Bilharziose: Neurologische Komplikationen, Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Bilharziose, auch Schistosomiasis genannt, ist eine parasitäre Infektionskrankheit, die durch Trematoden der Gattung Schistosoma verursacht wird. Diese Krankheit betrifft Menschen in tropischen und subtropischen Regionen und stellt ein bedeutendes Gesundheitsproblem dar. Übertragen durch kontaminiertes Wasser, kann sie zu Fieber, Hautausschlag und langfristig zu Organschäden führen, einschließlich schwerwiegender neurologischer Komplikationen.

Einführung in die Bilharziose

Die Bilharziose ist nach Malaria die zweithäufigste Parasitenerkrankung weltweit. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind mehr als 200 Millionen Menschen infiziert, wobei jährlich etwa 20.000 bis 200.000 Todesfälle auf diese Krankheit zurückgeführt werden. Die Erreger, Schistosoma-Parasiten, durchlaufen einen komplexen Lebenszyklus, der sowohl Süßwasserschnecken als auch den Menschen als Wirte einschließt.

Ätiologie und Lebenszyklus der Schistosomen

Die Bilharziose wird durch verschiedene Spezies von Schistosoma verursacht, darunter S. mansoni, S. haematobium, S. japonicum, S. mekongi und S. intercalatum. Der Lebenszyklus dieser Parasiten ist komplex und umfasst mehrere Stadien.

  1. Ausscheidung der Eier: Die Eier der Schistosomen werden mit dem Urin oder Stuhl infizierter Personen ausgeschieden. Gelangen diese Exkremente in Süßgewässer, schlüpfen aus den Eiern Mirazidien.
  2. Infektion der Schnecken: Die Mirazidien infizieren bestimmte Süßwasserschnecken, in denen sie sich zu Zerkarien entwickeln.
  3. Freisetzung der Zerkarien: Die Zerkarien werden von den infizierten Schnecken ins Wasser freigesetzt.
  4. Infektion des Menschen: Beim Kontakt mit kontaminiertem Süßwasser dringen die Zerkarien durch die Haut in den menschlichen Körper ein.
  5. Entwicklung zu adulten Würmern: Im menschlichen Körper wandeln sich die Zerkarien in Schistosomula um und entwickeln sich in den Blutgefäßen zu adulten Würmern.
  6. Eiablage: Die adulten Würmer wandern zu verschiedenen Organen und legen Eier, die Entzündungen und Gewebeschäden verursachen.

Verbreitung und Risikogruppen

Die Bilharziose ist hauptsächlich in Afrika südlich der Sahara verbreitet, kommt aber auch in Teilen von Südamerika, dem Nahen Osten und Asien vor. Besonders gefährdet sind Menschen in ländlichen Gebieten mit begrenztem Zugang zu sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen. Kinder und junge Erwachsene sind aufgrund häufigerer Kontakte mit Flüssen und Seen ebenfalls stärker gefährdet.

Einige Beispiele für betroffene Regionen und Risikofaktoren:

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  • Afrika: Viele Länder südlich der Sahara sind stark betroffen, wobei der Mangel an sauberem Wasser und sanitären Einrichtungen die Ausbreitung der Krankheit begünstigt.
  • Südamerika: Brasilien und Venezuela weisen ebenfalls hohe Infektionsraten auf, insbesondere in Regionen mit schlechten sanitären Bedingungen.
  • Korsika: In den Jahren 2011 bis 2013 kam es im Fluss Cavu zu einer Häufung von Bilharziose-Fällen, was auf eine Einschleppung des Erregers hindeutet.
  • Reisende: Touristen, die in Risikogebieten in Süßgewässern baden, sind ebenfalls gefährdet.

Symptome der Bilharziose

Die Bilharziose kann in verschiedenen Phasen unterschiedliche Symptome hervorrufen. Diese lassen sich in akute und chronische Phasen unterteilen.

Akute Phase (Katayama-Fieber)

Die akute Phase, auch Katayama-Fieber genannt, tritt einige Wochen nach der Infektion auf und äußert sich durch systemische Reaktionen auf die wandernden und sich entwickelnden Schistosomenlarven. Typische Symptome sind:

  • Fieber
  • Urtikaria (Nesselsucht)
  • Eosinophilie (erhöhte Anzahl eosinophiler Granulozyten im Blut)
  • Myalgie (Muskelschmerzen)
  • Kopfschmerzen
  • Husten

Chronische Phase

Die chronische Phase der Bilharziose entwickelt sich über Monate oder Jahre und manifestiert sich je nach betroffener Schistosomen-Art und Organ.

