst die Verwendung von Bienenprodukten und -sekreten zu therapeutischen Zwecken. Dazu gehören Honig, Pollen, Gelée Royale, Propolis und Bienengift. Diese Produkte werden oft in Kombination eingesetzt und können je nach zu behandelnder Erkrankung mit anderen Zutaten, insbesondere ätherischen Ölen, gemischt werden.

Historischer Hintergrund der Bienengifttherapie

Die Verwendung von Bienengift zu therapeutischen Zwecken hat eine lange Tradition. Schon im alten Ägypten, Griechenland und China wurde Bienengift zur Behandlung verschiedener Beschwerden eingesetzt. Hippokrates, der als "Vater der Medizin" gilt, erkannte die heilende Wirkung von Bienengift bei der Behandlung von Arthritis und anderen Gelenkproblemen.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Bienengifttherapie in verschiedenen Kulturen weiterentwickelt. Im antiken Griechenland verwendete Galenus tote Bienen, die er mörserte und mit Honig vermischte, um sie als Haarwuchsmittel einzusetzen. In der Volksheilkunde verschiedener Länder ist die Therapie mit Bienengift seit vielen Jahrtausenden bekannt. Früher mussten Kranke mit chronischen Gelenkschmerzen eine Hand in den Bienenstock stecken, um die Bienen zum Stechen zu provozieren.

Die modernere Erforschung der Apitherapie begann im 19. Jahrhundert mit den Bemühungen des österreichischen Arztes Philip Tertz, der 1888 seinen "Bericht über den ungewöhnlichen Zusammenhang zwischen Bienenstichen und Rheumatismus" veröffentlichte. Bodog Beck brachte die Apitherapie in die USA, und Charles Mraz trug zur Popularität der Apitherapie im 20. Jahrhundert bei.

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Die Gewinnung von Bienengift

Bienengift wird im Giftapparat der Honigbiene produziert, der aus den Giftdrüsen, der Giftblase und dem Stachel besteht. Um Bienengift zu sammeln, werden heute normalerweise Drahtstromfallen verwendet. Die Bienen werden dabei mit einem minimalen Reizstrom konfrontiert, woraufhin sie Bienengift abgeben. Im Gegensatz zum Stechen bleiben die Bienen bei dieser Methode am Leben.

Zusammensetzung und Wirkung von Bienengift

Bienengift enthält mindestens 18 pharmakologisch wirksame Komponenten. Der Hauptwirkstoff ist Melittin, ein Eiweißstoff, der gegen Bakterien wirksam ist, die Gefäße erweitert und so den Blutdruck senkt. Melittin kann auch die Blutgerinnung hemmen. Es ist das stärkste Allergen aus dem Bienengift.

Weitere Bestandteile des Bienengifts sind Apamin, Adolapin, Phospholipase A2 und Hyaluronidase. Diese Stoffe tragen zur entzündungshemmenden, schmerzlindernden und immunmodulierenden Wirkung des Bienengifts bei.

Bienengifttherapie bei Parkinson

Die Parkinson-Krankheit ist eine neurodegenerative Erkrankung, bei der es zu einem Mangel an Dopamin im Gehirn kommt. Dies führt zu den typischen Parkinson-Symptomen wie Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit (Rigidität), Verlangsamung der Bewegungsabläufe (Bradykinesie) und Gleichgewichtsstörungen.

Einige naturheilkundliche Erfahrungen deuten darauf hin, dass Bienengift bei neurologischen Erkrankungen wie Parkinson positive Effekte haben könnte. Eine Untersuchung mit Parkinson-Kranken zeigte vor einigen Jahren positive Ergebnisse sowohl für Akupunktur als auch für Bienengiftakupunktur.

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Eine neuere Studie untersuchte die kombinierte Anwendung von Akupunktur und Bienengiftakupunktur bei Patienten mit idiopathischer Parkinson-Krankheit. Bei der Bienengiftakupunktur wird Bienengift in Akupunkturpunkte gespritzt. Die Studie wurde mit elf Parkinson-Patienten durchgeführt, die zwölf Wochen lang zweimal wöchentlich Bienengiftinjektionen und Akupunktur an zehn Akupunkturpunkten als Begleittherapie erhielten.

Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass die Patienten nach zwölf Wochen schneller gehen konnten, weniger im Alltag eingeschränkt waren und weniger Bewegungsstörungen hatten. Diese Veränderungen waren statistisch signifikant. Die Autoren schlussfolgerten, dass die kombinierte Behandlung mit Akupunktur und Bienengiftakupunktur eine vielversprechende Begleittherapie für Parkinson-Patienten sein kann.

Anwendungsgebiete der Apitherapie

Neben der Behandlung von Parkinson wird die Apitherapie traditionell bei einer Vielzahl von Erkrankungen eingesetzt, darunter:

  • Atemwegserkrankungen
  • Erkrankungen der Augen
  • Bindegewebs-, Muskel- und Skelettsystemerkrankungen
  • Nervensystemerkrankungen (z. B. Multiple Sklerose, Myelitis, Neuritis, Polyradikuloneuritis)
  • Erkrankungen des Verdauungssystems (z. B. hypoazide Gastritis, Kolitis)
  • Harnwegsinfektionen
  • Hauterkrankungen
  • Rheumatische Erkrankungen und Gelenkprobleme (Arthritis, Arthrose, Gicht, Tendinitis)
  • Chronische Wunden
  • Chronische Schmerzen
  • Herpes zoster
  • Immunschwäche
  • Augen-Uveitis
  • Neurologische Spasmen
  • Borreliose

Risiken und Kontraindikationen

Für Menschen mit einer Allergie gegenüber Bienengift ist die Therapie mit Bienengift ungeeignet. Ein Risiko besteht darin, dass Patienten nicht über ihre Allergie Bescheid wissen. Daher sind hohe Sicherheitsanforderungen an diese Therapieform zu stellen.

Fazit

Die Bienengifttherapie ist eine vielversprechende alternative oder ergänzende Behandlungsmethode für verschiedene Erkrankungen, insbesondere für Parkinson. Studien deuten darauf hin, dass Bienengiftakupunktur in Kombination mit Akupunktur die Symptome von Parkinson-Patienten lindern und ihre Lebensqualität verbessern kann. Es ist jedoch wichtig, dass die Bienengifttherapie nur von qualifizierten Therapeuten durchgeführt wird und dass die Patienten über mögliche Risiken und Kontraindikationen aufgeklärt werden.

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Methylglyoxal (MGO) und seine Bedeutung

Methylglyoxal (MGO) ist ein Stoff, der natürlicherweise im Zuckerstoffwechsel des Körpers entsteht. Obwohl es als unerwünschtes Nebenprodukt gilt, besitzt MGO auch antibakterielle Eigenschaften, die es für die Naturmedizin interessant machen. Honig enthält teilweise beachtliche MGO-Gehalte, die gezielt genutzt werden. Während MGO im Honig vor Keimen schützt, kann ein Überschuss im Körper Zellen schädigen. Eine antioxidantienreiche Ernährung kann dazu beitragen, den MGO-Spiegel im Körper zu regulieren.

Weitere Bienenprodukte und ihre Anwendungen

Neben Bienengift und Honig bieten auch andere Bienenprodukte vielfältige gesundheitliche Vorteile. Propolis schützt das Immunsystem sowie Leber und Nieren. Gelée Royale stärkt das Herz-Kreislauf-System und beugt Virusinfektionen vor. Perga ist ein gesunder Energiesnack.

Die Rolle von Honig in der Apitherapie

Honig ist nicht nur ein süßer Genuss, sondern auch ein wertvolles Heilmittel. Er wird seit Jahrtausenden in der Medizin eingesetzt, beispielsweise zur Wundbehandlung. Studien belegen die antibakterielle, antioxidative und antimikrobielle Wirkung von Honig, auch bei diabetischen Wunden.

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