Intestinale Schistosomiasis

Die intestinale Schistosomiasis, verursacht durch Schistosoma japonicum, Schistosoma mekongi, Schistosoma mansoni und Schistosoma intercalatum, betrifft den Darm und kann folgende Symptome verursachen:

  • Bauchschmerzen
  • Diarrhö
  • Blut im Stuhl
  • Hepatosplenomegalie (Vergrößerung von Leber und Milz)

Mögliche Komplikationen sind chronische Darmblutungen, Leberfibrose und portale Hypertension.

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Urogenitale Schistosomiasis

Die urogenitale Schistosomiasis, hauptsächlich durch Schistosoma haematobium verursacht, betrifft die Harnwege und kann folgende Symptome hervorrufen:

  • Hämaturie (Blut im Urin)
  • Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen)
  • Blasenschmerzen

Langfristige Komplikationen sind Blasenfibrose, Hydronephrose und ein erhöhtes Risiko für Harnblasenkarzinome. Bei Frauen kann es zu gynäkologischen Komplikationen wie Unfruchtbarkeit kommen.

Neurologische Komplikationen der Bilharziose

In seltenen, aber schwerwiegenden Fällen kann die Bilharziose neurologische Komplikationen verursachen. Diese treten auf, wenn Schistosomeneier in das zentrale Nervensystem (ZNS) gelangen und dort Entzündungen und Schäden verursachen. Die neurologischen Manifestationen können vielfältig sein und umfassen:

  • Myelopathie: Schädigung des Rückenmarks, die zu Schwäche, Sensibilitätsstörungen und Lähmungen führen kann.
  • Enzephalopathie: Entzündung des Gehirns, die sich durch Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampfanfälle und Bewusstseinsstörungen äußern kann.
  • Zerebrale Schistosomiasis: Ablagerung von Schistosomeneiern im Gehirn, die zu fokalen neurologischen Defiziten wie Hemiparese (Halbseitenlähmung) oder Aphasie (Sprachstörung) führen kann.
  • Radikulomyelitis: Entzündung der Nervenwurzeln und des Rückenmarks, die zu Schmerzen, Schwäche und Sensibilitätsverlust führen kann.
  • Hirninfarkt: Selten kann es durch die Bilharziose zu einem Hirninfarkt kommen, der zu plötzlichen neurologischen Ausfällen führt.

Die neurologischen Komplikationen der Bilharziose sind oft schwer zu diagnostizieren, da sie unspezifische Symptome verursachen können und andere neurologische Erkrankungen imitieren können. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind jedoch entscheidend, um irreversible Schäden zu verhindern.

Diagnose der Bilharziose

Die Diagnose der Bilharziose umfasst verschiedene Methoden, die je nach Phase der Infektion eingesetzt werden.

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  • Anamnese und körperliche Untersuchung: Eine detaillierte Anamnese, die Aufenthalte in Risikogebieten und Süßwasserkontakte erfasst, ist entscheidend. Bei der körperlichen Untersuchung können eine vergrößerte Leber oder Milz auffallen.
  • Blutuntersuchungen: In den frühen Wochen der Infektion können erhöhte Werte eosinophiler Granulozyten im Blut festgestellt werden. Zudem kann im Blut nach spezifischen Antikörpern gegen die Parasiten gesucht werden.
  • Stuhl- und Urinuntersuchungen: Wenige Wochen nach der Ansteckung sind Eier der Bilharziose-Erreger direkt im Stuhl oder Urin von Patienten nachweisbar.
  • Bildgebende Verfahren: Ultraschalluntersuchungen, Magnetresonanztomografie (MRT) oder Computertomografie (CT) können Organschäden aufzeigen.
  • Endoskopische Untersuchungen: Darm- oder Blasenspiegelungen können zur Diagnose und Beurteilung der Schädigung der betroffenen Organe eingesetzt werden.
  • Molekulargenetische Untersuchung (PCR): In der frühen Phase der Infektion kann eine PCR-Untersuchung das Erbgut des Erregers nachweisen.

Behandlung der Bilharziose

Die Behandlung der Bilharziose zielt darauf ab, die Parasiten abzutöten und die Symptome zu lindern. Das Mittel der Wahl ist Praziquantel, ein Antihelminthikum, das die Muskulatur der Schistosomen lähmt und so ihren Tod verursacht.

Praziquantel

Praziquantel wird in der Regel oral eingenommen. Die Dosierung richtet sich nach dem genauen Erregertyp und dem Schweregrad der Infektion. In den meisten Fällen reicht eine einmalige Gabe aus, aber bei schwereren Infektionen oder bestimmten Erregertypen kann eine mehrtägige Behandlung erforderlich sein.

Kortikosteroide

Bei schweren Symptomen, insbesondere in der akuten Phase oder bei neurologischen Komplikationen, können Kortikosteroide eingesetzt werden, um die Immunreaktion zu unterdrücken und Entzündungen zu reduzieren.

Supportive Therapie

Zusätzlich zur antiparasitären Behandlung können supportive Maßnahmen erforderlich sein, um die Symptome zu lindern und Komplikationen zu behandeln. Dazu gehören:

  • Schmerzmittel: zur Linderung von Schmerzen
  • Antiemetika: zur Behandlung von Übelkeit und Erbrechen
  • Flüssigkeitszufuhr: zur Vorbeugung von Dehydration bei Durchfall
  • Chirurgische Eingriffe: in seltenen Fällen zur Behandlung von Komplikationen wie Darmverschluss oder Harnleiterverengung

Behandlung neurologischer Komplikationen

Die Behandlung neurologischer Komplikationen der Bilharziose erfordert eine multidisziplinäre Herangehensweise, die die antiparasitäre Therapie mit Praziquantel, Kortikosteroide zur Reduktion der Entzündung und supportive Maßnahmen zur Linderung der Symptome umfasst. In einigen Fällen kann eine chirurgische Dekompression des Rückenmarks erforderlich sein, um neurologische Schäden zu minimieren.

Prävention der Bilharziose

Die Prävention der Bilharziose umfasst Maßnahmen zur Reduzierung des Kontakts mit kontaminiertem Süßwasser und zur Verbesserung der sanitären Bedingungen.

  • Vermeidung von Süßwasserkontakt: In Risikogebieten sollte der Kontakt mit stehendem oder langsam fließendem Süßwasser vermieden werden.
  • Schutzkleidung: Wenn der Kontakt mit Wasser unvermeidlich ist, sollte geschlossene Schutzkleidung getragen werden.
  • Sicheres Trinkwasser: Trinkwasser sollte abgekocht, gechlort oder gefiltert werden.
  • Hygienemaßnahmen: Gute sanitäre Einrichtungen und Hygienepraktiken sind entscheidend, um die Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.
  • Aufklärung: Die Bevölkerung sollte über die Risiken und Präventionsmaßnahmen der Bilharziose aufgeklärt werden.
  • Bekämpfung der Schnecken: In einigen Gebieten werden Maßnahmen zur Bekämpfung der Süßwasserschnecken eingesetzt, die als Zwischenwirte dienen.

Prognose und Langzeitfolgen

Die Prognose der Bilharziose hängt von der Schwere der Infektion und dem Zeitpunkt der Behandlung ab. Frühzeitig erkannte und behandelte Infektionen haben in der Regel eine gute Prognose. Unbehandelte oder spät erkannte Infektionen können jedoch zu schweren Organschäden und langfristigen Komplikationen führen, einschließlich:

  • Leberfibrose und portale Hypertension: Diese Komplikationen können zu Ösophagusvarizen, Aszites und Leberversagen führen.
  • Blasenfibrose und Hydronephrose: Diese Komplikationen können zu chronischer Niereninsuffizienz und einem erhöhten Risiko für Blasenkrebs führen.
  • Neurologische Schäden: Neurologische Komplikationen können zu bleibenden neurologischen Defiziten führen.
  • Unfruchtbarkeit: Bei Frauen kann die Bilharziose zu Entzündungen der Eileiter und Unfruchtbarkeit führen.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen nach der Behandlung sind wichtig, um sicherzustellen, dass die Infektion vollständig beseitigt wurde und keine Spätkomplikationen auftreten.

Aktuelle Forschung und Ausblick

Die Forschung zur Bilharziose konzentriert sich auf die Entwicklung neuer und wirksamerer Medikamente, die Verbesserung der Diagnosemethoden und die Entwicklung von Impfstoffen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Verbesserung der sanitären Bedingungen und der Aufklärung der Bevölkerung in Risikogebieten.

Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, die Bilharziose bis 2030 auszurotten. Dieses Ziel erfordert jedoch verstärkte Anstrengungen in den Bereichen Prävention, Diagnose und Behandlung sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen internationalen Organisationen, Regierungen und lokalen Gemeinschaften.

Bilharziose auf Korsika: Ein besonderer Fall

Die Bilharziose-Fälle im Fluss Cavu auf Korsika in den Jahren 2011 bis 2013 verdeutlichen, dass die Krankheit auch in Regionen auftreten kann, in denen sie zuvor nicht endemisch war. Die Einschleppung des Erregers in den Cavu, vermutlich durch infizierte Personen, die im Fluss badeten, führte zu einer Reihe von Infektionen bei Touristen. Dieser Fall unterstreicht die Bedeutung von Wachsamkeit und Präventionsmaßnahmen, auch in Regionen, die als risikoarm gelten.

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